Vorlage Blogbeitrag Infrarotwärme Zu Hause

Infrarotheizungen – Direkt-Umweg in die Wärme

Um behagliche Wärme zu erzeugen, setzen Infrarotheizungen auf das Wirkprinzip der Sonne.

Normalerweise gibt es beim Heizen eine goldene Regel: Strom ist ineffizient. Das gilt für die einst sehr ambitioniert verbotenen (aber zum Leidwesen der Energiewende wieder erlaubten) Nachtspeicherheizungen ebenso wie für Heizlüfter. Denn: Wo selbst der einfachste Holzofen heutzutage auf maximale Effizienz getrimmt ist, wärmen elektrische Heizungen oftmals nur mit Strom aus konventionellen Kraftwerken. Wo eine moderne Pelletheizung mit Brennwerttechnik auf Wirkungsgrade von fast 100 Prozent kommt, hat ein Kohlekraftwerk bestenfalls 40 Prozent – und das zieht die Effizienz vieler elektrischer Heizsysteme in den Keller. Mit einer Ausnahme: der Infrarotheizung, die auf den folgenden Zeilen ausführlich erklärt werden soll.

1. Infrarot?

Beim Begriff Infrarot mag mancher den Dunkelheits-Modus seiner Videokamera oder grün-körnig schimmernde Nachtsichtgerät-Bilder vor dem inneren Auge haben. Doch mit beidem hat eine Infrarotheizung wenig gemein. Um ihr Wirkprinzip zu erklären, ist ein Exkurs in die Physik vonnöten und man muss einen Blick auf das Elektromagnetische Spektrum werfen. Das reicht von extrem langwelliger Niederfrequenz-Radio-Strahlung mit mehreren tausend-Kilometer langen Wellen bis hin zu den extrem kurzwelligen Röntgen- und Gammastrahlen im Piko-Meter-Bereich.

Ziemlich genau in der Mitte dieses Spektrums befindet sich das für das menschliche Auge sichtbare Licht mit Wellenlängen zwischen 400 und 700 Nanometern. Etwas rechts davon geht das Licht in den Infrarotbereich über. An dieser Stelle wird es für die Funktion der Infrarotheizung interessant. Denn je tiefer man sich in diesen Wellenbereich hinein bewegt, desto geringer wird der Anteil des sichtbaren Lichts und es steigt der der Wärme.

2. Sonnenpower in groß

Je mehr Fläche, desto effektiver und schneller wird es warm. Deshalb sind in Badezimmerspiegel integrierte Infrarotheizungen auch sehr effizient.
© leemelina08 / pixabay

Um sich die Wirkung der Infrarot-Wärme zu erklären, kann man das Glühlampen-Prinzip als Beispiel nehmen. Eine herkömmliche Halogenlampe etwa. Sie wird im Betrieb ziemlich heiß und das kann man auch aus einer gewissen Distanz noch fühlen. Das ist so, weil das von diesen Lampen ausgestrahlte Licht zu einem hohen Anteil, wesentlich höher als der des sichtbaren Lichts, im Infrarot-Bereich liegt.Und ganz ähnlich funktioniert unsere Sonne. Bloß im XXXL-Maßstab, denn auch das von ihr ausgesendete Wellenspektrum hat einen großen Anteil an Infrarotstrahlung. Die Sonne sendet also ihre Strahlen aus und diese treffen auf die Erde. Dort erwärmen sie buchstäblich alles, denn die Infrarotstrahlen sorgen durch ihren Frequenzbereich dafür, dass die Moleküle in allem, was uns umgibt, zum Schwingen gebracht werden. Je dichter die Moleküle gepackt sind, desto besser funktioniert das. Dabei entsteht Reibungswärme. Das zeigt sich zum Beispiel an einem heißen Sommertag auf einer Motorhaube – denn Metalle haben vergleichsweise dicht gepackte Moleküle. Und diese Wärme strahlt letztendlich auch an die Luft ab und erwärmt diese – der Treibhaus-Effekt sorgt im Anschluss dafür, dass die Wärme nicht wieder ins Weltall entweicht (dies aber nur der Vollständigkeit halber).

3. Sonnenpower in klein

Letztendlich ist deshalb eine Infrarotheizung nichts anderes als eine Sonne im XXS-Format. Bloß, dass hier gar keine Energie zum Erzeugen von sichtbarem Licht aufgewendet wird, sondern alles in die Erzeugung von Infrarotstrahlen gesteckt wird.

Einmal eingesteckt und eingeschaltet sorgt die Infrarotheizung dafür, dass alle Gegenstände – Couch, Schränke und selbst die Wände – durch die Infrarotstrahlung erwärmt werden. Damit gehört sie technisch zu den sogenannten Strahlungsheizungen, wohingegen quasi alle anderen Haus-Heizungen zu den Konvektionsheizungen zählen, die ihre Wärme erst an die Luft abgeben und von dort aus dann an die Einrichtungsgegenstände.

Die direkten Vorteile liegen dabei auf der Hand. Denn die Wärmeerzeugung erfolgt ohne Umweg direkt auf die Einrichtung. Das macht die Sache für eine elektrische Heizung äußerst energieeffizient und für den Anwender bequem, weil die Wärme sofort mit dem Einschalten zur Verfügung steht. Außerdem werden Wände besser durchwärmt, was Schimmelbildung nachhaltig hemmt, weil Kälte für das Kondensieren von Raumluftfeuchtigkeit verantwortlich ist.

Nicht zuletzt gibt es auch keine Probleme durch aufgewirbelten Staub oder hochsteigende und sich unter der Decke ansammelnde Warmluft – vor allem letzteres ist in vielen Altbauten mit hohen Räumen ein immenses energetisches Problem und sorgt dafür, dass durch umfangreiche bauliche Maßnahmen die Decken abgehängt werden müssen. Der Mangel an Luftbewegung wiederum sorgt dafür, dass das Raumluftklima angenehm bleibt, typischer „Heizungs-Muff“ entsteht nicht.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Luft wird zwar erwärmt. Aber erst durch die von der Einrichtung abgestrahlte Wärme. Das senkt wiederum die Energieverluste durch Lüften, weil die Wärme bei offenen Fenstern länger erhalten bleibt.

4. Geht nur in groß

Natürlich stellt sich die Frage, warum diese Heizungsform, zumal sie ja auch bestens durch nachhaltig erzeugten Strom betrieben werden kann, nicht längst führend in Haushalten ist. Die Antwort ist einfach: Die Infrarotheizung braucht, damit sie richtig arbeiten kann, eine wesentlich größere Abstrahlfläche als jeder Wasser-Radiator. Um etwa einen 18 Quadratmeter großen Raum zu erwärmen, benötigt es einen guten Quadratmeter Infrarotheizungs-Fläche. Bei größeren Räumen dementsprechend auch mehr.

Die Industrie reagiert bereits mit Geräten, die in Gemälde-Optik aufwarten, in Spiegel integriert sind oder sogar eigene Raumteiler-Elemente sind. Doch für große Räume, wie sie derzeit vor allem bei Neubauten Standard sind, benötigen Infrarotheizungen eben sehr große Flächen.

Allerdings ist dieser Vergleich auch unfair, denn im privaten Bereich brillieren Infrarotheizungen vor allem in kleineren Räumen und insbesondere dort, wo nur seltenes Heizen notwendig ist. Als „Booster“ für behagliche Wärme nach dem Duschen sind sie ebenso unschlagbar wie in Ferienhäusern oder Wintergärten. Hier schlägt auch der im Vergleich zu anderen Energieträgern höhere Strompreis nicht negativ zu Buche.

Fazit

Die Infrarotheizung ist, sofern man sie richtig einsetzt, eine echte Energiesparmöglichkeit. Sie brilliert überall dort, wo die Installation anderer Heizungssysteme aufgrund ihrer Komplexität zu teuer wäre, wo gerade strukturierte Räume ihr Wirkprinzip unterstützen und wo es auf minutenschnelles Aufwärmen ankommt.

Ein ausgebauter Speicher ist für Infrarotheizungen ebenso das richtige Spielfeld wie Gäste-WCs, selten benutzte Badezimmer, Partyräume, Schrebergärten, etc. Kombiniert man sie dann noch mit umweltfreundlich erzeugtem Strom, sind sie das Mittel der Wahl.

Bildquellen:

1) pixabay.com © PixelAnarchy
2) pixabay.com © leemelina08

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."