Blog Beitragsbild Steinseifer Interview Beratung Für Handwerk Energieheld

9 Fragen an Klaus Steinseifer – Beratung für das Handwerk

Heute haben wir einmal mit einem freiberuflichen Berater für Handwerksfirmen gesprochen. Wir wollen wissen, was seiner Meinung nach, heutzutage die größten Herausforderungen für Handwerksbetriebe sind. Schaut mal rein.

Wer ist Klaus Steinseifer?

Klaus Steinseifer:
Bankkaufmann, Malermeister und selbständiger Berater für Handwerksfirmen

Klaus Steinseifer ist Bankkaufmann und Malermeister. Nach Tätigkeiten in Führungspositionen in Frankfurter Banken kehrte er 1979 in den väterlichen Malerbetrieb nach Siegen zurück und absolviert dort den Ausbildungsweg bis zum Maler- und Lackierermeister. 1983 übernahm er den kleinen Malerbetrieb des Vaters und baute ihn zum mittelständischen Handwerksunternehmen mit vielen Spezialisierungsbereichen aus. 1989 wird er von seiner Handwerkskammer in seine ersten Referentenaufgaben für die erfolgreiche Unternehmensführung im Handwerk berufen.

Viele Auszeichnungen und Ehrungen begleiteten seinen Weg im Handwerk. Nach dem Verkauf seiner Unternehmen im Jahr 1993 ist er als freiberuflicher Referent und Berater im Handwerk und im Mittelstand tätig.

Interview:

Energieheld: Hallo Herr Steinseifer, es freut uns SIe bei uns begrüßen zu dürfen. Zu unseren Blog-Lesern gehören auch immer Entscheider und Mitarbeiter in Handwerksbetrieben der Sanierungsbranche. Vielen Dank daher schon einmal dafür, dass wir mit dem Interview hier, auch einmal konkrete Themen in diesem Bereich ansprechen können. Ich denke sie werden mit vielen wertvollen Tipps für das Handwerk aufwarten.

Los geht’s: Sie sind Berater für Handwerksbetriebe. Was sind Ihrer Erfahrung nach, die häufigsten Fragen und die größte Herausforderung für das heutige Handwerk?

Klaus Steinseifer: Die großen Herausforderungen an den Fachkräftemangel haben viele Handwerksunternehmen nicht auf dem Schirm gehabt und viele Jahre ignoriert. Das rächt sich jetzt!

Die zweite große Herausforderung ist der Ausgleich der Waage zwischen der Zeiterfordernis für das Unternehmen und die Freizeit mit der Familie, der geringe Urlaub und überhaupt die vielen Anforderungen, die das Unternehmen an den Unternehmenskapitän stellt.

Energieheld: Generell, wenn sich jemand, der aus dem Handwerk kommt, entschließt einen eigenen Betrieb aufzubauen, sagen wir eine Firma für die Umsetzung von Dämmmaßnahmen, was raten Sie ihm, zu Beginn zu beachten?

Klaus Steinseifer: Formulieren Sie klar, deutlich und unmissverständlich Ihre Ziele, schriftlich und in Form eines Businessplan. Lernen Sie Unternehmerin / Unternehmer zu sein. Beschäftigen Sie sich mit Ihren persönlichen Kompetenzen, die Sie zwingend in eine „erfolgreiche“ Selbständigkeit einbringen müssen.

Energieheld: Es gibt ja diesen scherzhaften Spruch: „Ich bin selbständig, ich arbeite selbst und ständig“. Können Sie das bestätigen? Wie hoch ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Gründer und Chefs von Handwerksbetrieben?

Klaus Steinseifer: Für ExistenzgründerInnen gibt es zunächst einmal keine Zeitbeschränkungen. Das Unternehmen muss an den Markt und die Zeit dafür ist nicht einschätzbar. Hau‘ rein ist hier mein Ratschlag. Wenn die ersten Ziele erreicht sind, kann sich die Unternehmerin, der Unternehmer gerne einmal zurücklehnen, seine Zeitplanung neu ordnen und sich auch wieder um sein Privatleben kümmern. Ich beschäftige mich ungerne mit Regelungen von Wochenarbeitszeiten. Wenn es Spaß macht und nicht zur Belastung wird, dürfen es viele Stunden in der Woche sein. Seine Work-Life-Balance bestimmt jeder für sich selbst.

Das sechsköpfige Berater-Team um Klaus Steinseifer.
© Klaus Steinseifer

 

Energieheld: Um die Balance zwischen Arbeit und Familie zu erhalten, bedarf es dann sicherlich eines besonders guten Zeitmanagements. Was sind Ihre Tipps?

Klaus Steinseifer: Zeitmanagement ist sehr individuell. Wichtig dabei sind die Prioritäten. Wer ohne Prioritäten arbeitet, wird mit seinem Zeitmanagement scheitern!

Energieheld: Aktuell haben wir in Deutschland ja eher einen Mangel an Fachkräften im Handwerk. Wie können es Betriebe schaffen neue, gute Mitarbeiter zu finden und vor allem zu halten?

Klaus Steinseifer: Heute müssen sich die Unternehmen bewerben, nicht mehr die Fachkräfte. So hat sich die Welt gedreht. Wenn die Unternehmen keine Arbeitgebermarke und ein Mitarbeiterimage aufgebaut haben, wird das nichts mit den Fachkräften der Zukunft!

Energieheld: Zum Thema Organisation: Was raten Sie Inhabern, damit die Geschäfte und Durchführungen reibungslos ablaufen können?

Klaus Steinseifer: Gehen Sie mit kritischen Augen durch Ihr Unternehmen und betrachten Sie Ihre Organisationskompetenz:

  • Ist Ihr Unternehmen in allen Bereichen organisiert?
  • Kompetenzverteilung und Kompetenzabgrenzung im Unternehmen!
  • Wer übernimmt welche Aufgaben und wer ist verantwortlich?
  • Strukturen und Organigramm (Kompetenzbereiche)!
  • Aufgabenlisten (Zuständigkeitsbereiche)!
  • Wer ist für die Ordnung und Sauberkeit im Unternehmen zuständig?
  • Ablaufpläne (Prozessabläufe und Projektakten)!
  • Checklisten erleichtern die Arbeit ungemein und senken die unproduktiven Zeiten!

Weitere Infos zu mehr Effizienz am Tag

Energieheld: Ist das Thema Digitalisierung schon bei den meisten Betrieben angekommen? Wo sehen Sie die Chancen und ggf. Risiken für Handwerksbetriebe in der Online-Welt?

Klaus Steinseifer: Fangen wir bei den Risiken an: Datensicherungen sind das A&O. Ich weiß, dass viele UnternehmerInnen dieses Risiko total unterschätzen und wenn es zu spät ist – ja, dann ist es zu spät! Das zweite Risiko sind die Datenzugriffskennwörter, die zu oberflächlich gewählt werden. Achten Sie auch auf die Cloud-Anbieter, mit denen Sie zusammenarbeiten werden. Was bieten Sie? Wo stehen die Server? Wie sicher ist der Anbieter? Was hat er für einen Ruf? Was sagen andere Nutzer über ihn. Das sind nur ein paar Risiken, die an erster Stelle stehen und Beachtung finden müssen.

Digitalität, auch im Handwerk, ist in aller Munde und wird die Zukunft beherrschen. Die Unternehmen, die das verstanden haben, werden wieder die berühmte Nasenlänge voraus sein. Denn die Kunden sind schon lange digital, die Mitarbeiter auch… Und Digitalität ist kein Hexenwerk!

Energieheld: Wer sich selbstständig macht und einen Betrieb aufbaut, steckt natürlich viel Zeit, Herzblut und Leidenschaft in dieses Unternehmen. Leider werden bei Eintritt in den Ruhestand die Betriebe jedoch häufig nicht weiter geführt. Was sind Ihre Tipps um Nachfolger zu finden?

Klaus Steinseifer: Nachfolgen verlaufen niemals planmäßig! Sofern überhaupt ein Plan besteht und ein Nachfolger in den Startlöchern ist. Die meisten Nachfolgen werden viel zu lasch, zu spät und meist in der Familie geplant. Das sind die ersten grundlegenden Fehler der Nachfolgeplanung. Bauen Sie rechtzeitig, ich meine damit viele Jahre vorher, Ihren Nachfolger auf. Die Tatsache Sohn oder Tochter in einem Unternehmen zu sein, befähigt noch lange nicht zur Unternehmensübernahme! 

Energieheld: Haben Sie noch weitere Tipps, die Sie gerne allen Selbständigen mit auf den Weg geben möchten?

Klaus Steinseifer: Beweg Dich, dann bewegst sich was! Stellen Sie Ihr Unternehmen in allen Bereichen für die Zukunft auf und lernen Sie täglich dazu, nicht nur fachlich, sondern viel mehr auch persönlich!

Energieheld: Haben Sie vielen Dank für das interessante Interview, Herr Steinseifer.

Weitere Informationen zu Klaus Steinseifer und seinen Beratungen finden Sie unter: www.blog-handwerk.de

Share Button

Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."