Greenpeace Vattenfall Kohlekraftwerke Kauf

Greenpeace und der Kauf der Kohlekraftwerke

Vattenfall will aus dem Braunkohlegeschäft in Deutschland aussteigen und bietet alle seine Kohlekraftwerke zum Verkauf an. Greenpeace hat nun ein Angebot abgegeben und möchte die Kohlekraftwerke kaufen – um sie danach stilllegen zu können. Klimaschützer dürften sich zwar darüber freuen, die 8.000 Beschäftigten in den Kraftwerken und Tagebauten müssen jedoch um ihre Arbeitsplätze bangen.

„Quit Coal“ heißt es auf der Website von Greenpeace in puncto Energieerzeugung aus Kohle. Kohle sei die größte Bedrohung für unser Klima überhaupt. Tatsächlich verursacht die Verbrennung von Kohle mehr als ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen. Deshalb möchte Greenpeace nun Vattenfalls Kohlekraftwerke in der Lausitz kaufen, um sie danach für immer stillzulegen. Die Greenpeace Chefin in Schweden, Annika Jacobson, sagte dazu:

„Wir werden eine ernsthafte Diskussion mit Vattenfall über den Kauf führen.“ – Annika Jacobson (Greenpeace Schweden)

Zwei bis drei Millarden Euro müsste Greenpeace für die Kohlekraftwerke bezahlen. Unterstützung erhofft sich Greenpeace von der Rot-grünen Regierung in Schweden, denn Vattenfall gehört zu 100% dem schwedischen Staat. Eben diese Regierung hat jüngst Vattenfalls Rückzug aus dem Braunkohlegeschäft in Deutschland in die Wege geleitet.

Vattenfall nimmt Angebot nicht ernst

Gegenwind bekommt Greenpeace jedoch vom Vorsitzenden von „Vattenfall Europe Mining“ Rüdiger Siebers: Das Ganze sei ein „PR-Gag“. Vattenfall nehme das nicht ernst. Auch Brandenburgs Energieminister Albrecht Gerber (SPD) hält Greenpeace Pläne, Vattenfalls Kohlekraftwerke zu kaufen und stillzulegen, für nicht mehr als einen „Aprilscherz zur falschen Jahreszeit“.

Blick in den Braunkohle-Tagebau Welzow Süd in der Lausitz.

Blick in den Braunkohle-Tagebau Welzow Süd in der Lausitz. 33 Prozent der deutschen Braunkohle wird in der Lausitz gefördert. © Onkel Holz / wikimedia.org CC BY-SA 4.0

Die rund 8.000 Beschäftigten, die täglich in den Lausitzern Kohlekraftwerken und Braunkohle-Tagebauten arbeiten, dürften ebenso keine großen Fans von den Greenpeace-Ambitionen sein. Indirekt hängen sogar 25.000 Arbeitsplätze am Lausitzer Braunkohlegeschäft. Zudem deckt die Lausitzer Braunkohle ca. 10 Prozent des gesamtdeutschen Strombedarfs pro Jahr.

Zustimmung von den Grünen

Nur die Grünen sprechen von einer „interessanten Idee“. Mit Blick auf die Arbeitsplätze und die Versorgungssicherheit könne man aber „auch ein Kohlekraftwerk nicht von heute auf morgen schließen“, sagte Bärbel Höhn von den Grünen.

Bärbel Höhn von den Grünen

Bärbel Höhn unterstützt als eine der wenigen die Pläne von Greenpeace, Vattenfalls Kohlekraftwerke zu kaufen. Stilllegen könne man die Kohlekraftwerk aber kurzfristig nicht.
© Wolkenkratzer / wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Vielmehr könne man den Verkauf der Kohlekraftwerke und des Braunkohletagebaus an Greenpeace mit einem längerfristigen „klimagerechten Kohleausstiegskonzept verknüpfen“, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen, Gerd Lippold.

Ist das Ganze doch nur ein PR-Gag?

Ob Greenpeace sich das so vorgestellt hat, darf bezweifelt werden. Sollte Greenpeace tatsächlich den Zuschlag bekommen und stur an dem Plan festhalten, die Kohlekraftwerke und den Braunkohletagebau in der Lausitz kurzfristig stillzulegen, bedrohen Sie die Existenz von bis zu 25.000 Beschäftigten. Annika Jacobson hat dazu eine ganz eigene Meinung: „Es macht keinen Sinn, eine Branche fortzuführen, die unser Klima gefährdet – nur weil Arbeitsplätze daran hängen. Auf dem Arbeitsmarkt muss jeder selbst darauf achten, welche Berufe künftig gebraucht werden.“

„Auf dem Arbeitsmarkt muss jeder selbst darauf achten, welche Berufe künftig gebraucht werden.“ – Annika Jacobson (Greenpeace Schweden)

Zudem stehen 10% der gesamtdeutschen Stromproduktion auf dem Spiel. Der Plan scheint aber nicht nur aus diesen Gründen wenig durchdacht zu sein: Bis jetzt weiß Greenpeace noch gar nicht, wo die zwei bis drei Milliarden Euro für den Kauf der Kohlekraftwerke herkommen sollen. Es gebe lediglich viele Wege ein solches Projekt zu finanzieren. Greenpeace macht den Anschein, als hätte es sich noch gar keine Gedanken über all diese Dinge gemacht. Wir unterstützen natürlich den Kohleausstieg, aber die Greenpeace-Lösung darf wohl eher bezweifelt werden, denn einen durchdachten Plan scheint es hier bislang gar nicht zu geben.

Warum der Kohleausstieg so wichtig ist

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Heute erzeugen deutsche Kohlekraftwerke aber noch 25 Prozent des in Deutschland benötigten Stromes. Unter den fünf klimaschädlichsten Kohlekraftwerken in Europa stehen alleine drei in Deutschland. Um den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu verringern, muss Deutschland den Kohleausstieg deshalb unbedingt vorantreiben. Zwar sind in der gesamtdeutschen Kohleindustrie somit langfristig circa 100.000 Jobs gefährdet, jedoch würden im Sektor der erneuerbaren Energien wieder neue Jobs entstehen.

In Deutschland stehen die klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Europas. © Vogone / wikimedia.org CC BY-SA 3.0

Deutschland betreibt drei der klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Europas.
© Vogone / wikimedia.org CC BY-SA 3.0

2013 bot der Erneuerbare-Energien-Sektor schon über 370.000 Deutschen einen Arbeitsplatz. Dabei liegt der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamtdeutschen Stromproduktion, genau wie der der Kohleindustrie, bei circa 25 Prozent. Die Zukunft des Arbeitsmarktes liegt also bei den erneuerbaren Energien, nicht in der Kohleindustrie.

Und trotzdem, ein sehr abrupter Kohleausstieg in der Lausitz, wie Greenpeace ihn anstrebt, ist für die rund 8.000 direkt Beschäftigten und deren Familien existenzgefährdend. Greenpeace spricht von einem „sozialverträglichen Übergang mit Beschäftigung in den erneuerbaren Energien“, allerdings ist fraglich, ob das kurzfristig machbar ist. Zwar hat Greenpeace eine Studie veröffentlicht, in der ein Plan zum sozialverträglichen Kohleausstieg in der Lausitz vorgestellt wird, aber in dieser Studie ging man noch davon aus, dass Vattenfall die Kohlekraftwerke behält und diese erst bis zum Jahr 2030 stilllegt. Einen kurzfristigen und sozialverträglichen Kohleausstieg könnte Greenpeace wahrscheinlich nicht realisieren. Tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr, ohne dass es bisher eine konkrete Regelung zum Verbleib der Mitarbeiter gibt. Greenpeace legt den Fokus, wie so oft, auf die ökologischen Aspekte und scheint den sozialen bisher weniger Beachtung zu schenken. So sehr wir die ökologischen Gründe verstehen und den Kohleausstieg begrüßen, stehen wir dem Plan von Greenpeace doch eher skeptisch gegenüber.

Hoffentlich werden wir eines Besseren belehrt.

Verfasst von: Friedrich Niemeyer

Quellen u.a.:
http://www.derwesten.de/wirtschaft/greenpeace-will-braunkohletagebaue-in-der-lausitz-kaufen-id11164625.html; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vattenfall-greenpeace-braunkohle-ag-1.2679608; http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/greenpeace-will-vattenfall-braunkohlesparte-kaufen-a-1056430.html; http://www.n-tv.de/wirtschaft/Greenpeace-will-Kohlekraftwerke-kaufen-article16080381.html; https://greenpeace-magazin.de/nachrichtenarchiv/was-will-greenpeace-mit-einem-kohle-kraftwerk

Bildquelle Beitragsbild:
© Martin Roell / wikimedia.org CC BY-SA 2.0

Share Button

Philipp Kloth

Die Energiewende kann nur mit bürgernaher Aufklärung funktionieren. Dabei möchte ich mithelfen.