Fragen an den Dämm-Experten (Bauteile)

Fragen an den Dämm-Experten (Bauteile)
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Rollladenkästen, Dachbodenluken und Kellerzugänge dämmen!

daemmung-expertenmeinung-a-drewerIn diesem Experteninterview beleuchten wir wieder einmal einige interessante Aussagen und Fragen zur Dämmung. Heute geht es um die Bauteile, welche am schwierigsten oder wichtigsten zu Dämmen sind. Dafür steht uns Arnold Drewer, vom unabhängigen IpeG-Institut zur Verfügung. Er ist Experte auf dem Gebiet Dämmung. Welche Dämmung bringt viel?

Kann ich selber herausfinden, ob eine Hohlschicht in meinem Bauteil vorhanden ist?

A. Drewer: Ja! Das sollten Sie sogar vor allem dann tun, wenn der Handwerker auf diese Besonderheit nicht achten kann, oder will. Sie bohren einfach ein Loch in die Wand bzw. den Fußboden und prüfen mit einem starren Draht, der an der Spitze etwa 5 mm zu einem rechten Winkel gebogen ist, ob eine Hohlschicht vorhanden ist oder nicht.

Ich will mein Dach im Altbau dämmen – ist das richtig?

A. Drewer: Jein! Wenn Sie unter dem Dach wohnen, dieses also ausbauen wollen: Ja! Wenn Sie nicht unter dem Dach wohnen, sondern den Spitzboden nur als Stauraum benutzen wollen – dann ist eine Deckendämmung, also der Fußboden des Dachraumes, 12 mal preiswerter als eine Dachdämmung mit demselben Ergebnis.

Es ist sinnlos, nur ein Bauteil zu dämmen. Entweder alles – oder gar nichts!

A. Drewer: Wenn ich von meinen Handschuhen einen verloren habe – ziehe ich den anderen deswegen auch nicht an? Oder setze meine Mütze nicht auf, weil ich die Jacke vergessen habe? Die Hüllfläche eines Hauses ist die Summe von vielen kleinen und größeren Bauteilen. Jeder m², der gedämmt oder bei Fenstern erneuert wird, zählt!

Was ist das „schlechteste“ Bauteil?

Foto: offener RolladenkastenA. Drewer: Der Rollladenkasten. Zwischen Innen- und Außenluft befindet sich gerade mal 4 mm Sperrholz, tapeziert oder lackiert. Und das Ganze 16 mal, bei 16 Fenstern im Haus. Vermutlich gibt es 50 Millionen Rollladenkästen dieser Art in Deutschland. Das bedeutet: deutsche Häuser haben 50 Millionen m² Außenwand, welche aus 4 mm Sperrholz besteht!

Und was kann man dann tun?

A. Drewer: Entweder: den Rollladen rauswerfen, den Kasten ausdämmen und luftdicht verkleben. Oder aber den Kasten nach oben, unten und zum Innenraum hin mit Hochleistungsdämmstoffen ausdämmen. Auf fugenfreies Arbeiten und luftdichte Anschlüsse achten! Bürstendichtungen für den Gurt sind ebenfalls hilfreich.

Gibt es noch so ein ungünstiges Bauteil?

A. Drewer: Ja! Die Bodentreppe. Also die Ausziehtreppe, mittels der Sie auf den Spitzboden gelangen. Davon gibt es aber, geschätzt nur 1 Million in deutschen Häusern.
Sie sollten die Holzklappe mit einem Hochleistungsdämmstoff dämmen – bitte die Wangen nicht vergessen – sonst entstehen Wärmebrücke. Und ein Luftdichtungsband eingelegt tut weitere Wunder. Der „zweite Kamin“ im Treppenhaus mit entsprechenden Lüftungswärmeverlusten ist damit beseitigt. Leider dürfen Sie danach im Treppenhaus nicht mehr rauchen – der Qualm zieht nicht mehr durch die Fugen der Bodentreppe ab.

Und noch eines?

A. Drewer: Ja! Den Kellerabgang. Zwischen temperiertem Treppenhaus und Keller befindet sich dämm- und luftdichtungstechnisch nichts! Die Grenze zwischen „warm“ und „kalt“ sollte dringend gedämmt und luftdicht gemacht werden. Ist allerdings ziemlich schwierig und leider auch aufwändig – lohnt sich aber.

Bei weiterem Interesse an der Dämmung dieser Bauteile:

Im Folgenden finden Sie Links zu den Themen:
Hohlraum selber messen
Dämmung der obersten Geschossdecke (Boden des Dachbodens)
Rollladenkasten Dämmen
Kellerdämmung

Bildverzeichnis:
Rollladenkasten: © fotoivankebe / shutterstock.com

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."