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Deutschland braucht wieder eine Solarindustrie!

2011 bis 2017 sank Deutschlands Rang in der Photovoltaik-Industrie und verlor somit den Weltmarktführer-Status – China dominiert seither eigenhändig den Weltmarkt für Solarzellen. Unabhängigkeit bei der Energiebeschaffung wird jedoch immer wichtiger. Es wird also höchste Zeit, dass wir uns die PV-Industrie zurückholen!

Einleitung

Nur langsam schleicht sich Deutschland zurück auf den Photovoltaik-Markt. 95% der Solaranlagen beziehen wir weiterhin aus China. Das war mal anders: Deutsche Unternehmen wie Q-Cells, Solarworld oder Centrotherm bewiesen sich als Weltmarktführer für Photovoltaik und US-Solarfirmen wie FirstSolar, ließen sich in Deutschland nieder. Ein so niedriger Marktanteil, wie wir ihn heute haben, schien undenkbar. In 2012 betrat jedoch China den Markt und überholte uns durch niedrigere Löhne und günstigere Energie- und Produktionskosten. Zusammen mit dem Titel des Marktführers verlagerte sich auch die gesamte Industrie nach China.

Experten sind sich darüber einig, dass Deutschland stark von China abhängig ist und schnell daran arbeiten sollte, seine ehemalige Position auf dem Weltmarkt zurückzugewinnen. Alleine im Jahr 2021 waren die sechs größten Solarzellenhersteller, nach Absatz in Gigawatt, alles chinesische Unternehmen. Während der Hersteller Aiko mit 31,3 Gigawatt führt, ist das erste deutsche Unternehmen an neunter Stelle mit gerade einmal 7,6 Gigawatt auffindbar. 

Produktionskapazitäten im Vergleich

Ganz Europa:
Solarwafer: 1,25 GW
Solarmodule: 6,75 GW

Solarkonzern LONGi:
Solarwafer: 85 GW
Solarmodule: 50 GW

Quellen: PV Magazine, Reuters

Laut dem Fraunhofer Institut wurden im Jahr 2021 94% aller Solarmodule weltweit in Asien produziert – 75% davon in China. Die USA und Kanada sind mit 3% der zweitgrößte Versorger, während ganz Europa hingegen nur einen Anteil von 1% trägt.

Doch China dominiert nicht nur der Produktionsmarkt von Modulen. Auch der Weltmarktanteil des chemischen Rohstoffs Polsilizium lag in 2021 mit 76% klar bei China. Polysilizium wird für die Herstellung von PV-Modulen benötigt. Bei Solarsilizium liegt Chinas Anteil sogar bei 80%, Tendenz steigend: Prognosen sagen, dass der Anteil in den folgenden Jahren auf 90% steigen soll. Die Expansionswelle sei in vollem Gange. 

China dominiert den Weltmarkt nicht nur. China ist der Weltmarkt.

Weit gekommen, tief gefallen

Wie es zu Deutschlands schnellem Abstieg auf der Weltrangliste der Photovoltaik-Industrie kam, haben wir bereits angeschnitten. Mit Vorteilen in fast allen Bereichen, wie der Lohnabrechnung, Unterstützung vom Staat und den großen Produktionsstätten, konnte Deutschland einfach nicht mithalten. Genauer gesagt: Die Politik konnte nicht mithalten. Deutschland hatte die Solarindustrie aufgebaut, doch stellte sich nun selbst ein Bein: 

Die Regierung kürzte 2012 die Einspeisevergütung für Solarstrom drastisch, sodass die heimische Industrie nicht schnell genug die Kosten reduzieren konnte – und dann von der Politik im Stich gelassen wurde. Zugleich machten auch die Unternehmen selbst einige Managementfehler. Beispielsweise schloss einer der damaligen Weltmarktführer einen langfristigen Abnahmevertrag über Silizium – rückblickend ein Verlustgeschäft, als Silizium nicht mehr knapp und teuer war, sondern reichlich und günstig angeboten wurde.

Mit der Abwanderung nach China gingen 80.000 Arbeitsplätze in der heimischen Solarindustrie verloren. 

Einige deutsche Hersteller konnten sich am Markt halten, wie mitunter die Firma Solarwatt, Heckert Solar oder Ax-Sun. In den letzten Jahren gingen im Zuge der aufwachenden Klimapolitik auch neue deutsche Unternehmen auf den Markt. Hoffnung spenden dabei Unternehmen, wie die Meyer Burger Technology AG, welche mit dem Bau neuer Fabriken in die Herstellung von Solarmodulen und -zellen investiert. Ein bescheidener Neuanfang, denn auch neue Unternehmen sind in großen Teilen weiterhin abhängig von Chinas Vorproduktion.  

Vergleich des Imports von Gas und Solartechnik

Da Gas ein fossiler Energierohstoff ist, der nach der Verwendung aufgebraucht ist, muss er durchgehend neu beschafft werden. Dabei bezieht Deutschland über 90% aus dem Ausland: mittlerweile größtenteils aus Norwegen und den Niederlanden. Solarmodule hingegen versorgen den Verbraucher nach einmaliger Beschaffung über 30 Jahre lang mit sauberer Sonnenenergie. Während die Abhängigkeit von Gas und Öl also nicht geringer wird, werden wir durch Solaranlagen immer unabhängiger. Auf diesem Weg senken wir den Bedarf an Gas und können auf Ökostrom setzen. 

Fazit: Heimische Solarindustrie wiederaufbauen

Das Problem, von anderen Exportländern abhängig zu sein, wurde in 2022 mit der Gaskrise real. Es hat gezeigt, dass wir vor Problemen stehen, wenn ein Lieferant ausfällt – sei dies aufgrund politischer Entscheidungen, Lockdowns, Sanktionen oder sonstigen Einschränkungen. Dies gilt auch für den Solarmarkt: Fällt der Import aus China weg, so steht eine ganze deutsche Branche, inklusive Montagefirmen und -personal, vor einem großen Problem.

Was muss also getan werden? Deutschland braucht wieder eine starke inländische Solarindustrie. Das Ziel ist dabei nicht im Wettbewerb mitzuhalten und Produktionsländern wie China überholen zu wollen, sondern ein stabiles Risikomanagement aufzubauen, Verluste zu minimieren sowie Lieferketten zu vereinfachen und nachhaltiger zu gestalten.

Der erste Schritt sollte sein, Solarunternehmen und Produktionsfabriken zu fördern, bürokratische Prozesse zu vereinfachen und Quereinstiege in die Branche zu ermöglichen. Der politische Wille formiert sich. Die EU-Kommission weist in ihrer neuen Solarstrategie der Solarproduktion eine Schlüsselrolle zu. Und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck möchte ebenfalls neue Solarfertigung staatlich unterstützen. Jetzt müssen wir nur noch vom Wollen zum Handeln kommen. Und zwar schnell.

Bildverzeichnis
Titelbild: pixabay.com © ulleo | Ein Dach mit Solarzellen

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