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EnEV 2014

EnEV 2014
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Die neue EnEV 2014 – Novelle ist verabschiedet

Am Mittwoch den 16.10.2013 hat die Bundesregierung die Änderungen an der Energiesparverordnung von 2009 nach den Vorgaben des Bundesrates verabschiedet.

Die neue Energieeinsparverordnung tritt 6 Monate nach Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Die EnEV 2014 hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland zu erreichen. Generell gilt, bei Neubauten muss dafür gesorgt werden, dass bei Heizung, Kühlung und Strom weniger Energie verbraucht wird bzw. es zu weniger Wärmeverlusten kommt. Welche Änderungen im Vergleich zu der EnEV von 2009 genau auf Sie zukommen, erfahren Sie im folgenden Text.

! Nachtrag: Aktuelle Infos zur EnEV 2014 finden Sie jetzt hier in diesem neuen Artikel!

EnEV 2014 – Verwirklichung der Energiewende

Die Ziele der Bundesregierung zur Verwirklichung der Energiewende, spiegeln sich in der EnEV 2014 wie folgt wieder.

Der erste Punkt, im Gebäudebereich soll Energie eingespart werden. Zweitens, stärkere Beachtung der Wirtschaftlichkeit, damit einhergehend die Verwirklichung der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung. Und schließlich, einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 erreichen. Als Ergänzung zur EnEV 2014 sollen weitere verschiedene politische Instrumente gezielt eingesetzt werden, wie z. B. eine Modernisierungsoffensive im Bestand, finanzielle Förderung und ein Sanierungsfahrplan.

Vorgaben für den Bau

Anforderungen an Neubauten

Das Kernelement der Novelle ist die erhöhte Effizienzanforderung für Neubauten. Es kommt zu einer Erhöhung im Jahr 2014 und noch einmal im Jahr 2016. Das bedeutet, der Primärenergieverbrauch muss um jeweils 12,5 % niedriger liegen. Zusammen also eine Reduzierung des Primärenergieverbrauchs bis zum 01. Januar 2016 um insgesamt 25 %.  Die Anforderung an die Wärmedämmung der Gebäudehülle wird im Durchschnitt um 10 % angehoben, d.h. insgesamt um 20 % bis 2016.

Die Anforderungen an Neubauten wurden demnach stark angehoben. Ziel ist ein EU-Niedrigstenergiegebäudestandard, der bis 2021 erreicht werden soll. Dieser Standard gilt für öffentliche Gebäude nach EnEV 2014 bereits ab 2019.

Anforderungen an Altbauten

Bei der Sanierung bestehender Gebäude ist keine weitere Verschärfung der Anforderungen vorgesehen. Die Anforderungen sind nach Ansicht der zuständigen Gremien nach EnEV 2009 bereits sehr hoch.

Wärmeschutz

Wände und Dächer, die durch eingeblasene Natur-Dämmstoffe gedämmt wurden, sind bei der Berechnung der Wärmeleitfähigkeit auf 0,045 W/(m²K) zu begrenzen. Bei Fenstertüren mit Klapp-, Falt-, und Schiebe-Mechanismen ist der maximale U-Wert auf 1,6 bzw. 1,9 W/(m²K) zu begrenzen.

Heizkessel

Ab dem Jahr 2015 dürfen alte Heizkessel (Konstanttemperatur-Heizkessel), bis Ende 1984 eingebaut, nicht mehr betrieben werden. Die bereits bestehenden oder neu eingebauten Konstanttemperatur-Heizkessel, seit 1985, dürfen eine Betriebszeit von 30 Jahren nicht überschreiten. Nicht betroffen sind Brennwertkessel und Niedertemperaturheizkessel.

ACHTUNG: Von dieser Regelung nicht betroffen sind selbstgenutzte Ein- oder Zweifamilienhäuser (siehe EnEV 2002).

Das heißt, dass diese Regelung nur für einige wenige Fälle relevant werden wird.

Vorgaben für den Energieausweis

Meldepflicht der Energiekennwerte

der_energieausweis

In kommerziellen Anzeigen, z. B. Immobilienanzeigen, müssen zukünftig die Energiekennwerte angegeben werden. Nach der EnEV 2014 sollen die Werte pro Wohnfläche angegeben werden, statt pro Gebäudenutzfläche. Diese Effizienzklassen-Angaben erleichtern dem Mieter die Orientierung. Die Energieeffizienzklassen umfassen die Klassen A+ bis H.

ACHTUNG: Die Regelung betrifft nur neue Energieausweise. Das bedeutet, liegt für ein Wohngebäude bereits ein gültiger Energieausweis (gültig nach bisherigem Recht) vor, so besteht keine Pflicht zur Angabe der Energieeffizienzklasse in der Immobilienanzeige.

Ein Problem bleibt. Es kann kein Rückschluss auf die „warmen Betriebskosten“ getroffen werden. Die verschiedenen Preise der Brennstoffe Gas, Öl und Fernwärme machen dies unmöglich.

Änderung am Energieausweis ab 2014

Bei Kauf- oder Mietabsicht eines Objekts ist zukünftig der Energieausweis vorzulegen. Kommt es zum Vertragsabschluss, ist der Energieausweis dem Käufer oder Mieter zu überlassen. Bei öffentlichen Gebäuden ist es Pflicht, den Energieausweis auszuhängen, vor allem wenn es sich um Gebäude mit starkem Publikumsverkehr handelt, wie beispielsweise Kinos, Kaufhäusern oder Schulen. Die Verpflichtung zur Vorlage gab es in der Vergangenheit nicht und findet in der EnEV 2014 ihre Präzisierung.

Energieeffizienzklasse im Energieausweis angeben

Die EnEV 2014 bringt hinsichtlich der Darstellung der Energieeffizienzklassen zwei entscheidende Neuerungen mit.

  1. Die Spanne oberstes zum untersten Segment hat sich deutlich verkürzt. Lag die Spanne für Wohngebäude bisher bei 400 kWh/(m² a),wird Sie ab Mai 2014 bei höchstens 250 kWh/(m²·a) liegen.
  2. Die Energieeffizienzklassen von A+ (bester Wert) bis H (schlechtester Wert) werden mit angegeben.

enev2014_energieausweis

 

Vorgaben Primärenergiefaktor

Primärenergiefaktor Strom

Der Primärenergiefaktor (berücksichtigt den Energieverlust bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung eines Energieträgers) wird laut EnEV 2014 abgesenkt. Das bedeutet, der Primärenergiefaktor für Strom wird von aktuell 2,6 auf 2,4 gesenkt (gültig ab 1.5.2014) und 2016 noch einmal auf 1,8 abgesenkt. Dadurch wird der gesteigerten Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien Rechnung getragen. Diese produzieren Strom klimaneutral und vermindern so die gesamten CO2-Emissionen für die Stromerzeugung im deutschen Kraftwerkspark.

Fazit zur neuen EnEV 2014

Die Energiesparverordnung wurde mit der EnEV 2014 zum vierten Mal verändert. Besonders beachtet werden, sollte die Verpflichtung zum Niedrigstenergie-Standard für Neubauten. Dieses soll bis 2050 erreicht werden, das heißt ein klimaneutraler Neubaubestand im gesamten Bundesgebiet. Dazu werden Baumaßnahmen nach gesetzlichen Standards, wie in der EnEV definiert, gefördert. Diese Standards müssen in jedem Fall erfüllt werden. Die Vorgaben der EnEV 2014 dienen auch als Referenzwert für die Effizienzhausstandards, derer sich z. B. die Förderbank KfW bedient. Hier orientiert sich der KfW-Effizienzhausstandard an den Vorgaben der EnEV. Ein KfW Effizienzhausstandard 70 bedeutet, dass das gebaute Gebäude den Energieverbrauch des Referenzhauses nach Vorgaben der EnEV um 30% unterbietet, also nur 70% des Standardhauses benötigt. Keine Änderungen bzw. keine Vorgaben gibt es für Bestandsbauten.

Zur Durchsetzung der EnEV werden verstärkt unabhängige Stichprobenkontrollen eingeführt. Dies ist eine weitere Neuerung und erster Schritt zu stärkeren Kontrollen zur Einhaltung der Vorgaben aus der EnEV. Die Kontrollen betreffen vorwiegend den Energieausweis und die Inspektion der Klimaanlagen.

Für alle, die sich noch etwas genauer mit der EnEV 2014 auseinander setzen möchten, hat das Bundesbauministerium eine nicht amtliche Lesefassung veröffentlicht.

Bildquelle:
Titelbild: © Dario Sabljak / shutterstock.com

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.