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Hausbauen mit Eigenleistungen – Energieheld-Interview mit Konstantin Matern

Hausbauen mit Eigenleistungen – Energieheld-Interview mit Konstantin Matern
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„Bauen lassen kann jeder!“, lautet die Devise von Konstantin Matern. Der Gründer und Autor der Website Hausbauen24 dokumentiert auf seinem Blog den Bauprozess seines eigenen Hauses. Das Besondere dabei: Vom Bauablaufplan bis zum Wäscheabwurfschacht meisterten er und seine Frau Anna vieles in Eigenleistung. Seine Erfahrungen teilt er nun auf seinem Blog und gibt Tipps und Tricks für den Hausbau. Im Energieheld-Interview haben wir mit Konstantin Matern über Vorteile und die Hürden des Hausbaus mit Eigenleistungen gesprochen.

Darum gehts im Interview:

  • Hausbauen24 – Darum geht’s
  • Positive Erfahrungen und Hindernisse beim Bau
  • Hausbauen in Eigenleistung – Darauf sollte man achten
  • Wie hilfreich sind staatliche Förderungen?
Das fertige Haus / © Hausbauen24

Hausbauen24 – Darum geht’s

Maren Friesecke (Energieheld): Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Woher kam die Idee zu dem Projekt?

Gründer und Autor von Hausbauen24: Konstantin Matern

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Hallo erstmal und vielen Dank für das Interview. Hausbauen24.eu wurde von uns (das sind Anna und Konstantin) Anfang März 2013 ins Leben gerufen. Damals hatten wir bereits die Entscheidung für ein eigenes Haus getroffen und uns im Internet schlau gelesen über den Ablauf des Hausbaus. Dabei haben wir natürlich auch einige Bauherren-Blogs gefunden und fanden die Idee ganz gut unseren Baufortschritt ebenfalls in Form eines Blogs zu dokumentieren.

Maren Friesecke (Energieheld): Was ist das Ziel eures Blogs?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Zunächst hatten wir lediglich das Ziel unseren Baufortschritt zu dokumentieren. Der Großteil der Leser waren dabei hauptsächlich Freunde, Bekannte und einige aus unserem Baugebiet. Da die Artikel und einzelnen Themen von uns ausführlich behandelt wurden, war die Resonanz auch von anderen Besuchern sehr positiv. Wir haben uns daher entschlossen den Blog auch nach Einzug weiter zu betreiben und alle Themen rund um den Hausbau zu behandeln. Ziel ist es seitdem anderen Bauherren Tipps und Ratschläge zu den einzelnen Gewerken und vor allem Eigenleistungen beim Hausbau zu geben.

Maren Friesecke (Energieheld): Vom Bauen mit Architekt oder einer Baugemeinschaft bis hin zum Fertighaus – Möglichkeiten beim Hausbau gibt es viele. Wieso sollte es ein Hausbau mit Eigenleistungen sein?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Für uns stand von Anfang an fest, dass wir mit einem Architekten (und Baubetreuer) bauen und die Gewerke selbst vergeben. Dadurch ist man flexibel. Bei einem Bauträger ist man darauf angewiesen, dass die einzelnen Handwerker gut vom Bauträger ausgewählt werden. Wir hatten bei der Vergabe der Gewerke die Hand darüber und konnten uns die Arbeiten der Unternehmen vorher genau anschauen. Dadurch ist bei unserem Hausbau (so denken wir) einiges besser abgelaufen.

Vor allem haben wir aber mit Eigenleistung gebaut, weil:

  • Es in unserem Verwandtenkreis bereits viele Bauherren mit Erfahrungen gab.
  • Wir dadurch erhebliche Kosten eingespart haben.
  • Je nach handwerklichem Geschick führt man viele Arbeiten sorgfältiger aus als ein Handwerker, der seine Arbeit schnell ausführen muss. Man macht es immerhin für sich selbst.
  • Wir eigene Vorlieben mit in den Bau einbeziehen konnten. Es gab individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, die uns beim Bau mit Bauträger Aufpreis gekostet hätten oder nicht möglich wären.
Während der Rohbauphase / © Hausbauen24

Positive Erfahrungen und Hindernisse beim Bau

Maren Friesecke (Energieheld): Gab es einen Teil des Projektes, der eurer Meinung nach besonders gut geklappt hat?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Nahezu alle Gewerke, die bei uns von Fachfirmen ausgeführt wurden, waren gut ausgeführt. Das ging bei dem Zimmerer los, der gute und saubere Arbeit zu einem Top-Preis geleistet hat. Sehr zufrieden waren wir aber auch mit dem Estrichleger, der einen ebenen Untergrund für die weiteren Bodenlegearbeiten hergestellt hat. Da Elektriker und Fliesenleger gute Freunde von uns waren, wussten wir bei diesen bereits wie gut sie arbeiten. Da sind wir ebenfalls nicht enttäuscht worden.

Ausgenommen von der Putzerfirma gab es bei uns aber auch keine Handwerker bei denen wir unzufrieden waren. Kleinere Mängel (z.B. falsche Dachfenstergröße eingebaut oder bei der Küche die falsche Arbeitsplattengröße geliefert) wurden durch die Firmen schnell und korrekt beseitigt. Bei den Eigenleistungen sind wir mit den Trockenbauarbeiten sehr zufrieden. Hier haben wir viele Ideen – wie z.B. einen elektrischen Kamin, ein Deckensegel oder eine Multimedia-TV-Wand eingebracht.

Multimedia-TV-Wand / © Hausbauen24

Maren Friesecke (Energieheld): Wo ergaben sich Herausforderungen beim Bauprozess?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Herausforderungen gab es während der Rohbauphase so einige. Hier hatten wir zeitlich immer sehr knapp kalkuliert und es wurde teilweise etwas stressig Arbeiten abzuschließen bis die nächste Materiallieferung kommt. Für Bauherren ist es unserer Meinung nach auch schwierig abzuwägen wie lange die Ausführung eines Gewerks ist und wann der nächste Handwerker in’s Haus kann.

Hier ist es wichtig einen zuverlässigen Baubetreuer zu haben oder auf die Erfahrungen von anderen Bauherren zurückgreifen zu können.

Maren Friesecke (Energieheld): Gibt es etwas, dass ihr nicht nochmal in Eigenleistung durchführen würdest?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Im Grunde würde ich alles wieder genau so in Eigenleistung machen.

Das fertige Badezimmer / © Hausbauen24

Hausbauen in Eigenleistung – Darauf sollte man achten

Maren Friesecke (Energieheld): Welche persönlichen Voraussetzungen sollte ich mitbringen, um mein Haus mit Eigenleistungen bauen zu können?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Körperliche Fitness ist sehr wichtig. Wenn man so viel in Eigenleistung macht, sollte man sich bewusst sein, dass es körperlich sehr anstrengend wird. Ich wüsste gerne wie viele Tonnen wir in der Zeit getragen haben.

Psychisch sollte man ebenfalls einigen Stress abkönnen und auch wenn es zeitlich eng wird die Ruhe bewahren können. Wenn etwas nicht gelingt oder ein Handwerker die Arbeit nicht korrekt ausführt, sollte man Mängel erkennen und ansprechen können.

Zeit würde ich ebenfalls als wichtige Voraussetzung aufführen. Wir hatten in der Bauphase außer Sonntag keinen Tag an dem wir nicht auf der Baustelle waren. Selbst Sonntag wurden Zuhause Angebote verglichen und Telefonate getätigt. Vorteilhaft war hier die Selbständigkeit, da wir unsere Arbeit flexibel einteilen konnten und z.B. so Materiallieferungen immer in Empfang nehmen konnten. Freizeitvergnügungen gab es in der Bauzeit ebenfalls kaum bis gar nicht.

Nicht zuletzt ist handwerkliches Geschick sehr wichtig. Von Vorteil ist es daher, wenn man bereits zuvor bei anderen Freunden oder Bekannten ausgeholfen hat oder selbst bereits handwerkliches Know-How mitbringt.

Maren Friesecke (Energieheld): Wie würdet ihr den Kostenfaktor beim Hausbau mit Eigenleistungen im Vergleich zu anderen Bauarten sehen?

Verlegung der Estrichdämmung und Fußbodenheizung im OG / © Hausbauen24

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Selbstverständlich kann man als Bauherr auch, wenn man mit einem Bauträger baut, Eigenleistungen einbringen. Meinen Recherchen und Informationen eines Freundes (arbeitet beim Bauträger) nach reduzieren Hausbaufirmen den Hauspreis nicht entsprechend der eingebrachten Eigenleistungen. Bedeutet: Man verlegt z.B. die Fliesen selbst, bekommt aber nicht die vollen Arbeitskosten des Fliesenlegers gutgeschrieben.

Bei uns lag die errechnete Eigenleistung bei 22% der Gesamtkosten. Das ist ein hoher Wert. Wer viel mit Eigenleistungen sparen möchte, wählt dafür Gewerke bei denen hohe Lohnkosten den niedrigen Materialkosten gegenüber stehen. Das wären bei uns die Maurer/Betonarbeiten, der Dachausbau, die Elektroarbeiten, die Fliesen- und Bodenlegearbeiten.

Wir haben zusätzlich bei allen anderen Gewerken einen Teil der Arbeit abgenommen und konnten so sparen. Da wäre z.B. das Verlegen der Estrichdämmung und Fußbodenheizung anzusprechen. Da rate ich jedem Bauherren sich mit dem Handwerker vorher zu unterhalten, was typische Eigenleistungen sind und wo man als Bauherr sparen kann.

Maren Friesecke (Energieheld): Bei Bauprojekten sind Verspätungen ja keine Seltenheit. Konntet ihr euren Zeitplan einhalten oder kam es auch mal zu Verzögerungen?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Es gab bei uns insbesondere bei den Verblenderarbeiten Verzögerungen. Das lag daran, dass uns eine Maurerfirma, die uns lange zuvor zugesagt hatte, plötzlich abgesprungen ist, weil die Mitarbeiter das Weite gesucht hatten. Mitten in der Bausaison konnten wir so schnell auch keinen guten Ersatz finden und so hat bei uns die komplette Verblendung ein einzelner Maurer durchgeführt. Der hat zwar sauber gearbeitet, dafür aber lange gebraucht und auch noch einen bautechnischen Fehler eingebaut.

Gipskarton an der Dachschräge / © Hausbauen24

Wie hilfreich sind staatliche Förderungen?

Maren Friesecke (Energieheld): Habt ihr staatliche Förderungen erhalten? Wenn ja, welche erschienen dir besonders sinnvoll?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Staatliche Förderungen gab es bzgl. der Finanzierung. Hier hatten wir das Förderprogramm der KfW genutzt, um einen Teil des Hauses zu finanzieren. Des Weiteren gab es von unserer Gemeinde für den Kauf von Bauland für jedes Kind 2.000 EUR Preisnachlass.

Maren Friesecke (Energieheld): Gab es Bereiche, in denen ihr euch mehr staatliche Unterstützung gewünscht hättet?

Anna und Konstantin Matern (Hausbauen24): Bezüglich staatlicher Förderungen hätte ich mir mehr für Familien mit Kindern gewünscht (in der Richtung, die unsere Gemeinde geht). Ärgerlich war außerdem, dass es zu unserer Zeit noch keine Förderung für den Einbau einer Wärmepumpte mit Erdwärmekollektor in einem Neubau gab (lediglich bei Sanierungen). Das hat sich immerhin geändert.

Fazit

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Hausbau mit Eigenleistungen ist nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Hausbauer müssen vor allem Zeit investieren können und dazu in der Lage sein, selbst anzupacken. Außerdem sind gute organisatorische Fähigkeiten von Vorteil. Wer sich darin wiederfindet, kann jedoch mit vielen Vorteilen rechnen. Neben der Möglichkeit beim Hausbau Geld zu sparen, haben Hausbauer, die sich für Eigenleistungen entscheiden, eine große Gestaltungsfreiheit beim Bauprozess. Individuelle Wünsche können kostengünstiger realisiert werden. Wichtig ist vor allem, bei der Auswahl der Handwerker genau hinzuschauen und abzuwägen. Hilfreich ist es dabei, wenn man Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis nutzen kann und einen guten Baubetreuer hat. Auch staatliche Förderungen können genutzt werden. Hier wäre jedoch für Familien mit Kindern vermehrt politische Unterstützung wünschenswert, so Anna und Konstantin Matern.

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