Ölpreis Und Energiewende

Niedriger Ölpreis – Ursachen, Risiken und Auswirkungen auf die Energiewende in 2016

Niedriger Ölpreis – Ursachen, Risiken und Auswirkungen auf die Energiewende in 2016
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Auch im Jahr 2016 ist der Ölpreis noch auf einem Rekordtief. Über die ganze Sache ist schon so viel geschrieben worden, dass wir die Faktenlage hier nicht noch einmal stumpf wiederkäuen möchten.

Stattdessen werden wir uns auf eine kompakte Zusammenfassung beschränken und den Fokus stärker auf Eigenheimbesitzer und die Energiewende legen.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  1. Hintergrund der niedrigen Preise
  2. Darum steigt der Preis nicht
  3. Künftige Entwicklung
  4. Vorteile und Nachteile
  5. Folgen für die Energiewende
  6. Neue Ölheizung kaufen?
  7. Heizkosten sparen

Ursache: Hintergrund der niedrigen Ölpreise

Die simpelste Ursache für einen niedrigen Ölpreis ist immer das klassische Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Wie auch bei anderen Produkten sinken die Preise, wenn weniger Öl gekauft, aber immer mehr gewonnen wird. Vieles spielt sich dabei auf theoretischer Ebene an der Börse ab, aber einige reale Ursachen gibt es trotzdem.

Hauptverantwortliche sind die USA und Russland. Beide Staaten haben ihre Ölproduktion drastisch gesteigert und damit den Markt praktisch überschwemmt. Indirekt ist auch der Iran als theoretischer Produzent „Verursacher“ des niedrigen Ölpreises: Weil vor kurzem fast alle bestehenden Wirtschaftssanktionen aufgehoben wurden, steht der Iran als neuer Öllieferant schon in den Startlöchern. Das belastet schon jetzt den Ölpreis, obwohl noch kein Liter davon verfügbar ist. Hier zeigt sich wieder der große Einfluss der Finanzmärkte.

Darum steigt der Ölpreis aktuell nicht

Niedriger Ölpreis an der Tankstelle

In der Theorie gleichen sich Angebot und Nachfrage mit der Zeit wieder an. Weil der Ölpreis niedrig ist, müsste die Nachfrage steigen oder das Angebot sinken. Die Nachfrage ist aber nur leicht gestiegen und das Angebot hat sich nicht verringert. Der Grund für diese Entwicklung ist ganz einfach die Entscheidung der wichtigsten Ölproduzenten, die Fördermenge trotz finanzieller Verluste hoch zu halten.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist sich aktuell noch uneins darüber, ob die Fördermenge gedrosselt werden soll. Viele Mitglieder sind dafür, aber große Exporteure wie Saudi-Arabien haben Angst, mit diesem Schritt Marktanteile zu verlieren. Auch die USA leiden stark unter dem niedrigen Ölpreis, aber entgegen aller Erwartung ist die dortige Ölindustrie sehr robust aufgestellt und musste dem Preiskampf noch nicht durch geringere Fördermengen nachgeben.

Einige Experten geben ebenfalls dem starken Dollarkurs die Schuld, obgleich es sich dabei um ein sehr komplexes Phänomen handelt, das noch nicht in Gänze verstanden wird. In der Theorie beeinflusst der Dollarkurs den Ölpreis, weil der Rohstoff auch in dieser Währung gehandelt wird. Man geht davon aus, dass die Nachfrage leidet, weil das Öl mit dem starken Dollarkurs verhältnismäßig teuer ist. Klingt erst einmal komisch, da ja der Ölpreis eigentlich besonders niedrig ist. Hinzu kommt noch das Phänomen des hohen Ölpreises bei schwachem Dollarkurs. Hier lautet die Expertenmeinung, dass der Ölpreis steigt, um Verluste bei Importen von außerhalb der Dollarzone auszugleichen. Eine einfache Lösung sucht man hier jedenfalls vergebens.

Jahr Ereignis
Juli 2008  USA beginnen mit Öl-Fracking
Juli 2012  UN-Öl-Embargo gegen Iran
Mai 2014  USA werden zum größten Ölproduzenten
Juni 2014  Ölpreis liegt bei 115 Dollar pro Barrel
Januar 2015  Ölpreis liegt bei 45 Dollar pro Barrel
Januar 2016  Iran darf wieder Öl exportieren
Januar 2016  Ölpreis liegt bei 30 Dollar pro Barrel

Künftige Entwicklung - der Ölpreis in 2017

Die International Energy Agency (IEA) erwartet für die nächste Zeit weiterhin fallende Preise, weil zu erwarten ist, dass die Überproduktion weiterhin anhält. Bis Ende 2017 soll der Ölpreis aber wieder steigen. Eine ausführliche Analyse finden Sie hier. Experten gehen davon aus, dass speziell die USA im Jahr 2020 die Spitze ihrer Ölproduktion erreicht haben werden und die Weltmarktpreise danach nur noch steigen können.

Vorteile und Nachteile der niedrigen Ölpreise

Öltanker aus dem Iran

Der niedrige Ölpreis hat eigentlich mehr Nachteile als Vorteile, obwohl man das hier in Deutschland kaum spürt. Besonders schlecht geht es jenen, die hauptsächlich vom Ölexport gelebt haben. Venezuela ist hier ein sehr passendes Beispiel: Das Land erzielt 96 Prozent seiner Ausfuhrerlöse und die Hälfte der Staatseinnahmen aus dem Export von Erdöl. Der niedrige Ölpreis hat zur Folge, dass die Exporte sinken und weniger ausländische Devisen in das Land kommen. Diese werden aber wiederrum benötigt, um Lebensmittel und Medikamente, die nicht in Venezuela hergestellt werden, ohne größere Verluste zu importieren. Die Grundversorgung vieler Menschen ist daher akut gefährdet.

Viele Endverbraucher freuen sich natürlich über den niedrigen Ölpreis. Man kann sein Auto wieder volltanken, ohne danach schmerzliche Leere im Portemonnaie zu verspüren. Auch Besitzer einer Ölheizung haben sich diesen Winter bestimmt über die günstige Wärme gefreut. Auf der anderen Seite verleitet der niedrige Ölpreis wiederum zu verschwenderischem Verhalten.

Niedriger Ölpreis ist schlecht für die Energiewende

Der niedrige Ölpreis gefährdet vor allem das Image der Energiewende, weil er eine falsche Sicherheit suggeriert. Es scheint so, als seien alle Warnungen vor knapper werdenden Rohstoffen nur heiße Luft gewesen und Investitionen in energiesparende Maßnahmen wären daher überflüssig. Viele vergessen dabei jedoch, dass zwischen Erzeuger und Verbraucher noch ein sehr komplexer Markt steht. Der aktuell niedrige Ölpreis geht primär auf ein Kräftemessen der größten Produzenten zurück. Niemand möchte sich zurückziehen und dem anderen damit die Gewinne überlassen. Hinzu kommen noch Spekulationen an der Börse, die einen Preis erzeugen, der nicht dem Wert des Öls entspricht.

Langfristig wird der Ölpreis wieder steigen. Wer sich nun als Kurzschlussreaktion eine neue Ölheizung gekauft hat, der muss mindestens die nächsten 20 Jahre mit den wieder steigenden Ölpreisen leben. Hier hilft nur transparente Aufklärung, damit dort wo es möglich und sinnvoll ist, umweltfreundlichere Heizungen installiert werden. Zudem muss sich auch das Bewusstsein in den Köpfen der Menschen verankern, dass Energie auch aktiv eingespart werden kann, wenn Heizungen nicht zu jeder Tageszeit voll aufgedreht und kleinere Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Der Energieverbrauch hängt von der Technik, aber auch stark vom persönlichen Verhalten ab.

Jetzt noch schnell eine neue Ölheizung kaufen?

Neue BrennwertheizungWenn Ihre alte Heizung langsam den Geist aufgibt, dann sollten Sie zuerst prüfen, welche Möglichkeiten Ihnen bei der Erneuerung zur Verfügung stehen. Eine Gasheizung kann häufig problemlos eingebaut werden. So sparen Sie nicht nur Heizkosten, sondern belasten die Umwelt auch weniger, weil Gas im Gegensatz zu Heizöl etwas sauberer verbrennt. Noch umweltfreundlicher heizen Sie natürlich mit Biomasse wie Holzpellets oder Hackschnitzeln. Diese Anlagen benötigen jedoch recht viel Platz und erfordern höhere Anfangsinvestitionen. Das Lager für Holzpellets muss im Verhältnis etwa doppelt so groß gewählt werden, wie ein entsprechender Öltank wäre.

In einigen Fällen ist eine Ölheizung die einzig realisierbare Lösung. Zum Beispiel wenn Sie etwas außerhalb wohnen und keine Gasleitungen vorhanden sind. Hier sollten Sie unbedingt darauf achten, dass nur moderne Brennwertanlagen installiert werden und das ganze System optimal eingestellt ist. Ein hydraulischer Abgleich wirkt oft Wunder. Mit einer Solarthermieanlage können Sie zusätzlich Energie sparen.

So sparen Sie mit einer Ölheizung bei den Heizkosten

Wenn Ihre Ölheizung schon auf dem neuesten Stand ist und Sie vielleicht sogar eine Solarthermieanlage Ihr Eigen nennen, gibt es trotzdem Möglichkeiten, um noch mehr bei den Heizkosten zu sparen: Angebote/Heizölpreise vergleichen: Große Heizöl-Anbieter wie comoil liefern deutschlandweit und sind daher meist günstiger als kleine Lieferanten/Händler mit einem überschaubaren Kundenstamm. Saisonale Preisschwankungen beachten: Kaufen Sie Ihr Heizöl immer dann, wenn es gerade besonders günstig ist. Große Öltanks: Je größer der Tank ist, desto mehr sparen Sie langfristig. Wer größere Ölmengen abnimmt bekommt in der Regel einen günstigen Preis pro Liter angeboten.
Bildquellen: Beitragsbild: © sundem / pixabay.com CC0 Tankstelle: © JirkaF / pixabay.com CC0 Schiff: © skeeze / pixabay.com CC0 Heizung: © Buderus
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Philipp Kloth

Studiert Wissenschaftsphilosophie und möchte die Energiewende von allen Seiten beleuchten.