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Kühle Räume: So werden die Nächte nicht zur Qual

Kühle Räume: So werden die Nächte nicht zur Qual
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Wie ihr trotz großer Hitze angenehm kühl durch den Sommer kommt, verraten wir in den folgenden Abschnitten.

Wenn die Luft am See nach Pommes riecht, das Wassereis die Hand verklebt und die Sonne auf der Haut brennt, ist es endlich so weit: Es ist Sommer – für viele von uns die schönste Zeit im Jahr.

Während sich die Nachmittage und Wochenenden am See oder im Freibad wie Urlaub anfühlen, werden die Nächte in den eigenen vier Wänden oft zur Qual. Denn wenn es draußen richtig heiß ist, klettern auch die Temperaturen in Häusern und Wohnungen unaufhaltsam nach oben…

Warum ist richtiges Verhalten bei großer Hitze wichtig?

Klettern die Temperaturen in Wohnungen oder Häusern zu hoch, kann das schnell unangenehm werden. Denn das verursacht nicht nur schlaflose Nächte, sondern auch Trägheit und fehlende Konzentration am Tage. Gute Dämmungen an Fassaden und vor allem in den Dächern helfen dabei die Wärme draußen zu halten.

Doch gelangt ein Teil der Energie der Sonne häufig noch über Fenster und Fenstertüren nach innen. Dort angekommen erwärmt sie die Fußböden und Wände, die dann in massiven Häusern auch dann noch Wärme abstrahlen, wenn die Sonne längst nicht mehr scheint.

Ohne die passenden Maßnahmen, reichen dabei schon wenige Tage und die Temperaturen in den eigenen vier Wänden sind quasi nicht mehr in den Griff zu bekommen.

Das passende Verhalten hilft euch dabei:

  • unnötige Wärmeeinträge im Sommer zu reduzieren
  • den Wohnkomfort zu erhöhen
  • die Kosten für Kälte- und Klimaanlagen zu senken

Wir beschreiben hier die 5 wichtigsten Verhaltensweisen (und Geräte), mit denen ihr die Wärme im inneren des Hauses bzw. der Wohnung in den Griff bekommt.

Los geht’s!

1. Verschattung der Fenster: Mit Jalousien und Vorhängen gegen Sonneneinstrahlung

Ein Großteil der Energie, die unsere Wohnungen und Häuser aufheizt, wird über die Strahlung der Sonne transportiert. Der erste Ansatz sollte dabei sein, diese Sonneneinstrahlung zu reduzieren.

Verschattung durch Konstruktion und Bauteile

Den höchsten Schutz und den besten Komfort erreicht ihr immer dann, wenn die Verschattung bereits bei Bau oder Sanierung berücksichtigt wird.

Auskragende Bauteile, wie Balkone oder tief liegende Fenster nutzen dabei den unterschiedlichen Stand der Sonne. Während diese im Sommer mit steilem Winkel einstrahlt, geben die Bauteile viel Schatten und ausreichend Tageslicht. Steht die Sonne im Winter tiefer, werden Wohn- und Schlafräume optimal durchleuchtet und sogar solar geheizt – das entlastet die Heizung und spart Kosten. Die folgende Grafik verdeutlicht den Effekt.

verschattung-durch-bauteile-wärmegewinn-sonnenschutz

Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Nachträgliche Verschattung durch Rollos, Jalousien oder Vorhänge

Habt ihr auf die Geometrie eures Hauses keinen Einfluss mehr, kann die Sonneneinstrahlung auch durch eine nachträglich angebrachte Verschattung reduziert werden.

Dabei gilt: Eine außen liegende Verschattung funktioniert besser als eine innen liegende. So können außen liegende Jalousien oder Lamellen den Wärmeeintrag um bis zu 75 Prozent reduzieren, während innen angebrachte Vorhänge nur eine Minderung von etwa 25 Prozent erreichen. Die folgende Tabelle zeigt die Abminderungsfaktoren verschiedener Verschattungseinrichtungen abhängig von ihrer Einbaulage.

Abminderungsfaktoren verschiedener Verschattungseinrichtungen
Verschattungseinrichtung Einbau Abminderungsfaktor*
kein Sonnenschutz 100 %
helle, wenig durchsichtige Stoffe (Vorhänge) innen 75 %
dunkle und transparente Stoffe (Vorhänge) innen 90 %
fest installierte, drehbare Lamellen außen 25 %
Rollläden außen 30 %
einfache Jalousien außen 40 %
einfache Markisen außen 50%
*Gibt an, wie viel Energie trotz Verschattung durch die Fenster gelangt

Besonderer Vorteil außen liegender Jalousien: Sie lassen im Sommer ausreichend Tageslicht in die Wohnung, schützen vor Einbrechern und reduzieren im Winter die Wärmeverluste über die Fenster. Das schafft nicht nur Komfort, sondern auch Sicherheit sowie niedrigere Kühl- und Heizkosten.

2.) Bei neuen Fenster auf den G-Wert achten

kuehlung_g-wert-fenster-reflektiert-wärmeSollen die Fenster neu eingebaut werden, können auch diese zum Schutz vor Hitze beitragen. Denn während das Glas einen Teil der Strahlung direkt ins Innere hindurchlässt, wird ein anderer Teil reflektiert oder absorbiert.

Kennzeichen dafür, wie viel der Strahlungsenergie tatsächlich durch das Fensterglas gelangt, ist der Energiedurchlassgrad (g-Wert).

Während ein niedriger g-Wert die Wärmeeinträge reduziert, mindert er auch die solaren Gewinne im Winter. Bei der Auswahl neuer Fenster ist es daher immer sinnvoll, den Sommer- und Winterfall zu vergleichen. Die nebenstehende Abbildung zeigt die Wirkung des g-Wertes grafisch.

3.) Nachtlüftung: Passive Kühlung ohne Technik und Kosten

Sind die Temperaturen durch lange anhaltende Hitzeperioden oder fehlende Verschattung doch stark angestiegen, kann die passive Kühlung durch Nachtlüftung dabei helfen, diese wieder in den Griff zu bekommen. In Deutschland funktioniert das meist ganz gut. Denn wir leben in einer gemäßigten Klimazone, in der die Temperaturen nachts meist unter 20 °C sind.

Die passive Kühlung durch Nachtlüftung nutzt die Temperatur- und Druckunterschiede zwischen Raum und Umgebung, um die Wärme über die Außenluft nach außen abzugeben. Meist reicht es dabei schon aus, die Fenster an zwei gegenüberliegenden Wänden zu öffnen.

AM besten einfach bevor man zu Bett geht die Fenster einmal weit aufmachen und einige Minuten warten, etwa während des Zähneputzens zum Beispiel.

4.) Dezentrale Lüftungsanlage:
Wenn der natürliche Zug nicht ausreicht

Kommt der Luftaustausch von selbst nicht in Schwung oder können die Fenster – zum Beispiel in Erdgeschosswohnungen – nicht die ganze Nacht geöffnet bleiben, helfen bereits einfache technische Hilfsmittel.

Ein Beispiel dafür sind dezentrale Lüftungsanlagen, bei denen Ventilatoren in der Fassade für den Abtransport der warmen und verbrauchten Luft sorgen. Sind sie einmal in Betrieb, entsteht ein Unterdruck in Häusern oder Wohnungen, der dafür sorgt, dass frische Außenluft über spezielle Schlitze in Fenstern oder Außenwänden nachströmt.

Neben der passiven Kühlung im Sommer sind Lüftungsanlagen auch ein optimaler Schutz vor Schimmel und anderen feuchtebedingten Bauschäden. Denn sie sorgen rund um die Uhr für einen ausreichenden Luftwechsel und transportieren dabei die vorhandene Feuchtigkeit ab. Ausgestattet mit einer Wärmerückgewinnung kann die maschinelle Lüftung im Winter sogar die Heizkosten senken. Denn dann speichert sie die Energie der verbrauchten Luft und überträgt sie direkt auf die nachströmende frische Außenluft.

5.) Klimaanlagen: Wenn sonst nichts mehr hilft

Bei hohen inneren Lasten oder großen und unverschatteten Fensterflächen kann es passieren, dass der solare Wärmeeintrag so hoch ist, dass er ohne technische Hilfsmittel kaum mehr in den Griff zu bekommen ist. Die Folge: Die Temperaturen steigen fortwährend an, die betreffenden Räume werden zu Treibhäusern und das Leben und Arbeiten ist oft nur noch unter größten Anstrengungen möglich.

Abhilfe schaffen dabei Klimaanlagen. Diese funktionieren in etwa wie Kühlschränke, entziehen der Raumluft Energie und geben diese an die Außenluft ab. Die folgende Abbildung zeigt die Funktion einer Kälteanlage.

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Generell unterscheidet man bei Kältegeräten zwischen Monoblöcken und Split-Anlagen:

Monoblöcke: Achtung bei mobilen Klimaanlagen

Monoblöcke vereinen alle notwendigen Komponenten zur Kühlung in einem Gerät. Während das generell kein Problem darstellt, sind mobile Geräte, wie es sie in Super- und Baumärkten zu kaufen gibt – oft nicht besonders effizient. Sie kühlen die Luft direkt im Raum und führen die überschüssige Wärme über einen Schlauch durch ein offenes Fenster nach draußen ab. Durch den Unterdruck, den Monoblöcke mit nur einem Lüftungsschlauch erstellen, strömt gleichzeitig auch warme Außenluft nach innen. Der zusätzliche Wärmeeintrag lässt die Temperaturen im Raum steigen und erhöht die Kosten der Kühlung.

Monoblöcke zum Wandeinbau: effizienter aber laut

Besser sind dagegen Monoblöcke, die direkt an der Außenwand montiert werden. Sie transportieren die Luft über Kernbohrung in der Fassade direkt nach draußen und verhindern unnötiges Nachströmen. Ein Nachteil: Da sich alle Bauteile im Inneren befinden, können vor allem günstige Monoblock-Klimageräte sehr laut werden.

Split-Klimageräte: Bei großen Räumen und hoher Leistung

Bei besonders hohen Anforderungen an die technische Kühlung helfen Split-Klimageräte, die generell aus zwei Teilen bestehen. Eine Inneneinheit entzieht der Luft dabei Energie, die gebunden an ein zirkulierendes Kältemittel über zwei dünne Kupferrohre zur Außeneinheit transportiert wird. Hier angekommen kann sie weiterbearbeitet und nach außen abtransportiert werden.

Aufgrund ihrer Bauform bieten Split-Klimageräte einige Vorteile. Diese sind:

  • die höhere Leistung, die auch zur Kühlung mehrerer Räume ausreicht
  • die hohe Effizienz der Anlagen, die geringere Kühl-Kosten verursacht
  • die geringeren Geräuschbelastungen im Inneren, da die lautesten Komponenten im Außenteil untergebracht sind

Wichtig: Während Monoblöcke oft selbst installiert werden können, solltet ihr für die Planung und Installation von Split-Klimageräten immer einen Fachhandwerker zurate ziehen. Der hilft die richtige Baugröße zu wählen und installiert die Technik fachgerecht.

Energy-Label: Auf die Kosten achten

Im Gegensatz zur Verschattung oder der passiven Kühlung durch Nachtlüftung kostet die maschinelle Kühlung Geld. Wie viel das ist, hängt von der anfallenden Kühllast und der Effizienz der verwendeten Geräte ab. Das Energy-Label – ein kleiner Sticker auf den Kühlgeräten – verrät dabei, welche Kosten ihr mit der jeweiligen Anlage zu erwarten habt. Darüber hinaus zeigt das Label auf einen Blick auch die Energieeffizienzklasse, den Wirkungsgrad, die Leistung sowie den Geräuschpegel, den die Geräte im Betrieb erzeugen.

Fazit: Die richtigen Kühl-Tipps sparen bares Geld und schaffen viel Komfort

Viele Maßnahmen machen es möglich, die Temperaturen in den eigenen vier Wänden den Sommer über auf einem angenehmen Niveau zu halten. Um dabei aber unnötige Umweltauswirkungen und Kosten zu vermeiden, solltet ihr die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge umsetzen.

Auch wenn die Klimaanlage mit Sicherheit funktioniert, stellt sie auf Grund des Energieverbrauchs und der hohen Kosten eigentlich die letzte Lösung dar. Bevor ihr günstige Geräte aus Bau- oder Supermärkten kauft, solltet ihr versuchen, die Sonneneinstrahlung im Sommer durch geeignete Verschattung zu reduzieren und hohe Temperaturen durch die Nachtlüftung zu senken. Erst wenn das alles nicht funktioniert, solltet ihr über eine technische Anlage zur Kühlung nachdenken.

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."