EEG-Umlage steigt 2014 weiter an

EEG-Umlage steigt 2014 weiter an
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Die EEG-Umlage wird kommendes Jahr (2014) auf ein Rekordniveau von 6,24 Cent je Kilowattstunde (kWh) steigen. Damit steigt die Umlage gegenüber 2013 um knapp einen Cent an. Dies teilte heute (Dienstag, 15.10.2013) der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW mit. Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien  in Deutschland finanziert. Sie wird über den Strompreis gezahlt und damit auf (fast) alle Verbraucher in Deutschland verteilt. Derzeit beträgt die sogenannte Ökostrom-Umlage noch 5,28 Cent je kWh.

Höhere Stromrechnungen im Jahre 2014

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Damit dürften die Stromrechnungen 2014 wiedereinmal ein Stück höher ausfallen. Ein durchschnittlicher Stromverbrauch einer Familie von etwa 5.000 kWh/a ergibt demnach eine Erhöhung der Stromrechnung um knapp 50,- Euro im Jahr. Die EEG-Umlage erhöht den Strompreis seit der Einführung – der Anstieg ist allerdings mit ca. 1 Cent / kWh niedriger als bei der letzten Erhöhunug der EEG Umlage von 2012 auf 2013 (ca. 1,69 Cent/kWh). Im Jahre 2007 lag die EEG-Umlage noch bei nur einem Cent, 2011 bereits bei 3,53 Cent je kWh. Gleichzeitig stiegen auch die Stromkosten selber weiter an: 2007 wurde für den Strom inklusive EEG-Umlage 20,6 Cent bezahlt (EEG Anteil ca. 1 Cent / kWh). Im Jahre 2013 lag der Strompreis für private Verbraucher ohne Umlage schon bei 23,4 Cent, plus EEG-Umlage von 5,28 Cent ergibt sich dieses Jahr also ein Strompreis von 28,7 Cent pro kWh, den Verbraucher im Durchschnitt an die EVUs (Energieversorgunsunternehmen) zahlen.

Steigen die Strompreise 2014 auf über 30 Cent?

Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Biogas) können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken mithalten. Jedoch wird den Kraftwerken, welche Strom durch die Nutzung von erneuerbaren Energien herstellen, der Strom zu höheren, fixen Festpreisen abgenommen. Dies bezahlt der Verbraucher über die Stromrechnung. Die Energiewende gibt es nun mal nicht zum Nulltarif. Mit der Erhöhung der EEG-Umlage um ca. einen Cent pro kWh im Jahre 2014 kommen wir, selbst ohne reine Stromkostenerhöhung, nahe an die 30 Cent Marke für eine Kilowattstunde Strom.

Höhere EEG-Umlage wegen sinkender Börsenpreise?

Ja, teilweise. Die Strompreise an der Strombörse EXX sind dieses Jahr gesunken. Dies liegt darin begründet, dass die Erneuerbaren Energien die angebotene Menge an Strom am Markt erhöhen – vor allem in der Mittagszeit im Sommer, wenn bis zu 20 GW PV-Strom eingespeist wird. Die großen Stromkonzerne wollen jedoch ihre alten Kraftwerke so lange wie möglich in Betrieb lassen. So wird aktuell eine Überkapazität erzeugt, welche die Preise für Strom an der Börse sinken lässt. Dies wird jedoch nicht an den Verbraucher weiter gegeben, im Gegenteil: Die nun entstehende Differenz zwischen dem Börsenpreis und den höheren, fixen Abnahmepreisen für den Strom aus Erneuerbaren Energien lässt also auch die EEG-Umlage ansteigen. Hier handelt es sich um eine klassische Wettbewerbsverzerrung zu Gunsten der konventionellen Kraftwerken.

EEG-Umlage alleine schuld am hohen Strompreis?

Nein. Die Strompreise stiegen in den letzten 10 Jahren (2003 – 2013) für den Verbraucher um 11,5 Cent/kWh. Damit hat sich der durchschnittliche Strompreis für private Verbraucher über diese 10 Jahre verdoppelt. Die EEG-Umlage stieg in diesem Zeitraum jedoch nur um 4,9 Cent/kWh. Es lässt sich also nicht sagen, das vor allem die Erneuerbaren Energien schuld an dem Anstieg der Strompreise sind. Würde man die externen Kosten (Umweltkosten, Risikokosten) des Atomstromes mit einpreisen, so müssten wir wesentlich höhere Strompreise zahlen. Dies wird jedoch nicht gemacht.

Wie setzt sich die aktuelle EEG-Umlage zusammen?

Die EEG-Umlage (5,28 Cent/kWh) setzt sich 2013 laut einer Prognose des BEE vom 07. Oktober 2012 aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Reine Förderkosten: 2,29 Cent/kWh
  • Industrieprivileg: 1,29 Cent/kWh
  • Rückgang Strompreis an der Börse: 0,69 Cent/kWh
  • sonstiges (Marktprämie, Reserve): 0.27 Cent/kWh

EEG_Umlage_2013_BEE_(Prognose).pdf

Dies bedeutet, dass z.B. durch eine Einschränkung des Industrieprivilegs (stromintensive Unternehmen müssen eine reduzierte EEG-Umlage zahlen, wenn Sie im internationalen Wettbewerb stehen), eine Reduktion der EEG-Umlage für Endverbraucher von bis 1 Cent/kWh bereits in 2013 möglich wäre. Und auch der Effekt von sinkenden Strompreisen an der Börse ist hier deutlich sichtbar: ca. 0,7 Cent/kWh der Umlage basieren auf dem sinkenden Börsenpreis für Strom! Wichtig: Quelle dieser Zahlen ist der BEE (Bundesverband Erneuerbare Energien) der generell PRO EEG aufgestellt ist. Deswegen hier noch Zahlen der Bundesregierung: Die Umlage in Höhe von 5,27 Cent/kWh in 2013 würde bei 3,8 Cent/kWh liegen, wenn ALLE Ausnahmeregelungen abgeschafft würden. Dies ergibt einen Anteil von ca.  1,47 Cent/kWh – also vergleichbare Zahlen wie in der Prognose des BEE.

Ausnahmeregel für die Industrie – für welche Unternehmen sind diese sinnvoll?

Sollte die Ausnahmeregelung der EEG-Umlage bei ALLEN Industriebetrieben abgeschafft werden? NEIN – aber eine genaue Überprüfung welche Unternehmen tatsächlich „stromintensiv“ sind und außerdem im „internationalen Wettbewerb stehen“ ist unbedingt erforderlich! Und auch diese Unternehmen müssen sich an der Energiewende beteiligen. Derzeit sind etwa 1.691 Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Im Jahre 2012 waren dies lediglich 734 Unternehmen… Diese Befreiung von der EEG-Umlage macht teilweise auch Sinn. So benötigen beispielsweise deutsche Kupferfabriken viel Energie und stehen dabei in direkten Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten, welche billigen Strom beziehen können. Für derartige Industrien  ist die Befreiung von der EEG-Umlage wichtig, da sie ansonsten ihr Werk bald schließen könnten. Vielfach werden unter schwarz/gelber Regierung jedoch Unternehmen befreit, deren Stromverbrauch gar nicht so hoch ist, zumindest nicht so hoch, dass sie bei Zahlung der vollen EEG-Umlage insolvent gehen würden. Schokoladenfabriken beispielsweise. Auch werden viele Unternehmen befreit die nicht im internationalen Wettbewerb stehen, Straßenbahnunternehmen etwa. Hier Link zu einer Liste mit den befreiten Unternhemen: http://www.bafa.de/bafa

Übrigens…

eeg-umlage-strom-sparen

Die Heiz- und Spritkosten steigen in Deutschland wesentlich schneller an als die Strompreise. Wer persönlich etwas gegen die diversen Energiekosten unternehmen will, der sollte am effektivsten bei sich selber anfangen. Stromfresser und damit CO2-Schleudern, wie alte Kühlschränke oder alte Waschmaschinen, lassen sich durchaus durch effizientere ersetzen und/oder sinnvoller nutzen. Auch der Wechsel zu günstigeren Stromanbieter und/oder Ökostromanbietern macht hier Sinn.

Was am Ende zählt

Die EEG-Umlage hat uns bis heute einen Ökostromanteil von 25% gebracht. Außerdem belegt Deutschland mit seinen Erneuerbaren Energien einen technologischen Spitzenplatz – und das weltweit.
Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern eher spärlich mit Potentialen im Bereich Sonne und Wind gesegnet – Sonnenerträge sind z.B. in Südspanien und Kalifornieren 1,5 bis 2 mal höher als in Deutschland. Wenn ein Land wie Deutschland die Energiewende meistert, ist dies ein starkes Zeichen an andere Länder, dass so ein Wandel möglich ist. Und auf welche Technologien greifen diese Länder dann zurück, wenn Sie die Energiewende angehen? Deutschland wird weltweit seinen außerordentlich guten Ruf im Bereich neuartiger Technologien beibehalten – und dies auch im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Marke „Made in Germany“ wird so gestärkt  – andere Länder werden bei der Umstellung auf erneuerbare Energien auf deutsches Know-How und Technologien, sowie deutschen Erfahrungen zurückgreifen. DAS sichert langfristig Arbeitsplätze in Deutschland!

Geschrieben von: Stephan Günther

Bilder:
Windkrafträder: Harvepino / shutterstock.com
Zusammensetzung der EEG-Umlage: Creative Commons – Andol / Wikimedia
Stromstecker: Lisa S. / shutterstock.com

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."

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