Christoph Krause - Kompetenzzentrum Digitales Handwerk

Christoph Krause – Kompetenzzentrum Digitales Handwerk

Christoph Krause – Kompetenzzentrum Digitales Handwerk
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Wir sprachen in den vergangenen Interviews über die Unternehmensberatung und die geeigneten Marketingstrategien im Handwerk. Nun wollen wir ein paar Schritte zurückgehen und uns die Chancen der Digitalisierung im Handwerk einmal im Ganzen anschauen.

Aktuell ist Christoph Krause auf der Veranstaltungsreihe „Fit fürs Handwerk 4.0. Den digitalen Wandel erfolgreich meistern.“ zu sehen. Die nächsten Termine dazu sind:

  • 17.02.2017, in München
  • 03.03.2017, in Stuttgart

Darüber sprechen wir im Interview:

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Krause, schön dass Sie da sind. Bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor.

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Da gibt es aktuell drei Begriffe die es treffen: Designer, Schnellredner, Digital-Stratege. Aktuell begleite ich Unternehmen beim Digitalen Wandel in all seiner Komplexität. Mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk West bieten wir hierbei 3000 qm Experimentierraum um neue Ideen auszutesten. Digitalisierung lebt vom Machen, Experimentieren, Verwerfen und Neuumsetzten. Im Fokus unserer Arbeit stehen hierbei die Geschäftsprozesse in Unternehmen die in Zukunft alle digitalisiert werden. Ausnahmen. Keine.

Ideenwettbewerb Rheinland Pfalz 2017 - Digitales Handwerk

Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz 2017 – Digitales Handwerk

Was bedeutet digitales Handwerk?

Es gilt aus der Tradition heraus zu digitalisieren und Strukturen zu bauen die beweglich auf zukünftige digitale Veränderungen reagieren können.

Sebastian Zahn (energieheld): Herr Krause, was bedeutet eigentlich Digitalisierung im Handwerk. Es heißt ja nicht, dass sich jeder Handwerksbetrieb einen 3 D-Drucker anschaffen sollte, oder?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Ein 3D-Drucker reicht so wenig wie eine 4.0 hinter eine Branche zu schreiben. Die Digitalisierung im Handwerk beginnt für alle Unternehmen mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse vom Kunden ins Unternehmen und wieder zurück. Hierbei steht im Fokus eine durchgängige digitale Kette ohne Brüche zu erzeugen. Thema zwei trifft die konsequente Umsetzung einer digitalen Kundenschnittstelle.

Hierbei gilt es die Kunden auch digital zu anzubinden und zu verzaubern. Da wären wir beim Thema Plattform. Weiter gilt es für Unternehmen die produzieren, die Produktion digital weiter zu vernetzten und hierbei auch die Produkte selbst nach Digitalisierungschancen zu beleuchten. Den Abschluss der vier Themen bietet die Chance tatsächlich digitale Geschäftsmodelle aus dem Handwerk heraus zu denken. Enegieheld ist hier ja eines der guten Beispiele.

Sebastian Zahn (energieheld): Wenn ich als Handwerksbetrieb meine digitalen Kanäle erweitern möchte, welche Optionen stehen mir dann zur Verfügung?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Plattform. Plattform. Plattform. Was so leicht klingt hat viele Faktoren für den Erfolg. Was sind die digitalen Mehrwerte für den Kunden? Wie kann digitale Bekanntheit erreicht und gehalten werden? Wie lassen sich relevante Inhalte durchgehend erzeugen? Das gelingt nur über die alt bekannten Grenzen hinweg und im echten digitalen Netzwerk. Leider denken hier viele Unternehmen noch in der Kategorie Webseite.

Sebastian Zahn (energieheld): Das Internet bietet die Möglichkeit, Branchengrenzen zu überwinden und alte Strukturen neu zu denken. Wird im Handwerk immer noch zu traditionell gedacht?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Die Tradition im Handwerk halte ich für enorm wichtig. Gerade wegen der Digitalisierung gibt es eine nie dagewesene Lust nach echtem Handwerk. Doch Vorsicht. Kommunikation, Kanäle und Prozesse sind heute nun mal andere. Und hierbei brauchen wir ein Denken 4.0. Die digitale Kultur im Unternehmen muss genau wie die des Handwerks etabliert werden. Vom Chef bis zum Lehrling und zurück. Also gilt es aus der Tradition heraus zu digitalisieren und Strukturen zu bauen die beweglich auf zukünftige digitale Veränderungen reagieren können.

Sebastian Zahn (energieheld): Verhindert das traditionelle Denken die Bildung von neuen innovativen Netzwerken?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Handwerk hat einen großen Vorteil gegenüber großen Unternehmensstrukturen. Flexibilität und Kreativität waren und sind die Stärken des Handwerks und zugleich die Erfolgsfaktoren für Digitalisierung. Also raus aus der Starre und auf zu neuen Wegen. So hat Handwerk schon immer Neues hervorgebracht. Ich glaube hier sind wir aktuell etwas zu schüchtern.

Was sind digitale Lösungen für das Handwerk?

Die digitale Anbindung von Herstellern und Handwerk wird zukünftig zur Selbstverständlichkeit im Austausch der Waren und Informationen. Wer dies nicht gewährleistet ist zukünftig draußen.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie kann eine digitale Plattform wie energieheld, die Digitalisierung im Handwerk unterstützen?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Sie bietet als erstes den nötigen digitalen Kontakt zu den Kunden. Eine unbezahlbare Währung für die digitale Zukunft. Hier kann ich als Handwerker mit der nötigen Schnelligkeit auf Kunden reagieren. Auffindbarkeit im Netz und in den Social Media Plattformen läuft über Plattformen.

Das können nur wenige alleine Aufbauen. Energieheld bündelt hier für ein relevantes Thema. So können Inhalte und Expertenwissen getauscht werden und Kundenansprach neu gedacht werden.

Sebastian Zahn (energieheld): Wenn wir von einer digitalen Basisausstattung für Handwerker sprechen, was wäre das?

Christoph Krause von der Handwerkskammer Koblenz über digitales Handwerk

Christoph Krause von der Handwerkskammer Koblenz über digitales Handwerk

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Basis heißt für mich hier eindeutig erstens: Eine leistungsfähige und skalierbare Softwarelandschaft zur durchgehenden Digitalisierung der Geschäftsprozesse.

Eine gut umgesetzte und authentische Seite im Netz, die an die Geschäftsprozesse angeschlossen ist, das wünschen sich Kunden vom Handwerker. Terminbuchung, Angebotserstellung, Projektverwaltung, Chat usw. Die Möglichkeiten sind je nach Gewerk und Ausprägung sehr unterschiedlich.  

Sebastian Zahn (energieheld): Was wir als Unternehmen für unsere Partner bereitstellen ist die digitale Verknüpfung von Herstellern und Verarbeitern (Handwerker) über eine Software. Kann so eine Spezialisierung der richtige Weg sein?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Die digitale Anbindung von Herstellern und Handwerk wird zukünftig zur Selbstverständlichkeit im Austausch der Waren und Informationen. Wer dies nicht gewährleistet ist zukünftig draußen.

Hier gibt es natürlich unterschiedliche Wege der Umsetzung. Mein Wunsch ist hierbei ein unternehmerisch handelndes und eigenständiges Handwerk.

Sebastian Zahn (energieheld): Oder liegt aller Anfang in einer einfachen Softwarelösungen mit denen Kunden und Projekte verwaltet werden können?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Auch hier gilt. Kundendaten müssen heute digital verarbeitet und in die tägliche handwerkliche Abwicklung beim Kunden, auf der Baustelle oder im Büro eingebunden werden.

Der gesamte Prozess ist heute schon komplett mobil möglich und auch bezahlbar. Einfachheit in den Oberflächen und Geräten ist hierbei von höchster Wichtigkeit um alle Mitarbeiter mitzunehmen. Die Arbeit mit der Software muss gar Spaß machen, sonst wird das nichts.

 

Welche organisatorischen Änderungen sind für ein digitales Handwerk nötig?

Die Digitalisierung der Prozesse und die damit einhergehende stärkere Selbststeuerung von Teams macht viele regulierende und steuernde Aufgaben obsolet.

Sebastian Zahn (energieheld): Was bedeuten diese Maßnahmen für den Führungsstil im Unternehmen?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Digitalisierung braucht Vertrauen und erzeugt gleichzeitig Transparenz. Führung bekommt im digitalen Zeitalter eine völlig neue Dimension. Bei allen Fragen der Umsetzung ob digitale Zeiterfassung oder das digitale Erfassen von Maschinendaten.

Die Mitarbeiter müssen in die Entwicklung der digitalen Prozesse von Anfang an eingebunden werden. Die Digitalisierung der Prozesse und die damit einhergehende stärkere Selbststeuerung von Teams macht viele regulierende und steuernde Aufgaben obsolet. Zeit um Führung auch als Entwicklungsaufgabe der Mitarbeiter zu verstehen. Digitale Bildung, Gesundheitsvorsorge, Flexibilität in Zeit und Ort. Das sind die Fragen die aktuell interessieren.

Sebastian Zahn (energieheld): Können Sie uns ein erfolgreiches Praxisbeispiel nennen, das zeigt, wie sich ein Handwerksbetrieb erfolgreich digitalisierte?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Zum Glück. Es gibt aktuell eine Vielzahl erfolgreicher digitaler Macher aus dem Handwerk. Egal aus welchem Gewerk. Gerade komme ich aus Köln von der Tischlerei Bächer Bergmann. Die Jungs haben gerade einen Auftrag vom Stardesigner Ross Lovegrove zut IMM abgearbeitet. Der war wie nie begeistert von der digitalen Kompetenz des deutschen Handwerks. Das Team von Bächer & Bergmann beherrscht alle Formen des digitalen Tischler-Handwerks: 3D-Druck, Laserschneiden, 5-Achs-Fräsen und neuerdings auch 7-Achs-Roboterfertigung.

Oder nehmen wir die durchgehende Prozessplattform des Metallbauers lungmetall. Digitale Fertigung ist für ihn bereits Standard. Was fehlte war eine Plattform um an jedem erdenklichen Ort den Kunden den Auftragsstatus jeder Arbeitsstation genau beschreiben zu können. Er investierte rechtzeitig in eine durchgängige digitale Kette durch das gesamte Unternehmen.

Oder nehmen wir einen der Retter des deutschen Fleischerhandwerks – Hendrik Haase von Kumpel & Keule aus Berlin der mit einmaliger Social Media Kommunikation ein unglaubliches Wachstum generiert und zugleich noch Handwerk attraktiv für den Nachwuchs macht. Die jungen Leute stehen hier Schlange um da arbeiten zu dürfen. Bei über 30.000 offenen Lehrstellen keine schlechte Sache. Die Beispiele sind also so vielfältig wie das Handwerk selbst.

Was kommt auf das Handwerk zu?

Wichtig. Einfach mal anfangen!

Sebastian Zahn (energieheld): Wenn Sie einmal für uns in die Zukunft schauen würden, was erwartet das Handwerk in nächster Zeit in Sachen Digitalisierung?

Christoph Krause (Digitales Handwerk): Wir stehen gerade erst am Anfang der Digitalisierung.

Ich denke die Themen von 2017 heißen:

Wie werden die Produkte rund um unsere Kunden digital vernetzt? Täglich kommen unzählig digital angebundene Geräte auf den Markt. Was hier für das Handwerk von Interesse sein muss?

Wie kann hier digitaler Service vom Handwerk eingebunden werden?

Zudem werden unsere Prozesse immer weiter durch intelligente Sensorik angereichert. Das Handwerk muss hier schnell abstecken in welche Datenkette es sich integrieren kann. Der Markt wartet auch hier noch auf Geschäftsmodelle.

Und nicht zuletzt werden wir im Bereich Kommunikation den Ausbau der großen Chatplattformen sehen. In China schon Alltag steuern wir zukünftig viele Prozesse direkt aus dem Chat. Hierzu gehört sicherlich auch die Terminabsprache oder das Angebot mit dem Handwerker. Die digitale Welt bleibt also wie das Handwerk bunt. Wichtig. Einfach mal anfangen!

Sebastian Zahn (energieheld): Lieber Herr Krause, vielen Dank für das Gespräch!

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, 

in den vergangen drei Interviews über die Zukunft des Handwerks habe ich versucht mithilfe unterschiedlicher Gäste, den Begriff Digitalisierung für das Handwerk greifbarer zu machen. Ich glaube, dass Christoph Krause hier noch mal einen interessanten Mehrwert geliefert hat. Wir können also festhalten: „Einfach mal anfangen.“

Digitalisierung ist keine abstrakte Managementfantasie, sondern kann ganz konkret umgesetzt werden. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig. Auf zwei Themen sollte sich dabei besonders konzentriert werden. Zum einen die Basis – schaffen Sie eine funktionierende Softwarelandschaft, die die Grundlage bildet für die Vernetzung mit den Mitarbeitern und Kunden. 

Zum anderen die Verknüpfung – verbinden Sie ihre Produkte miteinander und ganz wichtig, schaffen Sie eine Verknüpfung zu den herstellenden Betrieben. 

Für ein eigenständiges und selbstbewusstes Handwerk, dass sicher in die Zukunft blicken kann, sind diese Schritte unbedingt erforderlich. Und auch umsetzbar. 

Fragen Sie uns. Wir helfen Ihnen dabei.

 

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.