Experteninterview Mit Pierre Munzel Von PEAT über Die Pflanzendoc App Plantix

Plantix, die Pflanzendoc App

Plantix, die Pflanzendoc App
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Dem zweiten Nachhaltigkeitsziel der UN näherkommen mit Hilfe der App Plantix, diese erkennt frühzeitig Krankheiten oder Schädlingsbefall an Pflanzen. Dadurch soll eine bessere Ernährungssicherheit erreicht und nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden. Junge Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und für mehr Nachhaltigkeit kämpfen, gibt es immer noch zu wenige.

Wir von energieheld engagieren uns für das siebte Nachhaltigkeitsziel, für eine bezahlbare, verlässliche und moderne Energie. Im Fokus stehen dabei sowohl die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien, als auch die Verdoppelung der Energieeffizienz.

Ich freue mich sehr in diesem Interview Pierre Munzel zu begrüßen. Zusammen mit sechs Freunden hat Pierre die PEAT GmbH gegründet und die Android-App Plantix entwickelt. Umso erfreulicher noch, PEAT ist ein Start-up aus Hannover.

Inhalt des Interviews:

Der Innovation Award geht an PEAT

Oftmals haben wir Startups ja noch nicht so das große Budget für Marketing-Aktivitäten.

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Pierre, schön dass Du dir Zeit genommen hast. Bitte stell dich doch kurz vor.

Pierre Munzel (Plantix): Hallo Sebastian, ich danke dir für deine Einladung und die Zeit nehme ich mir natürlich sehr gerne. Und zu mir. So interessant bin ich gar nicht. Ich bin 33, komme aus dem Umland von Hannover und bei PEAT kümmere ich mich um das Accounting und die PR.

Sebastian Zahn (energieheld): Ihr habt zur diesjährigen CeBIT den Innovation Award verliehen bekommen. Der Award ist mit 100 000 Euro dotiert, davon gehen 50.000 Euro an euch.

Das ist eine gewaltige Summe. Welche Reaktionen ergeben sich aus so einem wichtigen Preis?

Pierre Munzel (Plantix): Als wir erfuhren, dass wie den Award gewonnen haben, waren wir natürlich erst einmal ziemlich aus dem Häuschen. Wir hatten natürlich gehofft, dass es passieren würde, aber bei den vielen guten eingereichten Ideen kann man nicht davon ausgehen, dass es auch wirklich klappt.

Die Reaktionen auf unseren Gewinn waren super und durchweg positiv. Insbesondere das MedienEcho war unglaublich. Oftmals haben wir Startups ja noch nicht so das große Budget für Marketing-Aktivitäten. Daher war diese Aufmerksamkeit genauso wertvoll, wie der Preis selbst.

Während der Woche auf der CeBIT haben sich auch ziemlich viele und gute Kontakte ergeben. Das hätten wir vorher so nicht erwartet. Meine Eltern hat es auf jeden Fall überzeugt, dass man doch was „Richtiges“ macht.

Nein im Ernst, sie standen schon immer voll hinter dem, was wir tun. Aber so ein klein wenig stolz hat sich dann doch bei meiner Mom eingestellt, nachdem die Nachbarin sie anrief, um ihr zu erzählen, dass sie „den Pierre“ im Fernsehen bei „der Merkel“ gesehen hat. Ich musste darüber ziemlich lachen. 😉

Sebastian Zahn (energieheld): Welche Herausforderungen könnt ihr durch den Preis nun angehen?

Pierre Munzel (Plantix): Das erhaltene Preisgeld geht eins zu eins direkt in die Verbesseung unserer Software und von Plantix im Allgemeinen. So wie jeder andere Cent auch, der den Weg zu uns findet.

PEAT expandiert mit der Plantix-App international

Sebastian Zahn (energieheld): Ihr werdet international und expandiert nach Indien und Brasilien. Wieso habt Ihr euch gerade für diese Länder entschieden?

Pierre Munzel (Plantix): Mit unserer App  wollen wir vor allem Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern erreichen. Durch die fortschreitende Digitalisierung und die Verbreitung von mobilem Internet, gerade in ländlichen Regionen dieses Planeten, haben wir heute die Möglichkeit, Wissen dorthin zu transportieren, wo es am dringensten benötigt wird.

Plantix zeichnet ja nicht nur die automatische Erkennung von Pflanzenschäden aus. Unsere Nutzer erhält auch alle relevanten informationen, die benötigt werden, um der kranken Pflanze auch zu helfen.

Aufbau eines Datenpool von Pflanzenkrankheiten

Wir und unsere Nutzer bilden eine Art Symbiose.

Sebastian Zahn (energieheld): Die Plantix-App hat zum Ziel die Ernteausfälle zu reduzieren. Dafür werden Pflanzen bzw. einzelne Blätter analysiert. Weisen befallende Pflanzen bestimmte Krankheitsmuster auf, können diese durch die App erkannt werden.

Ihr könnt mittlerweile 120 unterschiedliche Krankheiten bestimmen. Wie habt ihre es geschafft einen geeigneten Datenpool dafür aufzubauen?

Pierre Munzel (Plantix):Der Aufbau der Datensätze war in der Tat eine große Herausforderung, denn diese gab es vorher einfach nicht. Wir arbeiten daher, neben anderen, mit Universitäten, Pflanzenschutzämtern, NGO‘s und natürlich mit landwirtschaftlichen Produzenten zusammen.

Den größten Rückhalt und Hilfe bekommen wir aber von unseren Nutzern selbst, denn wir bekommen heute schon im Schnitt mehr als 2000 Fotos täglich eingesandt.

Sebastian Zahn (energieheld):Wie gelingt es die Community dazu zu motivieren, Bilder hochzuladen?

Community von Plantix

Die Community von Plantix lädt aktiv Bilder hoch.

Pierre Munzel (Plantix): Tatsächlich ist die Community von allein sehr aktiv. Wir arbeiten ja zusammen an derselben Sache. Wir und unsere Nutzer bilden daher schon eine Art Symbiose.

Wir versuchen Ihnen bei ihren Problemen mit ihren Pflanzen zu helfen und im Gegenzug helfen sie uns, indem sie Fotos ihrer geschädigten Pflanzen mit uns teilen.

Wiederum wird unsere Software mit jedem Foto besser und lernt dazu. Erfreulicherweise war dieses Zusammenspiel von Anfang an vorhanden.

Gewinnbringed Gutes tun

Sebastian Zahn (energieheld): Ihr haltet den Spagat zwischen gesamtgesellschaftlichen Engagement und wirtschaftlichen Gewinnstreben.

Wie gelingt das?

Pierre Munzel (Plantix): Aus dem Bauch heraus würde ich jetzt sagen, dass man sich gut dehnen sollte, bevor man sich an einen Spagat wagt.

Ich glaube, sofern man alles von vornherein offen und transparent kommuniziert und zu seinen Ansichten steht, ergeben sich da keine großen Komplikationen.

Plantix ist kostenlos, doch bieten wir anderen unsere Software als API im Lizenzmodell an.

 

So kann sie auch in anderen Lösungen, wie anderen Apps Anwendung finden.

Wenn sich dadurch auch auf anderen Wegen Ernteausfälle verhindern lassen, dann steht das voll im Einklang mit unserem Ziel, einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssicherheit zu leisten.

Die Zukunft von PEAT und Plantix

Zum Ende des Jahres wollen wir mit Plantix auf jedem Kontinent vertreten sein.

Sebastian Zahn (energieheld): Was sind eure nächsten Etappen für 2017, könnt ihr da schon was verraten?

Pierre Munzel (Plantix): Nun ja, 2017 läuft ja schon so ein – zwei Tage. 😉

Aktuell gilt unsere Aufmerksamkeit der weiteren Verbreitung von Plantix  in Indien.

Parallel stelllen wir aber schon die Weichen für weitere Internationalisierungen.

Zum Ende des Jahres wollen wir mit Plantix auf jedem Kontinent vertreten sein. Gleichzeitg wollen wir unsere Datenbank weiter ausbauen und natürlich noch mehr Pflanzenschädigungen automatisiert erkennen können.

Gleichzeitg arbeiten wir auch an neuen Funktionen für Plantix. So haben wir jetzt eine Community intergriert, in der sich Menschen über den ganzen Planeten austauschen können.

Die Start-up Szene in Hannover

In Hannover passiert gerade eine ganze Menge Gutes und das Ökosystem befindet sich auf einem sehr guten Weg.

Sebastian Zahn (energieheld): Peat und energieheld kommen beide aus Hannover. Bleibt ihr eurem Standort treu oder zieht es euch nach Berlin?

Pierre Munzel (Plantix): Da wir von Anfang an einen globalen Ansatz verfolgen und eine starke Internationalisierung anstreben, ist es manchmal schwer vorherzusagen, wohin die Reise von PEAT und Plantix noch gehen wird.

Aber das in Hannover alles seinen Anfang nahm und auch immer noch Freunde und Familie dort sind, wird sich, egal was passieren und kommen mag, nicht mehr ändern.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie schätzt Du die Start-up Szene in Hannover ein? Was sollte unbedingt anders werden, um mehr innovative Start-ups zu fördern?

Pierre Munzel (Plantix): Ich bin der Meinung, dass in Hannover gerade eine ganze Menge Gutes passiert und sich das Ökosystem auf einem sehr guten Weg befindet.

Selbst die Landespolitik hat erkannt, dass hier eine ganze Menge Potential schlummert, das unterstützt werden muss. Daher fällt mir jetzt gerade auch nichts ein, was unbedingt anders werden sollte.

Die Strukturen sind gelegt und viele gute Ideen befinden sich in der Umsetzung. Da ist es wichtig, auch mal ein bisschen abzuwarten und zu schauen, wie sich die Dinge entwickeln.

Solange alle Akteure gut Zusammenarbeiten und sich auch zukünftig weiterhin als EIN Ökosystem verstehen, sollte das alles gut werden.

Mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Sebastian Zahn (energieheld): Am Ende unserer Interviews fragen wir immer nach Tipps zum Energiesparen. Das möchte ich diesmal etwas ändern. Was sind deine drei Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag?

Pierre Munzel (Plantix): Bei seinem Stammkaffeladen mal auf den To-Go-Becher verzichten und seinen eigenen mitbringen.

Dinge, die man nicht mehr benötigt lieber verschenken als wegwerfen und vielleicht beizeiten mal seinen alten WG-Kühlschrank gegen ein neueres Modell austauschen.

Wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt, kann man eine Menge bewegen.

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Pierre, vielen Dank für das Gespräch!

Pierre Munzel (Plantix): Gerne Sebastian und danke fürs Zuhören.


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 mit wenig Geld Gutes tun. Das finde ich natürlich sehr sympathisch. Das Interview mit Pierre hat mir gezeigt, dass es einen Mittelweg gibt zwischen gesellschaftlich verantwortlichem Handeln und marktwirtschaftlichen Überlegungen. Warum sollte es sich auch ausschließen?

Mit der Plantix-App ist der PEAT GmbH ein Produkt gelungen, was genau diesen Spagat meistert. Das ist nicht zu letzt gelungen auf Grund der sehr engagierten Community von Plantix. Wir von energieheld sind sehr gespannt wie es weitergeht und wann plantix von Hannover aus, den ganzen Planeten erobert hat. Natürlich nur mit geringem Marketing-Budget 🙂 

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.