ThermoSmart Im Interview Mit Energieheld

ThermoSmart – das niederländische Start-up erobert den deutschen Markt

Wir sprachen mit dem CEO und Mitbegründer des Start-ups ThermoSmart, Hans Kouwenhoven, der die Smart Home-Profis tado° und Google Nest herausfordert.

Hans Kouwenhoven hat ThermoSmart im Dezember 2013 gegründet. Er ist der Begründer des Konzepts. Sein Ziel ist es Teams zu bauen, die benutzerfreundliche und schöne Konzepte entwickeln.

Darüber sprechen wir im Interview:

Das Wappen von ThermoSmart - Die Eule

Das Wappen von ThermoSmart – Die Eule

Was ist ThermoSmart?

tado° und Goggle Nest basieren beide auf dem persönlichen Standort der Nutzer. Wir denken, das ist unheimlich und eine Verletzung der Privatsphäre.

Sebastian Zahn: Lieber Hans, bitte stelle doch ThermoSmart kurz vor.

ThermoSmart: ThermoSmart ist ein benutzerfreundliches, geschmeidiges und eben smartes WiFi Thermostat. Bei ThermoSmart geht es uns neben dem Design auch um eine möglichst einfache Bedienung des Geräts.

Dafür gewannen wir 2014 den Wettbewerb „Dutch Homeowners Start-up Challenge“, die Jury begründete den Sieg durch die besonders einfache Bedingung und das Design. 2016 konnte ThermoSmart das nötige Geld für ein internationales Roll-out durch Crowdfunding innerhalb von weniger als einer Woche erhalten

Wir sind überzeugt, dass die Programmierung des Thermostats mühelos funktionieren sollte. 

Wir wissen, dass 75% der Hausbesitzer ihr Haus heizen, obwohl sie NICHT zuhause sind. Warum? Weil Sie ihr Thermostat nicht richtig verstehen und nicht richtig nutzen.

  • ThermoArt: Darüber hinaus glauben wir, dass ein Thermostat auch ein Designelement sein kann, eine schöne technische Spielerei. Dieser Punkt findet auf dem Markt zurzeit wenig Beachtung. ThermoSmart ist das einzige smarte Thermostat, das personalisiert genutzt werden kann. Über ThermoArt kann man die Wandfarbe oder das Familienfoto auf das Thermostat übertragen.
  • Unabhängigkeit: ThermoSmart ist einer der größeren Player auf dem niederländischen Markt. Das System kann von überall aus bedient werden, ganz einfach via Smartphone, Tablet oder Computer. ThermoSmart ist unabhängig von Energielieferanten und Heizungsherstellern.
  • Gebühr: Wir verlangen weder eine monatliche Gebühr noch einen Vertrag. Die Verwendung der ThermoSmart App und des ThermoSmart Webportals ist kostenlos (Anmerkung der Redaktion: 249,00 € inkl. Mwst. und Versandkosten)
  • Datenschutz: Und natürlich ist uns Datenschutz wichtig, die Nutzerdaten sind korrekt gesichert.

Die ersten Schritte in Deutschland

Die Deutschen mögen Qualität und schönes Design.

Sebastian Zahn: Ihr habt euch großes Vorgenommen, mit der Eroberung des deutschen und britischen Marktes. Was sind eure ersten Schritte?

ThermoSmart: Für uns ist Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt. Darüber hinaus sind wir sicher, dass wir im Vergleich zu Google Nest und TaDo einen zusätzlichen Mehrwert bieten können.Ich denke, dass Deutschland die Wiege der Datensicherheit in Europa, ja vielleicht sogar in der Welt ist.

Das genau ist einer der Punkte, an denen wir ansetzen. ThermoSmart ist ein cloudbasiertes System. Dies bringt sowohl Vorteile mit sich, birgt aber auch Risiken. Wir tun unser Bestes um die Datensicherheit unserer User zu garantieren. Unsere Server unterliegen der deutschen und der EU Gesetzgebung.

Sebastian Zahn: Kooperiert ihr bereits mit anderen Unternehmen?

ThermoSmart: Wir sind auf amazon und natürlich in unserem eigenen deutschen Webshop vertreten. Aktuell schauen wir uns aber nach möglichen Kooperationen mit deutschen Ventures um.

Über ThermoArt die Thermostate gestalten

Über ThermoArt die Thermostate gestalten

Sebastian Zahn: Warum wollt ihr in den deutschen Heizungsmarkt?

ThermoSmart: Deutschland ist einer der größten Märkte in Europa. Darüber hinaus mögen die Deutschen Qualität und schönes Design.

Und sie sind besorgt um ihren Datenschutz. Das alles passt perfekt zu unseren USPs.

Sebastian Zahn: Start-ups aus der Heizungsbranche gibt es viele. Was unterscheidet euch von tado° und Google Nest?

ThermoSmart: Wir mögen beide Thermostate, sie haben ihre Vor- und Nachteile. tado° konzentriert sich auf Geofencing.

Wir glauben, dass Menschen die Kontrolle behalten wollen. Aus diesem Grund haben wir ThermoSmart so einfach wie möglich programmiert.

Außerdem mag ich es persönlich nicht, wenn Andere wissen, wo ich gerade bin, schon gar nicht der Hersteller meines Thermostats.

 Einige Usern könnten Bedenken gegenüber Google und Google Nest haben. Denn schließlich basiert das Businessmodell von Google auf dem Verkauf  von Verbraucherdaten.

Hier wird die Frage relevant, ob die Verbraucher möchten, dass Google weiß, ob sie zuhause sind oder nicht. Wir sind der Ansicht, dass Privatsphäre, besonders zuhause, sehr wichtig ist.

Sebastian Zahn: Was macht ihr konkret besser?

ThermoSmart: tado° und Goggle Nest basieren beide auf dem persönlichen Standort der Nutzer. Wir denken, das ist unheimlich und eine Verletzung der Privatsphäre. ThermoSmart zeichnet den Standort nicht auf. Ich bin der Meinung, dass die Einfachheit unserer Bedienung die beste ihrer Art ist.

Wir sind unabhängig von Energieanbieter! Und mein persönlicher Favorit, wir sind das einzige Thermostat auf dem Markt, dass sich personalisieren lässt.

Sebastian Zahn: Welche Potentiale siehst du auf dem deutschen Markt?

ThermoSmart: Ganz ehrlich, wir sehen ein mäßiges Potenzial. Deutsche tenideren dazu, verteilte Heizsysteme zu nutzen und unser System ist ein zentrales Thermostat. Wir arbeiten aber an neuen Produkten, die besser zum deutschen Markt passen. Darüber hinaus arbeiten wir an neuen Datenlösungen, die den Verbrauchern Einblicke in ihren Gasverbrauch geben.

Die technische Seite von ThermoSmart

Die technische Seite von ThermoSmart

Die Technik in ThermoSmart

Im Durchschnitt lassen sich 15-25 % der Heizkosten einsparen

Sebastian Zahn: Wie entwickelt ihr eure App? Kannst du uns kurz den Prozess erklären?

ThermoSmart: Wir sind mit Blick auf den Nutzer gestartet. Zusammen mit den erfahrensten UX (Anmerkung der Redaktion: User Experience) Experten sind wir in die Entwicklung gegangen. Wir haben getestet, geändert, getestet und wieder geändert, mit dem Ziel, die beste Bedienung dieser App-Klasse zu entwickeln.

Sebastian Zahn: Lässt sich der Thermosmart überall installieren? Oder gibt es Ausnahmen?

ThermoSmart: Verbraucher benötigen einen On/Off oder einen OpenTherm Boiler.

80% der Kunden installieren ThermoSmart selbst. Unser online Installationsassistent führt die Kunden Schritt für Schritt durch den Installationsprozess.

Sebastian Zahn: Wie ermittelt der ThermoSmart die richtige Temperatur im Raum?

ThermoSmart: Mittels künstlicher Intelligenz und Datenanalysen errechnen wir, wann der beste Heiz-Zeitpunkt gekommen ist, sodass der Kunde die richtige Temparatur zur richtigen Zeit hat. Außerdem sind die Parameter für die PID Steuereinheiten automatisch so eingestellt, dass sie den größtmöglichen Komfort bieten.

Als eine niederländische Firma haben wir keine wetterabhängige Prüfung. ThermoSmart kontrolliert die Temparatur, indem es die Raumtemparatur misst. Das könnte für die Deutschen etwas ungewohnt sein. Wir nutzen nicht weniger als 3 Temparatursensoren für das akkurate Ablesen der Temparatur.

Sebastian Zahn: Wenn ThermoSmart als App nicht auf allen Handys der Bewohner eines Hauses installiert ist, wie kann ThermoSmart dann verhindern, dass das Haus heruntergekühlt wird?

Thermosmart: Wie bereits erklärt, nutzen wir kein Geofencing. Heizen basiert, mit unserer Lösung auf einem zeitlichen Programm. Somit wird die App nicht benötigt, um das Haus zu heizen. Darüber hinaus: Nutzer können die Temparatur jederzeit über die Schalter der Hardware im Wohnzimmer anpassen. Geofencing ist optional aber keine Grundlage von ThermoSmart.

Sebastian Zahn: Wieviel Einsparpotential ist möglich?

ThermoSmart: Im Durchschnitt lassen sich 15-25 % der Heizkosten einsparen. 

Sebastian Zahn: Datenschutz ist wichtig. Wie sichert ihr die Daten der ThermoSmart-Kunden?

ThermoSmart: Zuallererst, kennen wir die Nutzer gar nicht. Wir speichern keine Adressen, Namen oder andere Daten, die ein Haus oder eine Person mit einem Thermostat  in Verbindung bringen könnte. Würde unser Server im schlimmsten Fall gehackt werden, müsste niemand Angst vor einem Einbruch haben.

Natürlich ist das die letzte Verteidigungslinie, aber verglichen zu tado° oder Google Nest: wenn ihr Server gehackt wird, sind der eigene Standort und der Standort des Hauses für jeden verfügbar. Kein gutes Gefühl.

ThermoSmart und die Zukunft

Menschen werden an App-Müdigkeit leiden

ThermoSmart: Wir glauben, dass das Smart Home eine Trendwende beschreibt. Es wird zu den effektiven Standards der Zukunft gehören. Darüber hinaus glauben wir, dass die Menschen den Stellenwert von Privatsphäre nocheinmal neu überdenken werden.

Außerdem werden die Menschen an einer Art ,,App-Müdigkeit” leiden und sich nach anderen Alternativen, wie Stimm-Interaktion via Amazon Echo, Siri oder Google Home umschauen.

Energiespartipps

ThermoSmart: Wenn es möglich, wechsele den Energiebetreiber, lass keine elektronischen Geräte im Standbymodus, verringere die Temparatur deines Thermostats auf 0.5 oder 1 Grad.

Sebastian Zahn: Lieber Hans, vielen Dank für das Gespräch!


Liebe Leserinnen, lieber Leser,

Wir sprachen mit dem CEO von ThermoSmart über das deutsche Qualitätsbewusstsein, die Vorliebe für gutes Design und die Schwächen der Konkurrenz. ThermoSmart geht einen interessanten Weg. Sie fokussieren sich auf die Aspekte Datenschutz und Design und hoffen dadurch in Deutschland zu punkten. Dabei kritisieren sie heftig das Geofencing von Google Nest und tado°

Sie wählen als Host für ihre Softwarelösung die Cloud. Softwarelösungen, die aus der Cloud heraus laufen, werden häufig kritisiert auf Grund ihrer Datenschutzlücken. Hier wird es spannend zu beobachten sein, wie ThermoSmart dieses Thema in der Kundenkommunikation löst.

Wir werden auf jeden Fall mit großem Interesse verfolgen, wie es mit dem Start-up ThermoSmart in den nächsten Jahren weitergehen wird und welche Neuerungen die Niederländer dem deutschen Markt bescheren. Wir wünschen viel Erfolg!

 

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.