Desertec – grüner Strom aus der Wüste

Wüstenstrom in Marokko ersetzt fossile Brennstoffe

Sogar das arme und von Unruhen erschütterte Ägypten subventioniert fossile Rohstoffe mit 6 Milliarden Dollar im Jahr. Warum bloß? Nordafrika steht doch eine Energiequelle zur Verfügung, die schier grenzenlos ist. Die Sonne! Warum nicht die gewaltige Fläche der Sahara nutzen und eigenen Strom produzieren – Wüstenstrom.

Desertec_marokko

Desertec – Wüstenstrom wird Realität

Desertec Industrie Initiative kurz Dii, gegründet 2009, ist eine Industrieorganisation bestehend aus verschiedenen Partnerunternehmen (z.B. RWE, E.ON) aus 15 Ländern, die diese romantische Wüstenstrom-Idee wahr werden lassen wollen. Der Zusammenschluss, zu Desertec ist nötig geworden, da das europäische Vergütungssystem nicht dafür ausgelegt ist, den bestehenden Energiemix „grüner“ zu machen.

Desertec unterstützt Nordafrika und den Nahen Osten,  die natürlichen Gegebenheiten und die damit verbundenen noch nicht ausgeschöpften wirtschaftlichen Potentiale zu nutzen.  Die Staaten in den betreffenden Regionen haben sich zum Ziel gesetzt bis zum Jahre 2020, bis zu 50 Gigawatt erneuerbaren Strom zu produzieren.

Desertec in Marokko

Auch die deutsche  KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unterstützt die Desertec–Projekte. In marokkanischen Ouarzazate entstand für insgesamt ca. 600 Millionen Euro ein solarthermisches Großkraftwerk. Das solarthermische Großkraftwerk oder CSP (Concentrated Solar Power) erhitzt Öl oder Wasser und treibt damit Turbinen, die den Strom produzieren. Das CSP in Marokko hat eine Kapazität von 100 Megawatt. Dieses im Dezember 2013 umgesetzte Projekt wurde von der staatlichen KfW-Bank mit 140 Millionen Euro finanziert.

Warum? Die Bundesregierung erhofft sich dadurch ein Netzwerk von Solar- und Windparks, die bis 2050 in der Lage sein sollen, 20% des europäischen Strombedarfs zu decken.

Die Desertec gibt an, dass sich die Kapazitäten  im Bereich erneuerbare Energien bis 2015 von zur Zeit 1,7 Gigawatt auf 3,3 Gigawatt verdoppeln werden. Speziell für Marokko werden 2015, 1,7 Gigawatt erwartet.

Energiesituation in Marokko

  • Energieversorgung 2010: 30% erneuerbare Energien (4% Wind, 26% Wasserkraft) – 70% fossile Energieträger (17% Gas, 24% Öl und 28% Kohle)
  • Anteil des Stromimports vom gesamten Verbrauch 2008: 20%
  • Installierte erneuerbare Energien, ohne Wasserkraft: ca. 300 MW aus CSP, PV und Windkraft

Energie Marokko

Photovoltaikanlagen in Marokko

Nach dem marokkanischen Solarplan, der die Förderung von erneuerbaren Energien sicherstellen soll, werden bis 2020 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW in Betrieb genommen. Die PV-Anlagen werden auf 5 Standorte verteilt. Des Weiteren sieht der Solarplan eine gesetzliche Verankerung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz in der Gesetzgebung vor.

Schwierigkeiten mit den Partnern – China tritt auf

Desertec ist wie beschrieben, eine Industrieorganisation die Ihr Gesicht und ihre Relevanz durch die unterschiedlichen Partner bekommt. Im Juli 2013 kam es zu einem  Rückschlag. Die Unternehmen Bosch und Siemens verließen Desertec. Die Gefahr, dass weitere Partner abspringen bestand. Die erlösende Nachricht für Desertec:

Der weltweit größte Stromnetzbetreiber State Grid Corporation of China  steigt als neuer Gesellschafter bei Desertec ein. Der SGCC steigt nicht direkt ein, sondern das angegliederte Forschungsinstitut CEPRI. CEPRI forscht zu Stromerzeugung, Stromübertragung, Stromverteilung, Energieversorgung, Energienutzung und zur Konzeptionen von Stromprojekten.

Das Institut soll Desertec im Hinblick auf die Stromübertrangungstechnologie unterstützen – speziell beim Thema Hochspannungsgleichstromleitungen.

Die Kritik die beim Eintritt dieses Stromgiganten von Seiten der anderen Gesellschafter laut wurde:
Die SGCC setzt sich ins gemachte Nest. Sie nutzen das Netzwerk und über die 4 Jahre aufgebaute Reputation zur Integration ihres eigenen Energieverbundsystems. Ohne von Beginn an unterstützend tätig gewesen zu sein.

Desertec ist ein internationales Projekt, aber vor allem ein europäisches Projekt für die Energiewende im 21. Jahrhundert. Desertec wurde im Europäischen Parlament von Prinz Hassan bin Talal von Jordanien vorgestellt (2007). Es sind wie so oft private Unternehmen aus der EU die den Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung zu bewerkstelligen versuchen.

Doch ohne weitergehende politische Unterstützung kann das Projekt Wüstenstrom nicht erfolgreich sein. Vielleicht sieht das auch die GroKo ein?

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.