Schon gewusst? Ökostrom ist günstig!

Schon gewusst? Ökostrom ist günstig!
5 (100%) 5 Stimmen

Ökostrom ist günstiger als gedacht

Quelle: braverabbit/fotolia.com

Kaum zu glauben, aber nicht alles was man so hört, stimmt auch wirklich. Den einen oder anderen mag das schockieren, dennoch hat bisher niemand das Monster von Loch Ness gefunden. Und was ist mit dem vermeintlichen Luxusgut Ökostrom? Man hört ja immer, dass der so teuer sein soll. Wer daran festhalten möchte, dem wollen wir seine Illusion ungern zerstören. Alle anderen sollten jetzt aber aufmerksam weiterlesen und mit Ökostrom Geld sparen!

Es erscheint so konträr zur üblichen Lebenserfahrung, dass etwas tatsächlich umweltfreundlich und günstig zugleich ist. Ökostrom schafft diesen Spagat. Sie möchten „grünen Strom“ aus erneuerbaren Energien beziehen, um die Umwelt zu schonen und einen Beitrag für eine saubere Zukunft zu leisten? Kein Problem und erhebliche Kostenersparnisse gibt es gratis dazu! Es besteht aber auch kein Grund zur Reue, wenn man sich eigentlich nur für den günstigsten Strom interessiert, denn die Umweltverträglichkeit ist ja inklusive.

Trotzdem sind die Meinungen zum Ökostrom gespalten und das nicht einmal grundlos. Wer sich nicht näher mit der Materie beschäftigt, für den taucht auf der Stromrechnung nur die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf. Da ist der Ärger natürlich vorprogrammiert, denn heutzutage besteht die Hälfte des Strompreises tatsächlich nur noch aus Steuern und Abgaben. Der logische (aber falsche!) Schluss ist für viele: Erneuerbare Energien machen den Strom unnötig teuer! Oft auch nur im Affekt, wünscht sich so mancher eine Blüte der Atomkraft zurück.

Darum ist der Strom aktuell so teuer

In einer Studie vom BWE und Greenpeace Energy wurden die gesamtgesellschaftlichen Kosten der heutigen Stromerzeugung untersucht. Im Klartext bedeutet das: Was kostet Atomstrom wirklich, wenn Steuergelder für die Beseitigung von Umweltschäden verwendet werden müssen? Oder wie teuer ist Stromerzeugung mit Braunkohle tatsächlich, wenn durch den Tagebau riesige Landschaften auf unbestimmte Zeit unbewohnbar bleiben? Berücksichtigt wurden dabei insgesamt Faktoren wie Rohstoffpreise, Subventionierungen und nachträgliche Kosten für Umweltschäden.

stromkosten-gesamtgesellschaftlich

Aus der Grafik lässt sich erkennen, dass eine Kilowattstunde aus Erdgas, Windenergie oder Wasserkraft in der Realität am günstigsten ist. Entscheidend ist hier vor allem die Umweltfreundlichkeit, da bei der Stromerzeugung keine Kosten für Abfallentsorgung entstehen. Zudem sind bei Atomenergie, Braunkohle und Steinkohle deutliche Preissteigerungen seit 2010 zu beobachten. Photovoltaikanlagen stechen in dieser Grafik sehr heraus, da sie erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit zur Stromerzeugung beitragen. Die aktuell hohen Kosten entstehen hauptsächlich durch die benötigten Investitionen in diese Technik. Stetige Verbesserungen dieser Technologie sorgten aber seit 2010 für erhebliche Einsparungen bei den Kosten für Stromerzeugung, weshalb sich dieser Trend bei Photovoltaikanlagen auch in Zukunft fortsetzen wird.

Erneuerbare Energien sind nicht das Übel

Schaut man sich einmal die empirischen Daten an, so wird schnell deutlich, dass die erneuerbaren Energien nicht das wahre Übel sind. Richtig ist zwar, dass im Bereich der Steuern und Abgaben, die EEG-Umlage mit rund 18 Prozent den größten Anteil des Strompreises ausmacht, dennoch ist dies nur die halbe Wahrheit.

Die EEG-Umlage soll den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern, um Produzenten von Ökostrom eine Abnahmegarantie, sowie einen fixen Vergütungssatz bieten zu können. Damit diese Investitionsanreize finanzierbar bleiben, wird der Ökostrom ab 2014 mit 6,24 Cent pro Kilowattstunde subventioniert. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit sind viele Unternehmen derzeit von der EEG-Umlage befreit. Wird diese Regelung in Zukunft verschärft, so sinkt die EEG-Umlage wieder für den Endverbraucher. Der finale Preis steht in jedem Fall gesondert auf der Stromrechnung und sorgt seitens der Verbraucher deshalb oft für Ärger.

Atomstrom und Co werden ebenfalls subventioniert

Wer denkt, dass herkömmliche Energieträger nicht subventioniert würden, der irrt gewaltig. Tatsächlich erhält der Strom aus Kohle, Gas und Atomenergie ebenfalls Subventionierungen, die aber zunächst gar nicht auf der Stromrechnung auftauchen. Hinzu kommen externe Kosten, die durch verursachte Umweltschäden entstehen und im Endeffekt vom Steuerzahler übernommen werden müssen.

Berücksichtigt man daher alle entscheidenden Faktoren, so ergibt sich ein vollkommen anderes Bild vom „teuren Ökostrom“.Da sich über die tatsächlichen Kosten eines Atommüllendlagers keine genaue Aussage treffen lässt, kann beim Atomstrom im Extremfall sogar mit 42 Cent pro Kilowattstunde gerechnet werden. Strom aus Photovoltaikanlagen ist zurzeit noch recht teuer, das Preisniveau sinkt jedoch stetig, da sich diese Methode immer stärker etabliert. Ebenfalls muss bei der Auswertung bedacht werden, dass die herkömmlichen Energieträger in naher Zukunft erschöpft sein werden und die Verknappung enorme Preissteigerungen hervorrufen wird.

Es ließe sich nun behaupten, dass diese Berechnung sehr um die Ecke gedacht ist und an der Realität vorbei geht. Selbst wenn man einmal die fatale und kostenschwere Umweltverschmutzung durch Atom- und Kohlekraftwerke ignoriert, ist der Ökostrom am Ende trotzdem günstiger. Und wer schon für die EEG-Umlage bezahlt, der sollte auch von preiswerten Stromkosten profitieren können.

Darum ist Ökostrom auf Dauer günstiger

Im allgemeinen Städtevergleich zeigt sich, dass aktuell in 89 Prozent der Fälle mindestens ein Ökostromanbieter günstiger ist,  als ein vergleichbarer Grundversorger.

  • Ökostrom ist günstiger, weil keine Abfallprodukte entsorgt werden müssen.
  • Die EEG-Umlage garantiert eine stabile Preisentwicklung.
  • Verfahren zur Gewinnung von Ökostrom werden stetig verbessert.
  • Herkömmliche Energiegewinnung wird sich in Zukunft drastisch verteuern.

Von welchen Ökostrom-Anbietern sollte man die Finger lassen?

Steigende Strompreise

Quelle: Eisenhans/fotolia.com

Leider hat auch der Markt für erneuerbare Energien seine schwarzen Schafe. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Stromanbieter, die mit Discountpreisen werben, diese aber nicht langfristig für reinen Ökostrom garantieren können. Damit das Geschäftsmodell trotzdem funktioniert, werden die Kunden in dubiose Knebelverträge verwickelt, oder es wird schlichtweg gar kein echter Ökostrom aus erneuerbaren Energien geliefert.

Bei letzterer Methode ist es tatsächlich möglich, günstigen Atomstrom unter dem Deckmantel der Umweltfreundlichkeit zu verkaufen.Das Schlupfloch für derlei Machenschaften bildet das Renewable Energy Certificate System (RECS). Diese Zertifikate werden an echte Produzenten von Ökostrom vergeben und können dann aber problemlos an andere Stromanbieter verkauft werden. Auf diese Weise lässt sich Atomstrom leicht „grün waschen“. Sicherheitshalber sollte man daher bei Strom aus erneuerbaren Energien nicht nur auf das RECS Zertifikat achten.

Was zeichnet wirklich grünen Ökostrom aus?

Es klingt vielleicht banal, aber guter, grüner Ökostrom muss tatsächlich nur aus erneuerbaren Energien bestehen. Neben den RECS Zertifikaten existieren noch die ok-Power, GSL und TÜV Label für Ökostrom. Sie alle geben jedoch nicht hundertprozentige Sicherheit, dass man tatsächlich Strom aus erneuerbaren Energien bekommt. Wer kein Risiko eingehen möchte, der sollte ausschließlich Strom mit dem GSL-Gold Label beziehen. Hier ist gewährleistet, dass man wirklich echten Ökostrom kauft. Darüber hinaus, war GSL-Gold-Strom in keinem Verbrauchertest teurer als andere Varianten.

Fazit

Selbst durchweg grüner Ökostrom ist in fast allen Städten günstiger als der Grundversorger. Um dabei keinem Betrüger aufzusitzen, sollte man nur Anbieter mit GSL-Gold Zertifikat auswählen. Polarstern, EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom sind verlässliche Lieferanten für sauberen Ökostrom. Wer bei den Stromkosten sparen will, sollte sich also einmal bei den lokalen Anbietern von Ökostrom umschauen.

Geschrieben von: Philipp Kloth

Share Button

Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.