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Der Gründer im Handwerk: Wie werde ich unterstützt?

Der Gründer im Handwerk: Wie werde ich unterstützt?
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Herr Dr. Morgenstern ist Projektleiter des RKW Kompetenzzentrums, einer gemeinnützigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in Eschborn. Der Physiker und sein Team bieten eine Workshop-Reihe mit dem Titel „Startups meet Mittelstand“ an.

Im letzten Jahr hat er mit seinem Projekt ,,Energiegründer“ auf der gleichnamigen Website innovative Ideen und Strategien von Personen aus ganz Deutschland vorgestellt. Wir von energieheld haben Dr. Morgenstern im Rahmen unserer Interview Reihe #Gründen gefragt, wie Gründer im Handwerk unterstützt werden und welche Herausforderungen sie sich in Zukunft stellen müssen.

Inhalt:

Warum am Workshop teilnehmen?

Mekalan Neelavan (energieheld): Sehr geehrter Herr Dr. Morgenstern, vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Eine allgemeine Frage zu Beginn: Welches Ziel verfolgt Ihr Workshop?

Dr. Kai Morgenstern (RKW Kompetenzzentrum): Wir möchten vor allem kleinen mittelständischen Unternehmen zeigen, wie Startups arbeiten und wie man sich der Methoden, die sie benutzen, selbst bedienen kann, um innovative Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Mekalan Neelavan (energieheld): Wie sind Sie dazu gekommen einen Workshop anzubieten?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wir beschäftigen uns viel mit dem Thema Gründerökosystem – dabei geht es darum, Gründer und auch alle Akteure, die sich um Gründer kümmern, mit ihnen zusammenarbeiten oder sie ausbilden, zu vernetzen, damit Ideen und Know-How möglichst ungehindert weitergegeben werden können. Dabei haben wir gemerkt, dass bei vielen Unternehmen ein diffuses Gefühl herrscht, „was mit Startups“ machen zu müssen. Mit unserem Workshop möchten wir Mittelständler und Startups zusammenbringen und zeigen, wie eine Zusammenarbeit praktisch aussehen kann.

Mekalan Neelavan (energieheld): Was zeichnet den Workshop aus?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wir versuchen nur ein Minimum an „Frontalunterricht“ zu machen. Die Teilnehmer sollen selbst mit Tools wie dem Business Model ,,Canvas“ arbeiten oder sich für vorbereiteten Test-Fälle ein ,,Minimum Viable Product“ ausdenken, also eine Produktversion, mit der man Testen kann, ob Kunden die eigene Idee auch wirklich gut finden.

Sollten auch Gründer im Handwerk am Workshop teilnehmen?

Mekalan Neelavan (energieheld): Warum sollten insbesondere Gründer im Handwerk das Angebot wahrnehmen?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wir möchten zeigen, wie die Digitalisierung Geschäftsmodelle verändert und neue Möglichkeiten schafft – das betrifft natürlich auch das Handwerk.

Mekalan Neelavan (energieheld): Was können Gründer im Handwerk vom Workshop erwarten?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wir wollen Ihnen die Gelegenheit geben, an konkreten Problemstellungen zu arbeiten und sich auch ihr eigenes Geschäft anzusehen, um z.B. zu erkunden, wo neue Vertriebswege genutzt werden können oder wie Geschäftsprozesse sinnvoll digitalisiert werden können.

Mekalan Neelavan (energieheld): Nicht jeder hat die Zeit oder Möglichkeit an dem Workshop teilnehmen zu können. Daher meine Frage: Bieten Sie oder das RKW zusätzliche Beratungen speziell für Gründer im Handwerk an?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wir vom RKW Kompetenzzentrum sind eher als Impulsgeber unterwegs. Neben den Workshops bereiten wir Praxisbeispiele auf und erstellen Handlungsleitfäden, z.B. zu Energie- und Ressourceneffizienz. Die Beratung von Gründern übernehmen unsere Landesgesellschaften.

Mekalan Neelavan (energieheld): Können Sie von einem Gründer im Handwerk berichten, der bereits positive Erfahrungen gemacht hat?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk Es gibt inzwischen viele Betriebe, die konsequent digitalisieren: KOLORAT bietet z.B. einen Online-Konfigurator für Wandfarbe an. Oder nehmen Sie Keks-Kreator, das ist ein Bäcker, der individualisierte Backwaren in Kleinstserien herstellt.

Das Handwerk muss sich vielen Herausforderungen stellen

Das Handwerk muss sich vielen Herausforderungen stellen | © lppicture / pixabay.com / CC0

Welche Herausforderungen gibt es?

Mekalan Neelavan (energieheld): Welchen anfänglichen Herausforderungen müssen sich Gründer im Handwerker stellen, um erfolgreich als Unternehmer durchstarten zu können?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Wer im Handwerk neue Wege beschreitet, in dem er z.B. Online-Vertrieb nutzt oder innovative Produkte anbietet, sollte genau herausfinden, ob er auch tatsächlich ein Bedürfnis seiner Kunden adressiert – sonst sind u.U. viele Monate Entwicklungsarbeit für ein neues Produkt umsonst.

Mekalan Neelavan (energieheld): Wie kann man das machen?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): Die Idee, neue Produkte vor der Markteinführung mit Kunden zu testen ist ja überhaupt nicht neu, aber Startups haben hier unter dem Label „Minium Viable Product“ inzwischen systematisch Methoden entwickelt, um solche Tests durchzuführen. Neben der klassischen Beobachtung von Kundenreaktionen auf Prototypen gibt es auch noch andere Wege. Dafür muss noch gar kein Produkt vorhanden sein. Man kann z.B. in einem YouTube-Video die Produktfunktion vorstellen und die Reaktionen potenzieller Kunden sammeln, bevor die Produktion losgeht. Auch die Finanzierung von Entwicklungen über Crowd-Funding gehört in diese Kategorie.

Mekalan Neelavan (energieheld): Welche Aspekte der Digitalisierung wie zum Beispiel Projektmanagementsoftware sollten Gründer im Handwerk in Angriff nehmen, damit sie in Zukunft weiterhin wettbewerbsfähig bleiben?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk):  Natürlich sollte man seine Geschäftsprozesse effizient organisieren – und da kann eine Software sicher hilfreich sein. Wichtiger ist es aber, im Blick zu haben, wie sich Kundenbedürfnisse und Kundenverhalten durch die Nutzung von digitalen Tools verändern. Wo informieren sich meine Kunden? Welche Erwartungen haben sie an Servicequalität und Lieferzeiten?

Mekalan Neelavan (energieheld): Wie aufgeschlossen sollten Gründer im Handwerk bezüglich Innovationen sein?

Dr. Kai Morgenstern (Gründer im Handwerk): „Handwerk“ klingt im ersten Moment fast wie ein Gegensatz zu „Digitalisierung“. Und sicher sind Merkmale wie Kundennähe und Qualität, die das Handwerk auszeichnen, auch in erster Linie eine Frage der Einstellung, die ein Gründer mitbringt. Aber auch für das Handwerk gilt der Satz „Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.“ Sich nicht mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, ist heutzutage auch für traditionsbewusste Betriebe keine Option mehr.

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Philipp Kloth

Die Energiewende kann nur mit bürgernaher Aufklärung funktionieren. Dabei möchte ich mithelfen.