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Der Malermeister 4.0 – Sascha Trynoga im Interview

Der Malermeister 4.0 – Sascha Trynoga im Interview
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Malermeister aus Leidenschaft und digital top aufgestellt: Sascha Trynoga erklärt, wie ein Handwerksbetrieb dynamisch und unkompliziert in der Online-Welt besteht.

Der Wuppertaler führt nicht nur seinen eigenen Betrieb, sondern zeigt auf seiner Website auch, wie moderne Malerarbeiten aussehen können. Wir haben mit ihm über die wichtigsten Tipps für den digitalen Handwerker und Social Media auf der Baustelle gesprochen.

Darum gehts im Interview:

Das digitale Handwerkszeug

Janika Kemmerer (energieheld): Lieber Sascha, vor 13 Jahren hast du deinen Malerbetrieb gegründet. Gab es da auch schon die Website oder kam die erst später dazu?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Hallo Janika. Ja, so lang ist das schon her. Wahnsinn. Tatsächlich war eine der ersten Amtshandlungen eine Website. Und zwar innerhalb der ersten 6 Monate nach Gründung. Das Ganze war aufgrund meines beschränkten Budgets noch sehr einfach gehalten und statisch. Aber für 2005 grundsolide. Eigentlich wollte ich da schon dynamische Inhalte. Das war aber, wie gesagt erstmal nicht drin.

Janika Kemmerer (energieheld): Wieso braucht ein normaler Handwerksbetrieb eigentlich noch eine eigene Homepage? Reichen gute Arbeit und ein solider Kundenstamm nicht aus?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Gute Arbeit ist der Grundpfeiler eines Handwerkbetriebes. Solider Kundenstamm ist für die alt eingessenen Betriebe ebenso einer. Ich meine z.B. die, die in 2ter bis 3ter Generation unterwegs sind. Arbeitest Du nur für deine Clique, ist es egal oder nur Beiwerk. Aber, ohne Homepage existierst Du für die heutige Generation Privatkunden quasi nicht. Selbst wenn Du jemanden empfohlen bekommst. Was machst Du als erstes? Googlest die Firma und guckst auf die Homepage/Blog/Facebookseite. Wer ist das? Was macht der?

Janika Kemmerer (energieheld): Du bloggst, pflegst die Homepage und bist auf Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest aktiv – wann kommt man da noch zum Malern?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Oh, das ist für mich das Schönste und macht tatsächlich ca. 80% meiner Arbeitszeit aus. Also das Arbeiten auf der Baustelle, beim Kunden. Der digitale Teil läuft nebenher. Dank Smartphone ist das bespielen von Facebook, Twitter und Instagram ja wunderbar einfach. Auch auf der Baustelle.

 

Raus aus der Zettelwirtschaft, rein in die Cloud

Janika Kemmerer (energieheld): Social Media, Apps und Co haben auf den ersten Blick wenig mit der eigentlich Handwerksarbeit zu tun. Welche Vorteile haben Handwerker, die auch online aktiv sind und die digitalen Möglichkeiten nutzen?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Wie schon im Kontext Homepage erwähnt, man wird sichtbar für eine Menge Menschen, die einen ohne wohl nicht entdeckt hätten. Die Frage ist natürlich, wie man diese Plattformen nutzt. Für das Handwerk eigentlich ideal, ist die Möglichkeit Geschichten zu erzählen. Quasi live von der Baustelle. Wie entsteht das Werk? Was läuft gerade schief? Also so richtig authentisch. Nicht immer nur so polierte Hochglanz-Marketingfotos mit fast an Poesie grenzenden Werbeaussagen. Eine tolle Chance nicht nur potenzielle Kunden anzusprechen. Auch neue Mitarbeiter zu finden ist auf diesem Weg möglich.

Janika Kemmerer (energieheld): Viele Kollegen aus dem Handwerk haben beim Thema Digitalisierung Berührungsängste oder wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Wie kann ein Betrieb möglichst leicht und unkompliziert digitaler werden?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Intern? Das fängt bei so simplen Sachen wie Angebote und Rechnungen an. Bei uns gehen die nur noch digital raus, also per Mail. Das führt zum nächsten Schritt. Papierloses Dokumentenmanagement und -ablage. Dann kommt wahrscheinlich die Cloud dazu, als Datensicherung… usw. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr Möglichkeiten entdeckt man. Und alle machen den Unternehmeralltag wesentlich leichter. Nach außen sind es natürlich Homepage, Blog, SEO und Social Media. Und hat man einmal digitales Blut geleckt, geht es im besten Fall weiter…

5 Online-Tipps für Handwerker

Janika Kemmerer (energieheld): Zu welchen fünf Schritten rätst du jedem Betrieb auf dem Weg in die Digitalisierung?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): 1. Bedarf finden – z.B. interne Prozesse erleichtern oder Marketing verbessern? 2. Recherchieren oder jemanden fragen der es nutzt. 3. Anfangen. Umsetzen 4. Am Ball bleiben. Gerade das Marketing ist ein zunächst zäher Prozess. 5. Über den „digitalen Tellerrand“ des Handwerks schauen.

Janika Kemmerer (energieheld): Was würdest du einem skeptischen Handwerker entgegen, der Digitalisierung als überflüssig abtut?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Wir sprechen uns in 5 Jahren nochmal.

 

Fugenlose Fläche im Badezimmer

„Nur Streichen kann jeder“ – Malerhandwerk neu gedacht

Janika Kemmerer (energieheld): Lieber Sascha, seit 2005 führst du deinen Malerbetrieb. Was gefällt dir besonders gut an deinem Beruf?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Das Coolste war für mich seit Anfang an, genauer seit 1998 in der Ausbildung, dass man jeden Tag sieht, was man geschaffen hat. Allein, dass mit ein wenig Farbe ein Raum komplett verändert werden kann. On top kommt die Abwechslung. Neue Menschen bzw. Kunden, neue Orte usw.

Janika Kemmerer (energieheld): Das Motto auf der Homepage lautet: „Nur Streichen kann jeder“. Was bietest du neben den klassischen Malerarbeiten noch an?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Ich habe vor 7 Jahren den Entschluss gefasst, mich zu spezialisieren und die entsprechende Kundengruppe anzusprechen. Den Fokus weg von den „Malerarbeiten aller Art“ zu nehmen. Das Ganze umfasst spezielle, hochwertige Oberflächengestaltungen für Duschen, Böden, Bäder und Wohnräume. Angefangen bei Naturpigmentfarben, über Designtapeten, die modernen Betonoptiken bis zu unserem Hauptbetätigungsfeld: die fugenlosen, wasserdichten Spachteloberflächen.

Janika Kemmerer (energieheld): Wie haben sich die Bedürfnisse und Ansprüche der Kunden verändert?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Ich finde, durch die Vielzahl der Möglichkeiten im Internet zu recherchieren, habe die meisten Kunden schon sehr konkrete Vorstellungen von dem, was Sie haben möchten. Das eigene zu Hause wird immer wichtiger. Der sensible Rückzugsort in dieser hoch technologisierten Welt. Das bietet unendliche Möglichkeiten für uns Maler. Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die verändert werden soll. Dafür aber dann etwas Spezielles. Unsere Kunden suchen immer speziell jemanden, der diese eine Technik bzw. Nische umsetzen kann. Und die Erfahrung hat. Das muss natürlich für den Kunden klar kommuniziert werden. Womit wir eigentlich wieder bei der Homepage oder Blog sind.

Treppenaufgang 

Zukunftsmusik – Was macht der Malermeister übermorgen?

Janika Kemmerer (energieheld): Welche besonderen Chancen bietet der digitale Wandel speziell für die Malerbranche? Gibt es da Unterschiede im Vergleich zu anderen Gewerken?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Chancen bieten sich viele. Digitaler Wanddruck ist nur eine Nische, die sich gerade im Malerbereich auftut. 3D-Druck hat auch Möglichkeiten, die der Maler irgendwie kreativ nutzen könnte. Unterschiede zu anderen Gewerken sehe ich eher weniger, weil jedes Gewerk mit dem jeweiligen, digitalen Tool etwas anderes umsetzen kann. Und genau das ist ja das geniale daran.

Janika Kemmerer (energieheld): Auf deinem Blog beschreibst du, was mit Virtual Reality und visueller Raumgestaltung heute schon möglich ist. Wie wird sich das Malerhandwerk in zehn Jahren verändern?

Sascha Trynoga (Maler Trynoga): Schwierige Frage. Das Thema VR ist da relativ einfach zu beantworten. Es bietet die faszinierende Möglichkeit, dass der Kunde seine neue Raumgestaltung vorab live erleben kann. Entsprechende, graphische Technologie vorausgesetzt. Das ist natürlich heute schon umsetzbar mit 3D-Visualisierungen. Diese werden dann begehbar. Oberflächen erlebbar. Find ich klasse. Wie das Malerhandwerk in zehn Jahren aussieht? Da kann ich nur spekulieren. Ich denke, das ist auch sehr stark davon abhängig, wie einige Global Player agieren werden. Beispiel Amazon und seine Dienstleistungsplattform. Das wird die Auftragsbeschaffung im Privatkundensegment enorm umkrempeln und noch weiter digitalisieren.

Janika Kemmerer (energieheld): Lieber Sascha, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

 

Fazit: Mit Mut und Verstand Digitalisierung im Betrieb umgesetzt

Sascha Tyronga zeigt sehr anschaulich, dass ein paar digitale Veränderungen nicht kompliziert sein müssen und viel bringen. Eine inhaltlich und optisch ansprechende Homepage setzen viele Kunden heute als Standard voraus, wenn sie entscheiden, welcher Betrieb den Auftrag bekommen soll. Gleichzeitig können Handwerker davon profitieren, wenn Sie ihr Büro digitalisieren und Geschäftsprozesse online abwickeln. Projektverwaltung, Angebotserstellung und Kalkulation können heutzutage leicht in einer Software verarbeitet werden. Mit der passenden App sind die Informationen vom Kunden auch an der Baustelle verfügbar und können dort aktualisiert werden.

Obwohl sich durch die Digitalisierung viele Geschäftsprozesse ändern werden, bleiben hochwertiges Handwerk und Qualität beim Kunden unerlässlich. Ein etablierter Betrieb, der durch seine Arbeit überzeugt, kann von der neuen Technik durchaus profitieren. Auch wenn die Einarbeitung etwas Zeit und Mühe braucht, bringt der digitale Wandel den Handwerksbetrieben viele Chancen.

 

Bildverzeichnis: 

Titelbild und Beitragsbilder: malertrynoga.de

Portrait Sascha Trynoga: ©  Klaus Oppermann/mein-maler.de

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