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Energielabel für die Heizung kommt nun doch

Energielabel für die Heizung kommt nun doch
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Im Februar 2013 verabschiedete das Europäische Parlament die EU-Verordnung Nr. 811/2013. Nach jahrelanger Diskussion hatten sich die Mitglieder letztendlich darauf geeinigt, ein Energielabel für Heizgeräte einzuführen.

Dieses Jahr ist es nun endlich soweit: Ab dem 26. September 2015 müssen Hersteller und Verkäufer von Heizgeräten die neuen Energielabel verwenden.  Ob es sich dabei nur um bunte Aufkleber handelt oder tatsächlich mehr dahinter steckt, erfahren Sie bei uns.

Bisherige Energielabel

Energielabel sind inzwischen Teil des Alltags geworden. Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler – all diese Geräte werden mit einem Aufkleber verkauft, auf dem eine bunte Skala zu sehen ist. Auf dieser Skala wird bewertet, wie energieeffizient ein Gerät ist, also wie viel Energie es im Verhältnis zu seiner Leistung verbraucht. Rot steht immer für den höchsten Energieverbrauch, Grün für eine hohe Energieeffizienz. Sogar in unserem energieheld-Logo findet man die Energieeffizienzskala!

Wie funktionieren die neuen Energielabel?

Insgesamt wurden 23 Energielabel für Heizgeräte eingeführt. Bei der Menge kann es leicht zu Verwirrungen kommen. Die neue Verordnung bezieht sich auf Raumheizgeräte, Kombianlagen, Verbundanlagen, Warmwasserbereiter und -speicher. Alle solchen Geräte, die bis 400 Kilowattstunden (kWh) erzeugen, müssen mit dem Energielabel versehen werden.

Für Heizgeräte wurden neun Effizienzklassen eingeführt, dabei ist G die schlechteste und A++ die beste. Bei Verbundanlagen gibt es eine weitere Effizienzklasse: A+++. Wie gut eine Effizienzklasse ist, kann auch an der Farbe und Position auf dem Energielabel erkannt werden.  Die beste Klasse steht immer ganz oben und ist grün gefärbt.

Laut EU-Verordnung sollen die Richtlinien für die einzelnen Effizienzklassen sowohl 2017 als auch 2019 neudefiniert und verschärft werden. Außerdem wird am 26. September 2019 die Kategorie A+++ auch für reguläre Heizgeräte eingeführt. Die Effizienzklassen E bis G werden wegfallen. Alle Geräte, die zu diesem Zeitpunkt nicht mindestens den Anforderungen der Klasse D entsprechen, müssen dann vom Markt genommen werden. Heizungen, die älter als 15 Jahre sind, sollen nach und nach mit Effizienzlabeln ausgezeichnet werden. Die Idee ist, dass Schornsteinfeger bei ihrer Kontrolle auch die Heizung auf ihre Energieeffizienz überprüfen und mit einem Label auszustatten. Daraufhin können die Besitzer bezüglich von Sanierungsmaßnahmen beraten werden und zum Beispiel einen Heizungscheck durchführen lassen. Die Auszeichnung soll über sieben Jahre erfolgen.


So sehen die neuen Energielabel aus

Die Effizienzklasse ist auf den neuen Energielabeln schnell abzulesen.

Die Effizienzklasse ist auf den neuen Energielabeln schnell abzulesen. | © Umweltbundesamt (UBA)

Ganz oben auf dem Energielabel ist die Funktion der Heizung (eventuell mit Temperaturanwendung) durch eine schematische Abbildung vermerkt. In diesem Fall handelt es sich also um ein Gerät mit Raumheizfunktion. Am größten ist die Effizienzklasse abgebildet, die man an der farbigen Skala ablesen kann. Für Raumheizungen ist A++ zurzeit die höchste Effizienzklasse und G die niedrigste.

Unter der Effizienzskala sind kleine Symbole zu sehen. Diese ersetzen die Infotexte von älteren Labeln. Bei Raumheizgeräten sind hier die Geräuschentwicklung in Dezibel und die Heizleistung in Kilowattstunden abzulesen. Wenn eine Kraft-Wärme-Kopplung (BHKW) zu der Wärmeanlage gehört, ist auch angeführt, wie viel Elektrizität erzeugt wird. Teilweise ist auch die Heizleistung unter verschiedenen klimatischen Gegebenheiten angegeben.

Kritik – sind Energielabel nutzlos?

Wie bei jeder politischen Entscheidung, gibt es natürlich Kritiker. Diese bemängeln zum Beispiel, dass die Effizienzklassen seit ihrer Einführung 1998 nicht mehr angepasst wurden. Somit stellt die EU heutzutage die gleichen Anforderungen an eine Heizung der Klasse A wie vor über 15 Jahren. Die Technologie hat sich inzwischen allerdings deutlich weiterentwickelt. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurden der Effizienzskala die Klassen A+ und A++ hinzugefügt. Nur moderne Geräte können den Anforderungen dieser Klassen gerecht werden.

Die neuen Effizienzklassen können aber auch für weitere Verwirrung sorgen: Die Farbgebung des Labels erzeugt den Eindruck, dass Geräte der Klasse A als sehr energieeffizient einzustufen seien und es keine großen Unterschiede zwischen dieser Klasse und A++ gäbe. Tatsächlich dürfen Heizgeräte mit dem Energielabelabel A++ jedoch nur halb so viel Energie verbrauchen wie die der Kategorie A. Durch diese Kennzeichnung, gäbe es für die Hersteller keinen Ansporn, ihre Produkte weiter zu verbessern, wenn  diese erst einmal in die Effizienzklassen A bis A+++ eingeordnet wurden.

Dass A++ besser ist als ein normales A werden wohl alle verstehen; schon allein aufgrund des Aufbaus und der Farbgebung der Effizienzskala. Fraglich ist, ob der Unterschied zwischen diesen Klassen ohne weitere Informationen als groß genug angesehen wird, um sich für das bessere – und wahrscheinlich teurere – Gerät zu entscheiden.


Ausblick – das sollen die Energielabel bewirken

Die Auszeichnungspflicht für Heizungsaltanlagen beginnt erst im September 2015, Hersteller können die Energielabel allerdings schon jetzt verwenden. Inwiefern die Energiewende von dieser Maßnahme vorangetrieben wird, ist abzuwarten. Einen Einfluss auf das Verhalten von Herstellern und Käufern werden die Label aber sicherlich haben.

Mehr Transparenz für Konsumenten

Ein klarer Vorteil für die Käufer ist die Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit, die die neuen Energieeffizienzlabel ermöglichen. So können verschiedene Heizsysteme hinsichtlich ihres Energieverbrauchs verglichen werden.

Energiesparen ist zurzeit ein großes Thema und die meisten Konsumenten legen beim Kauf Wert auf die Energieeffizienz ihrer Geräte; manche aus Umweltbewusstsein und andere mit Blick auf die Heizungsrechnung. Außerdem sind die Konsumenten durch die Kennzeichnung von anderen Geräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken bereits an die Label gewöhnt.

Motivation für Hersteller

Verdienen mit Energieffizienz | © Markgraf-Ave / pixabay.com CC0

Verdienen mit Energieffizienz | © Markgraf-Ave / pixabay.com CC0

Bis jetzt haben sich die Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz von Heizungsanlagen nicht zwangsweise in Verkaufszahlen und Umsatz wiedergespiegelt. Somit hatten die Hersteller und Verkäufer, die letztendlich an Gewinn interessiert sind, nur wenig Ansporn ihre Produkte möglichst umweltfreundlich zu konzipieren.

Siegel und Auszeichnungen werden bei der Verkaufsentscheidung immer wichtiger, da sich die meisten Produkte mehr und mehr ähneln. Besitzt eine Heizung also ein Energielabel im grünen Bereich, kann dies durchaus als Verkaufsargument gewertet werden. Erhält eine Heizung dagegen ein rotes Energielabel, kann sich das negativ auf die Attraktivität auswirken. Langfristig entsteht so ein Eigeninteresse der Heizungshersteller, ihre Heizungen möglichst energieeffizient zu gestalten, da dies den Absatz steigern kann.

Folgen für die Energiewende

Bis 2020 sollen nach dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) 10 Billiarden Joule Primärenergie nur durch die Einführung von Effizienzlabeln für Heizungsaltanlagen eingespart werden. Ob dieses Ziel erreicht wird, bleibt abzuwarten.

Durch die Verschärfung der Regelungen 2017 und 2019 sollen energieineffiziente Geräte vom Markt genommen werden, wodurch der Käufer dazu gezwungen wird, ein mindestens mittelmäßig energieeffizientes Gerät anzuschaffen.  Somit sollte sich die durchschnittliche Energieeffizienz der Heizungsanlagen in Deutschland langsam steigern.


Fazit – Ja, Energielabel machen Sinn!

Trotz gerechtfertigter Kritik ist die Einführung der Effizienzlabel für Heizungen ein konsequenter Schritt in Richtung Energiewende. Letztendlich wird der Erfolg dieser Maßnahme vom Endverbraucher abhängen und davon, welchen Wert er den Energielabeln zuspricht. Nimmt er die Label an und richtet seine Kaufentscheidung danach aus, wird dies Auswirkungen auf den Absatz der Hersteller haben.

Diesen wird so eine Motivation gegeben, sich in Richtung Energieeffizienz weiterzuentwickeln. Langfristig könnte die Einführung der Energielabel also einen positiven Einfluss auf die Energieeffizienz von Heizungen in Deutschland haben. Somit wäre ein kleiner Beitrag zur Energiewende geleistet.

Geschrieben von: Lisa Neumann

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Helen Bielek

Für die Energiewende - bei energieheld kann ich etwas bewegen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Pingback: Endlich: Engerielabel für die Heizung | Ökoheizstrom - CO2 neutral heizen

  2. Andreas Kuehl

    Dass die Unterschiede von A zu A++ oder gar A+++ (gibt es offiziell noch nicht, darf aber verwendet werden) groß sind, kennt man schon von den Haushaltsgeräten. Aber der Unterschied ist eine gute Effizienzklasse bedeutet nicht unbedingt niedrige Heizkosten – das liegt wieder am Energieträger.

    Ein wichtiger Punkt, oder zwei wesentliche Punkte fehlen. Besser als die Energieeffizienzklasse A können nur Wärmepumpen und Heizungen mit erneuerbaren Energien werden, und bei kombinierten Anlagen muss der Handwerker ein Verbund-Energielabel mit beiden Anlagentypen ausstellen.

    1. Helen
      Helen

      Das stimmt natürlich. Vielen Dank für die Ergänzung. Wir hatten die Information zuerst im Artikel, aber das hätte den Rahmen des Beitrags gesprengt. Gut, dass wir die Kommentarfunktion haben.

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