Bild: Teaser Digitalisierung KfW

Zu wenig Digitalisierung im Mittelstand?

Zu wenig Digitalisierung im Mittelstand?
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Eine neue Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt, dass zwar ein großer Teil der mittelständischen Unternehmen in Deutschland Digitalisierungs-Projekte planen, sehr wenige diese aber tatsächlich umsetzen.
 
Woran liegt das und wie lassen sich diese Zahlen nach oben korrigieren? Digitalisierung und die digitale Welt sind in dieser Zeit ein essentieller Bestandteil unseres Lebens geworden.
 
Wieso deutsche Unternehmen in dieser Entwicklung hinterherhinken, lässt sich nicht pauschal sagen. Stattdessen wollen wir versuchen, die Frage zu klären, was Digitalisierung eigentlich alles bedeuten kann und wie sie sich in Deutschland fördern lässt.

Einleitung – Was versteht man unter Digitalisierung?

Unter Digitalisierung versteht man grundsätzlich erst einmal den Vorgang analoge Daten, das heißt Daten, die physisch auf einem Medium wie einem Blatt Papier gespeichert sind, in digitale, also Computerdaten zu verwandeln. Dadurch sehen sie zwar für uns als Nutzer weiterhin identisch aus, sind aber durch die Speicherung in Codeform, beziehungsweise elektrische Impulse, weitaus kleinformatiger und damit leichter zu bearbeiten, speichern und verschicken.

Die Anfänge der Digitalisierung bestanden daraus, dass Briefe und Unterlagen nicht mehr mit der Schreibmaschine geschrieben wurden, sondern auf einem Computer. Nach Bedarf wurden diese dann entweder ausgedruckt oder auf der Festplatte gespeichert.

Mit der wachsenden Speicherkapazität, der steigenden Rechenleistung und der breiten Zugänglichkeit des Internets wurden die Anwendungsbereiche immer breiter und der Grad der Digitalisierung immer höher.

In der heutigen Zeit dreht es sich bei der Digitalisierung nicht mehr vorrangig um Datenspeicherung, sondern um die Übermittlung von Daten und die damit verbundene Geschwindigkeit und Effizienz.

Eine Schlüsselkomponente ist die Kommunikation mit den Kunden und Verbrauchern. In Zeiten, in denen alles „on Demand“ angefordert werden soll und „Just-in-time“ Produktion ein Standard geworden ist, ist die schnelle und ununterbrochene Kommunikation auf dem Markt wichtiger denn je.

Bild: Globalisierung Digitalisierung

© Sumanley / pixybay.com CC0

Potential & Nutzen der Digitalisierung für den Mittelstand

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterscheidet in ihrer Studie zur Digitalisierung im Mittelstand drei Stufen. Die erste Stufe ist dabei die grundlegende digitale Infrastruktur.

Während dies früher bedeutete, dass ein Computer im Betrieb existiert, umfasst diese Basisstufe heute nicht nur das Vorhandensein von Hardware, sondern auch die aktive und passive Nutzung des Internets inklusive eines Web-Auftritts, sowie von Datenverarbeitungs-Software.

Nach einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nutzten 2015 befanden sich rund die Hälfte der deutschen Mittelstands-Unternehmen auf dieser Stufe. Zwar verfügten die meisten Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern über einen Internetauftritt, deutlich schlechter sah es im Bereich der automatisierten Datenverarbeitung aus. Nur etwa 40 Prozent des Mittelstandes nutzt umfangreiche Software in diesem Bereich.

Die zweite Stufe der Digitalisierung enthält eine Vernetzung der Informationen und der Unternehmenskommunikation sowohl intern als auch extern. Dies umfasst die Nutzung mobiler Endgeräte, sozialer Netzwerke und eine Unternehmens-Cloud gleichermaßen. Aktuell erreichen nur rund 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen diese Stufe.

Schlussendlich stellt die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen die höchste der drei Stufen dar. Dieser Stufe sind bislang nur wenige Unternehmen zuzuordnen. Das liegt unter anderem auch daran, dass diese Stufe zu erreichen nur in einigen Bereichen Sinn ergibt.

Bild: Digitalisierung Handwerk

© SatyaPrem / Pixabay.com CC0

Gerade das Handwerk ist in der Position sich nicht vollständig digitalisieren zu müssen und zu können.

Während Dienstleistungen zum Teil vollständig digital verkauft werden können und keinerlei persönlicher Kontakt mehr zwischen Anbieter und Kunden besteht, ist die analoge Welt ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Handwerks.

Dennoch gibt es auch und insbesondere für Handwerksbetriebe starke Anreize den Betrieb zu digitalisieren.

An vorderster Front steht auch hier die Beschleunigung und Vereinfachung der Geschäftsprozesse. Unnötig viel Zeit geht verloren, wenn tagtäglich umfangreiche Ordner gewälzt werden müssen, um Kundendaten, Auftragsdaten und Termine zu koordinieren. Dabei ist es irrelevant, ob diese Ordner in einem Regal stehen, oder sich auf einer Festplatte befinden.

Diverse Software-Möglichkeiten existieren, deren vorrangiges Ziel es ist, dieses Mikromanagement zu entschlacken und zu optimieren. Und wenn die dafür aufgewendete Zeit minimiert werden kann, bedeutet das im Umkehrschluss mehr Zeit für andere Aufgaben und im Endeffekt eine Steigerung der Produktivität und des Umsatzes.

Welche Möglichkeiten zur Digitalisierung haben Unternehmen?

Gerade im Bereich der Unternehmens-Software gibt es eine schier unendliche Auswahl. Kaum ein Wunsch wird noch unerfüllt gelassen. Während SAP den meisten Unternehmen heutzutage ein Begriff ist, gibt es eine Vielzahl spezialisierter Software-Lösungen für unterschiedliche Branchen.

SAP

Das bereits in den achtziger Jahren gegründete Unternehmen aus Baden-Württemberg ist heute einer der größten Software-Hersteller weltweit. Während das ursprüngliche Kerngeschäft ein Unternehmens-Informationssystem (ERM) war, stellt SAP inzwischen eine breite Produktpalette für Unternehmen zur Verfügung.

Große Vorteile von SAP sind der große Anwendungsbereich und der hohe Grad an Kompatibilität und Personalisierungsoptionen. Nachteilig ist hingegen die Einstiegshürde. Ohne speziell ausgebildete Mitarbeiter ist die Nutzung von SAP schwierig.

Salesforce

Das Unternehmen aus Kalifornien hat sich seit der Gründung 1999 zu einem der größten und wichtigsten Software-Unternehmen der Welt gemausert. Salesforce ist spezialisiert auf Cloud-Computing Anwendungen in den Sparten Verkauf und Kundenservice.

Wie auch SAP stellt Salesforce eine extrem anpassbare Sandbox zur Verfügung, die zwar in ihrer Grundform nutzbar ist, ihr wahres Potenzial aber nur entfaltet, wenn sie an den jeweiligen Betrieb angepasst wird.

Hero

Unsere hero Software von Energieheld ist speziell auf Handwerksbetriebe zugeschnitten. Der Fokus in der Entwicklung liegt dabei auf der einfachen Kompatibilität und intuitiver Nutzung. Alle wichtigen Funktionen finden sich in einer App und durch die Cloud-Speicherung sind alle Daten jederzeit und von überall her abrufbar.

Warum werden diese Möglichkeiten nicht genutzt?

Die brennende Frage ist, warum werden die vorhandenen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft? Die Vorteile, die eine Digitalisierung für ein Unternehmen haben kann sind eindeutig und versprechen mittelfristig nicht nur eine Effizienzsteigerung, sondern auch finanziellen Mehrgewinn.

Immer noch nutzen gut ein Viertel der deutschen Mittelstands-Unternehmen keine, über die Hälfte nur rudimentäre digitalen Strukturen.

Werden Prioritäten von Unternehmen falsch gesetzt?

Bild: Digitalisierung Gewinn

© geralt / pixabay.com CC0

Unter Umständen ist dieser Aspekt aber der Knackpunkt. Eine Digitalisierung der Betriebsstrukturen verspricht zwar mittelfristig durch höhere Effizienz den Umsatz zu steigern. Kurzfristig ist es aber zunächst eine Investition – je nach Unternehmensgröße auch keine kleine.

Geld wirft so eine Investition erst einmal nicht ab. Und das bedeutet, dass es schwierig ist, den richtigen Zeitpunkt für das Digitalisierungsprojekt zu finden. Während ein Großkonzern ganze Abteilungen dafür abstellen kann, ein solches Projekt umzusetzen, muss ein mittelständisches Unternehmen seine Arbeitskraft gezielt einsetzen.

Wenn also die Auftragslage gut ist, haben unter Umständen andere Projekte Priorität, die eine direkt abzusehende Rendite abwerfen und das Unternehmenswachstum beschleunigen. Bei schlechter Marktlage wiederum fehlt das Geld um eine Investition in ein Digitalisierungsprojekt zu tätigen.

Existieren Generationsprobleme?

Unter Umständen liegt die Ursache auch in einer Generationenfrage. Start-Ups werden häufig von sogenannten Digital Natives (Geburtenkohorten ab 1980) geführt, das heißt von Menschen die in einer digitalen Welt aufgewachsen sind und entsprechend Software und Hardware wie selbstverständlich benutzen.

Anders sieht es bei Traditionsunternehmen des Mittelstandes aus. Hier führt oftmals noch eine ältere Generation das Ruder, die in einer analogen Welt aufgewachsen ist und sich entweder aktiv oder passiv gegen die Digitalisierung sträubt.

Die Gründe für eine solche Verweigerung können vielfältig sein. Sei es, dass Einzelpersonen sich mit der Situation überfordert fühlen, dass die Wichtigkeit der Digitalisierung als gering eingeschätzt wird, oder dass andere Projekte bevorzugt und höher priorisiert werden.

Wird die Wichtigkeit der Digitalisierung unterschätzt?

Wie bei nahezu jeder Innovation existiert auch bei der Digitalisierung von Unternehmen eine gewisse prinzipielle Ablehnung gegen das Unbekannte. Naheliegend ist die Argumentation, dass ja bislang auch alles funktioniert habe. Warum sollte man ein funktionierendes System ändern?

Was bei dieser Entwicklung unter Umständen unterschätzt wird, ist die Geschwindigkeit, in der sie voranschreitet. Auch wenn digitale Geschäftsprozesse in den meisten Branchen noch verhältnismäßig jung sind, breiten sie sich rasend schnell aus.

Schon heute kann es passieren, dass man Kunden verliert, wenn man nicht mit dem Zeitgeist geht und seine Leistungen online und on Demand anbietet.

Möglichkeiten die Digitalisierung zu fördern

In Deutschland wird die Digitalisierung noch nicht auf eine derart prominente Art und Weise gefördert wie es möglich wäre. Die Bundesregierung ist zögerlich den digitalen Fortschritt zu forcieren.
Dennoch gibt es einige Maßnahmen staatlicher Förderung. Am wichtigsten ist wohl die Innovationsförderung der KfW. Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit (Kredit 380) stellt Unternehmen und Freiberuflern bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben zu günstigen Konditionen zur Verfügung.

Bis zu 5 Millionen Euro stellt der Kredit 360 zur Verfügung. Dieser ist speziell auf mittelständische Unternehmen ausgelegt und an weniger Konditionen gebunden als der Kredit 380.
Während diese Kredite zwar eine Finanzierungsgrundlage darstellen, fehlen konkrete Anreize sie zu nutzen. Eine digitale Aufrüstung oder gar Innovation muss in Deutschland nach wie vor aus reiner Eigeninitiative geboren werden.

Fazit: Digitalisierung nicht verpassen

Zusammenfassend lassen sich drei Dinge feststellen:

  1. Der Mittelstand in Deutschland liegt weit hinter seinem Digitalisierungs-Potenzial zurück.
  2. Die Möglichkeiten zum Ausbau der digitalen Infrastruktur existieren, sie müssen nur genutzt werden.
  3. Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, die Deutschland als Ganzes meistern muss, um auch langfristig international relevant zu bleiben.

Betrachtet man den internationalen Markt, gerade in der westlichen Welt, aber auch in Asien, liegt Deutschland in Sachen Digitalisierung hinter dem Durchschnitt zurück. Um die starke Position in der Weltwirtschaft zu halten, ist es unabdingbar, dass wir in Sachen Digitalisierung anziehen und aufholen.

Gerade der deutsche Mittelstand ist von großer Bedeutung in dieser Hinsicht. Während Großkonzerne bereits auf einem guten Weg sind, muss hier nachgebessert werden. Da die Rahmenbedingungen gegeben sind, ist vor allem wichtig, dass die Dringlichkeit der digitalen Revolution erkannt wird. Dafür benötigt es aber Innovatoren, die ihrerseits die Digitalisierung vorantreiben und andere mitziehen.

Wir von Energieheld versuchen unseren Teil zu dieser Entwicklung beizutragen. Mit hero stellen wir dem Handwerk ein umfangreiches und einfach zu bedienendes Tool zur Digitalisierung zur Verfügung.

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