Interview: Smart Living mit Grünspar

Grünspar Smart Living
In regelmäßigen Abständen interviewt energieheld, Experten aus den verschiedensten Bereichen der Energiebranche. Diverse wichtige Punkte zur aktuellen energiepolitischen Lage werden angesprochen, ein Ausblick auf Trends wird gegeben, Tipps wie im Alltag etwas für die Umwelt getan werden kann und jeweils zum Ende hin ein Fazit mit den wichtigsten und spannendsten Erkenntnissen als Zusammenfassung.

Zu Gast – die Grünspar GmbH

Die Grünspar GmbH wurde 2010 von Sebastian Kotzwander gegründet. Aus dem Herzen Münsters verfolgt das Unternehmen seitdem die Mission, dass kein Haushalt in Deutschland mehr unnötig Ressourcen und Energie verschwendet. Grünspar besteht aus zwei Geschäftsbereichen, einem Online-Shop für energiesparende und ressourcenschonende Produkte und einem White Label Shop für ebendiese Produkte. Damit ist Grünspar ein Online-Versandhaus für energieeffiziente Haushaltswaren, zum Beispiel wassersparenden Duschköpfe oder LED-Lampen.
Das Interview führen wir mit der Pressesprecherin von Grünspar Sarah Schneider.


energieheld fragt – Experten antworten (Thema: Smart Living)

Was ist eigentlich Smart?

energieheld: Hallo Frau Schneider, vielen Dank, dass Sie sich im Namen von Grünspar Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten.
Warum gerade das Thema energieeffiziente Haushaltsgeräte? Was begeistert Sie daran?

Schneider: Ich persönlich bin begeistert von dem Mehrwert den LEDs, Heizungsregler und Co. bieten. Sie sind mehr als nur reine Haushaltsgeräte, sie sind effiziente Haushaltsgeräte! Sie geben dem Einzelnen ein kleines Stück Kontrolle bei immer steigenden Energiepreisen zurück.

energieheld: Smart Living, Smart Home, Smart House, Smart Building – geben Sie uns einen kurzen Abrisse über das Konzept „Smart“? Welche Kriterien sind wichtig um ein System als z. B. „Smart Living“ zu bezeichnen?

Schneider: Eine allgemeingültige Definition für z. B. Smart Living gibt es aktuell nicht. Kernkriterium für ein Smart Home System ist jedoch seine Intelligenz. Intelligenz erreichen die „smarten“ Lösungen beispielsweise dadurch, dass sie untereinander kommunizieren können und / oder lernfähig sind. Das heißt man benutzt intelligente Technik, um das Alltagsleben zu vereinfachen oder eben Energie einzusparen.

energieheld: Frau Schneider, wohnen Sie intelligent? Was für technische Vorrausetzungen müssen erfüllt werden und welche Normen müssen berücksichtigt werden um ein Smart Home System zu installieren?

Sarah Schneider Smart Living

Sarah Schneider von Grünspar

Schneider: Da ich gerade erst mit meinem Studium fertig bin, hatte ich noch nicht das nötige Kleingeld, um mich richtig smart living mäßig auszustatten. Ich fange klein an mit elektronischen Heizkörper-thermostaten und programmierbaren Steckdosenleisten. Der Smart Home Markt ist sehr unübersichtlich, es gibt daher auch keine einheitlichen Lösungen.

Es finden sich allein für smarte Heizungssteuerungen zahlreiche verschiedene Lösungen, die jeweils andere Dinge voraussetzen. Ich kann Interessierten nur raten, sich die jeweiligen Voraussetzungen, Vorteile und Nachteile der einzelnen Varianten genau anzusehen. Wichtig ist, es muss nicht immer das vollautomatisierte Haus sein. Wer Interesse am Smart Home hat, der kann auch mit weniger allumfassenden Lösungen anfangen und auf einen intelligenten Kühlschrank oder eine programmierbare Steckdosenleiste setzen.

Allumfassendere Lösungen haben mit der Zeit gelernt, wie in dem Haus gelebt wird.

energieheld: Welche Aspekte gehören zum Smart Living Modell, d. h. welche Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb des Hauses gibt es?

Schneider: Im Endeffekt sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt. Aktuell konzentrieren sich die angebotenen Lösungen jedoch vor allem auf die Bereiche Licht, Heizung, Elektronik und Sicherheit. Im Fokus stehen hierbei der effizienteUmgang mit Energie und der Wohnkomfort. Eine smarte Lösung aus dem Bereich Energieeffizienz könnte so aussehen, dass die Heizung beispielsweise merkt, wenn Sie das Fenster aufmachen oder wann Sie das Haus verlassen und darauf hin die Temperatur herunterfährt. Allumfassendere Lösungen haben mit der Zeit gelernt, wie in dem Haus gelebt wird. Und können so dafür sorgen, dass es morgens um 7 Uhr, beim Aufstehen, warm im Badezimmer ist. Eine andere denkbare smarte Variante, die eher den Wohnkomfort erhöht, wäre, dass Sie in der Küche den Müllbeutel rausnehmen und im Hof die Mülltonne aus der Erde fährt.

Thema: Wie energieeffizient ist Smart Living?

energieheld: Was kann eine Hausautomatisierung wirklich leisten? Können Sie konkrete Zahlen nennen, wieviel Energie eine Smart Home Lösung wirklich einsparen kann?

Schneider: Auch hier ist es nicht möglich pauschale Angaben zu machen. Die wirklichen Einsparungen hängen stark von dem jeweiligen System, den gegebenen Voraussetzungen im Haus, der Anzahl der Bewohner und dem Verhalten der Bewohner ab. Natürlich spielt es auch eine Rolle, ob das System primär installiert wurde, um Energie zu sparen oder den Wohnkomfort zu erhöhen. Mit intelligenter Heizungssteuerung kann man bis zu 20% Heizkosten einsparen, das macht bei einem 2-Personen-Haushalt etwa 200 Euro im Jahr aus.

energieheld:  Was würden Sie Herrn Daniel Bachfeld von der Computerzeitschrift c’t (Zitat aus Deutschlandfunk 07.05.2013) erwidern, der folgendes am Smart Living Konzept auszusetzen hat:

„Man redet immer über Energieeinsparung, wobei die Hersteller nur noch von Energiemanagement reden, weil sie nicht mehr ganz sicher sind, bringt das wirklich was. Bei der Heizung zum Beispiel, diese Nachtabsenkung, in gut gedämmten Häusern bringt die eigentlich gar nichts, und gerade in Neubauten – zum Beispiel Passivhäuser – da reicht ja quasi eine Kerze zum Heizen, warum soll ich da noch die Heizung kontrollieren, da habe ich ohnehin schon eine intelligente Heizung drin.“

Schneider: Mir scheint es als ob, Herr Bachfeld sehr pauschal urteilt. Natürlich bringt eine zusätzliche intelligente Heizungssteuerung nichts mehr, wenn das Haus schon „smart“ gebaut wurde und ebendiese smarten Mechanismen schon integriert sind. 75% der deutschen Wohnhäuser sind jedoch älter als 30 Jahre und damit weit weg vom Dasein eines Neubaus oder Passivhauses. Vom Energiemanagement spricht man, weil diese Methode eine mögliche Variante eines Smart Home Systems sein kann. Und als Mittel zum Energiesparen dienen kann. Natürlich nicht, um damit zu überspielen, dass eigentlich nichts gespart wird. Das Smart Home Systeme mit Energiemanagementfunktion auch in Zukunft noch eine Rolle spielen, zeigt Googles spektakulärer Kauf von Nest, einem Hersteller von intelligenten Raumthermostaten. Die Technologie ist Google 3,2 Milliarden Dollar wert gewesen. Wenn die Häuser effizienter werden, bin ich mir sicher, dass die Hersteller dies nicht verschlafen werden und ihre Technik den veränderten Bedingungen anpassen.

Thema: Smart Living und die großen Energiekonzerne – ein neues Geschäftsmodell?

energieheld: RWE und Vattenfall haben das Smart Living als Geschäftsmodell gewittert. Sie bieten ein „Starterpaket“ für „intelligentes Energiemanagement“ an, ab 300 Euro. Ist dieses Starter Kit wirklich was für den „Otto Normalverbraucher“ oder eher was für den Bastler?

Schneider: Zuerst einmal, das RWE Smart Home Starterpaket ist vom Hersteller eQ-3 und nicht von RWE selber. Dieser Hersteller gehört zu den Marktführern im Bereich Smart Home. Somit können Kunden die eQ-3 Lösungen auch wo anders kaufen und nicht nur bei RWE, wir haben beispielsweise auch ein eQ-3 Startpaket im Angebot. Das eQ-3 ist relativ einfach in Betrieb zu nehmen. Da es sich vor allem um die Heizungssteuerung kümmert ist die Komplexität überschaubar. eQ-3 ist damit gerade für Otto Normalverbraucher interessant. Es gibt Systeme die deutlich komplexer und damit mit etwas mehr Aufwand in Betrieb zu nehmen sind.

Thema: Welche Smart Living Geräte sind besonders energieeffizient?

energieheld:Was sind, Ihrer Meinung nach, die effektivsten, bzw. effizientesten Smart Living Geräte? Haben Sie einen heißen Tipp für uns?

Schneider: Die interessantesten Systeme, mit denen auch die meisten Einsparungen zu erreichen sind, drehen sich alle um die Heizung. Relativ bekannt geworden, als das deutsche Nest, ist tado°. tado° regelt die Raumtemperatur intelligent und passt sich perfekt den Gewohnheiten der Bewohner an, erkennt, wann diese das Haus verlassen und weiß wie das Wetter draußen ist. Ein 3-Personen-Haushalt kann damit bis zu 200€ einsparen. tado° hat ein modernes Aussehen und ist intuitiv bedienbar. Perfekt für alle, die auf optische und technische High-End-Lösungen stehen.

Thema: Können  Sie uns  fünf Tipps zum energiesparen nennen?

energieheld: Wie lässt sich Energie im Kleinen sparen? Können Sie uns fünf Tipps geben, wie sich im Alltag Energie schnell und effizient einsparen lässt?

Schneider: Erstens, alle alten Glühbirnen rausschmeißen und gegen LEDs ersetzen. LEDs gibt es bereits ab 5 Euro. Zweitens, wassersparende Duschköpfe und Durchflussbegrenzer nutzen, um heißes Wasser und damit auch Heizkosten einzusparen. Durchflussbegrenzer kosten nur etwa 4 Euro. Drittens, Stand-by-Verbräuche bei TV, PC und Co reduzieren. Dazu einfach eine ausschaltbare Steckdosenleiste zwischenschalten. Diese gibt es bereits ab 5 Euro. Viertens, Heizkörperthermostate anbringen. Diese sind ein kostengünstiger Einstieg in das Energiemanagement und sehr effektiv. Zwischen 10 Prozent und 20 Prozent kann man damit einsparen. Einfache Modelle gibt es bereits ab 15 Euro. Fünftens, für Fortgeschrittene-Energiesparer, energieeffiziente Haushaltsgeräte kaufen. In Kühlschränken, Waschmaschinen und Trocknern schlummert viel verborgenes Einsparpotential.

energieheld: Liebe Frau Schneider, vielen Dank für das Gespräch!

Schneider: Sehr gerne!

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.