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10.000 Häuser-Programm – Förderprogramm für private Hausbesitzer in Bayern

Das 10.000-Häuser-Programm ist ein Förderprogramm des Bayrischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie und richtet sich primär an private Hausbesitzer. Durch das Programm unterstützt Bayern seine Bürger finanziell unter dem Slogan „EnergieBonusBayern“ bei energetischen Maßnahmen im Gebäudebau.

Clou der Aktion: Der „EnergieBonusBayern“ ist kombinierbar mit den Programmen des Bundes (KFW/BAFA) und bietet bayrischen Bürgerinnen und Bürgern somit einen zusätzlichen finanziellen Anreiz zur energetischen Gebäudesanierung.

Themenpunkte dieses Beitrags:


Zum Hintergrund des 10.000-Häuser-Programms

Das Bundesland Bayern sieht vor bis zum Jahr 2018 ganze 90 Millionen Euro als Beitrag zum Klimaschutz bereitzustellen. Der Fokus liegt hierbei speziell auf der Wärmewende, ohne diese die Energiewende nicht realisierbar ist. Deshalb sind innovative Heiz-/Speicher-Systeme signifikante Eckpfeiler des 10.000-Häuser-Programmes.

„Die Energiewende ist ohne eine Wärmewende nicht denkbar. 40 Prozent der Energie werden im Gebäudebereich eingesetzt. Wir fördern daher innovative Heizungen und Speicher. Bayern macht damit einen weiteren Schritt zu mehr Klimaschutz“ – Ilse Aigner, Bayrische Energieministerin¹

Zielgruppe der Fördermittel sind Eigentümer und Bauherren selbstgenutzter Ein- und Zweifamilienhäuser. Der Umfang der Fördermittel beträgt zwischen 1.000 bis 18.000 Euro. Um Bürgerinnen und Bürger in allen Lebenssituationen zu erreichen und eine möglichst große Breitenwirkung zu erzielen, gliedert sich das 10.000-Häuser-Programm generell in zwei Teile:

  • den Programmteil „EnergieSystemHaus“ für grundlegende Sanierungen oder energieeffiziente Neubauten sowie
  • den Programmteil „Heizungstausch“ für diejenigen, die nur partielle Umbaumaßnahmen verwirklichen wollen oder können

„EnergieSystemHaus“

Unter diesem Aspekt fällt die Förderung innovativer und effizienter Heiz-/Speicher-Systeme mit intelligenter Steuerung („Smart-Grid-Ready“). Als weiteres Ziel und ebenfalls förderfähig gilt das höhere Energieeffizienzniveau von Wohngebäuden.
Generell soll so eine Energieeinsparung und somit eine Senkung der allgemeinen Betriebskosten eines Wohngebäudes erwirkt erden.

Darüber hinaus ist dieser Ansatz als eine Anpassung an die stark schwankende Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien im Stromnetz anzusehen. Zeitgleich soll auch der Selbstversorgungsgrad der privaten Haushalte gesteigert werden.
„TechnikBonus“ für den Einsatz intelligenter Technik (Heiz-/Speicher-Systeme mit Energiemanagement):

Heiz-/Speicher-Systeme TechnikBonus
Wärmepumpenanalyse mit Wärmespeicher, Energiemanagementsystem
(Smart-Grid-Ready)
2.000 – 2.500 €
Kraft-Wärme-Kopplung
Eigenstromerzeugung mit KWK, Wärmespeicher, Energiemanagmentsystem (Smart-Grid-Ready)
3.000 €
Netzdienliche Photovoltaik Speichersystem mit Energiemanagementsystem
(Smart-Grid-Ready)
2.000 – 8.000 €
Solarwärmespeicherung Solarthermieanlage mit Wärmespeicher 3.000 – 9.000 €
Holzheizung mit Wärmespeicher, wahlweise mit Brennwerttechnik oder Staubfilter 1.500 €

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Falls sie die Energieeffizienz ihres Gebäudes erhöhen, kann das Heiz-/Speicher-System effektiver arbeiten. Optional wird daher die Erhöhung der Energieeffizienz zusätzlich durch einen „EnergieeffizienzBonus“ gefördert. Dieser bemisst sich am Niveau des Heizwärmebedarfs ihres Wohnhauses.

Energieeffizienz-Niveau
-angestrebter Heizwärmebedarf
EnergieeffizienzBonus
Modernisierung eines bestehenden Gebäudes
8-Liter-Haus: Heizwärmebedarf < 80 kWh/m²a 3.000 €
5-Liter-Haus: Heizwärmebedarf < 50 kWh/m²a 6.000 €
3-Liter-Haus: Heizwärmebedarf < 30 kWh/m²a 9.000 €
Energieeffizienter Neubau
3-Liter-Haus: Heizwärmebedarf < 30 kWh/m²a 4.500 €
1,5-Liter-Haus: Heizwärmebedarf < 12 kWh/m²a 9.000 €

„Heizungstausch“ – Bonus für die neue Heizung

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Im zweiten Programmteil „Heizungstausch“ erhalten Hauseigentümer in Form des „HeizanlagenBonus“ einen Zuschuss für den Einbau einer modernen, innovativen Heizanlage. Hierfür muss der alte Heizkessel der Zentralheizung 25-30 Jahre alt sein. Weitere Voraussetzung für die Förderung ist, dass die alte Heizung noch funktioniert und nicht von der Austauschpflicht für alte Heizkessel nach EnEV betroffen ist.

Die neue Anlage sollte eine Öl- oder Gas-Brennwertheizung, ein Biomassekessel (z.B. Pelletheizung) oder eine KWK-Anlage (BHKW) sein. Pflicht ist darüber hinaus auch der Einbau einer hocheffizienten Umwälzpumpe sowie ein hydraulischer Abgleich. Möglich ist eine Kombination mit einer Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitstellung und/oder Heizungsunterstützung. Der Förderungsumfang beträgt minimal 1.000 Euro bis maximal 2.000 Euro (Solarthermie zur Warmwasserbereitstellung und Heizungsunterstützung) pro Wohngebäude.

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Förderung der Energieberatung und Baubegleitung

Die vorgelagerte Energieberatung sowie die Baubegleitung während der Sanierung werden durch die üblichen Bundesprogramme gefördert. Bei der Modernisierung zum „EnergieSystemHaus“ und beim „Heizungstausch“ sind somit zusätzlich die folgenden Programme einsetzbar:

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrenkontrolle (BAFA) Energieeffizient Sanieren
– KFW-Programm 431
  • Zuschuss in Höhe von 60 % der förderfähigen Beratungskosten
  • max. 800 € bei Ein- und Zweifamililienhäusern
  • Zuschuss von 50 % der förderfähigen Beratungskosten
  • max. 4.000 € pro Vorhaben
  • Zuschüsse für Planung und professionelle Baubegleitung der energetischen Sanierung durch qualifizierte Sachverständiger

Was bleibt zu beachten?

Die Laufzeit des Programms reicht von 2015 bis 2018. Startschuss für das 10.000-Häuser-Programm ist der 15.September 2015. Der Antrag auf Zuschuss muss vor Beginn der Sanierung online gestellt werden. Zuschüsse werden nur vergeben wenn durch die Sanierungsmaßnahmen mindestens der KFW-Effizienzhaus  Standard 115 erreicht wird. Der Zuschuss ist nur auf dieser Basis der KFW-Förderung möglich, also für Häuser mit Baujahr 2002 oder früher.  Beim Neubau muss der KFW-Effizienzhaus Standard 55 erreicht werden. Wie der Titel bereits vermuten lässt, die Förderungen sind auf eine Auflage von 10.000 Förderfällen über den gesamten Projektzeitraum begrenzt.


Fazit – Bundesländer als Vorreiter

Da das Programm mit den Zuschüssen der KFW- und BAFA-Förderungen kombinierbar ist, erhöht sich der finanzielle Anreiz zur energetischen Sanierung für die bayrischen Bürger noch einmal immens. Das Programm umfasst abseits der finanziellen Förderungen auch andere Gesichtspunkte.

So zielt es unter anderem auf eine verbesserte Anpassung an die stark schwankende Verfügbarkeit der erneuerbaren Energien ab. Ferner soll durch die gegebenen Anreize der Grad der Selbstversorgungshaushalten erhöht werden. Somit wird indirekt auch einer der aktuell häufig debattierten Kritikpunkte der Energiewende – die Versorgungssicherheit, aufgegriffen.
Politischen Gegenwind bekommt das Programm aus dem Lager der bayrischen Grünen:

„Wenn sie 10.000 Häuser über drei Jahre sanieren, dann sanieren Sie 0,2 Prozent des bayrischen Gebäudebestands innerhalb von drei Jahren. Das heißt, Sie bräuchten 1.500 Jahre, um alles saniert zu haben.“
– Eike Hallitzky, Vorsitzender der bayrischen Grünen.²

Politische Kontroversen mal ausgenommen – Was bleibt unterm Strich?
Die Länder können durch derartige Programme zu Vorreitern der Energiewende werden. Selbstverständlich verfolgt jedes Bundesland dabei verschiedene Einzelinteressen und so existieren derzeit viele unterschiedliche landesabhängige Förderprogramme. Diese Art Kontroverse und zeitgleicher Wettbewerb ist durchaus positiv zu betrachten. Neben diesen ganzen partikularen Ansätzen sollte jedoch nicht die Kooperation untereinander vernachlässigt werden. Denn Solidarität und Kooperation unter- und miteinander ist und wird auch weiterhin eines der entscheidenden Kriterien zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende sein.

Verfasst von: Alexander Moritz Vogel


Quellen:
http://www.energieatlas.bayern.de/buerger/10000_haeuser_programm/energiesystemhaus.html
http://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwivt/Themen/Foerderprogramme/Dokumente/2015-06-23-10000-Haeuser-Programm.pdf
http://www.energie-fachberater.de/news/zusaetzliche-foerderung-fuer-neue-heizung-und-sanierung-in-bayern.php
http://www.br.de/nachrichten/aktuelles/energie-foerderung-hauser-100.html
Zitatquelle ¹ und ²: Kabinettsitzung vom 23. Juni 2105
http://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-23-juni-2015/

Bildverzeichnis:
Titelbild ist eigene Darstellung, Basis © pixabay.com CCO
Grafiken sind eigene Darstellungen © Energieheld

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Helen Bielek

Für die Energiewende - bei energieheld kann ich etwas bewegen.