Blog Beitragsbild Regeln Der Sanierung

5 Regeln für eine gute energetische Sanierung

Es gibt zwischen dem Aufgraben des Erdreichs rings um die Kellerwände zwecks Installation einer Perimeter-Dämmung, dem Austausch der Heizungsanlage und dem Aufbau eines Photovoltaik– und/oder Solarthermie-Systems auf dem Dach unzählige Elemente und Arbeiten, die unter den Oberbegriff energetische Sanierung fallen.

Energetisch sinnvoll sind sie zwar im Grunde alle. Aber um ein wirklich optimales Ergebnis zu erzielen, ist es zwingend notwendig, dabei einige Regeln zu befolgen – das meiste davon wird in keinem Gesetzesbuch erwähnt und basiert ausschließlich auf handwerklich „sauberer“ Ausführung bzw. dem gesunden Menschenverstand, sowie sinnvollen Berechnungen. Im folgenden Artikel zeigen wir fünf wichtige Regeln.

1. Regel: Niemals ohne passende Beratung

Bei jedem Haus, das seit mehr als einem Jahrzehnt steht, darf angenommen werden, dass es eine Diskrepanz zwischen seinem energetischen Ist-Zustand auf der einen Seite und den heutigen energetisch-technischen Möglichkeiten bzw. der Rentabilität dieser auf der anderen Seite gibt. Diese Diskrepanz wird natürlich umso größer, je älter das Gebäude ist und/oder je länger eine energetische Sanierung zurückliegt.

Dennoch: Hausbesitzer sollten immer Fachleute und ggf. Beratungen heranziehen und nicht in Eigenregie entscheiden. Jedes Haus, selbst wenn es in Serie gebaut wurde, ist wegen seiner örtlichen Lage und der Historie des Bewohnens ein Unikat und damit einzeln zu betrachten. Als Hausbesitzer besitzt man i.d.R. nicht das Wissen, um zu eruieren, welche konkreten Maßnahmen „was, wann, wie“ am sinnvollsten sind – es gibt einfach zu viele Materialien, Einzelmaßnahmen usw., um dieses Wissen als fachfremder Laie anzusammeln. Eine wichtige Regel lautet daher, immer einen zertifizierten Energieberater oder zumindest eine seriöse Beratung hinzu zu ziehen. Nur sie können, dank der Expertise, seriöse Handlungsvorschläge machen – und natürlich auf die Einhaltung von Gesetzen und Vorgaben hinweisen.

2. Regel: Alle finanziellen Möglichkeiten ausschöpfen

Jeder energetischen Sanierungsmaßnahme ist gemein, über den künftig reduzierten Energieverbrauch, die dauerhaften Wohnkosten reduzieren zu können. Doch vor diesem finanziellen Einsparpotential stehen immer die, teilweise hohen, Investitionskosten der Sanierung. Der Kostenrahmen einer aufwendigen Dachdämmung beispielsweise kann auch mal 20.000 bis 30.000 Euro kosten. Zumindest dann, wenn das alte Dach so marode ist, dass die Ziegel gleich mit ersetzt werden müssen.

Aber: Es gibt sowohl von privater wie staatlicher Seite genügend Maßnahmen, um die Kosten abzufedern. Es beginnt damit, dass man einen dedizierten Renovierungskredit nutzt, nicht einen zur freien Verwendung. Es erstreckt sich über die Nutzung von Vergleichsportalen, nicht einfach nur den Gang zur Hausbank, zur Findung eines Kreditpartners. Und es endet längst noch nicht bei der Inanspruchnahme der zahlreichen (halb-)staatlichen Förderungsmittel, die viele Formen der energetischen Sanierung abdecken.

3. Regel: Reihenfolge – erst passiv, dann aktiv

Beispiel: Ein Einfamilienhaus, Baujahr 1992. Würde es etwas bringen, jetzt die Zentralheizung gegen eine moderne und damit effizienteres Heizsystem auszutauschen, obwohl sie noch nicht unter die 30-Jahres-Frist der EnEV fällt?

An diesem Punkt gibt es etwas zu beachten: Diese alte Heizung war für die Ist-Dämmwerte des Hauses dimensioniert. Was also, wenn demnächst mit einer Dach- und Fassadendämmung samt neuer Fenster und Türen nachgelegt wird? In dem Fall wäre davon auszugehen, dass die neue Heizung leistungsmäßig überdimensioniert wäre; man hätte also mutmaßlich zu viel bezahlt.

Betrachtet man alle energetischen Sanierungsmaßnahmen, lassen sie sich in zwei Gruppen aufteilen:

  • Aktive Maßnahmen. Dabei geht es darum, dass eine Installation selbst weniger Energie benötigt, etwa eine effizientere Heizung, sparsamere LED-Lampen, usw.
  • Passive Maßnahmen. Hierbei wird dafür gesorgt, dass der unvermeidbare Verbrauch der aktiven Maßnahmen durch davon abgekoppelte Elemente weiter reduziert werden. Beispielsweise moderne Fenster, eine sinnvolle Dämmung, etc.

Hier das Problem: Jede aktive Maßnahme ist nur so gut wie die dahinterstehende passive Maßnahme. Eine gute energetische Sanierung sorgt deshalb immer dafür, dass die passiven Maßnahmen zuerst appliziert werden. Etwa ganz klassisch eine Dämmung der Gebäudehülle, bevor eine neue Heizungsanlage installiert wird.

Nur das sorgt dafür, dass die aktiven Maßnahmen so gering dimensioniert werden können, dass sie dem neuen Ist-Zustand des Gebäudes entsprechen, nicht dem alten. Und das ist nicht nur bei der erwähnten Heizung ein teils enormer Kostensparfaktor.

4. Regel: Niemals Stückwerk betreiben

Alle Arbeiten am Haus kosten Geld, teilweise sehr viel Geld. Nicht wenige scheuen sich deshalb, umfassend energetisch zu sanieren. Ganz besonders, wenn bei einem Altbau sowieso auch noch andere Arbeiten und Ausgaben hinzukommen – etwa der Erwerb des Hauses, eine neue Einrichtung usw.

Aus dieser Sicht ist es verständlich, dass viele die energetische Sanierung gestückelt angehen, meist nach dem Grad der Notwendigkeit. Beliebt ist beispielsweise, erst die Fenster zu tauschen, dann vielleicht die Heizungsanlage, aber erst später auch neue Heizkörper und eine Fassadendämmung zu applizieren.

Bloß: Mittelfristig ist dies Sparen am falschen Ende. Denn die energetische Stückwerk-Sanierung hat den Nachteil, dass sie ignoriert, dass sowohl ein Gebäude wie die energetischen Maßnahmen ein Gesamtsystem sind.  

Macht man beispielsweise den Fehler, zunächst hochdämmende Fenster in einer ansonsten ungedämmten Wand zu installieren, beschwört man damit je nach Bauwerk und örtlichen Details rasch Feuchte- und somit potenzielle Schimmelprobleme an der Laibung, dem Übergang zur Wand, herauf.

Es gilt hier, dass man nach Möglichkeit bei allen energetischen Sanierungsmaßnahmen immer anstreben sollte, diese im Verbund zu absolvieren. Das ist die sauberere Lösung als aus falscher Sparsamkeit Stückwerk zu betreiben.

Wichtig: Sich nur an die EnEV-Vorgaben zu halten bedeutet nicht, kein Stückwerk zu betreiben.

5. Regel: Offen sein für Neues

Im Keller des alten Hauses arbeitet eine Erdgas-Zentralheizung. Für sehr viele Besitzer wäre es da nur ein logischer Schritt, auch bei einer neuen Heizung wieder auf diesen Energieträger zu setzen. Ähnliches bei der Fassade: bei der soll der klassische Look unangetastet bleiben, also kommt nur eine Innenwand- oder vielleicht Kerndämmung (falls das alte Mauerwerk zweischalig ist) in Betracht. Derartige Denk- und Vorgehensweisen finden sich bei Immobilienbesitzern zuhauf.

Nicht dass diese Schritte falsch wären, das sind sie nicht. Aber sie sind nicht zwingend bei jedem Haus optimal. Auch das ist ein weiteres Argument für das Hinzuziehen eines zertifizierten Energieberaters: Denn wer als Hausbesitzer zu sehr an Althergebrachtem klammert und bei jeder energetischen Sanierungsmaßnahme nur darauf bedacht ist, möglichst nichts am sichtbaren Ist-Zustand des Hauses zu verändern, bringt sich mutmaßlich selbst um viel sparsamere, zukunftstauglichere und vielleicht optisch attraktivere Alternativen.

So steht beispielsweise derzeit ein mit hoher Wahrscheinlich kommendes Verbot der Neuinstallation von Ölheizung auf der bundespolitischen Agenda. Selbst wer zuvor noch eine brandneue Anlage installieren würde, würde damit eine Sackgasse beschreiten und auch den Wert seines Hauses verringern.

Hier gilt: Bei jeder einzelnen Sanierungsmaßnahme sollte man offen an die Sache herangehen und auch Lösungen ernsthaft ins Auge fassen, die den bisherigen Charakter des Hauses bzw. seiner Bewohnbarkeit tiefgreifend verändern. Das ist oft nicht nur die energetisch sauberere Lösung, sondern oftmals viel besser für den Werterhalt.

Titelbild Quelle: Pixabay.com © MariaGodfrida

Share Button

Stephan Günther

"Für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende ist eine realistische und unabhängige Informationsbereitstellung wichtig. Bei Energieheld ist dies unser tägliches Bestreben."