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Weltweites Verbot des Flammschutzmittels HBCD

Weltweites Verbot des Flammschutzmittels HBCD
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Nun ist es bald soweit, ab dem 21.08.2015 tritt das Verbot von HBCD endgültig in Kraft.

Hexabromcyclododecan, das sogenannte HBCD, ist ein Flammschutzmittel, das schon seit Jahren verarbeitet wird. Verwendung findet es vor allem in Dämmstoffen aus EPS (Styropor), also expandiertem Polystyrol, die häufig bei der Infos zu den Kosten einer Fassadendämmung eingesetzt werden. Bereits 2011 wurde bekanntgegeben, dass die Herstellung und der Verkauf des Flammschutzmittels HBCD vollständig verboten werden soll. Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass HBCD in der Umwelt schlecht abgebaut werden kann.

HBCD – Flammschutzmittel im EPS-Dämmstoff

Hexabromcyclododecan (HBCD) gehört zur chemischen Familie der bromierten Flammschutzmittel, zu dessen Hauptanwendungsbereich Dämmstoffe aus geschäumtem EPS (expandierten Polystyrol) gehören. EPS enthält einen Anteil von etwa 0,1 % HBCD. Aufgrund des enthaltenen HBCD gelten EPS-Dämmstoffe als „schwer entflammbar“. Seit über 40 Jahren ist die Schwerentflammbarkeit von Dämmstoffen laut europäischer und deutscher Bauvorschriften vorgeschrieben, damit Menschen und Gebäude im Brandfall nicht in Gefahr gebracht werden. HBCD wird vollständig in die Polymermatrix des fertigen Produktes eingebettet und gefährdet bei der Nutzung von EPS-Dämmplatten weder Mensch noch Umwelt. HBCD gilt nicht als akut krebserzeugend, erbgutverändernd, reizend oder ätzend.

Warum wird HBCD also abgeschafft?

Bei HBCD handelt es sich laut des UN-Umweltprogramms und der Stockholmer Konvention um einen in der Umwelt schwer biologisch abbaubaren Schadstoff, der sich in Lebewesen anreichert. Bei der Stockholmer Konvention geht es um ein Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention) des UN-Umweltschutzprogramms. Sie entscheidet über Verbots- und Beschränkungsmaßnahmen für  langlebige, organische Stoffe. Da die POP-Konvention HBCD für einen persistenten, bioakkumulativen und toxischen Stoff (PBT) hält, wurde es bereits 2011 in den Anhang der REACH-Kandidatenliste aufgenommen. Diese stellt wiederrum eine EU-Chemikalienverordnung dar, die die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien regelt. Der Anhang dieser Liste besteht aus besonders besorgniserregenden Stoffen, die stärker kontrolliert oder verboten werden sollen.

HBCD gilt als PBT-Stoff, weil es bei der Verarbeitung und Entsorgung ein Risiko für die Umwelt darstellt. Bei der eigentlichen Verwendung in Dämmstoffen ist es jedoch ungefährlich.

Die Alternative zu HBCD heißt PolyFR

Es gibt bereits seit einigen Jahren einen Ersatzstoff für HBCD – PolyFR. Das international tätige Chemieunternehmen „Dow Chemical“ entwickelte das polymere Flammschutzmittel PolyFR als umweltverträglichere Alternative zu HBCD. Da der weltweite Bedarf aufgrund der vorhandenen Produktionskapazität gedeckt werden kann, greifen bereits heute immer mehr Hersteller zu PolyFR, um HBCD zu ersetzen.

Oder chemiefreie Dämmstoffe

Wer so weit wie möglich auf Chemie verzichten möchte, der kann stets auf ökologische, nachhaltige Dämmstoffe zurückgreifen. Diese halten nicht nur das Haus schön warm, sondern verringern durch das Einsparen an Heizenergie auch die Umweltbelastung. Natürliche Dämmstoffe, die aus nachwachsenden Materialien hergestellt werden, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie sind gesundheitlich unbedenklich, lassen sich gut recyceln und besitzen eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit. Das heißt, dass die in die Dämmung eingedrungene Feuchtigkeit schnell wieder abtrocknet. Zu den gefragtesten ökologischen Dämmstoffen zählen Zellulose, Hanf, Holzfasern und Schafwolle.

Fazit – Geht die Rechnung für den Umweltschutz auf?

Da es sich bei HBCD grundsätzlich um ein Umweltgift handelt, das sich in Lebewesen anreichert, ist sein Verbot einerseits durchaus sinnvoll.

Andererseits tritt jedoch nur extrem wenig HBCD aus den EPS-Dämmstoffen aus, was zu keinen negativen Effekten für die Gesundheit führt. Außerdem zählen Dämmstoffe aus EPS zu den gebräuchlichsten und kostengünstigsten Wärmedämmstoffen, die zudem besonders leicht zu verarbeiten sind.

Bei der Durchführung einer energetischen Sanierung werden häufig Dämmstoffe aus EPS verwendet. Dadurch, dass nun das enthaltene Flammschutzmittel HBCD als giftiger Schadstoff eingestuft wurde und in Kürze endgültig verboten wird, entsteht eine Verunsicherung in der Gesellschaft. Die Styropor-Dämmung erlangt einen schlechten Ruf, der zudem auf die Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) übertragen wird, da bei den WDVS EPS zu rund 85 Prozent Anwendung findet.

Um die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, ist eine energetische Sanierung der Gebäude unverzichtbar. Auf EPS-Dämmstoffe vollkommen zu verzichten, würde dazu führen, dass die Klimaziele in weite Ferne rücken. Die Entscheidung gegen Styropor und für andere Dämmstoffe, wie Mineralwolle oder Holzfaser, ist zwar eine gute Lösung, die jedoch zu höheren Kosten führt. Andere Dämmstoffe können schlicht nicht mit den niedrigen Preisen von EPS-Dämmplatten mithalten. Auch nachwachsende Stoffe dienen zurzeit noch nicht als Polystyrol-Ersatz, da sie zurzeit nicht in erforderlichen Mengen vorhanden sind und auch die hohe Dämmleistung von EPS nicht erreichen.

Es bleibt also nur zu hoffen, dass das negative Image der Dämmung nicht noch weiter unter dieser Verordnung leidet. In dem Fall würde die Rechnung für den Umweltschutz wohl nicht aufgehen. Jede Dämmung, auch mit nicht ökologischen Dämmstoffen, ist ein Segen für den Umweltschutz.

Weiterführende Links:
Übersicht zu diversen Dämmstoffen.
Umfassender Leitfaden des NABU über ökologische Dämmstoffe.

Geschrieben von Anne Luft

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Philipp Kloth

Die Energiewende kann nur mit bürgernaher Aufklärung funktionieren. Dabei möchte ich mithelfen.