Energieheld Gründer Philipp Lyding Und Michael Kessler Im Interview.

Energieheld Gründer im Interview

Energieheld Gründer im Interview
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In der Blog-Reihe energieheld fragt – Experten antworten, interviewt energieheld regelmäßig Experten aus den verschiedensten Bereichen.

Diverse wichtige Punkte zur Technik, zum alltäglichen Umgang mit Energie oder zur aktuellen energiepolitischen Lage werden angesprochen. Anschließend wird ein Ausblick auf Trends sowie Tipps gegeben, wie im Alltag etwas für die Umwelt getan werden kann. In der Reihe kommen Blogger, Politiker, Unternehmen, Prominente und viele mehr zu Wort.

Zu Gast: Michael Kessler und Philipp Lyding

Diesmal haben wir uns etwas Besonderes für „energieheld fragt – Experten antworten“ überlegt. Mit Unterstützung von Natalie Satorius, die Ihre Masterarbeit über das Thema Gründerleidenschaft geschrieben hat, widmen wir uns in diesem Interview ganz dem „Spirit of Entrepreneurship“. Dafür wurden die beiden energieheld Gründer Michael Kessler und Philipp Lyding interviewt.


energieheld: Hallo Philipp, hallo Michael schön das ihr euch heute als Experten Zeit genommen habt.

Michael: Für dich doch immer (lacht).

Thema: Die Gründung

„Denn zu 50 Prozent an Null Euro beteiligt zu sein, bleibt halt Null Euro“

energieheld: Einzelkämpfer oder Teamwork, was war für euch ausschlaggebend?

Philipp: Das wir gemeinsam gründen war gar keine Entscheidung, es war eigentlich klar, dass wir es machen. Wir hatten gemeinsam die Idee und das Interesse auch gemeinsam energieheld zu starten und da war es ziemlich klar, dass wir es zu 50/50 aufteilen und ein Unternehmen gründen und nicht einer gründet und der andere mitarbeitet. Wir wollten wahrscheinlich auch die Verantwortung aufteilen. Es hatte aber natürlich auch den Anreiz an so einem Unternehmen beteiligt zu sein. Auch wenn das natürlich bei so einer Gründung erst mal nichts bringt. Denn  zu 50  Prozent  an Null Euro beteiligt zu sein, bleibt halt Null Euro (lacht).

Aber das war für uns auch relativ klar, bzw. wir haben uns keine Gedanken über ein anderes Modell gemacht. Wir haben vorher nicht abgewogen, ob jetzt einer gründet und der andere nicht oder wie wir es machen. Es war für uns klar, dass wir das zusammen machen!

Michael: Genau! Aber warum wir energieheld zusammen gegründet haben, hatte natürlich auch einen ganz pragmatischen Grund. Durch die gemeinsame Arbeit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es auch was wird. Als Einzelkämpfer ist das natürlich schwieriger. 

energieheld: Okay, das bedeutet, dass es ohne den Anderen auch nicht gegangen wäre?

Philipp: Nein, im Endeffekt nicht! Michael hat  die Idee  an mich herangetragen. Ich hatte zu der Zeit auch die Kapazitäten frei und mein Leben so eingerichtet, dass ich mir sagte:  Ich könnte so ein Risiko und auch so ein Projekt angehen.

Wir haben auch im Studium schon mal drüber nachgedacht auch nach dem Studium was zusammen zu machen, dann hat sich einfach die Gelegenheit geboten und es war klar, dass wir es zusammen machen und nicht einer mit wem anders.

Michael: Genau, wir kennen uns seit zehn Jahren  – das ging nur zusammen (lacht).

energieheld: Erzählt mal, wie ist es zur Idee von energieheld gekommen.

Philipp: Ja, die Idee hat Michael entwickelt. Er hatte bereits mit ein, zwei anderen Kollegen angefangen ein Konzept zu schreiben. Dieses Konzept haben sie dann bei der Universität eingereicht für ein Stipendium. Es entstand aus einer realen Situation heraus. Michaels Vater wollte sich eine Photovoltaik-Anlage auf Dach setzen. Er versuchte sich im Internet zu informieren. Wurde aber einfach nicht fündig. Da kam die Idee: Wir brauchen eine Plattform, die Preis, Technik- und Anbieterinformationen liefert. Zack! energieheld war geboren.  Das erste Konzept wurde von der Uni abgelehnt und dann kam ich aus dem Ausland wieder und Michael sprach mich an, ob ich nicht mit ihm gründen möchte. Wir haben das Konzept, dann überarbeitet und den ersten Förderantrag bekommen.

Thema: Das Team

„Mit Freunden gemeinsam zu arbeiten, ist schon ein echter Luxus, ein Privileg, das hat nicht jeder!“

energieheld: Also hat es für dich einen hohen Stellenwert Teil dieses Teams zu sein?

Philipp: Ja klar, natürlich. Also, es ist ein großer Motivationsbaustein zumindest bei mir, dass man in einem Team arbeitet, in einem Gründerteam, das man zum Teil kennt oder jetzt auch kennen gelernt hat. Mit vielen von ihnen bin ich befreundet und wir sind natürlich auf einer emotionalen Ebene. Das hat man bei der Arbeit nicht immer. Natürlich hat man auch Arbeitskollegen mit denen man sich gut versteht, aber zu sagen, dass man später mit Freunden ein Unternehmen gründen wird…(kurze Pause) Mit Freunden gemeinsam zu arbeiten, ist schon ein echter Luxus, ein Privileg, das hat nicht jeder!

Michael: Bereits im Studium, als wir gemeinsame Kurse hatten, haben wir überlegt ein Unternehmen zusammen zu gründen und daher spielt es eine gewissen Rolle, dass man das verbinden kann und in einem Team mit jemanden zusammenarbeiten kann mit dem man sich sehr verbunden fühlt, auch über das Berufliche hinaus. Es hat natürlich seine Vor- und Nachteile.

energieheld:  Und wie würdest ihr eure Teamarbeitsweise einschätzen?

Philipp: Wir sind alle sehr teamfähig, das ist glaube ich auch wichtig. Was aber natürlich dazu führen kann, dass man Kompetenzen frühzeitig nicht aufteilt. Wir haben uns am Anfang gesagt – wir schultern alles gemeinsam! Waren zu Beginn ein Kollektiv. Da geht natürlich Effizienz verloren. energieheld ist noch klein genug, dass wir in alle Prozesse Einblick haben können.

MichaelWir sind jetzt zu einem richtigen konstruktiven Team zusammengeschmolzen. Gerade weil jeder die Stärken und  Schwächen des anderen kennt und man sich die Arbeit dann teilen kann. Wir haben eine sehr ähnliche Einschätzung darüber, welche Themen bei wem am Besten aufgehoben sind. Es gibt selten Streit, kleine Meinungsverschiedenheiten kommen natürlich vor, aber die Gesamteinschätzung ist sehr ähnlich.

IHK_Gründertag_2014

Philipp Lyding
auf dem IHK Gründertag 2014
© Wolf Kasse

Thema: Entscheidungen

„Aber im ersten Jahr schmeißt man sein Konzept und seinen Businessplan fünf Mal um und schreibt einen Neuen.“

energieheld: Wenn ihr wichtige Entscheidungen trefft, habt ihr dann konträre Sichtweisen und Konflikte? Oder ist das alles immer super harmonisch?

Philipp: Selten (lacht). Also, natürlich kommt es vor, dass ein paar im Team andere Ansichten haben, aber eigentlich sind wir da sehr kommunikativ, jeder erklärt seinen Standpunkt und wir versuchen einen Kompromiss zu finden. Bei energieheld gibt es ein Konzept, einen Fahrplan und man weiß ungefähr was man möchte. Aber im ersten Jahr, das wird wohl jeder Gründer sagen, schmeißt man sein Konzept und seinen Businessplan fünf Mal um und schreibt einen Neuen.

Man muss sich so oft neu ausrichten und da gibt es natürlich viel Abstimmungsbedarf. Wir stellen uns dann die Fragen: Wollen wir den Schritt gehen? Machen wir das jetzt? Unterschreiben wir den Vertrag? Da muss man sich einigen. Wir haben im Team eine gute Mischung aus sich austauschen und anderer Meinung sein. 

Michael: Ich gebe dir da vollkommen Recht! Ich kenne selten einen Case in dem es genauso umgesetzt wurde wie geplant. Die meisten erfolgreichen Start-ups sind flexibel, zumindest einigermaßen. Bei der strategischen Ausrichtung wird immer wieder diskutiert. Aber meistens über Nuancen und kleinere Sachen. Es sind keine Diskussionen darüber, dass der eine dahin und der andere in die andere Richtung möchten. Es handelt sich mehr um operative Dinge, oder auch strategische, also welcher Schritt als nächstes kommt. Aber wir finden meist einen vernünftigen Konsens.

Thema: Die Zukunft

„Ich habe den Anspruch ein Unternehmen aufzubauen, welches deutschlandweit tätig ist und wahrgenommen wird!“

energieheld: Was ist eure Vision und wie sieht eure strategische Ausrichtung aus?

Philipp: Ganz klar – energieheld wird weiter wachsen! Wir wollen immer besser werden und immer größer, wenn das nicht so wäre, dann könnten wir, glaub ich, gemeinsam auch nicht so lange arbeiten. Wenn ich jetzt andere Vorstellungen hätte und glauben würde, dass es anders viel besser funktionieren würden, dann hätten wir einen Punkt der so konträr ist, der auch so elementar ist, dass man sich einigen müsste ob getrennte Wege nicht besser wären. Wir ziehen alle an einem Strang und können uns den Luxus nicht erlauben, zu sagen: Ich würde es ganz anders machen und wir haben Zeit es zu entscheiden.

Michael: Ich habe den Anspruch ein Unternehmen aufzubauen, welches deutschlandweit tätig ist und auch eine Unternehmensgröße besitzt, die relevant ist und in Deutschland wahrgenommen wird. Das bedeutet auf jeden Fall über 100 Mitarbeiter und einen entsprechenden Umsatz!

energieheld: Siehst du Verbesserungspotenzial in der Zusammenarbeit?

Philipp: Nur im Gründerteam? (…) Es ist schwierig. Bei energieheld sind die Strukturen noch offen. Wir können noch effizienter zusammenarbeiten durch noch bessere interne Kommunikation und stärkere Aufgabenteilung. Mit der Aufgabenteilung haben wir auch längst begonnen. So ist ein Gründer rein für Marketing-Themen verantwortlich und trifft dort eigene Entscheidungen. Ich bin für den Vertrieb und für die Kundenakquise verantwortlich.

Michael: Ich glaube wir haben ein gesundes Maß an strittigen Punkten, wenn es diese nicht geben würde, wäre auch etwas komisch. Man muss sich oft aus dem täglichen Geschäft zurückzuziehen um über die Gesamtausrichtung zusprechen. Das tun wir, in dem wir uns Termine für gemeinsame Entscheidungen frei räumen. Meiner Einschätzung nach haben wir es ziemlich vernünftig aufgeteilt, jeder weiß was er macht.

Thema: Das Unternehmen

„Vertrauen ist elementar für uns.“

energieheld: Welcher unternehmerische Aspekt begeistert euch, ist euch am wichtigsten?

Philipp: Ganz allgemein, würde ich sagen, die Freiheit zu haben meine Idee umsetzen und  niemanden fragen zu müssen, ob ich das machen darf. Ich mache es einfach! Ein großartiges Gefühl. Ich kann ganz individuell je nach den sich verändernden Umständen im privaten Bereich wie im beruflichen entsprechend reagieren. Diese Freiheiten kannst du dir erst nehmen, wenn es schon etwas funktioniert. Ich möchte gar nicht Millionär werden, jedoch möchte ich mir eine gewisse Lebensqualität aufbauen. 

Michael: Was mich begeistert ist, dass man sich ein Ziel gesetzt hat. Man findet die Idee inhaltlich toll und hilft den Kunden ein Produkt zu finden. Außerdem möchte man ein großes Ziel durch viele kleine Entscheidungen erreichen und dieses Ziel ist es das Unternehmen groß und erfolgreich zumachen. Das sind die Herausforderungen und das Faszinierende daran. Ich kann nicht sagen was genau in einem Jahr sein wird, denn es ist alles sehr schnelllebig. Es gibt wenige Start-ups die immer wieder mehrere Innovationen auf den Markt werfen, sondern meist ist es eine Idee, die umso besser ist,  je simpler sie ist.

PhilippDas was mir dabei am wichtigsten ist, ist Vertrauen. Vertrauen ist elementar für uns. 

energieheld: Vielen Dank!

Philipp: Gerne.

Michael: Klar! 

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.