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Der Mythos vom Baukostentreiber Klimaschutz

Der Mythos vom Baukostentreiber Klimaschutz
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Rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf den Gebäudesektor. Zusätzlich ist er für über ein Drittel der CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich. Um die nationalen Klimaziele bis 2050 zu erreichen, ist energetische Gebäudesanierung also dringend nötig. Hartnäckig hält sich allerdings die Annahme, dass dadurch immense Kosten entstünden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Massiv sinkende Heizkosten in Bestandsbauten, Förderungen und energetische Standards bei Neubauten machen klimafreundliches Bauen günstig und attraktiv.

Bundesverband Erneuerbare Energien veröffentlicht Studie

Steigende Mieten in deutschen Städten werden mehr und mehr zum Problem. Gemeinhin wird als Grund für die steigenden Kosten der Klimaschutz angeführt. Die energieeffiziente Sanierung von Gebäuden soll die Kosten in die Höhe treiben. Auch steigende Baukosten für Neubauten sollen in hohen energetischen Standards begründet liegen. Aber stimmt das überhaupt? Eine, vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) beauftragte, Studie räumt nun mit diesem Mythos auf. Die Behauptung, Klimaschutzvorgaben seien der entscheidende Kostentreiber für das Bauen in Deutschland, entbehrt jeglicher Grundlage. Im Gegenteil: dank sinkender Heiz- und Energiekosten wird das Wohnen mittel- bis langfristig sogar günstiger.

„Höhere energetische Standards können sogar günstiger erreicht werden, wenn man Heizungstechnik und Gebäudegestaltung intelligent kombiniert und Fördermittel in Anspruch nimmt“, betont Dr. Peter Röttgen, Geschäftsführer des BEE. Energetische Standards im Neubau sind keine maßgeblichen und erst recht nicht die alleinigen Baukostentreiber. Dass die Mieten im Gebäudesektor in Städten immer stärker steigen, ist vor allem auf das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Energetische Gebäudesanierung hat mit den steigenden Kosten aber rein gar nichts zu tun.

Energetische Gebäudesanierung keine Frage der Kosten

Die Energetische Gebäudesanierung spart Kosten.

Schon heute ist die energetische Gebäudesanierung durchaus wirtschaftlich. Mehr noch: zum Erreichen der deutschen Klimaziele 2050 ist sie zwingend notwendig. Um das jedoch auch flächendeckend zu gewährleisten, ist die Politik gefordert. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung gibt allerdings wenig Grund zur Hoffnung. Vernünftige Lösungen wurden weitgehend ausgelassen. Zwar ist im Koalitionsvertrag eine steuerliche Förderung für die energetische Gebäudesanierung vorgesehen. Doch reicht das allein nicht aus. Nur bei durchdachter Ausgestaltung kann die steuerliche Förderung zu einem Wachstum für die energetische Gebäudesanierung führen. Ein weiterer Fall von gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

Die Studie des BEE zeigt, dass klimafreundliches Bauen keine Kostenfrage ist. Die Autoren errechneten, dass die Baukosten in Deutschland zwischen 2000 und 2016 um satte 36 Prozent anstiegen. Davon entfallen aber lediglich sechs Prozent auf Anforderungen durch die Energieeinsparverordnung (EnEV). „Die Baupraxis zeigt, dass über die EnEV 2016 hinausgehende energetische Standards unkompliziert und mit marktüblichen Technologien problemlos erreichbar sind“, schreiben die Autoren der Studie. Weiterhin lassen sich für hocheffiziente Neubauten sogar noch geringere Kosten realisieren, als bei bloßer Einhaltung der EnEV-Mindestanforderungen.

Deutsche Umwelthilfe empfiehlt 6-Punkte-Sofortprogramm

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist mit den Maßnahmen, die der Koalitionsvertrag vorsieht, alles andere als einverstanden. Dass klimafreundliche Gebäude als Grund für steigende Baukosten herhalten sollen, bleibt nicht nachvollziehbar. Vielmehr fordern die Umweltexperten weitreichende Änderungen im Gebäudesektor, um etwa steigenden Mieten vorzubeugen. Dafür veröffentlichten DUH und Deutscher Mieterbund bereits im Oktober ein Sechs-Punkte-Programm.

Die notwendigen Maßnahmen:

  • Ergänzung der bestehenden Energiebesteuerung um eine CO2-Komponente als Bemessungsmaßstab.
  • Grundlegende Überarbeitung des Paragrafen 559 BGB und Herabsetzen der Modernisierungsumlage von elf auf sechs Prozent.
  • Schaffen von Anreizen für energetische Gebäudesanierung und direktes Zugutekommen von Fördermitteln für den Eigentümer/Vermieter.
  • Generelles Setzen von steuerlichen Anreizen für energetische Gebäudesanierung.
  • Integration der energetischen Beschaffenheit eines Gebäudes in die Regelung des Mietspiegels.
  • Sozialverträgliche energetische Gebäudesanierung für einkommensschwache Haushalte sicherstellen.

 

Bildquellen:
Titelbild, bearbeitet: © altes_haus / pixabay.com CC0
Zweites Bild: © nattanan23 / pixabay.com CC0

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