Jörg Mosler - Handwerk Neu Erleben

Jörg Mosler – Das Handwerk neu erleben

Das Handwerk ist ein unglaublich vielseitiger Wirtschaftsbereich. Ein Unternehmen im Handwerk kann ein Industriezulieferbetrieb sein oder ein Kleinstbetrieb mit regionaler Ausrichtung. Was aber alle Betriebe eint ist die Sorge um einen geeigneten Nachfolger. Geeignete Fachkräfte zu finden stellt die Handwerksbranche vor eine enorme Herausforderung.

Aktionen wie #EINFACHMACHEN von Das Handwerk sollen den Nachwuchs motivieren einen handwerklichen Beruf auszuprobieren. Wir haben den Redner und Impulsgeber Jörg Mosler gefragt, was Handwerksbetriebe tun können um die Leidenschaft für das Handwerk neu zu entfachen.

Inhalt des Interviews:

 Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Mosler, sind Sie ein glücklicher Handwerker?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Ich selbst habe mein persönliches und berufliches Glück nicht im Handwerk gefunden.

Obwohl ich 16 Jahre im Handwerk tätig war, davon 10 Jahre als Selbständiger. Mir hat dafür eine wichtige Komponente gefehlt, die sehr viele Handwerker haben – Leidenschaft!

Die Idee des Handwerks

Sebastian Zahn (energieheld): Der Hauptgeschäftsführer der HWK Mittelfranken, Herr Prof. Dr. Elmar Forster, beschreibt Sie als Redner aus der Praxis, der es versteht Zuhörer von der Idee des Handwerks zu begeistern.

Was ist die Idee des Handwerks und sollten wir uns dafür begeistern?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Aus meiner Sicht ist die Grundidee des Handwerks etwas entstehen zu lassen. Ein Produkt bzw. eine Leistung, die anderen Menschen das Leben schöner, leichter, angenehmer, komfortabler und erfolgreicher macht.

Dahinter steckt ein greifbarer Sinn. Für diese Ziele lassen sich Menschen begeistern, wenn sie nach außen transportiert werden können.

Sebastian Zahn: Welches sind in Ihren Augen die wichtigsten/größten Herausforderungen der nächsten 10 Jahre im klassischen Handwerk?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Die größte Herausforderung ist: Aufmerksamkeit erzeugen. Das Handwerk wieder zurück in die Köpfe der Menschen zu tragen. Das ist für mich der entscheidende Faktor.

Handwerk - Fachkräfte finden

Handwerk – Fachkräfte finden

Fachkräftemangel im Handwerk

Das Handwerk spielt seine größten Stärken nicht aus

Sebastian Zahn (energieheld): Warum hat das Handwerk solche Probleme geeignete Fachkräfte zu finden?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Das Handwerk spielt seine größten Stärken nicht aus. Der wichtigste Vorteil, den das Handwerk gegenüber vielen anderen Branchen hat, ist die Nähe zum Menschen.

Ein weiterer Vorteil, sind die vielen leidenschaftlichen Handwerksunternehmer, von denen ich selbst schon viele kennen lernen durfte. Das sind Trümpfe, die das Handwerk im Ärmel hat. Doch Trümpfe müssen auch ausgespielt werden.

Dafür fehlt in vielen Betrieben die klare Fokussierung auf das, was Menschen anzieht und ins Handeln bringt – Emotionen!

Es ist der Schlüssel für unser hartnäckigstes Schloss – den Fachkräftemangel.

Sebastian Zahn: Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung und moderne Betriebsstrukturen bei der Arbeitgeberattraktivität und damit für den Wettbewerb um Fachkräfte?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Die grundlegende Frage heißt für mich immer: „Wie machen wir Unternehmen emotional für Menschen anziehend?“ – für Mitarbeiter und für Kunden.

Es gehört für mich mehr dazu, als einen Kickertisch aufzustellen. Was es braucht ist eine Strategie. Wenn diese grundlegenden Dinge funktionieren, ist jedes Handwerksunternehmen ein, ich nenne es mal „Geschichtenproduzent“.

Es entstehen so viele besondere Geschichten, die erzählt werden können – das zieht Menschen emotional an. Social Media kann ein geniales Mittel sein, um die eigenen Geschichten zu erzählen und zu verbreiten.

Natürlich fühlen sich gerade junge Menschen von Unternehmen angezogen, die moderne Technologien nutzen. Das ist eine „Prestigesache“ z. B. im Freundeskreis.

Die Wertschätzung, die das Handwerk eigentlich verdient hätte, bleibt meist aus.

Sebastian Zahn (energieheld): Hat das Handwerk wirklich ein Imageproblem?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Egal ob Sie es nun Imageproblem nennen, oder wir dem Kind einen anderen Namen geben, Fakt ist, das Handwerk findet in den Köpfen von vielen Älteren und Jüngeren nicht mehr statt. 

Die Wertschätzung, die das Handwerk eigentlich verdient hätte, bleibt meist aus. Allerdings soll das bitte nicht als Schuldzuweisung verstanden werden. Für sein Image ist jeder selbst verantwortlich – auch das Handwerk. Wenn wir ein besseres Image wollen, dann müssen wir selbst das Heft in die Hand nehmen.

Umstrukturierung im Handwerk

Handwerker müssen ihre Unternehmen emotionaler aufstellen, verstehen was Menschen anzieht und inspiriert.

Sebastian Zahn (energieheld): In welchem Rahmen kann sich ein Handwerksbetrieb verändern?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Möglich ist natürlich eine ganze Menge. Veränderung hat allerdings einen großen Nachteil, sie tut weh. Unser Gehirn liebt bekannte Strukturen und Abläufe, deswegen ist es so unangenehmer aus seiner Komfortzone heraus zu kommen.

Auf der anderen Seite ist es die einzige Chance des Handwerks, wenn es zukünftig noch Fachkräfte und Talente anziehen will. Handwerker müssen ihre Unternehmen emotionaler aufstellen, verstehen was Menschen anzieht und inspiriert.

Das ist für viele ein unbekanntes Terrain aber zugleich die größte Chance mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.

Sebastian Zahn: Werden viele Betriebe auf Grund der guten Auftragslage bequem, im Hinblick auf mögliche Änderungen, weil sie keinen Bedarf sehen sich weiterzuentwickeln, nach dem Motto „Warum Dinge ändern, wenn es läuft?“?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Kundenakquise ist derzeit sicher kein wirklich brennendes Thema in den meisten Handwerksbetrieben.

Aber das wird sich wieder ändern. Der Gedankengang, „Warum Dinge ändern, wenn es läuft?“, ist zwar menschlich, aber aus meiner Sicht fatal.

Wenn Sie das als Handwerksunternehmer lesen, dann stellen Sie sich doch einmal diese drei Fragen:

  1. Werden uns die Dinge, die uns heute erfolgreich machen auch in Zukunft noch herausragende Ergebnisse bringen?
  2. Welche äußeren Umstände sind für den derzeitigen Erfolg verantwortlich und wie lange halten sie noch an?
  3. Was müssen wir ab morgen tun, um auf 1. und 2. zu reagieren?

Ich denke wir tun gut daran, unsere Strategien was Kunden und Mitarbeiter angeht, jetzt(!) zu überdenken wo wir es noch können.

Besser als auf den Moment zu warten, wo wir es unbedingt müssen. Obwohl dieser Punkt beim Thema Mitarbeiter aus meiner Sicht bereits gekommen ist. Und was man hierbei auch nie vergessen darf: Kunden spielen bei der Mitarbeiteranziehung eine sehr wichtige Rolle. Denn sie sind unser größter Multiplikator.

Sebastian Zahn (energieheld): Sie sprechen auch häufig mit Geschäftsführern von Handwerksunternehmen – Was macht einen erfolgreichen Handwerksbetrieb aus?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Das zu pauschalieren ist schwierig, aber ich versuche es: Ein erfolgreicher Handwerksbetrieb hat einen leidenschaftlichen Inhaber mit einem klaren „WARUM“ für sein Handeln im Unternehmen. Ein Inhaber, der es versteht, jeden Mitarbeiter und Kunden emotional abzuholen und die tollen Geschichten die daraus entstehen, gekonnt nach außen zu tragen.

Sebastian Zahn: Welche Werkzeuge und Tools stehen Handwerksbetrieben zur Verfügung um sich intern besser aufzustellen?

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Ich würde sagen eine gute Mischung aus emotionaler Ansprache und gekonnter Digitalisierung.

Mehr Glück im Handwerk

Sebastian Zahn (energieheld): Können Sie uns Ihre drei Tipps für mehr Glück im Handwerk verraten?

 Jörg Mosler (Handwerk neu erleben):

  1. Finde heraus, was du leidenschaftlich gerne tust und gut kannst
  2. Bringe deine Leidenschaft in eine Form. Will heißen: Definiere dein „WARUM“
  3. Pack an und mach’ was draus!

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Mosler, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

Jörg Mosler (Handwerk neu erleben): Sehr gerne!


Emotionen im Handwerk – erklärt von Jörg Mosler

 

Quelle Titelbild: ©Guideo Rehme

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.