Wassersparen – Wie wird mit der wichtigen Ressource richtig umgegangen?

Wassersparen – Wie wird mit der wichtigen Ressource richtig umgegangen?
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Medien berichten gerade überall auf der Welt über fließendes Wasser. Ein schönes Bild – würde es sich um frei zugängliches Wasser handeln, das auch in den abgelegensten Gebieten Afrikas oder Zentralasiens zu erreichen wäre. Es geht jedoch um die „IceBucketChallenge“, für die ein Eimer Eiswasser über den eigenen Kopf gekippt wird. Das soll Aufmerksamkeit für die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose schaffen und ein Aufruf zum Spenden sein.

Wasser

© Omoar Bariffi / flickr.com (CC BY 2.0)

Negative Stimmen werden jedoch immer lauter: Die Aktion sei reine Wasserverschwendung.

Da stellen wir energiehelden uns die Frage: Wie viel Wasser verbraucht ein Mensch eigentlich durchschnittlich? Und wie steht der Eimer Wasser im Verhältnis dazu? 

Das Elixier des Lebens – Wasser

Wasser gilt als eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Ressource auf der Erde. Man sagt, ohne sie sei kein Leben möglich. Deutschland hat das Glück, unbegrenzten Zugriff darauf zu haben. Der Wasserhahn, die Dusche oder der Gartenschlauch werden im Handumdrehen aufgedreht und im nächsten Augenblick steht uns das Element zur freien Verfügung. So werden in einem Haushalt an einem einzigen Tag mehrere hundert Liter verbraucht. Dass das in vielen Teilen der Welt nicht möglich ist, wird dabei erst einmal außer Acht gelassen – vor allem in den Sommermonaten, in denen das Freibad eine willkommene Abwechslung bietet.

Die „IceBucketChallenge“ hat es dieses Jahr geschafft, die Aufmerksamkeit nicht nur auf eine unheilbare Krankheit zu lenken, sondern auch das Bewusstsein über den eigenen Wasserkonsum etwas zu sensibilisieren.

Der Konsum von Energie, Plastik und Fleisch ist schon lange Thema, das in den europäischen Medien kontrovers diskutiert wird. Resultate daraus zeigen sich in der Energiewende, dem fortschreitenden Verbot von Plastiktüten und der immer weiter wachsenden Zahl an Vegetariern und Veganern. Die Diskussion über den übermäßigen Verbrauch von Wasser erlebt hingegen diesen Sommer einen ihrer bisherigen Höhepunkte.

Der Wasser-Fußabdruck des Menschen

Wasser-Landwirtschaft

In den Industrieländern wird viel mehr Wasser verbraucht, vor allem indirekt über den Güterkonsum.
© Ramnath Bhat / flickr.com (CC BY 2.0)

Die Fülle an Wasser und überregionalen Produkten sind Privilegien, die westliche Länder für sich beanspruchen. Während hier vielerorts im Luxus des Konsums gelebt wird, leiden weltweit Menschen unter dem Mangel der wichtigen Ressource. Dass wir einen Teil dazu beitragen, weil das Wasser für unsere Lebensmittel aus wasserarmen Ländern stammt, wissen die meisten nicht. Denn das Wasser, das wir konsumieren, begrenzt sich nicht auf den reinen Verbrauch von Frischwasser im Haushalt, sondern hängt viel weitreichender auch von dem Kaufverhalten im Supermarkt ab.

Prof. Dr. Ing. Arjen Y. Hoekstra, Vorsitzender für Wasserbau und -bewirtschaftung an der Universität Twente, Niederlande, hat im Jahr 2002 den Begriff des „Wasser-Fußabdrucks“ eingeführt. Angelehnt an den ökologischen CO2-Fußabdruck, gibt der Wasser-Fußabdruck an, wie viel Frischwasser auf der Erde insgesamt verbraucht und gehandelt wird. Dazu zählt der private Verbrauch im Haushalt (direktes Wasser) ebenso wie das Wasser, das während der Produktion von Gütern (indirektes Wasser) eingesetzt wird. Zu beachten ist dabei, dass der indirekte Wasserverbrauch fast 90 Prozent des gesamten Verbrauchs ausmacht. Je nach Interessenbereich kann der Wasser-Fußabdruck auf einzelne Produktionssektoren, einen geographischen Bereich oder individuelle Konsumenten angewandt werden.

Deutschland hat zum Beispiel einen jährlichen Wasser-Fußabdruck von 126,7 Millionen Kubikmeter und befindet sich damit beim Ländervergleich im mittleren Bereich. Rechnet man diese Zahlen herunter, kommt man auf einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von  1.545 m³ – also mehr als 1,5 Millionen Liter pro Jahr und 4.200 Liter pro Tag. Den größten Wasserbedarf pro Kopf haben die USA (2.842m³) und China.

Grün, Blau und Grau – Die drei Farben des Wassers

Der Wasserverbrauch wird für den Fußabdruck in drei Farben (grün, blau und grau) unterteilt. Diese stehen für unterschiedliche Anwendungsweisen und Verschmutzungsgrade.

Das grüne Wasser ist das natürlich vorkommende Wasser, das von Pflanzen aufgenommen wird und anschließend verdunstet. Es gelangt durch Niederschlag wieder in den Wasserkreislauf zurück. Unter dem blauen Wasser wird das Grund- oder Oberflächenwasser verstanden, das für die Produktion unterschiedlicher Gütern verwendet wird und nicht erneuerbar ist.  Beide Farben beschreiben die Quantität des Wassers. Das graue Wasser steht hingegen für die Qualität des Wassers. Dieses wird während der Produktion zum Beispiel von landwirtschaftlichen Gütern, mit Pestiziden und anderen Schadstoffen versetzt, wodurch es für den Menschen unbrauchbar wird.

Das Problem der fehlenden Transparenz beim Wassersparen

Das große Problem des Wasserverbrauchs ist die fehlende Transparenz bei Lebensmitteln. Wie die Bezeichnung des „digitalen“ Wassers bereits andeutet, ist diese Art des Verbrauchs nicht greifbar und nur schwer nachvollziehbar. Da Konzerne nicht dazu verpflichtet sind, Angaben über den entstandenen Wasserverbrauch zu machen, wird die Einschätzung darüber für den Konsumenten umso schwieriger.

Besonders viele landwirtschaftliche Produkte, wie Kaffee oder Reis, die nach Deutschland importiert werden, benötigen während des Herstellungsprozesses viel Wasser. Würde dieses aus deutschem Grundwasser gewonnen werden, wäre der negative Einfluss des hohen Wasserkonsums wesentlich geringer. Stattdessen findet die Produktion jedoch in wasserarmen Gebieten, wie südlich der Sahara, im Nordosten Afrikas oder in Asien, statt. Das dortige Wasser kann dann nicht mehr für die Bevölkerung als Trinkwasser eingesetzt werden und fehlt in den Ökosystemen. Das Reduzieren oder der komplette Verzicht dieser Produkte wirkt sich daher rückwirkend positiv auf den Wasserhaushalt der Entstehungsländer aus. Von dem deutschen Import sind vor allem Brasilien, die Elfenbeinküste und Frankreich betroffen.

Zu den besonders wasserreichen, importierten Lebensmitteln zählen nach der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. Kakao, Kaffee, Baumwolle und Soja.

Wassersparen im Haushalt trotz leerer Leitungen?

Von einigen Seiten wird der stetig sinkende Wasserverbrauch in Deutschland stark diskutiert. Das Wasser in den Leitungen der Ver- und Entsorgung wird immer weniger, dadurch verringert sich die Fließgeschwindigkeit oder es kommt zum Stillstand des Abwassers. Beides verursacht Fäulnis, Korrosionserscheinungen und Gasbildung. Die Wasserqualität wird dadurch beeinträchtigt. Um dem entgegenzuwirken, spülen verantwortliche Wasserversorgungsunternehmen das Leitungsnetz mit zusätzlichem Frischwasser.

kaltes-Wasser

Cold: Den Warmwasserverbrauch gilt es möglichst gering zu halten. beim Erhitzen werden Ressourcen, meist Gas und Öl verbraucht.
© Riley Kaminer / flickr.com (CC BY 2.0)

Das besonders wichtige am Wassersparen im Haushalt ist also nicht zwangsläufig die Reduzierung des gesamten Wasserkonsums, sondern vielmehr die Einschränkung des konsumierten Warmwassers und des importierten, digitalen Wassers. Die „Icebucketchallenge“ hat demzufolge mit ihrem Eiswasser keine schwerwiegenden Auswirkungen auf den Wasserverbrauch des Menschen. Findet die Herausforderung im Garten statt, kann das Wasser sogar ohne Umschweife dem Kreislauf wieder zugeführt werden und kommt dem Ökosystem zugute.

Tipps zum Warmwassersparen

Das Einsparen von Warmwasser und Energie kann ganz einfach in das alltägliche Leben integriert werden und muss nicht kompliziert sein. Wir haben für Sie einige Tipps und Tricks zusammengestellt, mit denen Sie im Handumdrehen den Konsum dieser wichtigen Ressourcen regulieren.

Zuhause bewusst leben – Wasser und Energie sparen

  • Duschen (50 Liter) statt Baden (160 Liter) spart nicht nur Wasser, sondern auch Energie. Beim Duschen muss weniger Wasser erhitzt werden, wodurch weniger Energie dafür aufgebracht werden muss. Es sind Ersparnisse von bis zu 180 Euro im Jahr möglich.
  • Wasserhähne mit nur einem Regler ermöglichen eine schnelle und gezielte Suche nach der richtigen Temperatur. Auch hier sinkt nicht nur der Wasserverbrauch, sondern auch der Energiebedarf.
  • Mit wassersparenden Duschköpfen und Wasserhähnen können bis zu 450kg der umweltschädlichen CO2-Emission pro Jahr eingespart werden. Das freut Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen.
  • Wasch- und Spülmaschinen nur voll nutzen. Das spart Wasser und Heizenergie. Das Abwaschen per Geschirrspülmaschine hilft bei Wassersparen.

Handy-Apps für den bewussten Alltag

Bewusstes Handeln und Leben beschränkt sich nicht nur auf die eigenen vier Wände, sondern kann auch im Alltag nebenbei umgesetzt werden. Mittlerweile werden nicht nur zahlreiche Apps angeboten, die einem bei wichtigen Entscheidungen helfen, sondern auch diejenigen, die zeigen, wie bewusst und nachhaltig gelebt und eingekauft werden kann. Wir haben hier eine Auswahl für Sie zusammengestellt.

Apps für den aktiven Klimaschutz und Energiesparen:

Get-neutral-App, StandbyCheck, ecotastic, EcoChallenge.

Apps für bewusstes, wasserarmes Einkaufen:

Der Nachhaltige Warenkorb, Such-Dich-Grün, we green mobile, NABU Siegel-Check, iVeg.

Auch für die Kleinen werden bereits Apps angeboten, die spielerisch an die Thematik heranführen. Dazu zählt zum Beispiel “Lisa taucht ab!”.

Geschrieben von Delia Schütte

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."