Klimaschutz Unternehmen

„Klimaschutz-Unternehmen“ – Vorbilder für unsere gesamte Wirtschaft!

„Klimaschutz-Unternehmen“ – Vorbilder für unsere gesamte Wirtschaft!
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Der Abgasskandal von Volkswagen ist aktuell in aller Munde – und das auch zu Recht. Doch es geht auch anders, IKEA, Viessmann und Lammsbräu machen es vor, sie sind Mitglieder der „Klimaschutz Unternehmen“.

Die „Klimaschutz- und Energie-Effizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft e.V.“ ist ein Zusammenschluss von Unternehmen in Deutschland. Die partizipierenden „Klimaschutz-Unternehmen“ stehen hierbei für eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz und der Energieeffizienz ein. Als Vorbilder für unsere gesamte Wirtschaft demonstrieren die „Klimaschutz-Unternehmen“, dass wirtschaftlicher Erfolg mit ökologischer Nachhaltigkeit kombinierbar ist.

Initiatoren sind das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK). 

Die Bewerbungsfrist für den nächsten Aufnahmeprozess als „Klimaschutz-Unternehmen“ läuft noch bis zum 31.10.2015. Im folgenden Artikel beleuchten wir speziell, welche Vorteile mit einer Mitgliedschaft als „Klimaschutz-Unternehmen“ einhergehen.


Dieser Artikel enthält folgende Themenpunkte:


Was „Klimaschutz-Unternehmen“ antreibt und vereint

„Klimaschutz-Unternehmen“ verfolgen ambitionierte Ziele © geralt /pixabay.com CC0

Die „Klimaschutz-Unternehmen“ bekennen sich nachdrücklich zu den ambitionierten klimapolitischen Zielen. Sie sehen die Notwendigkeit, die Treibhausgasemissionen der Industriestaaten bis 2020 um 4 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent – jeweils gegenüber 1990 – zu reduzieren.

Dahingehend unterstützen die „Klimaschutz-Unternehmen“ die Politik um diese Ziele in Deutschland zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erreichen. Durch die realpraktische Kompetenz der „Klimaschutz-Unternehmen“ stehen diese der Politik als Gesprächspartner mit ihrer Expertise zur Verfügung.


„Klimaschutz-Unternehmen“: Vorteile der Mitgliedschaft

Als Vorbild im Bereich Klimaschutz dienen, Botschafter seiner Branche sein, sich auf Fachebene mit anderen Unternehmen austauschen – die Vorteile einer Mitgliedschaft im Verein „Klimaschutz-Unternehmen e.V.“ sind vielfältig. Mitglieder nehmen eine Vorbildfunktion aus Überzeugung ein. Sie geben heute schon Antworten auf die Fragen von morgen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran und veröffentlichen regelmäßig ihre Erfahrungsberichte. Nicht Reden, sondern Handeln ist die Devise!

Die anerkannten und aktiven „Klimaschutz-Unternehmen“ sind Teil der Exzellenzinitiative des Bundesumweltministeriums, des Bundeswirtschaftsministeriums sowie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Mitglieder der Gruppe haben durch erfolgreiche Erfüllung der anspruchsvollen Aufnahmekriterien bewiesen, dass Klimaschutz und Energieeffizienz ernsthafte Bestandteile der betrieblichen Praxis sind und dauerhaft auf der strategischen Agenda bleiben. Durch dieses nachgewiesene Engagement hat die Marke „Klimaschutz-Unternehmen“ eine hohe Glaubwürdigkeit bei Kunden, Mitarbeitern und gesellschaftlichen Gruppen. Darüber hinaus resultiert aus der öffentlichen Bekanntmachung und Würdigung auch ein Imagegewinn für die Unternehmen.

Die Klimaschutz-Unternehmen stellen ein Netzwerk von besonders leistungsfähigen Unternehmen dar und profitieren vom Austausch untereinander. Als bundesweites und branchenübergreifendes Netzwerk von Unternehmen aller Größenklassen wollen die „Klimaschutz-Unternehmen“ modellhafte Beispiele zur Optimierung der Nutzung von Energie und zum Klimaschutz für alle Branchen aufzeigen und damit andere Unternehmen zu ähnlichen Klimaschutzaktivitäten anregen.

Außerdem profitieren die Mitglieder vom Austausch in Konferenzen und Workshops unter- und miteinander. Somit ist der Synergieeffekt des Netzwerkes als weiterer Pluspunkt festzuhalten. Dieser Faktor summiert sich durch den Erhalt exklusiver, maßgeschneiderter Informationen (Neuigkeiten über finanzielle Förderungen, politische Rahmenbedingungen sowie Entwicklungen aus der angewandten Wissenschaft) zu einem signifikanten Informationsgewinn für die Mitglieder.

Die Klimaschutz-Unternehmen sind ein gefragter Ansprechpartner der Politik und werden bei Gesprächskreisen als besonderer Kompetenzträger um ihre Einschätzung gebeten. Klimaschutz-Unternehmen befinden sich in einem kontinuierlichen Austausch mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft. Dabei verfolgen die Klimaschutz-Unternehmen keine Interessen im Sinne des politischen Lobbying, sondern bleiben weiterhin auf die Überzeugung durch vorbildhafte praktische Beispiele für Klimaschutz und Energieeffizienz fokussiert.

Fach- und Führungskräfte von morgen suchen ihre zukünftigen Arbeitgeber auch unter dem Aspekt aus, wie authentisch sich ein Unternehmen für Nachhaltigkeit engagiert. Mit der Auszeichnung als Klimaschutz-Unternehmen besitzen Mitglieder einen wertvollen Nachweis für ihre erbrachte Leistung. Diesen können sie als Employer Branding in die bestehende Recruiting-Strategie implementieren.

Voraussetzung für Mitgliedschaft Mehrwert der Mitgliedschaft
ambitionierte Zielsetzung hohe Glaubwürdigkeit
+ Imagegewinn
sehr guter energetischer Stand der Produktion Synergieeffekte durch Networking
+ Informationsgewinn
Nachhaltigkeit als elementarer Aspekt im Geschäftsmodell gefragter Ansprechpartner der Politik
Empolyer Branding

Wer kann sich bewerben?

„Energieeffizienz aus Unternehmerischer Eigeninitiative, Klimaschutz aus Überzeugung und wirtschaftlicher Erfolg in verschiedenen Branchen – die Klimaschutz-Unternehmen sind Vorbilder für unsere gesamte Wirtschaft.“
– Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie¹

Ein Klimaschutz-Unternehmen zeichnet sich durch mehrere Aspekte aus. Primär stehen dabei eine ambitionierte Zielsetzung bezüglich energieeffizienter Produktionsverfahren sowie eine optimierte Energienutzung in unternehmensinternen Prozessen im Vordergrund.

Zum Zeitpunkt der Bewerbung sollte deshalb bereits ein sehr guter energetischer Stand der Produktion erreicht sein. Sprich die Produktionsverfahren und unternehmensinternen Prozesse sollten energieeffizient und nachhaltig gestaltet sein. Dieses Kriterium wird gemessen und unter anderem an den spezifischen Energieverbräuchen (Brennstoffe und Strom) sowie den produzierten Treibhausgas-Emissionen der Produktionsstandorte (des Standortes) überprüft. Im Idealfall erzielt das Unternehmen eine energieneutrale Bilanz.

Ferner sollten sich diese Leitlinien in der Praxis durch innovative Produkte und Dienstleistungen auf Energieeffizienter und klimaverträglicher Basis wiederspiegeln. Grundsätzlich sollte also Nachhaltigkeit als elementarer Aspekt im Geschäftsmodell verankert sein.

Bewerbungsverfahren zum „Klimaschutz-Unternehmen“

Bei den „Klimaschutz-Unternehmen“ handelt es sich um eine Exzellenztinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Diese Initiatoren würdigen auch das besondere Engagement der „Klimaschutz-Unternehmen“ durch öffentlich wirksame Auszeichnungen.

Bewerben kann sich jedes Unternehmen, unabhängig der jeweiligen Größe und Branche. Zunächst kommt es zu einer Vorauswahl durch die Geschäftsstelle der „Klimaschutz- und Energieeffizienzgruppe der deutschen Wirtschaft“. Fällt diese Vorabauswahl positiv aus, kommt es zu einer Prüfung und Bewertung seitens eines unabhängigen Gutachters. Dieser empfiehlt das Unternehmen dann gegeben falls weiter. Nun entscheidet der Beirat über die Aufnahme als „Klimaschutz-Unternehmen“. Anschließend verleihen die Initiatoren Urkunden als Bestätigung einer erfolgreichen Aufnahme. Durch verbandsinternes Monitoring werden die Exzellenzansprüche fortführend abgesichert.

Die folgende Grafik verdeutlicht, wie die „Klimaschutz-Unternehmen“ mit externen Schnittellen vernetzt sind:

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IKEA: Bekanntes „Klimaschutz-Unternehmen“ und dessen Fortschritt

Durch Veröffentlichung von „Best-Practices“ Berichten präsentieren die Unternehmen regelmäßig ihre Fortschritte. Als bekanntes Beispiel sei hierbei der Möbelausstatter IKEA aufgeführt.

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Der schwedische Möbelausstatter IKEA ist eines der bekannten „Klimaschutz-Unternehmen“ © OIMax / flickr.com CC0

Bei IKEA wurde im September 2013 eine neue Budgetierung-Strategie eingeführt. Hierbei hat das Unternehmen das Energiebudget transparenter gestaltet um Ziele verbindlicher und Versäumnisse offensichtlicher zu machen. Der Konzern hat eine Energiecontrolling-Software implementiert und eine Verfeinerung und Anpassung der Zählerstruktur in den Einrichtungshäusern vorgenommen. Außerdem nutzt IKEA gesetzlich vorgeschriebene Energieaudits für die zusätzliche Beschaffung von Informationen.

Ergebnis dieses Prozesses ist eine summierte Einsparung von ca. 20 Prozent an Energie für Strom und Heizung nach zwei Jahren der Projektierung.


Reflexion: „Klimaschutz-Unternehmen“ zwischen PR und Green Economy

Fragwürdig scheint, welche Substanz erhalten bleibt, wenn man die prinzipiell positiven Vorsätze einmal  ausklammert? So ließe sich das aufgezeigte Konzept des Vereins „Klimaschutz-Unternehmen e.V.“ aus Perspektive der Mitglieder auch zweifelsohne einer wechselseitigen Interessengemeinschaft mit vermarktungsstrategischen Aspekten zuordnen.

Im Zusammenhang von Öffentlichkeitsarbeit und Themen wie Klimaschutz wird oft über Corporate Social Responsibillity (CSR) als Marketingmaßnahme gesprochen. Dieser Begriff umschreibt eine unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Unternehmen leisten hierbei einen freiwilligen Beitrag zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung, welcher über die gesetzlichen Forderungen (Compliance) hinausgeht. Diese Form des Marketings zielt meist auf eine positive Darstellung des Unternehmens in der öffentlichen Wahrnehmung ab.

Häufig wird dabei kritisiert, dass Unternehmen auf diese Weise „Greenwashing“ betreiben. „Greenwashing“ ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf abzielen Unternehmen ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass dafür eine hinreichende Grundlage besteht.

In besagtem und aufgezeigten Fall der Klimaschutz-Unternehmen sind derartige Stimmen (Greenwashing) jedoch fehl am Platz. Ministerien als Initiatoren, ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren sowie anschließend regelmäßige, externe Kontrollen legitimieren eine Positionierung, um mit den positiven Konnotationen Energieeffizienz und Klimaschutz die Leistungen des Unternehmens im Zuge einer Green Economy Ausrichtung aktiv zu bewerben.


Fazit: „Klimaschutz-Unternehmen“ gehen mit gutem Beispiel voran!

Abschließend lässt sich festhalten, dass die vorgestellte Initiative der „Klimaschutz-Unternehmen“ sehr wertvoll für unsere Wirtschaft sein kann. Das Konzept demonstriert, dass die Volkswirtschaft unserer Bundesrepublik die Faktoren Qualität und Nachhaltigkeit zu einer wirkungsvollen Symbiose vereinbaren kann. Durch diese Verknüpfung erscheint der Produktionsstandpunkt Deutschland besonders für die Zukunft als attraktiver Standort gewappnet.

Hoffentlich nehmen sich noch viele weitere Unternehmen dieser verantwortungsbewussten Positionierung an. Letztendlich lässt sich die Energiewende auch nur erfolgreich gestalten, wenn Politik und Wirtschaft Hand in Hand kooperieren.

„Die Klimaschutz-Unternehmen zeigen: Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand. Sie sind Vorreiter bei der Verringerung von CO2-Emissionen und bei der Energieeffizienz. Ich hoffe, dass noch viele Unternehmen Ihrem Beispiel folgen.“
– Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit²

Verfasst von: Alexander Moritz Vogel


Quellen, unter Anderem:
http://www.bmwi-energiewende.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2015/13/Meldung/bewerbung-klimaschutz-unternehmen.html¹
http://www.klimaschutz-unternehmen.de/²
http://www.klimaschutz-unternehmen.de/mitglied-werden/
http://www.klimaschutz-unternehmen.de/fileadmin/user_upload/dokumente_pdf/Klimaschutz-Unternehmen.pdf
https://www.ihk-nuernberg.de/de/media/PDF/Innovation-Umwelt/Energie/klimaschutz-unternehmen-erlaeuterung-und-vorteile.pdf

Bildverzeichnis:
Titelbild: eigene Darstellung, Basis © Olearys CC0 flickr
Grafik: eigene Darstellung © Energieheld GmbH

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Philipp Kloth

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