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Die geplante Energiewende in Frankreich

Im Sommer 2014 hat die französische Regierung ein Gesetz vorgestellt, das den Weg zur französischen Energiewende ebnen soll. Nun hat die Nationalversammlung in Frankreich auch endlich genau dieses Gesetz verabschiedet.

Geplant ist, dass der gesamte Energieverbrauch halbiert wird, der Anteil des Atomstroms sinkt und der Anteil der Erneuerbaren Energien wächst. Die absolute Stromproduktion aus Atomkraftwerken soll allerdings gleich bleiben! Wir haben einmal geschaut, was genau es damit auf sich hat.

Was hat es mit dem Gesetz auf sich?

In Frankreich gibt es ein neues Gesetzt, das so genannte „La loi sur la transition énergétique“, zu deutsch „Gesetz über die Energiewende“. Frankreich will damit seine Energieversorgung fundamental umstellen und auf nachhaltige Energieerzeugung setzen. Nach einem langen Streit fällte die Nationalversammlung das Urteil, das geplante Gesetz für eine nationale Energiewende zu erlassen. Ziele sind vor allem die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, insgesamt weniger Energie zu verbrauchen und den Strom seltener aus Atomenergie und mehr aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Eigene Grafik: Strommix in Frankreich, 73% aus Kernenergie, 14% aus Wasserkraft

Konkrete Ziele der geplanten Energiewende Frankreichs

Zukünftig soll in Frankreich der Anteil der Erneuerbaren Energien bis zum Jahre 2050 auf 33 Prozent ansteigen. Im Gegenzug soll der Anteil des Atomstroms bis 2025 von aktuellen 75 Prozent auf 50 Prozent gesenkt werden. Außerdem soll der Treibhausgasausstoß bis 2030 (gegenüber 1990) um bis zu 40 Prozent reduziert und bis 2050 der gesamte Energieverbrauch halbiert werden. Geplant ist, dass ab 2030 ganze 32 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien stammen. Gebäudesanierungen sollen staatlich vorangetrieben, Plastikmüll gespart und Elektroautos gefördert werden. Darüber hinaus wird es neue Finanzierungsmöglichkeiten für energieeffizientes Sanieren geben.

Ab 2017 muss jedes neue Gebäude einen digitalen Energiepass vorweisen können. Bis 2025 müssen alle privaten Wohngebäude, die mehr als 330 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen, saniert werden. Ab 2030 dürfen alle privaten Wohngebäude nur noch saniert verkauft werden. Zudem werden die Gemeindesteuern in Zukunft in Abhängigkeit der Energieeffizienzklasse bemessen. Von der Energiewende versprechen sich die Franzosen außerdem 100.000 neue „grüne“ Arbeitsplätze.

Die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) rückt näher

Die nächste UN-Klimakonferenz findet dieses Jahr im November in Paris statt. Frankreich will mit gutem Beispiel vorangehen und hat ein ehrgeiziges Reformgesetz beschlossen. Im Anschluss an die nationale Debatte zur Energiewende hatte die französische Regierung im Sommer 2014 ein Gesetz vorgestellt, das den Weg für die Umsetzung der französischen Energiewende ebnen soll. Der COP 21 (21st conference of the parties) wird große Bedeutung beigemessen, da in Paris eine neue, international geltende Klimaschutzvereinbarung als Nachfolger des Kyoto-Protokolls verabschiedet werden soll.

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal sagte, das Energiewendegesetz sei das „ehrgeizigste in Europa“. Olaf Tschimpke, Präsident des größten deutschen Naturschutzbundes (NABU), betont die Bedeutung der verbindlichen Festsetzung von Effizienszielen und kritisiert, dass wir vor allem „ein politisches Bekenntnis zu mehr Effizienz – vor allem eines, das über die Kurzfristigkeit einer Wahlperiode hinaus reicht“ bräuchten.

Vergleich: Energiewende in Frankreich und Deutschland

Obwohl es auf den ersten Blick so scheint, als wären sowohl die kurzfristigen als auch die langfristigen Ziele von Frankreich und Deutschland sehr ähnlich, unterscheiden sie sich in einem wichtigen Detail drastisch:
Deutschland hat den endgültigen Atomausstieg für 2022 angekündigt, Frankreich hat sich auf keinen Termin festgelegt.

Zurzeit gibt es in Deutschland noch acht betriebsfähige Atomkraftwerke – in Frankreich sind es ganze 58 und ein weiteres wird zurzeit in Flamanville gebaut. Mangels Öl- und Kohlereserven stützte Frankreich seine Stromversorgung seit den 1970er-Jahren auf Atomenergie.

Überblick über die Zielsetzungen der jeweilen Energiepolitik

Zielsetzung der Energiewende Frankreich Deutschland
Bis zum Jahre 2020
Reduktion Treibhausgasemissionen (gegenüber 1990) -20 % -40 %
Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch 23 %   18 %
Reduktion des Primärenergieverbrauchs -20 % -20 %
Bis zum Jahre 2030
Reduktion Treibhausgasemissionen -40 % -55 %
Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch 32% 30 %
Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch 40 % 50 %
Bis zum Jahre 2050
Reduktion Treibhausgasemissionen -75 % -80 bis -95 %
Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch keine Angaben > 60 %
Reduktion des Endenergieverbrauchs -50 % -50 %

„Le grand flou“ – die große Unschärfe der Atomenergie

Nachdem 188 Milliarden Euro für Atomenergie ausgegeben wurden, will Frankreich bis 2030 den Ausbau Erneuerbarer Energien mit 400 Millionen Euro fördern. Zudem ist bis 2050 geplant, dass der Teil der Atomenergie von aktuellen 75 Prozent auf 50 Prozent gesenkt wird. In diesem Zusammenhang fehlt allerdings ein konkreter Ansatzpunkt zum Atomausstieg in der französischen Energiewende. Die aktuelle Gesetzeslage gibt keinerlei Auskunft darüber, ob und wenn ja, welche Atomkraftwerke bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschaltet werden sollen. Die Höchstleistung der aktuell installierten Atomkraftwerke darf zwar nicht weiter ansteigen, wird allerdings voraussichtlich auch nicht reduziert. Die eigentliche Stromproduktion aus Atomkraftwerken soll also gleich bleiben. Dieser Umstand wird in Frankreich als „le grand flou“ (übersetzt „die große Unschärfe“) bezeichnet, da es diesbezüglich keine klaren Regelungen gibt.

Fazit zur Energiewende in Frankreich

Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob Frankreich tatsächlich den Willen hat, die geplanten Ziele, auch über die Wahlperiode hinaus, in die Tat umzusetzen. Die Opposition zumindest, betrachtet die Energiewende in Frankreich als unrealistisch.

Wir finden auch, dass Frankreichs Engagement zumindest etwas fragwürdig wirkt. Insbesondere wenn man weiß, dass Umweltministerin Ségolène Royal zu Beginn des Jahres 2015 noch verkündete, mit weiteren 55 Milliarden Euro alte Atomkraftwerke zu modernisieren.

Abschließend lässt sich zumindest sagen: Ein guter Anfang ist gemacht, aber langfristig sollte auch in Frankreich besonders die Wärmewende nicht aus den Augen verloren werden. Dieser Schritt scheint immerhin erkannt worden zu sein. Es bleibt nun zu hoffen, das er auch gegangen wird.

Geschrieben von: Romy Sender (Redaktion Energieheld)


Quellen: Unter Anderem:
http://library.fes.de/pdf-files/id/10960.pdf, https://news.utopia.de/frankreich-energiewende-1845/, http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/frankreich-energiewende-atomstrom-oekostrom-gesetz, http://de.blog.milkthesun.com/frankreich-startet-die-energiewende-mit-ausnahmen/

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Stephan Günther

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