Energiewende, Wie Sieht Es International Aus?

Energiewende im internationalen Vergleich

Energiewende im internationalen Vergleich
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Die Energiewende ist ein Thema, das uns heutzutage immer mehr beschäftigt.Es geht darum, auf fossile Energien, wie Kernenergie, Kohle, Öl und Gas zu verzichten und auf regenerative Energien, wie Windkraft, Photovoltaik (Sonnenenergie), Wasserkraft, Biomasse und Geothermie (Erdwärme) umzusteigen. Zu den Hauptzielen, die sich Deutschland vorgenommen hat, zählt es, die regenerativen, erneuerbaren Energien auszubauen und den Energieverbrauch durch eine sparsame und effiziente Nutzung der Energie zu verringern.

Erneuerbare Energien sind in Deutschland bereits nach der ersten Ölkrise 1973 wichtig geworden. Zu dieser Zeit hat sich erstmals gezeigt, wie abhängig Deutschland und andere Industriestaaten von fossiler Energie sind. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im April 2000 in Deutschland eingeführt wurde und seither stetig weiterentwickelt wurde, erhöhte den Stellenwert von Erneuerbaren Energien im Strombereich. Seitdem wird viel in die Energiewende investiert. Dies ist  allerdings nicht in allen Staaten gleichermaßen der Fall.

Energiewende in Deutschland – aktueller Stand

Die Energiewende bringt viele positive Effekte mit sich. Die mit der Kernkraft verbundenen Risiken entfallen, sobald der Atomausstieg vollzogen ist und es werden allgemein weniger klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von ausländischen Energie- und Brennstoffimporten. Um dies alles zu bewerkstelligen, sind hohe Investitionen notwendig. Die Rede ist hier mindestens von einer halben Billion Euro, die bis Mitte des Jahrhunderts für die Energiewende notwendig sein wird. Die Investitionen belaufen sich somit auf 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Energie soll aber nicht nur umweltschonend bereitgestellt, sondern bestenfalls so weit wie möglich eingespart werden. Berechnungen zufolge ist es erforderlich, bis 2050 fast 90 Prozent der Wohnfläche energetisch zu sanieren. Dabei müssen besonders Heizungen und Dämmungen modernisiert werden.

Auf der anderen Seite ist die Energiewende trotz der vielen Ziele, die Deutschland erreichen möchte, noch ganz am Anfang, wenn wir es als ein weltweites Projekt sehen. Der Begriff „Energiewende“ ist ein von der deutschen Regierung entwickelter Begriff, der im internationalen Sprachgebrauch nicht einmal besteht. Aus weltweiter Sicht lässt sich an dem Sinn der Energiewende in Deutschland zweifeln, denn die Schwellenländer werden den globalen Energieverbrauch in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Sie setzen weiterhin besonders auf Kohle, Öl und Gas. Jeder dieser fossilen Energien wird Prognosen zufolge bis 2035 einen Anteil von 27 Prozent am Weltenergieverbrauch erreichen. 81 Prozent würden damit auf fossile Energien entfallen und nur die restlichen 19 Prozent auf Erneuerbare Energien, Wasserkraft, aber auch auf Atomkraft. Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll dabei weiter um 29 Prozent weiter ansteigen. Unter Betracht dieser Zahlen kommen Zweifel auf, ob es da überhaupt sinnvoll ist, in Deutschland Windräder aufzustellen und Solaranlagen zu errichten.

Doch auch im Inland zeigt sich, dass noch ein großes Stück Arbeit vor uns liegt, bis in Deutschland komplett auf fossile Energien verzichtet wird. Obwohl Solar- und Windparks ausgebaut werden, steigt der CO2-Ausstoß in Deutschland. Die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle steigt weiter an, wenngleich Erneuerbare Energien immens gefördert werden. Der Grund dafür, dass Strom aus Braunkohle produziert wird, besteht darin, dass er günstig und effizient zugleich ist.


Vorteile und Nachteile der Energiewende

Dadurch, dass immer mehr Geld in regenerative Energien investiert wird, wächst diese Branche weiter. 2012 gab es Investitionen in Anlagen von Erneuerbaren Energien in Höhe von 19,5 Milliarden Euro, was Arbeit und Umsatz brachte. Zurzeit beschäftigt diese Branche rund 382.000 Mitarbeiter. Des Weiteren kann Deutschland viel Geld sparen, wenn Strom und Wärme aus der eigenen „Herstellung“ kommen, denn dann müssen weniger Öl und Erdgas importiert werden. Schon jetzt spart Deutschland damit 5,8 Milliarden Euro im Jahr.

Ein Nachteil der Energiewende sind die zurzeit hohen Stromkosten, die aus dem Umstieg auf regenerative Energien, resultieren. Der Grund für die hohen Strompreise ist die gestiegene Einspeisevergütung für die Erneuerbaren Energien, die auf den Strompreis umgelegt wird. Stromanbieter, die ihren eigenen Strom in das öffentliche Netz einspeisen, erhalten eine Einspeisevergütung. Diese Art der Vergütung hat der Staat eingeführt, um die Erzeugungsformen der Erneuerbaren Energien zu fördern. In Deutschland liegt der Brutto-Preis einer Kilowattstunde (kWh) bei 26,36 Cent. Unter 27 untersuchten OECD-Ländern bezahlen nur die Dänen höhere Strompreise. Die Franzosen zahlen für Strom nur die Hälfte von dem, was er in Deutschland kostet und in den Vereinigten Staaten wird für Strom nur ein Drittel von dem deutschen Preis bezahlt.


Diagramm: Investitionen in die Energiewende

Energiewende – ein internationaler Vergleich

Bei einem Vergleich der einzelnen Staaten, wird deutlich, dass Dänemark allen anderen einen Schritt voraus ist. Auch wenn Deutschland in Sachen Energie immer als Vorbild galt, hat Dänemark uns mittlerweile überholt. Dort sind neue Öl- und Gasheizungen in Neubauten verboten, Strom wird mittels Windturbinen erzeugt. Ab dem Jahr 2016 sind Öl- und Gasheizungen auch in vorhandenen Gebäuden verboten, vorausgesetzt sie stehen in Gemeinden mit Fernwärmenetz. Knapp 50 Prozent des erzeugten Stroms werden in Dänemark aus Erneuerbaren Energien gewonnen, in Deutschland sind es hingegen bislang nur 23 Prozent. Das Ziel Dänemarks ist es, bis 2050 komplett auf Kohle, Erdgas und Öl zu verzichten. Allerdings resultiert aus der Nutzung Erneuerbarer Energien, dass die Strom-, Gas- und Benzinpreise in Dänemark viel teurer sind als in allen anderen europäischen Ländern. Doch nicht nur in Dänemark und Deutschland wurde seit der Jahrtausendwende der Anteil von Strom aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse am nationalen Stromverbrauch extrem gesteigert, sondern auch in Spanien, Italien und Portugal.

Im Gegensatz zu Dänemark und anderen europäischen Ländern besitzt Australien den höchsten pro Kopf Ausstoß an Kohlenstoffdioxid (CO2), denn rund drei Viertel seines Stroms produziert das Land aus Kohle. Auch die Steuer auf CO2-Emissionen, die 2012 in Australien eingeführt wurde, soll nun wieder abgeschafft werden, obwohl sie eigentlich der Finanzierung Erneuerbarer Energien dienen sollte. Die Investitionen in Erneuerbare Energien sind in Australien 2014 um 35 Prozent auf 3,7 Milliarden US Dollar gesunken, was der niedrigste Wert seit 2009 ist. Als Grund für die Ablehnung Erneuerbarer Energien gilt Deutschlands Energiewende: Die australische Regierung fürchtet sich vor zu hohen Energiepreisen, da diese in Deutschland stark gestiegen sind.

Solarthermie ist auch Teil der Energiewende

Solarthermieanlage – Ein Beispiel für Erneuerbare Energien
© Pavel Vakhrushev / shutterstock.com

Wenn es um die Energiewende geht, gibt es einen Staat, der zwar noch weit zurückliegt, aber aufholt: China. Dieses Land emittiert mehr CO2 als die USA und die EU zusammen. Auch wenn es immer mehr auf Wind- und Sonnenenergie setzt, gelingt es dem Land nicht, vollkommen auf Kohle zu verzichten. Einerseits werden zahlreiche Windräder installiert, andererseits werden Kraftwerke für Steinkohle errichtet. Die Bemühungen Chinas sind jedoch sichtbar: 2014 wurde ein Rekord aufgestellt, denn 170,7 Milliarden US Dollar flossen in erneuerbare Energien.

Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte der Investitionen in Erneuerbare Energien entfiel 2014 auf die Solar-Branche, denn China hat in große Solar- und Windprojekte auf der ganzen Welt investiert. Da Regierung und Unternehmen die Forschung und Entwicklung finanziell unterstützten, wurde auch viel Geld in Photovoltaik-Anlagen angelegt. Im Gegensatz zu China investieren die europäischen Staaten sehr wenig in Erneuerbare Energien. In Deutschland und Großbritannien stiegen die Investitionen um 3 Prozent auf rund 15 Milliarden US Dollar. Aufgrund großer Erneuerbarer-Energie-Projekte stiegen die Investitionen Frankreichs und der Niederlande auf rund 7 Milliarden US Dollar. In Italien hingegen sanken die Investitionen, da die Photovoltaik-Förderung rückwirkend gekürzt wurde, um 60 Prozent auf 2 Milliarden US Dollar.

Chinas Nachbarstaat Japan hätte sehr gute Voraussetzungen für eine Energiewende. Die Sonne scheint in Japan intensiver als in Deutschland und weil Japan vom Pazifischen Ozean umgeben ist, könnten auch die Bedingungen für Windanlagen nicht besser sein. Außerdem konnte durch Probebohrungen festgestellt werden, dass das Meer dort bereits in 2.000 Metern Tiefe bis zu 500°C warm ist. Daran wird deutlich, dass geothermische Energie einen Großteil des Energiebedarfs decken könnte. Doch anstatt vollkommen auf Erneuerbare Energien umzusteigen, arbeitet die japanische Regierung daran, Atomkraftwerke aufzubauen. Japan produziert nur 0,4 Prozent seiner Energie aus Windkraft und nur 0,2 Prozent aus Solarenergie und das obwohl Japan bis 2050 seine vollständige Energieversorgung aus regenerativen Energien erhalten könnte. In Sachen Energiesparen ist Japan seit Jahren ganz vorne mit dabei, da es immer weniger Energie verbraucht. Der Grund dafür ist auch das in den 1990er Jahren eingeführte Toprunner-Programm für Elektrogeräte, bei dem das jeweils effizienteste Gerät den kommenden Energiestandart für die Konkurrenz festlegt. Eine Energiewende, wie sie sich Deutschland und andere vor allem europäische Länder vorstellen, ist für Japan jedoch viel zu teuer. Japan ist eine Insel mitten im Pazifischen Ozean und deshalb mit keinem Netz der Nachbarländer verbunden. Es besteht außerdem keine Verbindung zwischen den sechs in Japan vorhandenen Energieanbietern. Ein weiterer Grund dafür, dass die Energiewende hier keinen großen Stellenwert hat, liegt an der Regierung, die andere Projekte vorzieht.


Fazit – ist die Energiewende in Deutschland sinnlos?

In den meisten Staaten ist die Energiewende ein Thema, das breit diskutiert wird. Die meisten schaffen es jedoch nicht, das gleiche Tempo wie Dänemark, aber auch Deutschland, bei der Energiewende zu gehen und können nicht denselben Aufwand dafür betreiben. China besitzt beispielsweise deutlich mehr Einwohner, sodass ein Vergleich bei dem Thema Energiewende unmöglich erscheint. Andere größere Staaten haben es viel schwerer, von heute auf morgen auf fossile Energien, besonders auf Atomenergie, zu verzichten, da sie wie Japan ihren Energiebedarf immer größtenteils mittels Atomkraft gedeckt haben.

Außerdem fürchten sich einige Länder, wie Australien, davor, dass die Strompreise wie in Deutschland und Dänemark steigen könnten. Wenn es soweit ist und das Projekt „Energiewende“ in Deutschland große Erfolge zeigt, könnte das andere Länder animieren, dieses Projekt nachzuahmen. Bis dahin kann nur jeder sein Bestes geben, um möglichst viel Energie einzusparen.

Autorin: Anne Luft

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Titlebild: © alphaspirit / shutterstock.com

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Helen Bielek

Für die Energiewende - bei energieheld kann ich etwas bewegen.