BPIE: Der Europäische Energieausweis.

Der Europäische Energieausweis

Der Europäische Energieausweis
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Einen europäischen Energieausweis – das fordert das Think-Tank BPIE. Was Sie darüber wissen sollten und was sich in Deutschland dadurch ändern könnte.

Ein riesiges Potenzial für Energieeinsparungen liegt im Gebäudesektor. Hier fallen EU weit fast 40% des Energieverbrauchs an. Konkrete Richtlinien (2002/31/EC; 2010/91/EU) über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurden vom europäischen Parlament und vom Rat, für die EU-Mitgliedsstaaten festgelegt (Energy Performance of Buildings Directive). Die EU-Mitgliedsstaaten werden dadurch verpflichtet, ab dem 31.12.2018, neue Gebäude die von Behörden als Eigentümer genutzt werden, als Niedrigstenergiegebäude auszuführen. Ab dem 31.12.2020 sollen auch alle anderen neuen Gebäude diesem Standard entsprechen. Um diese Vorgaben zu erfüllen, sind weitere nationale und EU weite Gesetze nötig.

Als integraler Bestandteil der neuen EU-Gebäudeverordnung schlägt das Buildings Performance Institute Europe (BPIE) einen Energieausweis engl. Energy Performance Certificate (EPC) nach europäischen Maßstäben vor. Das BPIE  ist ein in Brüssel ansässiger  non-profit-think-tank mit Fokus auf der Aufbereitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur energetischen Gebäudesanierung. Die Erkenntnisse dienen als Instrumente zur politischen Mitgestaltung und sollen dazu beitragen, politisch Handelnde über die Notwendigkeit von energieeffizienten Gebäuden zu informieren. Die wissenschaftlichen Studien sind dabei zum Großteil inhouse Studien, ein Beispiel ist die Studie zu Niedrigstenergiegebäuden.

Wie soll der europäische Energieausweis nach Vorschlag des BPIE gestaltet werden und welche wesentlichen Änderungen folgen für den deutschen Energieausweis?

Vorteile eines europäischen Energieausweises

Ein europäischer EPC soll in erster Linie ein Informations-Instrument für Häusle-Bauer, Eigentümer, Bewohner und Immobilienmakler sein. Information heißt vor allem Marketing für energieeffiziente Gebäude, um jedem Interessierten eine Entscheidungshilfe beim Häuserkauf zu bieten und für eine steigende Nachfrage im Bereich kosteneffektive, kostenoptimierte und energieeffiziente Gebäudesanierung zu sorgen.

Weiter, hat ein einheitlich europäischer EPC Potential zu einem effektiven Instrument zu werden, um den Energieverbrauch von Gebäuden zu messen. Es wird dadurch möglich eine einheitliche Datenbasis für den gesamten europäischen Gebäudebestand zu schaffen. Die Datenbasis kann dann wiederum, als wichtiger Impulsgeber für die Baupolitik in den einzelnen Mitgliedsländern dienen.

Ein unabhängiges Kontroll-System, in staatlicher Hand, könnte bei Verstößen der EPBD-Richtlinien entsprechend Geldstrafen verhängen. Dies würde einerseits die Bereitschaft erhöhen, im Vorhinein auf energetisch effiziente Gebäude zu setzen und andererseits auch als Instrument dienen, schlechte Zertifizierungen durch Energieberater abzustrafen.

Welche Unterschiede es bisher im Hinblick auf den Gebäude-Energieausweis in Europa gibt, hat Andreas Kühl von energynet für energieheld zusammengefasst.

Vorschläge zum europäischen Energieausweis

Die Umsetzung eines europäischen EPC ist nicht ohne Probleme durchzuführen. Politiker müssen für die Umsetzung gewonnen werden, aber auch marktspezifische Anreize müssen gesetzt werden, um Antragsstellern entgegen zu kommen. Dafür erarbeitete das BPIE ein 6 Punkte Vorschlagsprogramm für die Politik:

  • Die Mitgliedstaaten sollten ausreichend adäquate administrative, institutionelle, finanzielle und humane Ressourcen bereitstellen, um eine konsequente Durchsetzung des EPC zu ermöglichen. Nur so können die nötigen Messungen zur Überwachung der Fortschritte, auf nationaler und EU weiter Ebene, erfolgen.
  • Das EPC sollte auf nationaler Ebene gesetzlich stärker verankert werden, um effektiv politische Veränderungsprozesse und Programme anzustoßen. Dabei soll es nicht zu einer Ad-hoc Übernahme aller Effizienzrichtlinien kommen, sondern die EPC gibt einen Anstoß zur Schrittweisen energetischen Gebäudesanierung, eine „individual building renovation roadmap“ (BPIE).
  • Entscheidend bei der Implementierung des EPC ist die qualitative Messung vom Gebäudeenergiestatus.
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    Unabhängige Qualitätskontrollen für den Energieausweis |© BPIE

    Dabei sind vier wichtige Implementierung zu vollziehen:

a) Qualifizierte Experten, die innerhalb der EU auf einer Ausbildungsebene sind.

b) Der Energieberater muss bei existierenden Gebäuden vor Ort anwesend sein, bevor die Bewertung als abgeschlossen gelten kann.

c) Die Energieberater sollten  Software  zur Unterstützung erhalten, gerade im Hinblick auf Plausibilität und Registrierung des EPCs.

d) Die Qualitätsstandards zur Beurteilung der Energieeffizienz eines Gebäudes sollten in der EU einheitlich sein.

  • Es sollte eine zentrale Stelle zur EPC-Vergabe eingerichtet werden, um die Unabhängigkeit der Vergabe zu gewährleisten.
  • Die Daten, die über die EPC-Registrierung laufen, sollten entsprechend beworben und ausgewertet werden können.
  • Die EPC sollte durch eine unabhängige Stelle evaluiert und auf seine Effektivität getestet werden.

Welche Änderungen kämen durch den europäischen Energieausweis auf Deutschland zu?

Eine zentrale Stelle, die den europäischen Energieausweis in Deutschland ausstellt, würde das im Idealfall mit einer geeigneten Kommunikationsstrategie ergänzen. Eine Informationskampagne wäre entscheidend, um den Sinn und Zweck des Energieausweises zu erläutern.

 „Zurzeit herrscht große Unsicherheit über die Funktion des Energieausweises. Kunden rufen häufig an, weil Sie von ihren Beratern teils widersprüchliche Informationen über Antragsstellung und Art des Energieausweises erhalten haben. Eine einheitliche Informationspolitik wäre da die beste Lösung.“
(Kundenberater Andre Reinermann)

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Energieausweis-Pflicht nach EnEV 2014 | © Energieheld GmbH

Ein Energieausweis wird benötigt, wenn z. B. das Eigenheim verkauft oder vermietet werden soll. Vielen ist die Logik hinter dem Energieausweis nicht bewusst und sie sind dementsprechend nicht bereit Geld dafür auszugeben. Interessant ist es dagegen für den potentiellen Käufer oder Mieter um z. B. die auf ihn zukommenden Heizkosten einzuschätzen.

In diesem Zusammenhang sollte die Eingabe der Daten zur Antragsstellung vereinfacht werden. Das wäre vor allem bei der Angabe wichtig, ob ein Verbrauchsausweis oder ein Bedarfsausweis benötigt wird.

Bei einem Neubau werden durch die bestehenden gesetzlichen Anforderungen bereits hohe energetische Standards eingehalten. Als Nachweis muss nach Abschluss der Bauarbeiten ein Bedarfsausweis an den Bauherren übergeben werden.

Bei einem Altbau hingegen wird ein Bedarfsausweis nur benötigt, wenn das Objekt vermietet oder verkauft werden soll. Liegt das Baujahr nach 1978 so reicht ein Verbrauchsausweis, dieser ist jedoch stark vom individuellen Verbrauchsverhalten abhängig.

Der Verbrauchsausweis gibt zwar Modernisierungsmöglichkeiten an, lässt jedoch gleichzeitig nur einen begrenzten Rückschluss auf den aktuellen energetischen Stand der Immobilie zu.

So wie die Ausweise im Moment gestaltet sind, haben sie nur einen begrenzten Nutzen, da nur ungefähr abgelesen werden kann, wie hoch der Verbrauch ist. Eine Angabe der einzelnen Bauteile wäre wünschenswert, um gezielt Schwachpunkte angehen zu können. Außerdem entstünde damit eine einheitliche Datengrundlage, wie es der europäische Energieausweis anstrebt.

Zu wünschen wären demnach eine einheitliche Grundlage und Anforderungsrichtlinien, zur Ausstellung des Energieausweises. Die Daten, die der Antragsteller eingibt, sollten nachvollziehbar sein. In Deutschland ist es möglich, dass der Antragssteller über ein Online-Tool die Gebäudedaten eingibt, ohne dass eine Begehung des Gebäudes durch den Energieberater Pflicht ist. Das würde sich mit dem europäischen Energieausweis ändern. Durch qualifizierte Experten, die vor Ort anwesend sind und das Gebäude begehen, können Qualitätsstandards etabliert werden, die auch für einen qualitativ hochwertigen Datenbestand im Gebäudesektor beitragen.

Fazit

Wird der europäische Energieausweis mit Bedacht und im Hinblick auf die nationalen Besonderheiten umgesetzt, so kann ein entscheidendes Instrument geschaffen werden, um die Energieeffizienz im Gebäudesektor zu erhöhen, einen Anreiz zu bieten einen energetisch hochwertigen Wohnungsmarkt mit niedrigen Heizkosten zu schaffen und schließlich die Energiewende ein weites Stück nach vorne zu bringen.


 Quelle:

Pressemitteilung des BPIE vom Oktober 2014

Mapping of national approaches

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.