E.ON Markus Nitschke

Interview: Markus Nitschke (E.ON)

Interview: Markus Nitschke (E.ON)
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In der Blog-Reihe energieheld fragtExperten antworten, interviewt energieheld regelmäßig Experten aus den verschiedensten Bereichen.

Diverse wichtige Punkte zur Technik, zum alltäglichen Umgang mit Energie oder zur aktuellen energiepolitischen Lage werden angesprochen. Anschließend wird ein Ausblick auf Trends sowie Tipps gegeben, wie im Alltag etwas für die Umwelt getan werden kann. In der Interview-Reihe kommen Blogger, Politiker, Unternehmen, Prominente und viele mehr zu Wort.

Zu Gast: Markus Nitschke, Pressesprecher von E.ON

Markus Nitschke ist beim Düsseldorfer Energiekonzern E.ON Pressesprecher für die Bereiche Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Dezentrale Energie. Sein Berufsweg begann als Volontär und Redakteur bei der Braunschweiger Zeitung. Der Schritt in den E.ON Konzern erfolgte bei den damaligen Braunschweigischen-Kohlen-Bergwerken (BKB) in Helmstedt, wo er zuletzt Kommunikation und Marketing für die Geschäftsfelder Bergbau und Stromerzeugung sowie Abfallverbrennung verantwortete. Bei E.ON Kraftwerke in Hannover leitete er anschließend die Kommunikation für den Betrieb und den Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken in Europa. Seit 2013 ist Markus Nitschke in der Konzernzentale in Düsseldorf tätig.

Thema: Ausstieg aus konventioneller Energieversorgung

Es wird zunehmend schwieriger, […] sowohl in der neuen als auch in der klassischen Energiewelt erfolgreich zu sein.

energieheld: Hallo Herr Nitschke, danke dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.  E.ONs Atom- und Kohleausstieg, sowie die Stilllegung der Gaskraftwerke hat für große Aufmerksamkeit gesorgt. Können Sie uns kurz erzählen, wie es zu der Entscheidung Ende letzten Jahres kam.

Markus Nitschke: In Deutschland und auch weltweit bilden sich zwei unterschiedliche Energiewelten heraus. Schon länger erleben wir, dass unsere Geschäfte von sehr unterschiedlichen Werttreibern und Chancen, Denkweisen und Fähigkeiten geprägt sind. Es wird zunehmend schwieriger, diese extrem unterschiedlichen Kulturen unter einem Dach zu vereinen, um sowohl in der neuen als auch in der klassischen Energiewelt erfolgreich zu sein und wieder wachsen zu können. Wir sind davon überzeugt, dass Energieunternehmen sich auf eine der beiden Welten fokussieren müssen, um künftig unternehmerisch erfolgreich zu sein.

energieheld:  Wenn Sie nun auf die konventionelle Energieerzeugung verzichten, worauf werden Sie dann in Zukunft Ihren Fokus legen?

Markus Nitschke: Mit Umsetzung der neuen Strategie wird E.ON sich künftig vollständig auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen und damit auf die Bausteine der neuen Energiewelt konzentrieren.

energieheld: Auf welche Erneuerbaren Energien setzen Sie genau? Und vor allem, weshalb?

Markus Nitschke: E.ON hat bislang mehr als 10 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien investiert. Bei Offshore Wind sind wir weltweit Nr. 3, bei Onshore Wind Nr. 8 der Welt. Für Wind- und Solarprojekte haben wir eine globale Projektpipeline, die uns viele Möglichkeiten für weitere Aktivitäten bietet.


Thema: Deutsche und internationale Energiepolitik

Nationale Sonderinstrumente führen lediglich zu Verlagerungen von Produktion und Emissionen ins Ausland ohne positiven Gesamteffekt.

energieheld: Nach dem Reaktorunglück in Fukushima reagierte Angela Merkel sofort, die Laufzeitverlängerung wurde revidiert und der Atomausstieg eingeleitet. E.ON ist damals gerichtlich gegen die Abschaltung der eigenen Atomreaktoren vorgegangen. Im Oktober 2014 hat E.ON die Bundesregierung auf Schadenersatz in Höhe von 380 Millionen Euro verklagt. Kritiker behaupten, dass die Energiewende für E.ON eher ein erzwungenes Übel ist. Wie stehen Sie dazu?

Markus Nitschke: Die beiden Aspekte müssen wir voneinander trennen. Beim Atomausstieg sind noch einige rechtliche Fragen zu klären. Abseits davon gehört E.ON mit den Energienetzen sowie den Investitionen in Erneuerbare Energien zu den wesentlichen Mitgestaltern der Energiewende.

energieheld: Was sind die Ziele von E.ON bezüglich der künftigen Treibhausgasemissionen? Wie kann E.ON sich an der von der Koalition vereinbarten 40-prozentigen CO2-Reduktion bis 2020 beteiligen?

Markus Nitschke: E.ON kämpft seit langem für CO2-Vermeidung und sieht in dem Emissionshandelssystem das für ganz Europa als am besten geeignete Instrument zum Klimaschutz. Hierüber muss sichergestellt werden, dass CO2-Vermeidung auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Nationale Sonderinstrumente führen lediglich zu Verlagerungen von Produktion und Emissionen ins Ausland ohne positiven Gesamteffekt.

energieheld: Was kann E.ON konkret zur Energiewende beitragen?

Markus Nitschke: Im Herbst geht zum Beispiel der Offshore-Windpark Amrumbank West in der Nordsee komplett in Betrieb. Dann erzeugen wir grünen Strom für weitere 300.000 Haushalte in Deutschland. Wenig im Fokus stehen bislang die Verteilnetze, die als Energiedrehscheibe immer zentralere Bedeutung gewinnen. Sie müssen das zunehmend schwankende Stromangebot mit der schon immer schwankenden Stromnachfrage in Einklang bringen. Damit die Netze ein belastbares Rückgrat der Energiewende bleiben, entwickeln wir sie mit intelligenter Technologie weiter. Darüber hinaus forschen wir intensiv an neuen Systemen für große Energiespeicher. Stichworte sind Power-to-Gas-Anlagen oder große Batteriespeicher. Ein weiteres Geschäftsfeld sind virtuelle Kraftwerke, bei denen wir verschiedene, meist regenerative Stromerzeuger so miteinander verknüpfen, dass sie wie ein gemeinsames Kraftwerk funktionieren. Und mit dem Einstieg ins Solargeschäft unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihr eigener Energieproduzent zu werden. Es gibt also einen ganzen Strauß an Initiativen, mit denen E.ON der Energiewende in Deutschland und darüber hinaus voranbringt. Natürlich nutzen wir auch die sich daraus ergebenden Chancen. 


Thema: Erneuerbare Energien

Rund 17 Prozent des von E.ON erzeugten Stroms stammt bereits aus Erneuerbaren Energiequellen.

energieheld: Können Sie mit Erneuerbaren Energien überhaupt eine durchgängige Versorgung ohne Engpass gewährleisten? Wenn ja, wie geschieht dieses? Wenn nicht, wie lösen Sie dieses Problem?

Markus Nitschke: Die Versorgungssicherheit ist Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber. Aber es ist richtig, dass die Erneuerbaren Energien diese Sicherheit noch lange nicht bieten können. Für die Versorgungssicherheit brauchen wir Kraftwerkskapazitäten, die sichere Leistung bereitstellen.

energieheld: Wie hoch ist bei E.ON aktuell der Anteil aus Erneuerbaren Energien?

Markus Nitschke: Rund 17 Prozent des von E.ON erzeugten Stroms stammt bereits aus Erneuerbaren Energiequellen, Tendenz steigend. Aktuell nehmen wir die Turbinen für die Offshore Windparks Amrumbank West und Humber Gateway nach und nach in Betrieb. Die installierte Leistung beider Windparks wird am Ende mehr als 500 Megawatt betragen. 

energieheld: Der Rückzug aus der konventionellen Energieerzeugung wirft die Frage nach den Kosten für den Rückbau der Atomanlagen und die Atommülllagerung auf. Wer kommt für diese hohen Folgekosten aus dem Geschäft mit Atomkraftwerken und fossilen Brennstoffen, also für die sogenannten Altlasten, auf?

Markus Nitschke: Hierfür haben wir – wie alle anderen Betreiber von Kernkraftwerken auch – Rückstellungen gebildet, die jährlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern geprüft und ggf. angepasst werden.

energieheld: Könnten Sie die Idee eines Atomfonds oder einer Atomstiftung näher erläutern?

Markus Nitschke: Das sind Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen.

Amrumbank

Amrumbank West: der Offshore-Windpark von E.ON in der Nordsee


Thema: Vergleich mit anderen großen deutschen Energiekonzernen

In Zusammenhang mit der neuen Strategie ist bei E.ON kein Stellenabbau geplant.

energieheld: Wie wichtig ist es, von den großen Energieversorgern der erste zu sein, der sich traut, sich aus dem alten Geschäft komplett zu lösen?

Markus Nitschke: Ob es tatsächlich von Bedeutung war, der Erste gewesen zu sein, können wir wahrscheinlich erst in einigen Jahren beantworten. Wichtig ist aber, dass E.ON eine klare Perspektive hat.

energieheld: Schaut man sich auf dem Markt um, sollen zum Beispiel bei RWE bis 2016 in Deutschland 4750 Stellen abgebaut werden. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Markus Nitschke: E.ON hat seine Hausaufgaben bereits gemacht und die Strukturen optimiert. Wir sind schlank und wettbewerbsfähig aufgestellt. In Zusammenhang mit der neuen Strategie ist bei E.ON kein Stellenabbau geplant.


Thema: Ausblick in die Zukunft

Die Dezentralisierung der Stromversorgung wird immer weiter zunehmen.

energieheld: Für uns ist natürlich der Blick auf die zukünftige Wärmeversorgung besonders interessant. In welchen Bereichen ist E.ON hier besonders aktiv? Können Sie uns eventuell auch konkrete Projekte nennen?

Markus Nitschke: E.ON zählt zum einen zu den großen Erzeugern und Versorgern von Fernwärme in Deutschland, insbesondere im Ruhrgebiet. Darüber hinaus helfen wir vielen Unternehmen, ihre Energiekosten zu senken, beispielsweise durch die Installation von KWK-Anlagen. Wir sehen hierin ein wichtiges Geschäftsfeld, denn die Dezentralisierung der Stromversorgung wird immer weiter zunehmen.   


Thema: Tipps für einen nachhaltigen Alltag

Das größte Potenzial zum Einsparen von Energie […] liegt bei der Industrie.

energieheld: Am Ende des Interviews freuen wir uns immer über drei bis fünf Tipps für einen energiesparenden Alltag. Was sind Ihre Tipps?

Markus Nitschke: Das größte Potenzial zum Einsparen von Energie und insbesondere CO2 liegt bei der Industrie sowie den Unternehmen des privaten und öffentlichen Sektors. Anstelle von drei bis fünf kleinen gebe ich einen großen Tipp: Unter www.eon-connecting-energies.com  sollten Unternehmen oder große Verwaltungen einmal prüfen, wo sie beim Energieverbrauch im Vergleich zu ihrer Branche oder ihrem Sektor stehen. Das kann der erste Schritt zu einem Einsparprogramm sein.

energieheld: Lieber Herr Nitschke, haben Sie vielen Dank!

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Fazit

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem absoluten Atom- und Kohleausstieg setzt E.ON ein Zeichen in Deutschland, doch die 17 Prozent Strom, die bislang aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden, sind steigerungsfähig. Die Einschätzung, dass die Dezentralisierung mit KWK-Anlagen künftig immer mehr ein Thema wird, ist nachvollziehbar. Wir von energieheld beobachten weiterhin den Markt der Energieversorger und freuen uns über weitere Stimmen zu dem Thema rund um die Energiewende.


 

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Helen Bielek

Für die Energiewende - bei energieheld kann ich etwas bewegen.