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Energiewende – Ohne grüne Industrie geht es nicht

Energiewende – Ohne grüne Industrie geht es nicht
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Die G7-Staaten stellen sich die Zukunft grün vor: Ein gemeinsamer Wunsch der sieben Industrienationen ist es zum Beispiel, dass die Wirtschaft in nicht allzu ferner Zeit CO2-neutral produziert und arbeitet. Doch ist das wirklich möglich?

Das große Ziel: Dekarbonisierung und Erneuerbare Energien

Das große, gemeinsame Ziel aller Nationen ist es, fossile Brennstoffe allmählich abzuschaffen und die schädlichen CO2-Emissionen nach und nach auf null zu reduzieren. Die weltweite Wirtschaft soll CO2-neutral werden – so beschlossen es die G7-Staaten im Juni dieses Jahres. Demnach ist bis 2050 geplant, den Ausstoß zunächst einmal um bis zu 70 Prozent zu verringern, gemessen an den Werten aus dem Jahr 2010. Die vollständige Dekarbonisierung soll dann bis zum Jahr 2100 erreicht werden.

Ein großer Faktor hierbei ist Energie. In Deutschland spricht man seit Langem von der großen Energiewende, und die ist bereits in vollem Gang. Von der umweltschonenden und nachhaltigen Erzeugung bis hin zum sparsamen und bewussten Umgang mit Energie soll sich auch in den kommenden Jahren einiges verändern. Der Ausstieg aus der Kernkraft läuft bereits und soll bis 2022 vollbracht sein, im ganzen Land werden indes Gelder in Windkraft, Erdwärme und Solarstrom investiert, private wie gewerbliche Bauherren setzen auf energieeffiziente Neu- und Umbauten.

Laut einer von der Heinrich-Böll-Stiftung beauftragten Studie war 2014 das erste Jahr, in dem trotz wachsender Weltwirtschaft die Treibhausgas-Emissionen der Energiebranche sanken. Das bedeutet konkret, dass trotz Wachstum und dem damit steigendem Energiebedarf insgesamt weniger Strom aus fossilen Rohstoffen gewonnen wurde. Es wird also anscheinend verstärkt in erneuerbare Energien investiert, was ganz im Sinne der Energiewende ist und darauf hindeutet, dass eine grünere Industrie keine utopische Wunschvorstellung bleiben muss.

Industrie ist wichtiger Teil in der Energiewende

Die Dekarbonisierung und der Umstieg auf Erneuerbare Energien ist das große Ziel. Ein Teil davon muss auch immer die Industrie sein. Immerhin 20 Prozent der CO2-Emissionen werden durch die Industrie produziert. Das ist ein großer Anteil, eben so groß kann hier der Hebel für die Energiewende sein.

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© Statista 2015; Quelle: IEA

Unter das Thema „Grüne Industrie“ fallen vor allem die Bereiche:

  • Elektromibilität als saubere Alternative zum Gütertransport
  • nachhaltige Produktionsverfahren, welche Ressourcen schonen und Rohstoffe einsparen
  • aktiver Klimaschutz, z. B. durch CCS-Technologien

Funktionieren kann grüne Industrie auf Dauer jedoch nur dann, wenn sich die Wirtschaft wirklich dafür einsetzen und aktiv an der Umsetzung mitwirken. Der Schlüssel für eine grüne Industrie wird wie immer in der Effizienzsteigerung liegen. Aus reinem guten Willen zum Umweltschutz wird sich die grüne Industrie nicht durchsetzen. Doch effiziente Maschinen und Geräte helfen stark dabei möglichst wenig Energie und Rohstoffe zu verbrauchen. Technologien, mit denen CO2-arm oder sogar CO2-frei produziert werden kann, existieren in vielen Branchen bereits, andere sind in Entwicklung.

Das macht Mut, aber…

Viele eingespielte Prozesse in der Industrie müssten allerdings quasi neu erfunden werden, um wirklich nachhaltig zu werden: Die meisten Verfahren lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad verbessern. Um hier wirklich etwas zu bewirken, sind frische Herangehensweisen nötig. Wie zum Beispiel könnte man in Zukunft Stahl herstellen, ohne dabei Tonnen von Koks in gigantischen Hochöfen zu verheizen? Stahl wird auch weiterhin ein wichtiger Rohstoff für viele Industriezweige bleiben, verursacht jedoch in der Produktion gigantische Mengen an CO2. Schon jetzt gelten für verarbeitende Betriebe massive Umweltauflagen, die ausgefeilten Prozesse lassen sich mit herkömmlichen Mitteln kaum noch effizienter gestalten.

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Nur wenn Ökonomie und Ökologie im Gleichgewicht liegen wird es eine wirklich „grüne“ Zukunft geben.
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Es ist machbar.

In einem experimentellen Stahlwerk wird diese Frage derzeit erforscht. Man testet eine neuartige Methode, bei der nicht nur die recht aufwändige Vorverarbeitung der Rohstoffe größtenteils weg fällt.

Auch soll sie gut ein Fünftel weniger Energie benötigen und, je nach verwendetem Brennstoff, zwischen 20 Prozent und 35 Prozent geringere CO2-Emissionen hervorbringen.

Theoretisch könnte die Anlage sogar mit komplett CO2-neutralen Energiequellen wie Wasserstoff betrieben werden, doch das scheitert in der Praxis vorerst allein schon an der Logistik.

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Titelbild: Foto: Hans@pixabay.de; CC0 Public Domain

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Stephan Günther

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