Wärmeverluste Vermeiden - Wärmebild

Energieeffizienz: Maßnahmen gegen Wärmeverluste

Energieeffizienz: Maßnahmen gegen Wärmeverluste
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Energieeffizienz ist in Deutschland ein wichtiges Thema: Mitte Juli 2014 wurden wir daher bei einer Studie der Washingtoner Umweltgruppe „American Council for an Energy Efficient Economy“ zum Weltmeister gekürt.

Die Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung wurden in diesem Zuge gelobt und die Bundesregierung trägt unter anderem durch Förderprogramme für die Finanzierung bei. Mit oder ohne Förderung sind die Kosten jedoch meist sehr hoch. Daher stellt sich die Frage: Welche Möglichkeiten zur Effizienzverbesserung haben sanierende Immobilieneigentümer überhaupt und welche nennenswerten Vorteile ergeben sich daraus?

Die häufigsten Ursachen für den Verlust von Heizwärme

heizanlage

Mit 30-35% Wärmeverlust ist die Heizanlage oft einer der größten Ursachen für Energie-Ineffizienz.

Der Austausch der alten Heizung kann sich schnell lohnen, da sie ein enormes Sparpotenzial bietet. Grundlegend setzen moderne Heizkessel den jeweiligen Brennstoff nämlich deutlich besser in Wärme um, als ihre Vorgänger – Durchschnittlich sind alte Heizungen in Deutschland über zwei Jahrzehnte alt. So lässt sich beispielsweise mithilfe neuerer Öl-Brennwertgeräte der Nutzungswert auf bis zu 90% steigern, während neuere Heizkessel mittlerweile oftmals ihre Leistung der wirklich gerade benötigten Wärme anpassen.

Experten empfehlen einen Austausch der gesamten Anlage, wenn sie eine Betriebszeit von 15 Jahren überschritten hat. Veraltete Heizungsanlagen und ungedämmte Außenwände sind aktuell die häufigsten Schwachstellen in bestehenden Bauten. Gleich danach folgen alte Fenster und schwach gedämmte Dächer, die fast genauso viel ausmachen und zuletzt ist eine unzureichende Bodendämmung zu nennen.

Nachtrag vom 15.06.2015:

Mittlerweile haben wir eine kleine, unabhängige Recherche zu den durchschnittlichen Wärmeverlusten eines Hauses gemacht. Die Ergebnisse und eine übersichtliche Infografik zu den Wärmeverlusten finden Sie hier.

Übersicht der wesentlichen Brennstoffe

Erdgas

Veraltete Varianten haben nicht selten einen Effizienzgrad von nur knapp über 50%. Moderne Gasheizungen gehören mit zu den effizientesten Heizsystemen. Eine höhere Ausbeute erreichen die heutigen Modelle durch adaptive, also an den jeweiligen Wärmebedarf angepasste Leistung.

Heizöl

Mithilfe einer Brennwerttechnik lässt sich auch die Effizienz beim Heizen mit Öl erhöhen. So sind bis zu 90% Nutzungswert möglich. Um die Sicherheit der gesamten Anlage zu erhöhen sind heutige Öltanks für die Lagerung oft doppelwandig und werden im Zuge von Erneuerungen häufig mit ersetzt.

Holz-Pellets

Nicht nur für Menschen, die Wert auf regenerative Brennstoffe legen, können Pelletheizungen eine Alternative darstellen: Oftmals mit dem bestehenden Kamin und Hydraulik betreibbar, eignen sich vollautomatische Modelle als Zentralheizung. Halbautomatische Varianten müssen zwar von Hand befüllt werden, lassen dadurch aber auch einen bedarfsorientierten Betrieb zu und eignen sich zum Betrieb innerhalb von Wohnungen.

Eine weitere Stärke aktueller Anlagen: Die Kombinierbarkeit mit anderen Systemen wie Solarthermie, was eine vergleichsweise umweltschonendere und sparsamere Variante als die meisten Nicht-Hybrid-Systeme darstellt. Wichtig bei der Erneuerung der Heizung ist auch die Wärmedämmung der Leitungen bei Zentralheizungen – hier gehen durchschnittlich etwa acht Prozent der Wärme verloren. Zusätzlich können bis zu 15% durch neue Niedrigtemperatur-Heizkörper eingespart werden. Dies wird durch eine höhere Reaktionsschnelligkeit als bei konventionellen Körpern und der Möglichkeit, bereits mit etwas mehr als 50°C warmem Wasser in Betrieb genommen werden zu können, bewerkstelligt. Aktuelle exaktere Thermostate bringen übrigens wieder sieben Prozent mehr Ersparnis – aufwendigere Modelle mit elektronischer oder gar zentraler Heizkörpersteuerung per Smarthome-Vernetzung können den Verlust sogar noch weiter reduzieren.

Kombinationen

Neben der Anschaffung einer neuen Heizanlage kann auch eine Dachsanierung eine zeitlich sinnvolle Gelegenheit für die Installation eines Solarthermie-Systems sein. Bei diesen werden die Leitungen eines zirkulierenden Wasserkreislaufs in dunklen Metall- oder Kunststoffplatten durch direkte Sonnenbestrahlung erwärmt, sodass die gesammelte Hitze zur Wassererwärmung oder auch Unterstützung der Heizung dienen kann. Um hierbei keine Energieüberschüsse zu verlieren, werden sogenannte Pufferspeicher verwendet, die diese speichern und bei Bedarf als Warmwasser abgegeben werden. Soll zusätzlich die Heizung unterstützt werden, werden stattdessen Kombinationsspeicher eingesetzt. Nach einer Faustregel werden pro Person im Haushalt etwa ein bis eineinhalb Quadratmeter Fläche für die Warmwasserversorgung benötigt.

Bild 2: Zwischensparrendämmung

Eine Dachsanierung mit Zwischensparren-Dämmung.

Insgesamt wird auch der Dämmung immer mehr Beachtung geschenkt. Bei Steildächern gibt es die Möglichkeiten des Aufsparren-, Zwischensparren- sowie Untersparren-Dämmens die sinnvoll sind, wenn das Dach entweder bereits ausgebaut ist oder saniert werden soll. Alternativ kann bei einem unbewohnten Dach auch eine Dachbodendämmung vorgenommen werden, die wesentlich unaufwändiger ist. Wichtigste mit den Maßnahmen zu beeinflussende Eigenschaft des Daches ist seine Luftdichtheit, um möglichst wenig Energie zu verlieren und gegen den Wind zu schützen. Außerdem kann sonst Feuchtigkeit eindringen oder eine Tauwasserbildung stattfinden, die der Dachkonstruktion erheblich schaden können. Für die Wahl des richtigen Dämmstoffs und Fragen über eine mögliche staatliche Förderung ist ein sogenannter Energieberater empfehlenswert. Wichtig für die Dachdämmung ist die Einhaltung der Energiespar-Verordnung, der EnEV. Die wichtigsten Vorgaben und weitere Informationen dazu gibt es hier.

Die Dämmung der Fassade erhöht ebenfalls die Wärmeeffizienz, da auf diese Weise sogenannte Wärmebrücken und witterungsbedingte Feuchtigkeit im Haus reduziert werden – Hierbei wird zwischen Außen-, Innen- und Kerndämmungen unterschieden, die jeweils eigene Einsatzgebiete haben können. Am häufigsten wird jedoch auf eine Außendämmung zurückgegriffen. Oftmals vergessen wird übrigens der Keller: Die Kälte und Feuchtigkeit des Bodens, auf dem das Gebäude steht, können ohne eine Kellerwand- und Kellerboden-Dämmung bis in das Erdgeschoss des Hauses eindringen und bis zu zehn Prozent der Wärme im Haus entweichen lassen. Wird der Keller nicht als Wohnraum verwendet, reicht meist auch eine Dämmung der Kellerdecke, die in der einfachsten Ausführung problemlos selbst vorgenommen werden kann.

Bevor es losgeht

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Energieberater fertigen unter anderem Bau-Thermografien an – Hier zu sehen: eine ungedämmte Außenwand

Wenn die Absicht einer Sanierung besteht, sollte die Grundlage durch einen Gebäude-Check gelegt werden. Bei diesem wird durch einen Energieberater in einem üblicherweise zwei- bis dreistündigen Termin festgestellt, welche Schwachstellen überhaupt bestehen und welche der genannten und weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten. Einige dieser Möglichkeiten werden sogar vom Staat gefördert, was sich bei einer solchen Bewertung oft gleich klären lässt.

Weitere Informationen zu diesem Thema sind übrigens auch auf Immobilienscout24 zu finden. Hier wird nämlich unter anderem auf das Förderprogramm „Vor-Ort-Beratung“ des Bundeswirtschaftsministeriums eingegangen, welches sich an Eigentümer älterer Häuser und Wohnungen richtet und diese Gebäude-Checks mit bis zu 400 Euro bezuschusst. Daneben werden weitere Tipps zu staatlichen Fördermöglichkeiten und andere Maßnahmen zum Energiesparen aufgeführt.

Bilderverzeichnis:
Titlebild: © Ulrich Müller / shutterstock.com
Abbildung 1: ©Dunnd74 – commons.wikimedia.org (CC BY 2.5)

Abbildung 2: ©Armin Kübelbeck – commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 3: ©Lutz Weidner – commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."