Gründer Im Handwerk - Interview

Gründer im Handwerk – Meistertipp im Interview

Gründer im Handwerk – Meistertipp im Interview
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Gründer im Handwerk können ganz im Online-Business verankert sein. Vorgemacht hat es Roland Riethmüller mit der Seite meistertipp.de, die er gründete und seit 2014 hauptberuflich betreut. Die Seite konzentriert sich auf den bauhandwerklichen Bereich und informiert Entscheider aus dem Bauhandwerk.

Zu den Besonderheiten seiner Seite zählt das Top 100 Ranking der Handwerkermeister auf Facebook (u. a. Maler und SHK-Installateure). Bewertet werden die Anzahl ihrer Freunde auf Facebook in Kombination mit ihrer Interaktivität.

Inhalt

Warum im Handwerk arbeiten?

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Riethmüller, wie passen Handwerk und Online-Business zusammen?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Eine vergleichbare Frage haben sich sicher auch die Musikmanager vor ein paar Jahren gestellt, bevor die ganze Branche durch die digitale Transformation umgekrempelt wurde.

Natürlich lässt sich die Handwerksleistung an sich nicht digitalisieren, doch viele Prozesse, Hilfsmittel und Geschäftsmodelle am Bau können deutliche Vorteile aus dem Einsatz digitaler Technologien nutzen. Diese werden in den nächsten Jahren auch die Baubranche nachhaltig verändern.

Sebastian Zahn (energieheld): Warum beschäftigen Sie sich mit Themen aus dem Bauhandwerk?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Ich möchte mit meistertipp.de sensibilisieren und aufklären. Der auch in Zukunft erfolgreiche Unternehmer im Bauhandwerk erhält durch die Seite die nötigen Impulse, um langfristig am Markt zu bestehen.

Zudem finde ich es persönlich absolut spannend, die Baubranche im Change-Prozess auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten.

Sebastian Zahn: Lohnt es sich heutzutage noch einen eigenen Handwerksbetrieb zu gründen?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Auf jeden Fall! Denn Handwerk hat goldenen Boden, heute sogar mehr denn je. Die Nachfrage nach guten Handwerksbetrieben ist gerade in der momentanen Phase der Baukonjunktur enorm hoch.

Gleichzeitig muss man jedoch auch die neuen (digitalen) Spielregeln beherrschen, um auf Dauer zu bestehen. Das beginnt bei der richtigen Kundensegmentierung zur zielgerichteten Bewerbung im Internet und reicht bis zur individuellen Kundenansprache und nachhaltigen Kundenbindung über Social Media.

Sebastian Zahn (energieheld): Welche Eckpunkte bei der Gründung seines eigenen Handwerksbetriebes sollte man unbedingt beachten?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Nun, an erster Stelle muss ein Gründer natürlich sein Handwerk verstehen. Qualität spielt dabei eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig sollte der Gründer jedoch auch seine Kunden verstehen und gezielt auf sie eingehen.

Dazu muss man seinem Betrieb aber auch ein unverwechselbares Profil geben, sich möglicherweise auch eine Nische suchen und dort einen Namen machen. Die Markenbildung spielt insgesamt eine ebenso große Rolle, wie die Digitalisierung.

Denn der Einsatz digitaler Technologien zur Optimierung von Betriebsabläufen erhöht nicht nur die Effizienz, er bietet auch Differenzierungsmöglichkeiten gegenüber konventionell aufgestellten Handwerksbetrieben.

Wie unterstützt die Digitalisierung das Handwerk?

Gründer haben es heute schwerer, sie müssen heute den handwerklichen und den digitalen Bereich beherrschen.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie können Formate wie das Handwerkscamp Gründer unterstützen?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Ganz einfach! Die Vernetzung innerhalb der Baubranche wird in Zukunft ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, den sich schlaue Unternehmer im Handwerk heute schon leicht sichern können.

Ob Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette oder gewerkeübergreifend – Networking wird auch in der Baubranche immer wichtiger. Daher sollte das Handwerkscamp eine Pflichtveranstaltung für jeden Gründer sein, denn auf einem Barcamp sprechen die Teilnehmer auf Augenhöhe.

Neben dem Erfahrungsaustausch zählen auch der KnowHow-Transfer und der persönliche Kontakt und bieten jedem Gründer wertvolle Inspiration und Impulse.

Aus dem ersten Handwerkscamp im vergangenen April ist beispielsweise ein Projekt hervorgegangen, bei dem ein Startup zusammen mit einem innovativen Handwerksbetrieb und einem Anwalt ein neues Produkt in der Praxis testet. Solche Chancen bieten sich nur dem, der offen für Neues ist.

Sebastian Zahn (energieheld): Die Digitalisierung hält Einzug in die Welt des Handwerks. Werden dadurch Gründungen einfacher?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): So pauschal kann man das nicht sagen! Denn die Digitalisierung bietet zwar zahlreiche Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, sie ändert jedoch nichts daran, dass die handwerkliche Qualität stimmen muss.

Man könnte sogar sagen, dass es Gründer heute möglicherweise etwas schwerer haben. Denn sie müssen heute beide Bereiche beherrschen, den handwerklichen und den digitalen.

Auf der anderen Seite fällt natürlich die Digitalisierung durch eine Neugründung deutlich leichter. In einem eingefahrenen Betrieb gibt es etablierte Strukturen, die nur schwer aufgebrochen werden können. Ein etablierter Handwerksbetrieb tut sich viel schwerer als jemand, der einen Betrieb neu aufbaut.

 

Handwerkscamp 2017 – Barcamp für Fachleute aus dem Bauhandwerk

Welchen Herausforderungen stellt sich das Handwerk?

Kunden erwarten Engagement und Service vom Handwerker.

Sebastian Zahn (energieheld): Welche Herausforderungen entstehen für Neugründer durch die Digitalisierung?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Nun, während früher die Kunden zum Handwerker kamen, erwartet der Kunde heutzutage Engagement und Service vom Handwerker. Dazu gehört auch Marketing und Kundenbindung.

Beides müssen Gründer erst aufbauen. Die große Herausforderung besteht darin, neben der eigentlichen handwerklichen Arbeit diese Bereiche nicht zu vernachlässigen.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie lassen sich diese Herausforderungen meistern?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Das ist eine gute Frage! Natürlich kostet es Zeit, sich eine digitale Reputation aufzubauen. Doch am Ende zahlt sich die Sichtbarkeit im Internet vor allem im Hinblick auf neue Aufträge und Fachkräftesicherung aus.

Wichtig ist dabei die Beständigkeit und Kontinuität. Wer online wahrgenommen werden möchte, sollte sich bemerkbar machen. Schon mit kleinen Maßnahmen kann man sich authentisch darstellen. Das geht auch mit dem Handy.

Man sollte sich nicht scheuen, Hilfe von der Handwerkskammer oder Dienstleistern in Anspruch zu nehmen.

Was wird das Handwerk in den nächsten Jahre prägen?

Ein großer Bedarf in den kommenden Jahre wird die Fachkräftesicherung sein.

Sebastian Zahn (energieheld):Welche Neugründungen im Handwerk fallen Ihnen ein, die sie als besonders spannend bewerten würden?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Es gibt eine Reihe spannender technologiegetriebener Innovationen im Handwerk. Ob der 3D-Betondruck, Solarpanel für die Straße, vereinfachte Baudokumentation oder Prozessmanagement – die Zukunft wird zeigen, welche dieser Entwicklungen sich durchsetzen werden.

Am Ende kommt es darauf an, das Handwerk effizienter zu machen.

 Sebastian Zahn: Auf welche Marketing-Maßnahmen würden Sie als neu gegründeter Handwerksbetrieb als erstes setzen?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Als Gründer sollte man eine ausgewogene Mischung von Online- und Offline-Werbemaßnahmen nutzen. Dazu gehört ein interessanter Informationsflyer ebenso wie eine pfiffige Website.

Bei beidem sollte viel Wert auf guten Content gelegt werden. Denn nach einem Zeitraum von einem halben bis dreiviertel Jahr wird Google dies durch guten Suchmaschinentreffer entsprechend würdigen.

In der Zeit bis dahin sollten Google Adwords geschaltet werden, um Traffic auf der Seite zu generieren, der sich auch wieder positiv auf die organische Reichweite auswirkt. Auch die Darstellung in eine paar relevanten Sozialen Netzwerken ist wichtig. Nicht zu vergessen, dass alle Aktionen auch durch gute Pressearbeit ergänzt werden sollten.

Sebastian Zahn (energieheld): Ein Blick in die Zukunft: Welche Trends zeichnen sich im Bauhandwerk ab, in die man investiere sollte?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Das ist schwer zu sagen! Ob sich der 3D-Drucker bei jedem Handwerker zur Erstellung von Baustoffen und Ersatzteilen lohnt, ist zum heutigen Zeitpunkt kaum zu beantworten.

Eins ist jedoch sicher: Ein großer Bedarf in den kommenden Jahre wird die Fachkräftesicherung sein.

Daher sollten Gründer frühzeitig ein attraktives Umfeld für Nachwuchskräfte schaffen.

Sebastian Zahn (energieheld): Was würden Sie sich für das Handwerk wünschen?

Roland Riethmüller (Gründer im Handwerk): Kürzlich hat die SHK-Innung in Berlin ihren 400. Geburtstag gefeiert. Wir reden im Handwerk also von einer sehr langen Tradition.

Trotzdem ist es wichtig, sich neuen Technologien nicht zu verschließen und agil in die Zukunft zu starten. So wird vor allem auch das Building Information Modeling (BIM) noch eine große Herausforderung für die Baubranche darstellen, die gleichzeitig auch enorme Chancen bietet.

Ich wünsche dem Handwerk, dass es diese Chance erkennt und sie zu nutzen weiß.

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Riethmüller, haben Sie vielen Dank!


Liebe Leserinnen, liebe Leser, 

die Baubranche und speziell das Handwerk befindet sich in einem digitalen Change-Prozess. In diesem Prozess wird die Technologie als Möglichkeit genutzt um sich von anderen Handwerksbetrieben zu unterscheiden.

Besonders Gründer im Handwerk müssen sich dabei einer doppelten Herausforderung stellen  – sie müssen den digitalen und den handwerklichen Bereich beherrschen. Denn trotz verstärkter Digitalisierungambitionen bleibt herausragende handwerkliche Qualität entscheidend, um die Kundenerwartungen erfüllen zu können. 

Diesem Prozessen kann man nur begegnen, wenn man sich branchenübergreifend vernetzt und auszutauscht.

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.