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Interview: Energie-Blogger Andreas Kühl

In der Reihe „energieheld fragt – Experten antworten“  interviewt energieheld regelmäßig Experten aus den verschiedensten Bereichen der Energiebranche.

Diverse wichtige Punkte zur aktuellen energiepolitischen Lage werden angesprochen, ein Ausblick auf Trends wird gegeben, Tipps wie im Alltag etwas für die Umwelt getan werden kann und jeweils zum Ende hin ein Fazit mit den wichtigsten und spannendsten Erkenntnissen als Zusammenfassung.

Zu Gast – energynet, der grüne Energieblog

Andreas Kühl, gelernter Bauphysiker und bis 2011 Vertriebsingenieur, bloggt auf seiner Seite energynet.de über Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Besonders wichtig sind ihm dabei die Themen effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich.

Thema: Bürger Engagement für eine dezentrale Energiewende

energieheld: Guten Tag Herr Kühl, vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten.
Sagen Sie, was ist eigentlich ein Energieblogger?

Kühl: Heute kann jeder relativ einfach eine eigene Online-Zeitung starten und seine Meinung, Erfahrung und Fachwissen im Internet verbreiten, so auch im Themengebiet Energie. Zum bloggen gehört aber mehr als nur publizieren, man bringt seine Persönlichkeit mit ein und vernetzt sich mit anderen. So auch im losen Zusammenschluss der Energieblogger, die als große Gemeinsamkeit das Ziel der dezentralen Energiewende verfolgen.

energieheld: Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist Schirmherrin des Schul-Wettbewerbs „Energiesparmeister 2014“ hier werden die besten Klimaschutzprojekte ausgezeichnet. Am 27. Juni wird der Bundessieger gekürt. Was halten Sie von solchen Projekten? Wird Klimaschutz damit zu unkonkret? Wären praktische Tipps, wie ein ressourcenschonender Umgang mit unseren Rohstoffen, im Alltag, aussehen kann, nicht sinnvoller?

Kühl: Das sind durchaus ganz praktische Aktionen bei diesem Wettbewerb, die sich die Schülerinnen und Schüler selbst überlegen. So können sie sich selbst mit den Themen Energieverbrauch, erneuerbare Energien und Klimaschutz vertraut machen. Einige dieser Projekte tragen ganz konkret zum Energiesparen in der Schule bei. Auch konkrete Klimaschutzprojekte, wie der lokale Anbau von Obst und Gemüse, Fahrgemeinschaften für die älteren Schüler, die Eltern oder Lehrer gehören dazu, genauso wie Spendenaktion für Photovoltaik- und Windenergieanlagen für die Schule. Die Schülerinnen und Schüler lernen so durch die Beschäftigung mit dem Thema und durch eigene Erfahrung in diesen Projekten. Das ist viel besser als die reine Wissensvermittlung. Ich finde diesen Wettbewerb sehr gut und unterstütze diesen auch.

Thema: Energieeffizienzstrategien im Alltag

Es möchte doch keiner heute einen Kühlschrank kaufen, der noch so viel Strom benötigt wie vor 15 Jahren.

energieheld: Gibt es eine gemeinsame Strategie, innerhalb der EU, wie energieeffizientes Handeln aussehen kann? Wenn ja, wie lässt sich die Rolle Deutschlands innerhalb dieser Energieeffizienz–Strategie beschreiben?

Kühl: Es gibt verschiedene Richtlinien der EU zur Förderung der Energieeffizienz. Bekannt sind diese durch die Energielabel auf Haushaltsgeräten und auf Leuchtmitteln. Für manche Menschen sind diese vor allem durch das Verbot der Glühbirnen bekannt. Aber auch bei Haushaltsgeräten gibt es diese Vorgaben an die Energieeffizienz der Geräte, das ist nur wenigen bekannt, da durch das Energielabel vorher schon immer effizientere Geräte auf den Markt kamen. Es möchte doch keiner heute einen Kühlschrank kaufen, der noch so viel Strom benötigt wie vor 15 Jahren. Dies wird alles in der Ökodesign-Richtlinie geregelt, die ab 2015 auch für Heizungen ein Energielabel fordert.

Für Gebäude gibt es noch eine Gebäude-Energieeffizienzrichtlinie, die ab 2020 ein Fast-Nullenergiehaus im Neubau fordert. Eine weitere Richtlinie ist die EU-Energieeffizienzrichtlinie, die verschiedene weitere Vorgaben macht, um das Ziel der Steigerung der Energieeffizienz um 20% bis 2020, zu erreichen.
In Deutschland geht man die Umsetzung der letztgenannten Richtlinien sehr schleppend um, aus Angst vor zu hohen Kosten. Dabei sorgt steigende Energieeffizienz für geringere Energiekosten und verringert die Abhängigkeit von steigenden Energiepreisen und von Rohstoffimporten.

energieheld: Wie hilfreich sind EU-Energieeffizienzrichtlinien, wenn es um eine praktikable Umsetzung von Energiesparmaßnahmen geht, z. B. beim Thema Glühbirnen?

Kühl: Bei den Glühbirnen ist man da sehr ungeschickt vorgegangen meines Erachtens, da zuerst die Vorgaben an die Energieeffizienz eingeführt wurden und dann das Energielabel. Im Bereich der Haushaltsgeräte hatte ich es oben schon erwähnt, dass durch die Energielabel sich der Stromverbrauch von Waschmaschine & Co sehr schnell reduziert hat. Heute sind wir soweit, dass die effizientesten Waschmaschinen auf dem Markt nur noch halb soviel Strom benötigen wie in der Energieeffizienzklasse A+++. Die Vorgaben für die Effizienz der Haushaltsgeräte, die es genauso gibt wie bei den Glühbirnen, bekommt daher kaum einer mit. Das hat für mich gezeigt, dass diese Richtlinien hilfreich sind.

Andreas KühlThema: Energiesparende LED Lampen

 Beim Licht sieht man, dass mit Energie immer noch zu sorglos umgegangen wird, man weiß zu wenig welche Folgen das eigene Verhalten auf den Stromverbrauch hat.

energieheld: Eine Möglichkeit, schnell etwas für ein energieeffizientes Eigenheim zu tun, ist wie angesprochen der Austausch der Glühbirne gegen eine energiesparende LED Lampe. Dem Beispiel ist auch Großbritannien gefolgt. Hier wurde, wie die FAZ (18.05.2014) berichte, die Beleuchtung günstiger und als Folge dessen wurden häufiger LEDs eingesetzt. Die Briten erreichten von 1950 bis zum Jahr 2000 eine Verdopplung der Beleuchtungseffizienz. Der Pro-Kopf-Stromverbrauch für das künstliche Licht, vervierfachte sich dagegen. Die Briten leben energieeffizienter machen aber die Nacht zum Tag. Wie kann der richtige Umgang mit LEDs aussehen? Helfen Lichtdimmer weiter?

Kühl: Diesen Effekt gibt es auch in anderen Bereichen, Fernseher und Waschmaschinen werden immer größer und benötigen damit auch mehr Energie. Beim Licht sieht man, dass mit Energie immer noch zu sorglos umgegangen wird, man weiß zu wenig welche Folgen das eigene Verhalten auf den Stromverbrauch hat. Daher halte ich Transparenz im Stromverbrauch und die Thematisierung des Verbrauchs in den Medien für sehr wichtig.
Dimmer sind meines Erachtens sinnvoll, um unterschiedlich helles Licht zu haben. Wer dauerhaft weniger helles Licht haben möchte, sollte von vornherein weniger helle Leuchten (mit weniger Lumen) kaufen. Da muss noch mehr aufgeklärt werden, worauf es beim Kauf von LEDs ankommt.

Thema: Mediale Berichterstattung – Thema Energieeffizienz

Gerade das sehr komplexe Thema der Gebäudesanierung ist schwierig mit einfachen Worten zu vermitteln.

energieheld: Wie bewerten Sie die Berichterstattung in den Medien zum Thema Energieeffizienz? Sind Verbraucher hier ausreichend informiert oder ist die Darstellung zu einseitig – Stichwort Dämmung und energetische Gebäudesanierung?

Kühl: Die Berichterstattung über die Energieeffizienz, besonders von Gebäuden, ist sehr einseitig und eher negativ. Energieeffizienz wird häufig mit Verboten gleichgesetzt, anstatt die Vorteile aufzuzeigen. Da ist noch viel Aufklärung notwendig, denn die Verbraucher werden durch die negativen Berichte stark verunsichert. Wir müssen versuchen Energieeffizienz positiver zu besetzen. Gerade das sehr komplexe Thema der Gebäudesanierung ist schwierig mit einfachen Worten zu vermitteln.
Auf den Berliner Energietagen habe ich versucht mit einer Diskussions-Veranstaltung den Anfang zu setzen für die Suche nach Wegen zu einer positiven Diskussion über Energieeffizienz von Gebäuden. Ich hoffe die Diskussion darüber wird weiter geführt.

Thema: Smart Living – effektiv Energie sparen

energieheld: Können Sie mit Ihrem Smartphone ihre Heizung steuern? Was schätzen Sie, wieviel Potential steckt im System Smart Living? Sie schreiben auf Ihrem Blog (vom 14.05.2014) über die Steuerung von Klimaanlagen mittels Smartphone. Wie effektiv kann mit diesen Systemen Energie gespart werden?

Kühl: Bei mir geht das noch nicht, ich habe auch noch kein solches System ausprobiert. Aber ich bin überzeugt davon, dass die intelligente Heizungsregelung sinnvoll ist und zur Energieeinsparung beitragen kann. Das wäre beispielsweise in Wohnungen der Fall, die nicht saniert werden – aus welchen Gründen auch immer. Die Einsparung kann dann nicht nur technisch erzielt werden, vielleicht wird den Nutzern dann der eigene Verbrach und das Verhalten mehr bewusst.

Thema: 5 Tipps für mehr energieeffizienz im Alltag

energieheld: Der ehemalige UBA (Umwelt Bundesamt)- Präsident Jochen Flasbarth* sagt, dass wir bei der Energieeffizienz deutlich nachlegen müssen. Die Maßnahmen würden noch nicht ausreichen um die Emissionen im angestrebten Umfang, bis 2020 sollen es 20% weniger Emissionen als 1990 geben, zu senken. Die Energiewende geht nicht ohne Energieeffizienz. Geben Sie uns bitte fünf Tipps, wie der Einzelne im Alltag energieeffizienter handeln kann.

KühlNeben den technischen Maßnahmen, wie sparsamere Verbraucher, gibt es weitere Möglichkeiten für Energieeffizienz im Alltag:

  1. Sich regelmäßig über den eigenen Energieverbrauch informieren, damit man immer weiß wie hoch der eigene Verbrauch ist
  2. Waschmaschinen sind am effizientesten, wenn sie voll beladen werden
  3. Licht nur einschalten, wenn es wirklich benötigt wird
  4.  Nicht benötigte Geräte vom Netz nehmen
  5.  Wäsche kann man auch auf dem Balkon oder im Garten an der frischen Luft trocknen

energieheld: Lieber Herr Kühl, vielen Dank für das Gespräch!

Liebe LeserInnen,

engagieren Sie sich! Heute ist es leicht einen Blog zu schreiben, also schreiben Sie über Themen die Sie interessieren. In großer Zahl können wir gemeinsam, die Energiewende ein ganzes Stück nach vorne bringen. Dezentrale Energiewende geht schon im Alltag. Tauschen Sie z. B. Ihre alten Glühbirnen gegen LED Lampen. Und ganz wichtig, informieren Sie sich ausgewogen, vertrauen Sie nicht nur einer Quelle! Dann klappt es auch mit der ganz persönlichen Energiewende.

Kennen Sie jemanden, der sich über die Maßen für die Umwelt engagiert? Dann melden Sie sich  bei uns unter kontakt@energieheld.de.  Wir sind immer auf der Suche nach spannenden Interviewpartnern.

 

* jetzt Staatssekretär im Umweltministerium Anm. d. Red.

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.