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9 Fragen an Anja Borchart von „JOULIA“

9 Fragen an Anja Borchart von „JOULIA“
4.7 (93.33%) 6 Stimmen

Heute interviewen wir Anja Borchart von Joulia, der Duschrinne mit integrierter Wärmerückgewinnung.

Kennen gelernt habe ich Anja im März auf der Jahreskonferenz der DENEFF in Berlin diesen Jahres. Dort stellte Sie die Geschäftsidee Joulia-Inline dem Publikum und der Jury vor. Über ein Tablet konnten alle Besucher der Konferenz mit über den Sieger abstimmen. Joulia wurde hier mit den meisten Stimmen der Publikumssieger und setzte sich gegen 6 andere Ideen durch.

Wer ist Anja Borchart?

Anja Borchart – Joulia SA

Anja Borchart ist bei Joulia vor allem für das Marketing, HR (Personal) und für die Strategieentwicklung zuständig.

Vorheriger Werdegang: Vorher machte sie jedoch eine Ausbildung im Sanitär- Groß- und Außenhandel und absolvierte ein Studium zur Diplom Betriebswirtin (VWA).

Danach sammelte sie 16 Jahre Marketing- und Vertriebserfahrung bei dem Armaturenhersteller Hansa, in Stuttgart, bei Forster Stahlküchen in der Schweiz und als Produktmanagerin für Wellness bei der Laufen AG. Dort entstanden auch die ersten Kontakte zu Joulia.

Ende 2015 wechselte Anja dann zu Joulia SA.

Was ist Joulia SA?

Die Joulia SA hat einen hocheffizienten und Trinkwasser-zertifizierten Wärmetauscher entwickelt, der während des Duschvorganges die Wärme des abfliessenden Duschwassers nutzt, indem er das nachfliessende Kaltwasser vorwärmt. Das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Biel (Kanton Bern) und beschäftigt 7 Mitarbeiter, die von der Entwicklung über Produktion, Qualitätssicherung, Marketing und Vertrieb alles in Eigenregie leisten. Nach ersten Erfolgen auf dem Schweizer Markt, will die Joulia SA nun wachsen und auch bald in Deutschland und Österreich durchstarten.

Beginn des Interviews:

Stephan Günther (energieheld): Hallo Anja, vielen Dank, dass Du uns für dieses Interview zur Verfügung stehst.

Anja Borchart (Joulia): Es freut mich, dass ihr auf Joulia aufmerksam geworden seid und über unsere Idee berichten möchtet. Unser Unternehmen ist ja noch jung und zudem bisher nur im Schweizer Markt aktiv. Da ist es nicht selbstverständlich, dass man ohne Marketingaufwand überhaupt Beachtung findet.

Stephan Günther (energieheld): Bei so einem spannenden und nachhaltigem Produkt, sind wir natürlich auch interessiert! Magst du unseren Lesern kurz erläutern, wie „Joulia“ funktioniert?

Normale Dusche ohne Wärmerückgewinnung

Anja Borchart (Joulia): Zum Duschen gehören warmes und kaltes Wasser, welches in der Armatur zu unserer persönlichen Wohlfühltemperatur gemischt wird. Um Wärme aus dem Duschwasser zurückzugewinnen, wird die Kaltwasserleitung nicht direkt an der Duscharmatur angeschlossen, sondern macht, bevor es zur Armatur geführt wird, einen Umweg über die Abflussrinne, in der unser Wärmetauscher installiert ist. Der Wärmetauscher besteht aus Wärme-leitenden Kupferrohren.

Sobald wir anfangen zu duschen, läuft unser genutztes warmes Wasser in die Abflussrinne und über den Wärmetauscher. Dadurch erwärmt sich das in den Kupferrohren nachfliessende Kaltwasser auf bis zu 25°C und kommt nun bereits vorgewärmt an der Duscharmatur an. Jetzt muss wesentlich weniger heisses Wasser beigemischt werden. Dadurch sparen wir während des Duschens massiv Energie ein.

Der Wärmetauscher selbst braucht keinen Strom und funktioniert lediglich durch den Wasserdruck. Immer wenn wir duschen, gewinnt er Energie zurück, die wir durch die Kanalisation „wegwerfen“ würden und setzt diese gleich wieder ein.

Stephan Günther (energieheld): Welches Problem will „Joulia“ lösen?

Dusche mit Joulia Inline nutz die Wärme erneut

Anja Borchart (Joulia): Das Warmwasser spielt eine immer grössere Rolle im Energieverbrauch. Wir möchten einfache und Ressourcen schonende Lösungen anbieten, welche die Energie wiedergewinnen und sinnvoll einsetzen. Dabei legen wir Wert darauf, dass man nicht auf Komfort verzichten muss, keinen Zusatzaufwand hat und alle involvierten Teile für Reinigungszwecke leicht zugänglich sind. Auch bei der Installation soll kein Mehraufwand entstehen und die Technik einfach und logisch verbaut werden können.

Stephan Günther (energieheld): Wie ist die Idee zu „Joulia“ entstanden?

Anja Borchart (Joulia): Im Laufe der vergangenen Jahre wurde an der Art, wie wir Bauen und Renovieren, Einiges verbessert. Die Fassaden, die Dächer, die Türen und Fenster wurden gedämmt. Dadurch haben wir massive Einsparungen im Wärmeverlust erreichen können. Unter anderem hat sich durch diese Massnahmen der Einsatz von Energie in unseren Haushalten verändert. Inzwischen verbrauchen wir genauso viel Energie für die Aufbereitung von Warmwasser wie für die gesamte Heizung. Und das meiste Warmwasser verbrauchen wir im Bad – hauptsächlich beim Duschen, nämlich bis zu 80%. Doch hier lassen wir es nach nur ganz kurzer Nutzung einfach in die Kanalisation fliessen. Dieser Verschwendung wollten wir etwas entgegensetzen.

Und „Joulia“ – darin steckt Joule, die Einheit für Energie. Der Name unseres Unternehmens leitet sich davon ab.

Stephan Günther (energieheld): Welches Energiesparpotential steckt in der wärmerückgewinnenden Dusche?

Anja Borchart (Joulia): Wir gewinnen bis zu 42% der Energie zurück, die wir in den Abfluss lassen. Das entspricht bei einem 4-Personenhaushalt etwa 1.000 kWh pro Jahr und ist vergleichbar mit der Gewinnung von Energie durch 8m2 Photovoltaik.

Dabei kann man die beiden Systeme gut und gerne miteinander kombinieren und somit doppelt sparen. Joulia-Inline funktioniert sogar, wenn die Sonne weniger oder gar nicht scheint. Das Produkt verbraucht selbst keinen Strom, es funktioniert einfach durch den Wasserdruck. 

Stephan Günther (energieheld): Neben dem Energiesparpotential wird die meisten potentiellen Nutzer natürlich der Preis und damit die ungefähre Armotisationszeit interessieren. Kannst du hierzu etwas sagen?

Anja Borchart (Joulia): Unser Produkt ist im Vergleich zu einer anderen massiven Edelstahlrinne etwa ein Drittel teurer. Dieser Mehrpreis amortisiert sich durchschnittlich nach 3 Jahren* und danach verdient das Produkt eigentlich Geld – denn mit jedem Jahr reduzieren sich die Kosten für die Warmwasseraufbereitung. Da wir von steigenden Energiekosten ausgehen, ist das ein nicht unerheblicher Posten in der Haushaltskasse.

*bei einem 4-Personenhaushalt, in dem alle Beteiligten täglich duschen

Unauffällig: Die gesamte Technik ist im Boden verbaut.
© Joulia SA

Stephan Günther (energieheld): Wer sind eure größten Konkurrenten?

Anja Borchart (Joulia): Das Problem der Energieverschwendung im Duschabwasser ist Vielen noch gar nicht bewusst, weshalb unsere Lösung bisher gar nicht im Fokus steht.

Es gibt etliche Produkte, die sich ganzheitlich mit Rückgewinnung von Energie und Wärme im Haus oder in Industrieanlagen beschäftigen, die jedoch die konkrete Nutzung des Duschwassers nicht berücksichtigen. Die meisten dieser Lösung speichern die zurückgewonnene Energie ein. Umso grösser das Objekt, umso eher versucht man bezüglich Wärmerückgewinnung das Gesamte zu betrachten und dann dort das Optimale herauszuholen. Energie aus dem Duschwasser ist in dieser Betrachtung nur ein kleiner Teil. Nachteilig ist, dass umso grösser man denkt, desto höher auch die Investitionen sind. Dabei könnte eine Joulia-Inline z. Bsp. den Einbau einer kleineren Wärmepumpe und eines kleineren Speichers bedeuten. Das wäre nicht nur platzsparend, es würde sich auch hinsichtlich der Amortisation positiv auswirken.

Stephan Günther (energieheld): Ihr kommt ja aus der Schweiz, ist das Thema „wärmerückgewinnende Duschen“ außerhalb Deutschlands bereits größer?

Anja Borchart (Joulia): Die Niederländer sind uns allen bei diesem Thema etwas voraus. Dort ist Wärmerückgewinnung aus dem Duschwasser schon einige Jahre bekannt und selbstverständlicher geworden. In vielen anderen Ländern können sich neue Ideen aufgrund der trägen Gesetzgebungen und der Preissensibilität bei Investoren und Bauherren nur langsam durchsetzen. Auch in der Schweiz ist das Thema noch lange nicht selbstverständlich.

Und dann muss man natürlich auch die geografische Lage betrachten. In Ländern, in denen es nie richtig kalt wird, ist der Bedarf an solch einer Lösung nicht unbedingt gegeben, während man in Ländern mit einem hohen Wärmebedarf umso empfänglicher dafür ist.

Die Duschrinne der Joulia-Inline
© Joulia SA

Stephan Günther (energieheld): Was waren oder sind die größten Schwierigkeiten auf die du bei deiner Arbeit für „Joulia“ gestoßen bist?

Anja Borchart (Joulia): Einerseits das Bewusstsein der Menschen für Energieverschwendung. Es gibt Menschen, denen ist nicht einmal bewusst, dass man für warmes Wasser Energie einsetzen muss. Ähnlich wie beim Strom, ist es für Viele einfach selbstverständlich, dass es vorhanden ist. Daher ist ihnen auch nicht klar, was sie da eigentlich an Potential in den Abfluss giessen.

Andererseits die Bereitschaft, etwas zu ändern. Das fängt bereits bei der Planung eines Neu- oder Umbaus an. Unser Produkt muss im Boden verbaut werden und an die Trinkwasserleitung angeschlossen werden, desto früher es in der Bauphase berücksichtigt wird, desto besser. Aber solange Strom günstig ist und die sinnvolle und wiederholte Nutzung der Ressourcen nicht in allen potentiellen Bereichen vorgeschrieben wird, entscheiden sich die meisten einfach für die günstigste Bauweise. Egal, ob das klima- und enkeltauglich ist oder nicht.

Ein weiteres Hindernis ist die Breite der Beeinflusser. Das Produkt muss bereits in der Planung berücksichtigt werden. Deshalb müssen wir Architekten informieren und überzeugen sowie Investoren, Sanitärplaner, Sanitärhändler und Installateure, bevor am Ende das Produkt gekauft wird. Ziemlich viele Hürden, um eine Lösung bekannt zu machen. Dennoch, das Feedback bisher ist phänomenal.

Stephan Günther (energieheld): Wir merken stets, dass das Thema „Wärmewende“ in den Medien relativ wenig Beachtung findet. Energiewende schon, aber der Bereich Heizung und Warmwasser ist eher unterrepräsentiert. Siehst du das auch so, und falls ja, was glaubst du ist der Grund dafür?

Anja Borchart (Joulia): Meiner Meinung nach ist „Strom“ für viele Menschen der Inbegriff von Energie. Deshalb wird Wärme noch immer nicht als Teil der Energiewende wahrgenommen und als Verbesserungspotential angesehen. Auf Messen spüren wir immer wieder den Erklärungsbedarf bei der Bevölkerung und ahnen den Aufwand, den die Branche allgemein hat. Hinzu kommt, dass alles, was mit Heizung und Wärmeerzeugung zu tun hat, allgemein im Keller oder in Hauswirtschaftsräumen verschwindet – weit weg aus der Wahrnehmung des Bürgers. Im Vergleich dazu hantieren wir ständig mit Geräten, die Strom brauchen. Energieeinsparung in Form von Strom liegt uns also im Alltag wesentlich näher. Das ist sehr schade, denn was die Wärmewende angeht, wird generell gesehen schon ganz viel umgesetzt und das sehr erfolgreich.

Stephan Günther(energieheld): Vielen Dank Anja! Das waren wirklich spannende Einblicke in die Hintergründe von Joulia.

Lasst uns gemeinsam die Energieeffizienz in so vielen Bereichen wie nur möglich erhöhen. Wie immer gilt schließlich: Die umweltfreundlichste Energienutzung ist es, so wenig Energie wie möglich überhaupt zu verbrauchen. Jede sinnvoll eingesparte Kilowattstunde hilft dabei unseren Planeten zu schützen und dem Ressourcenverbrauch entgegen zu wirken.

Das gesamte Team von energieheld wünscht dir, Anja und eurem gesamten Team, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."

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