Wo Kommt Unser Energiemix Her?

Energiemix in Deutschland 2013

Dieser Energiemix kommt in Deutschland aus der Steckdose:

Jede Stadt und jede Gemeinde weist, je nach Ausprägung und Entfernung zu den Kraftwerken, ihren eigenen Energiemix aus. Denn selbst wenn Sie sich für einen Stromversorger entscheiden, der z.B. 100 Prozent Strom aus Wasserkraft erzeugt, wird im Ort doch ein Energiemix aus verschieden Energieträgern zusammengestellt.

Der Strommix-Navigator

StromMix-Navigator

Die Seite mix.stromhaltig.de schlüsselt die verschiedenen Zusammensetzungen im Jahresschnitt auf. Zur Berechnung hat Thorsten Zoerner, der Betreiber von mix.stromhaltig.de, öffentlich zugängliche Informationen über Kraftwerke und Kleinanlagen verwendet (z.B. AG Energiebilanzen BMU). Allgemein bezeichnet Strom-Erzeugung die technische Gewinnung von elektrischer Energie. Da aber genaugenommen Energie nicht erzeugt, sondern nur umgewandelt werden kann, ist die technische Gewinnung eher ein Umwandlungsprozess von einer Energieform (z. B. Windenergie) in eine andere (elektrischer Strom). Die bei der Stromer-Erzeugung gewonnene Energie wird dann über ein öffentliches Netz zum Verbraucher transportiert.

Wird in der Energiewirtschaft von Strom gesprochen, so meint dies die Bereitstellung von elektrischer Energie. Hierbei finden einzelne energetische Produktionsfaktoren, wie vor allem Kohle, Erdgas, Wasser, Sonne und Wind ihre Verwendung. Die Strom-Erzeugung ist je nach Land unterschiedlich. Im Jahr 2008 war der Primärenergieträger in Deutschland Kohle, in Frankreich war es die Kernenergie, in Norwegen Wasserkraft und in China Kohle.

Wir wollen bei der Strom-Erzeugung nur Deutschland betrachten. Den aktuellen Energiemix in Deutschland finden Sie in dieser Grafik:

Entwicklungstrend in der Stromerzeugung 2000 bis 2012

Laut Agenda 21 Treffpunkt ergab sich folgender Energiemix-Trend

  • Der Anteil an Braunkohle bleibt im Jahre 2012 bei ca. 26 %
  • Der Anteil an Kernenergie nimmt kontinuierlich ab und lag 2012 bei 16 %
  • Der Anteil an Steinkohle liegt seit 2009 bei ca. 19 %
  • Der Anteil an Erdgas stieg in den vergangenen Jahren, seit 2012 stagniert der Wert und liegt bei 11 %
  • Der Anteil an Wasserkraft liegt bei ca. 3,4 %
  • Der Anteil an Windkraft konnte kontinuierlich steigen und liegt der Zeit bei 7,4 %
  • Der Anteil an Photovoltaik hat in den letzten 12 Jahren einen Boom erlebt. 2000 lag der Anteil bei 0 %, 2012 bei 4,5 %

Die angegeben Werte zum Strommix in Deutschland sind Durchschnittswerte, die den Strommix in den einzelnen Bundesländern und den einzelnen Städten nicht genau wiedergeben bzw. von diesen Werten stark abweichen. Es handelt sich um den Strommix von ganz Deutschland.

Eine energetische Reise durch Deutschland

Um den Energiemix in Deutschland näher zu ergründen, haben wir uns mit Hilfe des Strommix-Navigators auf eine „energetisch-biographische“ Entdeckungsreise begeben. Wir reisen von Hamburg über Frankfurt und Köln nach München.

Strommix in Hamburg: Steinkohle und Wind

Grafik: Strommix in HamburgIm stürmischen Hamburg besteht der Primärenergieträger mit 24 % aus Steinkohle, Wind hat einen beachtlichen Anteil von 17 %, Erdgas 14 %, Biomasse  13 % und 5 % Kernenergie. Die Steinkohle für die Kraftwerke kommt zu großen Teilen aus Russland, Kolumbien und den USA. Der Anteil der importieren Kohle liegt bei ca. 75 %. Der Anteil an Windenergie wird vor allem in Hamburg in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen.

Strommix in Frankfurt: Erdgas und Steinkohle

Grafik: Strommix in Frankfurt am MainReisen wir weiter nach Frankfurt am Main. In der Bankenmetropole ist der Primärenergieträger Erdgas, mit 51.3 % Anteil. Steinkohle liegt bei 19 %, Strom, welcher bei der Müllverbrennung erzeugt wird, liegt bei 36,6 % und 1 % Kernenergie. Erdgas ist relativ günstig und kann vor allem in Großstädten den gigantischen Energiehunger stillen. Der Vorteil von Erdgas gegenüber Öl und Kohle, liegt in der Verbrennung, es entsteht etwas weniger Kohlendioxid.

Strommix in Köln: Im Ruhrpott gibt’s Braunkohle und Erdgas

Strommix in KölnWir legen einen Zwischenstopp in Köln ein und erfahren: Hier ist der Primärenergieträger mit 47,7 % Braunkohle. Dann Erdgas mit 31.3 %, die restlichen Energieträger haben alle einen Anteil von unter 10 %. Warum so ein hoher Anteil an Braunkohle? Köln, viel mehr das Bergbaurevier in der Kölner Bucht, gehört zu den größten Braunkohlerevieren in Europa. Der Abbau begann bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert. Aktuell nutzt der RWE-Konzern das Revier für die gesamte Wertschöpfungskette von dem Kohleabbau bis zur Verstromung.

Strommix in München: Erdgas versorgt den Süden

Strommix in MünchenDie letzte Station der Reise ist München. In München kann man nicht wirklich von einem Energiemix sprechen. Denn Erdgas hat einen dominanten Anteil von unglaublichen 81 % und einen verschwindend geringen Anteil von 1 % Kernenergie.
Nur etwa 16% des in Deutschland verbrauchten Erdgases wird auch hier gefördert.
Der Großteil des fossililen Brennstoffes wird aus Russland, Norwegen und den Niederlanden über Pipelines nach Deutschland importiert.

Und woraus besteht der Energiemix in Ihrer Heimat?

Probieren Sie es aus und entdecken Sie die energetische Biographie ihrer Region! http://www.mix.stromhaltig.de/

Phänomen Kernkraft

Der Atomausstieg ist beschlossene Sache und zum Glück wird der Anteil an Kernenergie am Strommix immer geringer. Im Jahre 2012 lag der Anteil noch bei 16,1 %, dieses Jahr dürfte er schon ein ganzes Stück geringer ausfallen. Leider ist es so, dass die Angaben zur Erzeugung von Kernenergie nur sehr schwer zu erheben sind. Dies hängt vor allem mit dem Politikum „Restlaufzeit“ zusammen.

Ökostrom ist nicht immer das, was es zu seinen scheint

Achtung

eco electric plugWenn Sie sich für grünen Strom entscheiden, sollten Sie vorher Ihren aktuellen Tarif prüfen. Wenn Sie Strom aus der Grundversorgung beziehen, ist Natur- oder Ökostrom günstiger. Passen Sie bei der Wahl Ihres Ökostrom-Tarifs auf. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. So kann beispielsweise Strom entstanden durch Atom oder Kohle-Kraftwerke als Grünstrom deklariert werden. Das RECS (Renewable Energy Certificate System) Zertifikat macht es möglich. Das Prinzip: Erzeuger, die Ökostrom herstellen, d. h. Strom aus regenerativen Quellen, erhalten für diesen Strom das RECS Zertifikat. Dieses Zertifikat kann an andere Stromerzeuger verkauft werden. Norwegen zum Beispiel erzeugt einen großen Anteil Ihres Strom durch Wasserkraft. Dafür erhalten die norwegischen Stromanbierter RECS Zertifikate. Das erhaltende Zertifikat kann an deutsche Stromversorger verkauft werden. Der günstige Strom aus Atom und Kohlekraftwerken kann dann zu ebenfalls günstigem „Ökostrom“ umetikettiert werden.

Tipp

Kaufen Sie Ökostrom von Anbietern mit anerkanntem Ökostrom-Siegel. Die Siegel, die von Verbraucher- und Umweltschützern empfohlen werden, sind „OK Power“ und das „Grüner-Strom-Label“. Zu den bekanntesten Anbietern, die mit einem entsprechenden Siegel ausgezeichnet wurden, zählen Greenpeace Energy, Lichtblick, Naturstrom, Strommixer und die Elektrizitätswerke Schönau.

 

Bildverzeichnis:

Titelbild: © markusspiske / pixabay.com

Bild Strommix-Navigator und Grafiken: © Thorsten Zoerner

Grünes Stromkabel: © ponsulak / fotolia.com

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Sebastian Zahn

Literatur, Redaktion und Energiewende - das sind meine Themen. Bei energieheld bin ich daher genau richtig.