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Immobilienkauf – Die fünf wichtigsten Energie-Faktoren

Immobilienkauf – Die fünf wichtigsten Energie-Faktoren
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Der Einzug in die eigenen vier Wände ist für viele Menschen fest in die Lebensplanung integriert. Die Wünsche sind dabei so individuell wie die Käufer, doch einen Aspekt sollte niemand außer Acht lassen:

Den Energieverbrauch.

Viel lässt sich bereits im alltäglichen Leben an Strom, Wasser oder Heizenergie einsparen, beispielsweise durch korrektes Lüften oder stromsparende Geräte.

Allerdings können schon beim Hauserwerb die Weichen für einen niedrigen Energieverbrauch gestellt werden. Wer selbst baut, achtet bereits hier auf entsprechende Vorgaben, doch auch wer kaufen möchte, kann auf einen guten Energiestandard schauen.

Einen ersten Hinweis auf den Zustand des Gebäudes kann der Energieausweis (auch Energiepass genannt) geben. Dieser ist heutzutage Pflicht und muss Kaufinteressenten auf Verlangen vorgezeigt werden. Auch wenn Makler oder Verkäufer gegenteiliges behaupten, wie beispielsweise dieser Nutzer hier feststellen musste. Allerdings kann der Ausweis oft nur grob Aufschluss über den tatsächlichen Energieverbrauch der Immobilie geben. Gerade bei Eigentumswohnungen ergibt sich das Problem, dass der Energieausweis für das gesamte Gebäude erstellt wurde, die Energieangaben jedoch in den einzelnen Wohnungen ganz unterschiedlich ausfallen. Ein Gespräch mit den Vormietern oder den unmittelbaren Nachbarn gibt hier oft mehr Aufschluss.

Laut Umweltbundesamt machen allein Heizung und Warmwasser gute 80% des Energieverbrauchs in einem Ein-Familienhaushalt aus. Beim Immobilienkauf ist es also besonders interessant, inwiefern das Wunschobjekt dem Wärmeverlust trotzt und Heizenergie optimal ausnutzen kann. Gerade in den folgenden Punkten ist kritisches Nachfragen daher sinnvoll:

Beachten Sie diese Bauteile des Gebäudes besonders

Die Technik der Heizung

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Moderne Heizungssysteme ermöglichen eine hohe Reduktion der Energiekosten.
© / sergeevspb / shutterstock.com

Ein Blick auf die Heizanlage lohnt sich. Durch die Neuregelungen der Energie-Einsparverordnung müssen Öl- und Gasheizungen bis Ende 2014 ausgetauscht werden, wenn sie vor 1985 eingebaut worden sind. Dies gilt allerdings lediglich für die standardmäßigen Konstanttemperatur-kessel. Oftmals sind diese nicht nur veraltet, sondern auch viel zu groß für die Wohnfläche, um den Wärmeverlust durch unzureichende Isolierung ausgleichen zu können.

Einsparungen ermöglichen hier die sogenannten Niedertemperatur-heizkessel. Diese berücksichtigen die Außentemperatur, anstatt konstant mit hoher Temperatur zu heizen. Jedoch ist auch diese Technik mittlerweile eher als veraltet anzusehen.

Die moderne Technik von Brennwertkesseln schneiden in puncto Energieeffizienz am besten ab. Sie nutzen für die Erhitzung zusätzlich zur Berücksichtigung der Außentemperatur auch noch die Energie aus dem in Abgasen enthaltenen Wasserdampf.

Die Dämmung des Daches

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Über das Dach geht am meisten Wärme verloren. Dämmungen können hier stark entgegenwirken.
© Kuebi Armin Kübelbeck (CC BY-SA 3.0)

Ist das Dach nicht ausreichend gedämmt, geht hier viel Heizwärme verloren. Seit 2009 besteht daher eine gesetzliche Pflicht zur Dämmung im Dachbereich; im Mai 2014 wurde diese Regelung sogar noch verschärft. So ist nun eindeutig festgelegt, dass bis Ende 2015 die oberste Geschossdecke zum (unbeheizten) Dachraum gedämmt werden muss, wenn der Dachraum nicht die entsprechende Dämmung aufweist.

Doch auch ohne eine vollständige Erneuerung des Dachstuhls lässt sich energietechnisch einiges machen. Im Innenraum helfen Auf-, Zwischen- oder Untersparrendämmung gegen hohen Energieverlust.

Als besonders effizient zeigt sich gerade bei der Nachsanierung die Dämmung der obersten Geschossdecke, also des Dachbodens. Wird der Dachboden nicht beheizt bietet sich diese Dämmmethode am meisten an. Der Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass der nutzbare Dachraum in den meisten Fällen nicht verkleinert wird. Zudem ist diese Dämmung recht schnell umgesetzt und daher auch relativ kostengünstig.

Wie alt sind die Fenster?

Gerade bei älteren Immobilien lohnt sich ein Blick auf die Fenster. Im Vergleich zu den früher üblichen Fenstern mit Einfachverglasung lässt sich mit modernen Wärmeschutzverglasungen deutlich Energiekosten sparen. Dreifach verglaste Fenster dämmen fast zwölfmal besser als einfach verglaste. Generell gilt: Je niedriger der Wärmedurchgangskoeffizient (auch U-Wert), desto besser die Isolierung. Üblich ist bei Fenstern heute ein U-Wert von 1,3 W/mK; dreifach verglaste Fenster bieten sogar einen U-Wert von 0,8 W/mK.

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Moderne Wärmeschutz-Verglasung:
Aktuell sind 3-fach-Verglasungen ein hoher Standard.
© Lutz Weidner / Wichmar (CC-BY-SA-2.0-DE)

Schon seit 2009 sind wärmedämmende Fenster gesetzlich vorgeschrieben, was allerdings gern übersehen wird, sind die Rollladenkästen. Ohne Dämmplatten und Dichtlippen geht hier die Wärme buchstäblich zum Fenster hinaus. Vorsicht geboten ist allerdings, wenn bei der Immobilie ausschließlich die Fenster erneuert sind, aber nicht die Dämmung der Außenwände. Da Wärmschutzverglasungen so gut isolieren, steigt die Gefahr von Schimmelbildung, wenn nicht ausreichend oder falsch gelüftet wird. Es sollte stehts das gesamte Gebäude betrachtet werden.

Außenwände – Wie stark ist die Fassade gedämmt?

Über die Außenwände geht durchschnittlich rund 30% der Wärme verloren. Nicht zuletzt aufgrund der großen Fläche lohnt sich hier also die Frage nach der Dämmung. Wie beim Dach bieten sich hier je nach Gegebenheit Dämmungen sowohl im Innen- als auch im Außenbereich an. In der Regel wird mit Dämmplatten oder Dämmmatten gearbeitet, was allerdings im Innenraum zu Verkleinerung der Wohnfläche führt. Wird die Innendämmung nicht fachgerecht installiert, droht zudem die Gefahr von Schimmelbildung zwischen Dämmmaterial und Wand.

Üblicher und meist auch kostengünstiger ist eine Dämmung der Außenwände. Sie sorgt dafür, dass die Wärme nicht direkt aus dem Mauerwerk nach draußen entweicht. Bei gut gedämmten Außenwänden bleibt die Wärme deutlich länger im Mauerwerk und verhindert ein Auskühlen der Räume. Eine Einblasdämmung der Fassade, auch Kerndämmung genannt, ist häufig die einfachste und auch sinnvollste Dämmung. Voraussetzung hierfür ist jedoch das Vorhandensein eines zweischaligen Mauerwerkes.

Keller nicht vergessen

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Perimeterdämmung (Kellerdämmung) mit EPS (Styropor).
© Tabacha Sven Anders (CC BY-SA 2.5)

Ist der Keller nicht ausreichend isoliert, drohen im Winter kalte Füße. Im besten Falle verfügt das Haus über eine Perimeterdämmung, also eine wasser- und druckbeständige Dämmung der Flächen, die vom Erdboden bedeckt sind. Nachträglich ist diese Art der Dämmung sehr kostspielig, doch bereits eine ordentliche Innendämmung sorgt dafür, dass die darüber liegenden Räume vor der Bodenkälte geschützt sind.

Allgemeinen Aufschluss über die Qualität der Dämmung eines Gebäudes gibt beispielsweise die Untersuchung mit einer Wärmebildkamera. Hier erscheinen die gut isolierten Bereiche in Blau, während die Bereiche mit großem Wärmeverlust rot gezeigt werden. So ist schnell klar, wo die Schwachstellen der Immobilie liegen.

Kaum ein Gebäude wird in allen Anforderungen top ausgerüstet sein; gerade Altbauten hinken hier dem heutigen Standard oft hinterher. Doch bereits ein einzelner Punkt auf der Liste verhilft zu deutlichen Energie-Einsparungen, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont.

Häufig sind energetische Sanierungsmaßnahmen schon nach einigen wenigen Jahren amortisiert. Die Investitionen lohnen sich. Erfahren Sie zu diesem Thema bei uns mehr.

Bildquelle:

Titelbild: © Sabljak / shutterstock.com

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Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."