Energieausweise In Europa

Unterschiede beim Gebäude-Energieausweis in Europa

Unterschiede beim Gebäude-Energieausweis in Europa
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Der Energieausweis für Gebäude ist bei uns in Deutschland durch die schwierige Lage für Mieter auf dem Wohnungsmarkt eher unbedeutend.

Wer nach dem Energieausweis fragt riskiert die Chancen auf die Wohnung zu verschlechtern. Dabei spielen die Nebenkosten, insbesondere die Heizkosten, bei den Wohnungen mittlerweile eine immer größere Rolle, abgesehen davon, dass der Energieausweis in Wohnungsanzeigen mittlerweile vorgeschrieben ist. Dies wird im aktuellen Betriebskostenspielegel des Mieterbundes sehr deutlich.

Es sind aber nicht nur die Kosten, die für den Energieausweis bei Gebäuden sprechen. Denn der Gebäudebestand in der EU ist immerhin für 38% des europäischen Energieverbrauchs und 35% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Daher ist handeln in diesem Bereich wichtig, denn Europa möchte die selbstgesteckten Ziele im Klimaschutz erreichen. Dazu gibt es die europäische Richtlinie für Gebäudeenergieeffizienz (EPBD) aus dem Jahre 2010.

EU-Richtlinie für Energieeffizienz in Gebäuden setzt Standards

Energieausweis aus UK

Beispiel-Energieausweis aus UK, „UKHomePerformanceRatingChartsVertical“ by Drawn by User:Gralo. Original uploader was Gralo at en.wikipedia – Transferred from en.wikipedia; transferred to Commons by User:Magnus Manske using CommonsHelper.(Original text : Self-created). Licensed under Public domain via Wikimedia Commons.

Diese Richtlinie setzt europäische Mindeststandards für die Berechnung der Energieeffizienz von Gebäuden, gibt eine allgemeine Rechenmethode an und legt die Grundlagen für einen Gebäude-Energieausweis. Die Energieeinsparverordnung, deren aktuelle Fassung am 01. Mai 2014 in Kraft getreten ist, gehört zur Umsetzung dieser EU-Richtlinie in Deutschland.

Was die einzelnen Mitgliedsstaaten daraus machen ist deren Sache. Allerdings war auch, wie in diesem Jahr bei der Energieeffizienzrichtlinie, von den Mitgliedsstaaten eine Liste zu erstellen über die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht. Lediglich Irland, Schweden und Dänemark haben die EU Gebäuderichtlinie korrekt und pünktlich umgesetzt. Alle anderen haben ein Vertragsverletzungsverfahren wegen unvollständiger und/ oder zu später Umsetzung oder gar wegen Nichtumsetzung der Richtlinie riskiert. Drei Mitgliedsstaaten, Belgien, Portugal und Finnland müssen oder mussten empfindliche Strafen für die Nichteinhaltung bezahlen.

Energieausweis mit unterschiedlicher Umsetzung in Europa

Ein Teil der europäischen Richtlinie für Energieeffizienz in Gebäuden ist der Energieausweis, bzw. Energy Performance Certificate (EPC). In der Richtlinie werden einige Anforderungen an den Energieausweis hinsichtlich Erstellung, Inhalt, Qualitätssicherung und Veröffentlichung geregelt. Die Umsetzung in den europäischen Mitgliedsstaaten ist jedoch recht unterschiedlich gelöst.

So kennen wir in Deutschland eine Unterscheidung zwischen dem verbrauchsabhängigen und dem bedarfsabhängigen Energieausweis. Diese Unterscheidung, für die es durchaus Gründe gibt, macht es auf dem Markt schwieriger den Energieausweis zu verstehen. In einigen Ländern gibt es nur eine Version des Energieausweises, die auf den gemessenen Verbrauchswerten basiert. Die Akzeptanz auf dem Markt hängt jedoch auch von anderen Faktoren.

Erhebliche Unterschiede gibt es beim Preis für die Ausstellung des Gebäude-Energieausweis. In den meisten Staaten wird der Preis durch den Markt geregelt, aber in einigen Mitgliedsstaaten ist der Preis gesetzlich vorgeschrieben bzw. Teile davon, wie Registrierungskosten.

Einheitliche Software kann Energieausweis vergleichbarer machen

Wer einen Energieausweis erstellt, muss sich auf die Software verlassen können. In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Anbietern auf dem Markt für diese Software. Diese führt aber auch dazu, dass beim bedarfsabbängigen Energieausweis erhebliche Differenzen auftreten können. In fünf EU-Mitgliedsstaaten gibt es daher eine Art staatliche Software zur Erstellung der Gebäude-Energieausweise.

Für die Erstellung des Energieausweises gibt es in 19 der EU-Mitgliedsstaaten eine Mindestanforderung an die Ausbildung. Ebenfalls in 19 Staaten gibt es für die Aussteller eine Pflichtprüfung, die angelegt werden muss. Ein Pflichttraining ist hingegen in 17 Mitgliedsstaaten vorgeschrieben. In 14 Mitgliedsländern sind Praxiserfahrungen für die Erstellung des Energieausweises notwendig.

Datenbank für Gebäude-Energieausweis schafft Transparenz

Eine Besonderheit, die wir in Deutschland nicht kennen, ist die Erfassung der Energieausweise in einer Regionalentwicklung zentralen Datenbank. Nur in Polen und in Tschechien kennt man eine solche Datenbank auch nicht. Alle anderen Mitgliedsstaaten erfassen die ausgestellten Gebäude-Energieausweise zu statistischen Zwecken und größtenteils auch für den öffentlichen Zugang. So kann man sich anhand der Adresse die Daten der Energieausweise von den betreffenden Immobilien online ansehen. Teilweise sind diese auch mit anderen Datenbanken für die Immobilien verknüpft, die dann aber nicht alle öffentlich einsehbar sind.

Was kann man über die Wirkung des Gebäude-Energieausweises sagen? Gibt es andere Erfahrungen in anderen Ländern Europas? Viele Studien zur Wirkung des Energieauweises gibt es noch nicht. Grundsätzlich kann man jedoch eher eine positive Wirkung des Energieausweises und der Energieklassen auf dem Markt erkennen. So hat man festgestellt, dass Energieausweise für Käufer einen höheren Wert haben als für Mieter und, dass die Wirkung des Energieausweises von den Marktbedingungen abhängt.

Bildverzeichnis:
Titlebild: Eigene Darstellung aus zwei Bildern: © ArTono / shutterstock.com und Creative Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flag_of_Europe.svg)

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Andreas Kühl

Andreas Kühl ist Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibt er einen der bekanntesten und nach dem ebuzzing-Ranking auch einen der einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Den Themen Energieeffizienz, Integration der erneuerbaren Energien und Smart-Home sind dabei sein besonderes Interesse, sowohl in Bezug auf private Haushalte als auch in der Industrie.