Bild: PUR-Dämmung

PUR- / PIR-Knappheit – welche Dämmung als Alternative?

PUR- / PIR-Knappheit – welche Dämmung als Alternative?
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PUR- und PIR-Dämmungen sind aktuell (Juni 2017) praktisch nicht mehr verfügbar und alle Verarbeiter überbieten sich gegenseitig, um die letzten Reste zu ergattern. Eine solche Knappheit klingt unrealistisch? Leider handelt es sich um die Wahrheit.

Wir haben uns die PUR- / PIR-Knappheit einmal genauer angeschaut und zeigen sinnvolle Alternativen für Handwerker und Endkunden auf.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

    1. Was ist eine Dämmung mit PUR oder PIR?
    1. Warum eine Knappheit?
    1. Folgen für das Baugewerbe
    1. Dauer der Knappheit
  1. Alternative Dämmungen

Was ist eine PUR- / PIR-Dämmung?

PUR (Polyurethan)- und PIR (Polyisocyanurat)-Dämmungen bestehen aus einem Kunststoffschaum in verschiedenen Härtegraden, der zur Wärmedämmung von Gebäuden eingesetzt werden kann. Dämmplatten oder Sprühschaum sind dabei die häufigsten Anwendungsformen. Darüber hinaus findet sich PUR auch in einer Vielzahl von anderen Produkten (Surfbretter, Skateboardrollen, Autositze etc.).

PUR ist generell etwas zäher und elastischer, während PIR sehr fest und feuerbeständig ist. Neben Erdöl werden beide Produkte besonders aus MDI (Methylendiphenylisocyanat) oder TDI (Toluol-2,4-diisocyanat) hergestellt – ohne diese Grundstoffe kommt die PUR- / PIR-Herstellung zum Erliegen.

Die Produktionskette von PUR und PIR kann für Außenstehende ohne chemisches Hintergrundwissen sehr unübersichtlich sein. Eine Vielzahl von Rohstoffen und Zusätzen wird in verschiedenen Arbeitsschritten (und Fabriken) letztendlich zu PUR / PIR verarbeitet. Die wichtigsten Stationen sind dabei die Herstellung von MDI und TDI, die dann zu PUR / PIR weiterverarbeitet und anschließend zur Herstellung von Dämmplatten oder Schäumen eingesetzt werden.

Hintergründe zur PUR- / PIR-Knappheit

Kommt es irgendwo zu Problemen in der Versorgungskette, leiden darunter auch immer die nachfolgenden Produktionsstufen.

In der aktuellen PUR- / PIR-Knappheit kam es Anfang 2017 bei großen MDI- / TDI-Herstellern wie BASF, KMCI und Covestro zu sehr unterschiedlichen Problemen in der Produktion, sodass die insgesamt verfügbare Menge von MDI und TDI enorm gesunken ist.

Mit diesem MDI- / TDI-Mangel musste auch die Herstellung von PUR und PIR bei BASF und Covestro zurückgefahren werden. Dazu kam noch, dass Huntsman, ein weiterer PUR- / PIR-Hersteller, sein niederländisches Werk aufgrund technischer Probleme geschlossen halten musste.

Am Ende dieser Kette stehen nun Dämmstoff-Hersteller wie Bauder, Linzmeier oder Puren, die kein PUR / PIR mehr zur Herstellung von Dämmstoffen zur Verfügung haben. Folglich bleiben die entsprechenden Regale und Warenkörbe im Baustoffhandel leer.

Bild: Pur / PIR Knappheit

Folgen für das Baugewerbe und Handwerker

Jede einzelne Produktionsstufe von PUR- / PIR-Dämmungen leidet unter der aktuellen MDI- / TDI-Knappheit. Am Ende der Herstellung stehen jedoch auch noch Handwerker und Endkunden, die bei vielen anstehenden Projekten nicht mit einer Dämmstoff-Knappheit gerechnet hatten. In einer frühen Planungsphase kann natürlich auf eine der vielen anderen Dämmungen ausgewichen werden, aber in laufenden Projekten ist dies nicht immer möglich.

Auf vielen Baustellen steht daher schon jetzt oder in absehbarer Zeit die Arbeit still. Betriebe können ihre Mitarbeiter nicht bezahlen und Bauherren warten verzweifelt auf die Fertigstellung ihres Eigenheims, bis endlich wieder PUR- / PIR-Dämmungen verfügbar sind. Die letzten Reste der noch verfügbaren Dämmungen werden daher zu unnormal hohen Preisen gehandelt, um bei laufenden Projekten nicht in Verzug zu geraten.

Wie lange wird die PUR- / PIR-Knappheit noch dauern?

Viele Dämmstoff-Hersteller versprechen natürlich, dass PUR- / PIR-Dämmungen in absehbarer Zeit wieder verfügbar sind, aber möchten sich gleichzeitig nicht auf ein genaues Datum festlegen. Positive Schätzungen sehen das Ende der Knappheit im August 2017, während andere erst mit neuen PUR- / PIR-Dämmungen am Ende des Jahres rechnen.

Alles hängt letztendlich davon ab, wie schnell die Probleme in den MDI- / TDI- und den PUR- / PIR-Fabriken behoben werden können, aber selbst danach wird es noch einige Monate dauern, bis sich der Markt wieder auf ein normales Level eingependelt hat.

Alternativen für Handwerker und Endkunden

Um eine sinnvolle Alternative für die PUR- / PIR-Dämmung zu finden, muss zuerst klar sein, warum dieser Stoff überhaupt zum Einsatz kommen sollte. Eine PUR- / PIR-Dämmung wird immer dann verbaut, wenn Bauherren einen schmaleren Aufbau bei gleichbleibender Dämmwirkung wünschen. Ist dies nicht der Fall, dann kann auf jeden anderen Dämmstoff zurückgegriffen werden.

Als direkte Alternativen bieten sich Holzfaser– und Resol-Dämmungen an, die jedoch höhere Kosten verursachen. Hier sollten Sie gegenrechnen, ob die Nachlieferung neuer PUR- / PIR-Dämmungen oder die alternativen Dämmungen zu höheren Quadratmeterpreisen günstiger sind.

Als Alternative bietet sich im Prinzip auch jeder andere Dämmstoff an, aber dabei sollte im Einzelfall geklärt werden, ob die ursprünglich angestrebten Dämmwerte noch immer eingehalten werden können. Besonders im Zusammenhang mit einer KfW-Förderung kann es zu Problemen kommen, wenn der Dämmstoff ungefragt gewechselt wird.

Sie interessieren sich für weitere Informationen zum Thema Dämmungen? Dann schauen Sie doch auf unserer Website vorbei.

Quellenhinweis: © KI Kunststoff Information, Bad Homburg, März 2017, https://www.kunststoffweb.de/ki_ticker/MDI_BASF_muss_Anlage_in_China_abschalten_t236393


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Philipp Kloth

Die Energiewende kann nur mit bürgernaher Aufklärung funktionieren. Dabei möchte ich mithelfen.