Interview: Autor Martin Frey

Grafik: Erneuerbare EnergienIn der Blog-Reihe energieheld fragt – Experten antworten, interviewt energieheld regelmäßig Experten aus den verschiedensten Bereichen der Energiebranche. Diverse wichtige Punkte zur Technik oder zur aktuellen energiepolitischen Lage werden angesprochen, ein Ausblick auf Trends sowie Tipps, wie im Alltag etwas für die Umwelt getan werden kann, wird gegeben. In der Reihe kommen Blogger, Politiker, Unternehmen und viele mehr zu Wort.

Zu Gast: Martin Frey

Der Autor Martin Frey hat einen Reiseführer „Deutschland: Erneuerbare Energien erleben“ geschrieben. Der Reiseführer lädt ein, 190 Energieprojekte in Deutschland kennenzulernen. Martin Frey ist studierter Geograf und Fachjournalist. Seine besondere Leidenschaft ist die Sonnenenergie und sein Einsatz für bezahlbare Photovoltaikanlagen. Mit dem Reiseführer möchte Martin Frey die Menschen auf die Möglichkeiten von erneuerbaren Energien aufmerksam machen. Entstanden ist der Reiseführer in einer Kooperation mit dem Verlag Baedeker und der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Diese Idee finden wir von energieheld hervorragend, deshalb haben wir Kontakt zu Martin Frey aufgenommen und ihm einige Fragen gestellt:


energieheld: Hallo Herr Frey, schön dass Sie sich Zeit genommen haben. Sagen Sie, warum schreibt man einen Reiseführer über Erneuerbare Energien?

Frey: Ich beschäftige mich als Fachjournalist seit 20 Jahren mit dem Thema Erneuerbare Energien und komme viel in Deutschland rum, bin auf Konferenzen und bei einzelnen Projekten oder Unternehmen. Da habe ich sehr viele Projekte kennengelernt, sehr zukunftsgerichtete Projekte, die häufig realisiert wurden und nachahmenswert sind. Mein Anspruch war es so zu verdichten, dass man ein komplett neues Bild von Deutschland bekommt, wenn man die besten Umsetzungen mal auf einen Blick sieht. Der Ansatz: Vorbildprojekte sind auch realisierbar!

Die Umstellung der Energieversorgung, hin zu 100 Prozent Erneuerbare Energien, sollte man nicht ausschließlich der Politik überlassen. Viel mehr sind es Projekte von mutigen Bürgern vor Ort.

energieheld: Das heißt also, Bürgerengagement fördern?

Martin Frey: Ganz genau!

Thema: Kriterien für „erneuerbare“ Orte

energieheld: Hatten Sie auf Ihrer Reise gewisse Mindestanforderungen, die ein Ort erfüllen musste, damit er als „erneuerbar“ gilt?

Martin Frey: Ich habe im Prinzip zwei Kriterien-Bündel: Das ist erstens der touristische Anspruch und zweitens der technische Anspruch. Der touristische Anspruch ergibt sich daraus, was man unterwegs, in seiner Freizeit gerne erleben möchte. Das heißt, da geht es um Mobilität, um Information vor Ort, um Essen und Trinken, um Kultur, um Sport und auch um Übernachtungsmöglichkeiten.

Zweitens, die technische Vielfalt. Das heißt, möglichst viele Erneuerbare Energien an einem Ort, die möglichst intelligent miteinander verknüpft sind. Also nicht einfach nur ein Solardach irgendwo drauf gesetzt, sondern noch mit dem Nahwärmenetz verbunden, Solarthermie und Holzheizung oder Kraftwärmekopplung, einfach die Vernetzung unterschiedlicher alternativer Energiequellen.

Thema: Besonders beeindruckende Projekte in Sachen erneuerbare Energien

energieheld: Welches lokale Projekt hat Sie am meisten auf Ihrer Reise beeindruckt?

Martin Frey: Vor allem die Energieerlebniszentren haben mich sehr angesprochen. So zum Beispiel der Artefact Powerpark in Glücksburg bei Flensburg. Das ist ein Erlebnispark, der sich nur um Erneuerbare Energien oder Energieerleben dreht. Es kann erkundet werden, wie Energie erzeugt und verbraucht wird. Übernachtet werden kann vor Ort in nubischen Lehmgewölben. Ein schöner Familienspaß ist das!

energieheld: Wie kann sich das Leben des Einzelnen durch die Energiewende ändern? Wie hat sich das Leben der Menschen vor Ort verändert, die Sie besucht haben?

Martin Frey: Bei den Projekten habe ich unterschiedliche Leute kennengelernt. Oft machen sich diese schon seit vielen Jahren für Erneuerbare Energien stark. Und sind Trendsetter, die berichten können, welche Erfahrungen sie gemacht haben, auf welche Widerstände sie gestoßen sind und welche Lösungen sie gefunden haben. Diesen Leuten sollte man zuhören.

Foto: Martin Frey

Martin Frey
Fachjournalist und Autor des Reiseführers „Erneuerbare Energien“

Thema: Wie sieht die erneuerbare Energieversorgung der Zukunft aus?

„Die Energieversorgung der Zukunft wird dezentral sein. Alles andere wäre töricht.“

energieheld: Was haben Sie auf Ihren Reisen über die Energieversorgung der Zukunft gelernt?

Martin Frey: Ich lerne jedes Mal dazu, wenn ich ein Projekt besuche oder Leute treffe. Die Energieversorgung der Zukunft wird dezentral sein. Alles andere wäre töricht.

energieheld: Welche Erneuerbaren-Energien-Projekte einer deutschen Großstadt können Sie als Vorbild für andere Städte nennen? Gibt es eine Großstadt, die sich besonders um Erneuerbare Energien verdient gemacht hat?

Martin Frey: Es gibt eine ganze Reihe von Städten, die Vorreiter sind. Das lässt sich an deren Stadtwerken festmachen. Bestimmte Stadtwerke sind besonders innovativ und wirken vor Ort entsprechend. Bei den mittelgroßen Städten ist da beispielsweise Schwäbisch-Hall sehr weit, Heidelberg und Aachen. Bei den Großstädten ist München sehr innovativ, die sehr viel im Bereich Biothermie und Fernwärmenetze machen. Die haben eine echte Strategie und als erste Großstadt das Ziel sich komplett erneuerbar zu versorgen. Aber auch in Hamburg und München gibt es viele Initiativen mit den Netzrückkäufen.

Thema: Hannover als Ort der erneuerbaren Energien

„Mir ist Hannover spätestens in der Expo-Zeit aufgefallen, deren CO2-Ausstoß war damals schon ein Fünftel geringer als in anderen vergleichbaren Großstädten.“

energieheld: Und wie sehen Sie in diesem Zusammenhang Hannover? Was kann man da besonders hervorheben?

Martin Frey: Neben den Geldmitteln sind es natürlich auch Ideen die zählen. Oft hängt es auch an einzelnen Personen und der Politik. Mir ist Hannover spätestens in der Expo-Zeit aufgefallen, deren Co2-Ausstoß war damals schon ein Fünftel geringer als in anderen vergleichbaren Großstädten. Im Reiseführer habe ich die Kunstwindkraftanlagen drin, diese Expo-Projekte und den Solarkatamaran auf dem Maschsee. Drüber hinaus gibt es noch Projekte wie die Heliotram, wo man Solarenergie in das Straßenbahnnetz eingespeist hat und auch Straßenbahnen mit Schwungradspeichern für eine gewisse Strecke ohne Oberleitungen fahren lässt. Das sind Ansätze, die vor einigen Jahren innovativ waren und auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Der Timbertower, der Windkraftturm in Hannover, ist natürlich auch eine tolle Sache.

energieheld: Diese Dinge realisiert man im Alltag häufig nicht. Nur wenn man drauf gestoßen wird.

Martin Frey: Das ist auch das Ziel, dass man die Leute mal drauf stupst und das Interesse weckt.

Thema: Fünf Tipps zum Energiesparen

energieheld: Könnten Sie uns noch fünf ganz persönliche Tipps zum Energiesparen geben?

Martin Frey: Möglichst viele Holzprodukte kaufen. Das lässt sich auch mit wenig Geld realisieren. Ansonsten Solarbier trinken… (lacht) Im Buch sind alle Brauereien aufgeführt, die sich mit Erneuerbaren Energien versorgen. Bahn fahren, Energiegenossenschaften beitreten und ansonsten Ökostrom beziehen.

energieheld: Vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Deutschland Erneuerbare Energien erlebenLiebe LeserInnen,

reisen Sie mal wieder durch Deutschland! Durch Politik und Wirtschaftsberichte wirkt Energiepolitik häufig abstrakt. Das muss nicht sein. Martin Frey hat uns gezeigt, dass viele spannende Projekte direkt vor unserer Haustür sind. Egal ob eine Konzerthalle mit einer Photovoltaikanlage unterstützt wird, ein Solarkatamaran über den Maschsee fährt oder Dörfer mit Bioenergie unterstütz werden. Sie können sich auch einfach mal im Thermalbad entspannen, welches mit Hilfe von Geothermie erwärmt wird. Erneuerbare Energien in Deutschland erleben geht ganz einfach. Augen auf!

Unter allen fleißigen Interview-Lesern verlosen wir ab Dienstag (19.08.14) insgesamt drei Reiseführer. Wie ihr mitmachen könnt? Ganz einfach. Liked den Blog-Beitrag und nehmt so automatisch an der Verlosung teil!

Share Button

Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.