Nina Ruge über Die Digitalisierung Im Handwerk

Experteninterview mit Nina Ruge: Digitalisierung im Handwerk

Nina Ruge, die geborene Münchnerin ist Autorin, Moderatorin, UNICEF Botschafterin und Journalistin. Viele kennen sie noch aus dem „heute journal“ oder „Leute heute“. Wir freuen uns Frau Ruge ein zweites Mal in unserer Reihe „Energieheld fragt – Experten antworten“ begrüßen zu dürfen.  Diesmal befragen wir Frau Ruge zum Thema Digitalisierung im Handwerk.

Das letzte Interview zu den Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit fand im September 2014 statt.

Themen im Interview:

  1. Begeisterung für das Handwerk
  2. Das ist der neueste Stand der Technik im Handwerk
  3. Digitalisierung im Handwerk ist möglich.
  4. Wieviel Social Media kann das Handwerk?

Begeisterung für das Handwerk

Die Herausforderungen an den Handwerker entsprechen den einer eierlegenden Wollmilchsau.

Sebastian Zahn (energieheld): Herzlich willkommen Frau Ruge. Was begeistert Sie am Handwerk?

Nina Ruge: Die Komplexität und Herzlichkeit. Komplexität, weil die Herausforderungen an den Handwerker heute durchaus der einer eierlegenden Wollmilchsau entsprechen – und Herzlichkeit, weil heute Kundenbindung so groß geschrieben werden muss und auch wird wie niemals zuvor.

Sebastian Zahn (energieheld): Was zeichnet einen guten Handwerker aus?

Nina Ruge: Zunächst die Leidenschaft für den Beruf. Leidenschaft verleiht Flügel, und die braucht ein guter Handwerker, um die Kreativität zu entwickeln, aus denen die optimalen Lösungen für den Kunden entstehen.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie wünschen Sie sich die Zusammenarbeit mit einem Handwerksbetrieb?

Nina Ruge: Ich wünsche mir einen Dialog auf Augenhöhe. Gemeinsam das durchdenken, was getan werden soll – und mich beraten lassen in der Gewissheit, dass mein Partner-Handwerker auf dem neuesten Stand der Technik ist.

Das ist der neueste Stand der Technik im Handwerk

Der Trend ist das Netz!

Sebastian Zahn (energieheld): Wie wichtig ist es für Sie, dass Handwerker auf dem neuesten Stand der Technik sind – Stichwort Smart Meter, Smart Home?

Nina Ruge: Genau das ist es ja! Die technologische Entwicklung läuft so schnell, dass ich sicher sein möchte, dass mein Partner-Handwerker mich und meine Bedürfnisse einschätzen kann. Das bedeutet, welche Technologie ist sinnvoll für mich, gleichzeitig die neueste Generation anbietet – und dabei nicht überdimensioniert.

Sebastian Zahn (energieheld): Sie moderierten zum zweiten Mal den Internet-Marketing-Tag im Handwerk. Was hat sich im Vergleich zu 2015 geändert?

Nina Ruge: Der Internet-Marketing-Tag schließt die Lücke zwischen rein technischer Fortbildung und dem Zugang zum Kunden. Internet-Marketing ist ein Zauberwort, das auf dieser Fachtagung mit Leben und Sinn erfüllt wird.

Der Praxisbezug in den vielen verschiedenen Optionen, die Internet-Marketing eröffnen, ist in diesem Jahr noch stärker ausgebaut worden – was ganz offensichtlich von den Teilnehmern sehr goutiert wurde.

Sebastian Zahn (energieheld): Im Gespräch mit den Referenten, was hat Sie besonders beeindruckt?

Nina Ruge: Es ist tatsächlich die Leidenschaft und zugleich das hohe praktische Engagement, das eigene Unternehmen mit Hilfe der Social Media noch weiter zu bringen, die Kundenansprache zu intensivieren und die Kundengewinnung zu professionalisieren.

Dazu gehören enorme Fachkenntnis, Kreativität und eine ordentliche Portion Zeit!

Sebastian Zahn (energieheld): Konnten Sie in den Gesprächen einen Trend ausmachen?

Nina Ruge: Der Trend ist das Netz! Wer sich dort nicht präsentiert, wer nicht über das Netz in den kundendialog geht, hat irgendwann verloren. Welche Kanäle man bespielt, hängt vom Geschäftsfeld und vom Geschäftsmodell ab: Facebook, Pinterest, Xing, Instagram, Blogging, YouTube und Website Building… da bieten sich gigantische Möglichkeiten!

Digitalisierung im Handwerk

Die Digitalisierung im Handwerk beginnt auf der Baustelle
© Tyler Olson – Fotolia

Digitalisierung im Handwerk ist möglich.

Wenn der Kunde im Internet recherchiert, auf Handwerker-Plattformen Gesamtlösungen sucht, dann muss man mit seinem Angebot dabei sein!

Sebastian Zahn (energieheld): Wie wird das Thema Digitalisierung im Handwerk bewertet?

Nina Ruge: Die Teilnehmer des Internet-Marketing-Tages sind sich der Bedeutung des Mediums sehr bewusst: fantastische Geschäftserfolge wurden präsentiert. Für die Teilnehmer sind die Chancen offenbar, es geht nur ums optimale und effiziente Umsetzen. Ob das für das Handwerk in der Breite so gilt, da bin ich mir nicht so sicher….

Sebastian Zahn (energieheld): Stehen sich unterschiedliche Positionen gegenüber?

Nina Ruge: Das sehe ich nicht. Allerdings stellt sich für jeden Handwerker die berechtigte Frage, wieviel Zeit und Kraft er investierten kann und will.

Sebastian Zahn (energieheld): Was könnte passieren, wenn sich Handwerksbetriebe der Digitalisierung verweigern?

Nina Ruge: Das Risiko abgehängt zu werden. Wenn der Kunde im Internet recherchiert, auf Handwerker-Plattformen Gesamtlösungen sucht, dann muss man mit seinem Angebot dabei sein!

Sebastian Zahn (energieheld): Welche Hindernisse bei der Umstellung zum Digitalen konnten Sie ausmachen?

Nina Ruge: Da gibt es einige, aber offenbar keine gravierenden! Die Generationenthematik ist eine relevante: der Inhaber des Unternehmens mag vielleicht kein Digital Native sein – das lässt er möglichst andere machen, aber blockieren sollte er nicht.

Die richtigen Web-Entwickler finden, ist ein Thema – und im Unternehmen Verantwortlichkeiten für die Bespielung des Netzes festlegen, ein anderes.

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Beispiel für erfolgreiches Social Media im Handwerk

Wieviel Social Media kann das Handwerk?

Social Media richtig und souverän nutzen ist eine große Herausforderung.

Sebastian Zahn (energieheld): Sie sind selbst nicht auf Twitter oder Facebook unterwegs. Wie stehen Sie zum Digitalisierungstrend und speziell zu Social Media?

Nina Ruge: Ich bin durchaus ein Sonderfall. Wenn ich Facebook und Twitter bedienen würde, müsste ich sehr viel Zeit investieren für den Dialog. Meine Kunden sind aber in diesen Medien für die Akquise von Moderatoren gar nicht unterwegs. Also wäre meine Teilnahme dort eine reine PR-Veranstaltung, die ich aus Zeitgründen dritten überlassen müsste. Das wiederum hielte ich nicht für authentisch. Also lasse ich das.

Sebastian Zahn (energieheld): Sie sind langjährige Moderatorin. Wie bewerten Sie den Trend, dass immer mehr kleine und mittlere Fachbetriebe die Videoplattform YouTube nutzen?

Nina Ruge: Social Media richtig und souverän nutzen ist eine große Herausforderung. Medienkompetenz muss gelernt und trainiert werden. Das ist ein Mega-Thema. Vor allem eine Riesenchance für das Marketing! Allerdings birgt YouTube neue Herausforderungen, denn einen netten, ansprechenden Film zu drehen ist ein spezielles Feld.

Je nach Möglichkeit des Unternehmens ist das natürlich professionell möglich; da sind bereits Produktionsfirmen auf Handwerks Präsentationen spezialisiert. Und was meinen Job angeht: das Netz ist ein ernstzunehmender Mitbewerber, deshalb bin ich persönlich aktuell auch mit einem online Coaching unterwegs.

Sebastian Zahn (energieheld): Wie würden Sie den Handwerker der Zukunft beschreiben?

Nina Ruge: Der Handwerker der Zukunft ist mein Partner-Handwerker, der über enorme fachliche Kompetenz verfügt, der mich und meine Bedürfnisse ernst nimmt, der alle Möglichkeiten des Netzes nutzt, um mir perfekte Lösungen anzubieten – und von dem ich weiß: der ist immer ganz vorne mit dabei.

Sebastian Zahn (energieheld): Liebe Frau Ruge, haben Sie vielen Dank!


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Vorschaubild Nina Ruge: ©Jacqueline Krause-Burberg

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.