Energiewende Und Das Handwerk

Das Handwerk und die Energiewende – ein Dauerkonflikt?

Seit Inkrafttreten des EEG verfolgt die Bundesregierung verstärkt das Ziel die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Bei den Handwerkern, die zugleich Umsetzer der Energiewende als auch Energienutzer sind, ist das Stimmungsbild sehr durchwachsen. Viele sehen mehr Nachteile als Chancen. 

Aber nicht nur die Energiewende beschäftigt das Handwerk, auch die fortschreitende Digitalisierung ist eins der Hauptthemen. Wie kann man nun das Handwerk, die Energiewende und die Digitalisierung zusammenbringen?

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Bei dem Versuch das Handwerk, die Energiewende und die Digitalisierung in einem Text unterzubringen, ist die Gefahr eines großen Durcheinanders nicht gerade gering. Alles drei sind Bereiche, die ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen.

Das Handwerk ist als (Mit)Umsetzer zwangsläufig mit der Energiewende verbunden und auch an der Digitalisierung kommt die eher traditionelle Branche in den letzten Jahren nicht mehr vorbei. Die Frage ist nun, wo die Schnittstellen der Themen konkret liegen und wie sich Handwerker diese zu nutzen machen können.

Entwicklung der EEG-Umlage – es geht steil nach oben

Das Handwerk ärgert sich über die steigende EEG-Umlage

Entwicklung EEG-Umlage|© strom-report.de

Denn schon seit Jahren steht das Handwerk der Energiewende kritisch gegenüber. Dabei geht es hauptsächlich um Fragen der Finanzierung. Die EEG-Umlage, mit der die Energiewende zu einem großen Teil finanziert wird, steigt seit den letzten Jahren stetig an. Dies liegt hauptsächlich daran, dass es immer mehr Anlagen gibt, die Ökostrom produzieren und die Netzbetreiber immer mehr Einspeisevergütungen an die Betreiber zahlen müssen. Während die EEG-Umlage 2010 mit 2,05 Cent startete, liegt sie mittlerweile bei ganzen 6,88 Cent und hat damit die Schmerzgrenze vieler Handwerker überschritten. Und das obwohl die Bundesregierung im Jahr 2011 noch das Versprechen gab, die Umlage würde 3,5 Cent nicht übersteigen.

Der Ärger bei vielen Handwerkern ist dementsprechend groß. Viele von ihnen wollen den Klimaschutz gerne unterstützen, haben aber gar keine Chance, weil ihnen schlichtweg das Geld dafür fehlt. Und Schuld daran ist ausgerechnet die Energiewende selbst. Klingt nach einem Widerspruch in sich? Ist es auch!

Denn wer setzt die energetischen Sanierungen praktisch um? – Die einzelnen Handwerksbetriebe! Ohne das Handwerk wäre die Energiewende gar nicht umsetzbar. Wie ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende fühlt sich der Großteil der Handwerker aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil, die meisten fühlen sich ungerecht behandelt, da für sie mittlerweile in der Regel ein sechsstelliger Betrag für Stromnebenkosten anfällt.

Die zunehmenden Stromkosten resultieren aus der kontinuierlich ansteigenden EEG-Umlage aber warum kann der Erhöhung kein Riegel vorgeschoben werden? Viele kleinere Handwerksunternehmen kommen mit den Kosten nicht mehr hinterher und bleiben auf der Strecke. Besonders ungerecht: Große Industriebetriebe, denen die Umlage weniger schaden würde, sind von der EEG-Umlage befreit, während kleinere und mittelständische Firmen sie zahlen müssen.

Positionen des Handwerks – Schmerzgrenze ist bei vielen lange erreicht

Kostenbelastung für das Handwerk

Die Energiewende schlägt sich in steigenden Stromkosten nieder|© Eisenhans / fotolia.com

Auch der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) ist empört und hat nun die Energiewende-Agenda des Handwerks vorgelegt, in dem unter anderem die Abschaffung der EEG-Umlage gefordert wird. Der ZDH spricht sich für eine rechtlich verbindliche Regelung aus, die weitere Erhöhungen der EEG-Umlage ausschließt, denn nicht nur die Handwerksunternehmen, auch die Privathaushalte leiden unter der momentanen Situation. Auch der Präsident des ZDH, Hans-Peter Wollseifer, hat eine klare Meinung zu dem Thema:

Es kann nicht sein, dass die Kosten der Energiewende seit Jahren auf die Privathaushalte und den Mittelstand abgewälzt werden.

Aus diesen Gründen fordert der ZDH eine grundsätzliche Umstellung der Finanzierung der Energiewende auf Haushaltsfinanzierung. Dies beinhaltet zum einen die komplette Abschaffung oder Umwandlung der EEG-Umlage auf Mittel aus dem öffentlichen Haushalt und zum anderen auch die Finanzierung der Förderungsmittel aus dem öffentlichen Haushalt. Auch die Abschaffung der „besonderen Ausgleichsregelung“, die energieintensive Branchen von der EEG-Umlage befreit, ist eines der Hauptanliegen des ZDH.


ZDH-Präsident Hans Wollseifer erläutert Positionen des Handwerks zur Energiepolitik

In Summe stellt der ZDH das gesamte System der umlagenfinanzierten Energiewende in Frage. Vor der anstehenden Bundestagswahl könnte die Energiewende-Agenda des Handwerks die Politik durchaus unter Druck setzen, denn das Handwerk fordert ganz klar eine Senkung der Kosten. Als Wirtschaftssektor, der jeden dritten Ausbildungsplatz in Deutschland stellt und einen jährlichen Gesamtumsatz von mehr als einer halben Billion Euro generiert, dürfte es den Parteien schwer fallen, das Handwerk zu ignorieren.

Digitalisierung im Handwerk und Energiewende – Chancen sind da

Aber die Energiewende bietet dem Handwerk auch Chancen. Der Einzug immer neuer Technologien bietet in diesem Zusammenhang ganz neue Möglichkeiten. Handwerker können heute Prozesse in einem hohen Maße automatisieren und damit effizienter gestalten.

Das Handwerk nutzt die Digitalisierung zur Optimierung von Sanierungsmaßnahmen

Digitalisierung im Handwerk |© fotolia.com

Zu diesem Thema gibt es derzeit viele Ansätze und Geschäftsideen, die versuchen dem Kunden eine rundum Komplett-Lösung zu bieten. Als solcher Full-Service Anbieter im Bereich der energetischen Gebäudesanierung tritt auch energieheld auf. Die Idee dahinter ist es, den Kunden begonnen bei der Beantragung von Fördermitteln bis zur Umsetzung der Sanierungsmaßnahme in allen Phasen des Projektes zu unterstützen. Außerdem hat energieheld eine Software für Handwerker entwickelt, mit der sie ihre Aufträge verwalten und wiederkehrende Geschäftsprozesse digitalisieren können.

Wünschenswert wäre etwa eine digitale Schnittstelle zum Bereich Förderungsmöglichkeiten, da Handwerker in der Regel der erste Ansprechpartner für Kunden sind, sich aber oft selbst nicht ausreichend mit den Förderungsmöglichkeiten auskennen.

Hier wäre es vorstellbar, Prozesse soweit zu digitalisieren, dass Kunden online eine Anfrage stellen können und für jedes Angebot, das sie erhalten automatisch Informationen zu den jeweiligen Förderungen erhalten. Die Alternative wäre die Handwerker aufwendig zu schulen – hier kann die heutige Technologie helfen, Zeit und Kosten zu sparen.

Unser Fazit – Digitalisierung als Bindeglied zwischen Handwerk und Energiewende

Handwerker sollten versuchen bei der Digitalisierung mitzuziehen, um sich die Vorteile der Energiewende zu sichern und weniger unter ihren Nachteilen zu leiden. Traditionelle Geschäftsmodelle verlieren immer mehr an Bedeutung und wer mit der Konkurrenz mithalten will, sollte sich den neuen Entwicklungen anpassen, denn ein verbesster Service führt zu mehr Auftragsabschlüssen. Durch eine Zunahme an Aufträgen im Bereich der energetischen Sanierung und Energieeffizienz werden wiederum die Co2-Emissionen weiter gesenkt und die Energiewende bestärkt.

Bei der Digitalisierung im Handwerk geht es nicht darum, sofort alles zu digitalisieren, sondern erst einmal mit den Dingen anzufangen, die Handwerkern und Kunden einen echten Mehrwert bieten.

In diesem Sinne kann die Digitalisierung einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Energiewende leisten. Dies kann allerdings nur funktionieren, wenn Handwerksunternehmen Digitalisierungsstrategien dort umsetzen und anwenden, wo es auch Sinn macht. Damit wird die Digitalisierung den Konflikt zwischen dem Handwerk und der Energiewende zwar nicht lösen, aber sie schafft Verbindungen, die Handwerker nutzen können und sollten. Die Bedeutung der Digitalisierung für das Handwerk und das Energiesystem von morgen lässt sich auf alle Fälle nicht mehr abstreiten!

 

Quellenhinweis: Titelbild © by seagul / pixabay.com CC0

 

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