Zur Info: Zum 28. Juli 2022 sind die KfW-Förderprogramme 262 und 461 eingestellt worden. Anpassungen an den Einzelmaßnahmen treten zum 15. August 2022 in Kraft. Wir bemühen uns, alle Artikel schnellstmöglich zu aktualisieren. Bis dahin finden Sie hier einen ersten Überblick über alle Veränderungen.
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Ratgeber: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Bild: Balkonkraftwerk
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? | © pasja1000 / pixabay.com CC0

Mit einem Balkonkraftwerk - auch „Guerilla-Anlage“, „Stecker-Solaranlage“ oder „Mini-PV“ genannt - erzeugen Sie Ihren eigenen Solarstrom vom Balkon aus. Das günstige Photovoltaik-Modul für den Balkon liefert über einen Wechselrichter und ein Kabel die Sonnenenergie ins Hausstromnetz, wo sie direkt genutzt werden kann.

Was Sie unbedingt beachten sollten, wenn Sie ein Balkonkraftwerk kaufen möchten, wie hoch die Kosten sind und ob sich die Balkon-PV-Anlage lohnt, lesen Sie in diesem Artikel. Außerdem erklären wir, warum eine besondere Wieland-Steckdose vom Elektriker kein Muss, aber dringend zu empfehlen ist.

Inhalt


    Was ist ein Balkonkraftwerk?

    Bild: Balkonkraftwerk aufgeständert
    PV-Module für den Balkon | © Hans / pixabay.com CC0

    Ein Balkonkraftwerk ist ein Photovoltaik-Modul, das an einer Balkonbrüstung angebracht oder im Garten aufgestellt wird. Die Module haben meistens einen integrierten Wechselrichter und können mit einem gewöhnlichen Stromkabel an die Steckdose angeschlossen werden. Mit dem Balkonkraftwerk kann dann umweltfreundlicher Sonnenstrom direkt vor Ort erzeugt und genutzt werden.

    Ein einzelnes Balkon-PV-Modul hat in der Regel eine Leistung von 300 Watt, wiegt etwa 20 Kilogramm und misst rund 1,70 x 1 Meter. Selbstverständlich ist es mit dieser Leistung nicht in der Lage, das ganze Haus mit ausreichend Solarstrom zu versorgen. Balkonkraftwerke eignen sich in erster Linie sehr gut dafür, den steten Strombedarf von Geräten im Standby-Modus zu decken. Für den autarken Betrieb eines Toasters (800 bis 1.200 Watt) oder eines Haartrockners (1.400 bis 2.000 Watt) beispielsweise reicht die Leistung der Anlage alleine jedoch nicht aus.

    Es gibt darüber hinaus einige Voraussetzungen für den Betrieb eines Balkonkraftwerks. In jedem Fall muss ein besonderer Stromzähler mit Rücklaufsperre genutzt werden. Gemäß VDE-Richtlinien, einer Empfehlung des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V., soll außerdem eine spezielle Steckdose genutzt werden. Die Nutzung einer solchen Steckdose ist jedoch umstritten und nicht zwingend nötig, weil die VDE-Richtlinie kein Gesetz, sondern nur eine Empfehlung ist. Hersteller vertreiben ihre Balkon-PV-Module mit einem einfachen Schutzkontaktstecker und kommunizieren gern, dass man das Gerät damit direkt mit der haushaltsüblichen Steckdose verbinden kann (Plug-In-System).

    Rechtlich ist das möglich, geht allerdings zu Lasten der Sicherheit und es drohen im schlimmsten Fall Überlastungen des Netzes, Kabelbrände und sogar Stromschläge in Kombination mit einem fehlerhaften Wechselrichter. Außerdem könnte es beim Schuko-Betrieb versicherungsrechtliche Probleme geben, wenn tatsächlich Schäden am Haus, der Wohnung oder Nachbarwohnungen entstehen. Mehr dazu in einem der folgenden Kapitel.

    Video: Registrierung eines Balkonkraftwerks - Photovoltaik-Anlagen für den Balkon

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    Quelle: Home & Smart / youtube.com

    Unterschiede zu normalen PV-Anlagen

    Im Vergleich zu einer normalen PV-Anlage ist das Balkonkraftwerk vor allem kleiner. Das betrifft sowohl die Abmessungen als auch die Leistung. Eine normale Aufdach-Solaranlage kann gut und gerne 10.000 Wattpeak (10 kWp) Leistung erzeugen, beim Balkon-PV-Modul sind es gerade einmal 300 bis 600 Wattpeak. Die grundlegende Funktionsweise ist aber dieselbe: Der generierte Strom fließt zum Wechselrichter und wird von dort aus über ein Kabel ins Stromnetz des Hauses eingespeist.

    Besonderheit Erläuterung
    Größe Eine 10-kWp-PV-Anlage benötigt eine Dachfläche von ca. 60 - 80 m². Ein 300-Watt-Solarmodul für den Balkon misst 1 x 1,70 m, ist also 1,7 m² groß. Meist lassen sich nicht mehr als zwei davon an der Balkon-Außenfläche befestigen.
    Leistung Für ein einfaches Einfamilienhaus gelten PV-Anlagen mit 10 Kilowattpeak als gut dimensioniert - das sind 10.000 Watt. Ein einzelnes Balkonkraftwerk hat meistens eine Leistung von nur 300 Watt.
    Eigenverbrauch Beträgt bei einer normalen PV-Anlage ohne Optimierung 20 - 30 %, mit Batteriespeicher bzw. Stromspeicher bis zu 70 %. Beim deutlich leistungsschwächeren Balkonkraftwerk kann bereits ein angeschlossener Kühlschrank und einige Geräte im Standby-Betrieb für einen 100-%igen Eigenverbrauch sorgen.
    Autarkie Autark vom öffentlichen Stromnetz sind auch normale PV-Anlagen nicht, selbst wenn sie einen Batteriespeicher haben. Ein Balkonkraftwerk ist nicht einmal in der Lage, einen kurzen Stromausfall adäquat zu überbrücken.
    Einspeisevergütung Für die Einspeisung von PV-Strom können Hausbesitzer eine Einspeisevergütung bekommen. Beim Balkonkraftwerk muss darüber nicht nachgedacht werden, weil der Strom praktisch immer direkt verbraucht wird. Selbst wenn theoretisch Strom ins Netz gespeist werden würde, wäre die Menge extrem gering.
    Anschluss ans Stromnetz Bei der normalen PV-Anlage: Netzanschluss via Klemmleiste im Zählerschrank; beim Balkonkraftwerk: Via Schuko- oder Wieland-Stecker

    Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk pro Jahr?

    Der Strom-Ertrag eines Balkonkraftwerks ist von mehreren Faktoren abhängig. Im Jahresdurchschnitt ist ein Ertrag von 600 kWh bei einer 600-Watt-Anlage durchaus realistisch, wenn sie optimal ausgerichtet ist.

    Beim Ertrag spielen vor allem die Leistung der Anlage, die Ausrichtung, Tageszeit und Jahreszeit eine wichtige Rolle. In Südausrichtung an einem sonnigen Tag im Hochsommer erzeugt das Balkonkraftwerk mehr Solarstrom als beispielsweise im Winter und mit einer Ausrichtung nach Osten.

    Neue Photovoltaik-Anlage vom Profi

    Technische Vorgaben und Anmeldung

    Bild: Alter Stromzähler
    Alte Stromzähler sind nicht zulässig für Mini-PV | © geralt / pixabay.com CC0

    Ein Balkonkraftwerk darf in Deutschland eine maximale Leistung von 600 Watt haben, also zum Beispiel aus zwei 300-Watt-Modulen bestehen. Mehr sind ohne die Installation durch einen Elektriker nicht erlaubt.

    Zusätzlich wird ein Stromzähler mit Rücklaufsperre benötigt. Dabei wird das theoretische Rückwärtslaufen des Stromzählers verhindert, wenn gerade im Haus kein Strom genutzt, aber gleichzeitig welcher von der Balkon-PV-Anlage eingespeist wird. Die Frage „Wie erkenne ich meinen Stromzähler?“ lässt sich recht einfach beantworten. Haben Sie einen alten Zähler mit Drehscheibe, einen sogenannten Ferraris-Zähler, benötigen Sie für den Betrieb des Balkonkraftwerks einen neuen. Hat Ihr Zähler eine digitale Anzeige, ist zumindest eine Rücklaufsperre vorhanden und die Minimalanforderung erfüllt.

    Mit einem Zweirichtungszähler könnte der eingespeiste Strom direkt erfasst und in der Einspeisevergütung abgerechnet werden, allerdings ist dieses Thema bei der Menge des theoretisch eingespeisten Stroms vom Balkonkraftwerk praktisch nicht relevant. Ob es sich um einen einfachen Digitalzähler nur mit Rücklaufsperre oder einen digitalen Zweirichtungszähler handelt, lässt sich über die Typenbezeichnung am Zähler herausfinden. Die optische Unterscheidung ist hier nicht so einfach wie beim Ferraris-Zähler.

    Schuko- oder Wieland-Stecker verwenden?

    Außerdem gut zu wissen: Der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.) empfiehlt eine spezielle Steckdose, die von einer Elektrofachkraft installiert werden muss - eine sogenannte Wieland-Steckdose nach DIN VDE V 0100-551-1. Dabei geht es um die „Einspeisung elektrischer Energie in Endstromkreise von Kundenanlagen durch Erzeugungsanlagen mit verwendungsfertigen Steckverbindern“.

    Oft haben Kunden bei Herstellern die Wahl, ob sie zu ihrem Balkonkraftwerk ein Anschlusskabel mit Schuko- oder Wieland-Stecker kaufen möchten. Zwar könnte die Solaranlage vom Nutzer bequem in die Haushaltssteckdose gesteckt werden und würde auch Strom einspeisen können, der Norm entspricht das aber nicht. Im schlimmsten Fall kann es bei der Schuko-Variante zu einem Stromschlag kommen, wenn während der Einspeisung der Stecker gezogen wird, gleichzeitig ein Fehler im NA-Schutz des Wechselrichters vorliegt und dann die beiden Pins berührt werden.

    Bild: Energieheld-Tipps

     

    • Balkonkraftwerke dürfen mit Schuko-Steckern betrieben werden, auch wenn es nicht der VDE-Norm entspricht.
    • Ein Wechselrichter mit NA-Schutz gewährleistet ausreichende Sicherheit.
    • Weil ein Wechselrichter irgendwann kaputtgehen kann, ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass nach einigen Jahren/Jahrzehnten im NA-Schutz ein Defekt vorliegt.
    • Der Wieland-Anschluss ist nicht vorgeschrieben, aber insgesamt etwas sicherer.
    • Im Schadensfall ist es möglich, dass die Versicherung nicht zahlt, weil der Schuko-Betrieb nicht der Norm entspricht.

     

    Viele Hausbesitzer fragen sich außerdem „Muss ich ein Balkonkraftwerk anmelden?“. Die Antwort ist: Ja. Die Anmeldung des Balkonkraftwerks erfolgt beim Netzbetreiber und zusätzlich bei der Bundesnetzagentur (BNA). Diese Meldepflicht für Balkon-PV-Anlagen beinhaltet eine Eintragung ins BNA-Marktstammdatenregister. Es handelt sich nicht um eine Genehmigungspflicht. Genehmigt werden müssen Balkonkraftwerke mit bis zu 600 Watt Leistung nicht, es muss lediglich ihr Betrieb gemeldet werden.

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    Balkonkraftwerk: Vorteile und Nachteile

    Zu den größten Vorteilen des Balkonkraftwerks gehören neben der Tatsache, dass man einen Teil des Stromverbrauchs im Haus mit eigenem Solarstrom decken kann, zweifellos die günstige Anschaffung und die relativ einfache Installation, wenn man das Gerät an der herkömmlichen Steckdose betreiben möchte. So amortisiert sich eine solche Anlage dann auch recht schnell.

    Vorteile Nachteile
    Ein Teil des Stromverbrauchs wird über eigenen Solarstrom gedeckt (Kosten-Ersparnis) Spezieller Stromzähler benötigt (verursacht Kosten)
    Günstige Investition, dadurch relativ schnelle Amortisation Versicherungsrechtlich und technisch ggf. nicht 100 % sicher bei Anschluss über Haushaltssteckdose (alternativ fallen Kosten für VDE-konforme Wieland-Stecker an)
    Verringerung des eigenen CO2-Fußabdrucks und Beitrag zur Energiewende Geringe Leistung, kann keine Autarkie bei Stromausfall gewährleisten

    Zu den Nachteilen gehört, dass ein spezieller Stromzähler benötigt wird. Wenn Sie noch keinen Stromzähler mit Rücklaufsperre haben, sondern einen alten Ferraris-Zähler mit Drehscheibe, werden dafür Austauschkosten gegenüber dem Netzbetreiber fällig, was die Investition wiederum erhöht und den Amortisationszeitraum verlängert. Beim Betrieb an der normalen Steckdose ist die Sicherheit nicht zu 100 Prozent gewährleistet - wer sich für den sichereren Wieland-Anschluss entscheidet, hat Kosten durch den Elektriker und das Material.

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    Anbieter und Kosten für Balkonkraftwerke

    Wer ein Balkonkraftwerk kaufen möchte, kann mit Kosten zwischen 350 und 700 Euro rechnen. Die Pakete beinhalten immer das Solarmodul und den Wechselrichter sowie optional Befestigungsmaterial für den Balkon und Anschlusskabel nach Wahl (Schuko- oder Wieland-Verbindung). Wir haben nachfolgend eine Auswahl einiger Balkon-PV-Anlagen inkl. Preise zusammengetragen.

    Hersteller Balkonkraftwerk Leistung Lieferumfang Kosten
    AXSOL Arvey E-Fill Home 300 300 W Modul inkl. Inverter; Anschlusskabel optional (Schuko oder Wieland) 384 € (ausverkauft)
    KlimaWorld Balkon Solar Mono Single-Set 300 Watt 300 W Modul inkl. Wechselrichter, Einspeisesteckdose, Wieland-Steckverbinder u. a. n / a (z. Zt. nicht lieferbar)
    Laudeley SolarTechnik aleo X83 333 Premium 325 - 333 W Modul inkl. Wechselrichter und Anschlusskabel (Schuko) 215 € (z. Zt. nicht lieferbar)
    Priwatt PriBalcony 45° 360 W Modul inkl. Wechselrichter, Modulhalterung; Anschlusskabel optional (Schuko oder Wieland) 630 €
    Infinitum Solar Pac 290 Balkon Envertech EVT300 300 W Modul inkl. Wechselrichter und Balkon-Montageset; Anschlusskabel optional (Schuko oder Wieland) 600 €
    Yuma Yuma Balcony ECo 285 285 W Modul inkl. Wechselrichter und Balkon-Halterung; Anschlusskabel optional (Schuko oder Wieland) 539 € (ausverkauft)

    (Datenquellen: Websites der Anbieter, abgerufen im September 2021, Kosten inkl. MwSt)

    In jedem Fall muss wie bereits mehrfach erwähnt ein bestimmter Stromzähler installiert sein. Sofern er noch nicht vorhanden ist, wird er vom Netzbetreiber bei Ihnen vor Ort eingebaut. Die Kosten dafür variieren stark, liegen aber meist bei einmalig 25 bis 75 Euro.

    Wer (optional, aber empfehlenswert) von einem Elektriker eine Wieland-Steckdose installieren lässt, benötigt ein entsprechendes Anschlusskabel zum Verbinden der Balkon-PV-Anlage mit der Wieland-Dose. Zwar gibt es auch Adapter, um den Schuko-Stecker des Balkonkraftwerks darüber mit der Spezial-Steckdose zu verbinden, aus Sicherheitsgründen ist dies aber nicht empfehlenswert.

    Balkonkraftwerk-Zubehör Kosten
    Neuer Stromzähler ca. 25 - 75 €
    Wieland-Steckdose inkl. Installation ca. 250 - 275 €
    Wieland-Anschlusskabel (5 m) ca. 25 €

    Förderungen und Zuschüsse vom Staat

    Eine bundesweite Förderung fürs Balkonkraftwerk gibt es Stand Anfang 2022 nicht. Unter Umständen gibt es regionale oder städtische Förderungen für Balkon-PV-Anlagen, wenn die Anlage nach VDE-Richtlinien installiert wird. Die Stadt Freiburg im Breisgau etwa zahlt einen „pauschalen Zuschuss von 200 € für die Anschlusskosten mit einem Wieland-Stecker”. Ein Energieberater vor Ort kann Ihnen helfen, verfügbare Förderungen zu finden und kennt sich in der Förderlandschaft gut aus.

    Es lässt sich auch - wie für jede Art von PV-Anlage - die EEG-Einspeisevergütung für ins Netz gelieferten und nicht selbst verbrauchten Strom in Anspruch nehmen. Wenn das Balkonkraftwerk z. B. jährlich 500 Kilowattstunden erzeugt und davon 150 Kilowattstunden ins Netz eingespeist werden, bekommen Sie eine Einspeisevergütung von derzeit etwa 10,10 Euro. Weil die Vergütung auf 20 Jahre festgeschrieben ist, können so 200 Euro erwirtschaftet werden.

    Allerdings sinkt die Einspeisevergütung seit Jahren stetig. Waren es Anfang 2019 noch gut 11 Cent pro kWh, sind es derzeit nur noch rund 6,7 Cent. Ein schneller Einstieg lohnt sich also, wenn die Einspeisevergütung ein Thema für Sie ist und Sie wissen, dass die Geräte im Haushalt den Solarstrom nicht direkt verbrauchen, sondern Sie darüber hinaus eine nennenswerte Menge an Strom einspeisen können.

    Um die EEG-Einspeisevergütung in Anspruch nehmen zu können, muss die PV-Anlage beim Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Da dies ohnehin vorgeschrieben ist, also auch ohne die EEG-Einspeisevergütung in Anspruch nehmen zu wollen, braucht es keine gesonderte Anmeldung mehr. Die Vergütung für den eingespeisten Strom wird vom Netzbetreiber verrechnet.

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    Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich das?

    Ein Balkonkraftwerk lohnt sich meist schon nach etwa 5 Jahren. Dann hat sich die durchschnittliche Anfangs-Investition von 1.000 Euro (600-W-Anlage) nämlich amortisiert.

    Nach 25 Jahren hat man mit dem Balkonkraftwerk im direkten Vergleich bereits mehr als 4.900 Euro Stromkosten eingespart. Die folgende Tabelle zeigt die Kosten mit und ohne Balkonkraftwerk über einen solchen Zeitraum.

    SzenarioJahr 1Jahr 5Jahr 10Jahr 15Jahr 20Jahr 25
    Ohne Solaranlage1.596 €8.476 €18.302 €29.693 €42.898 €58.206 €
    Mit Balkonkraftwerk2.418 €8.539 €17.311 €27.518 €39.391 €53.237 €

    Annahmen: Strombedarf 4.500 kWh p. a., Kosten Balkonkraftwerk: einmalig 1.000 Euro im ersten Jahr, Ertrag: 600 kWh p. a., Eigenverbrauch 80 Prozent, Stromverkauf 20 Prozent.


    Keine Autarkie mit Balkonkraftwerken

    Mit einem Balkonkraftwerk lässt sich keine Autarkie, also völlige Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz erreichen. Bei einer Ausgangsleistung von maximal 600 Watt - und das auch nur bei Tag und strahlendem Sonnenschein - lassen sich praktisch nur Standby-Geräte und der Kühlschrank versorgen und das Handy laden.

    Als unabhängige Stromversorgung (USV) lässt sich ein Balkonkraftwerk auch während eines kurzzeitigen Stromausfalls nicht verwenden. Der Grund: Beim Ausfall des öffentlichen Netzes stellt der Wechselrichter der Balkon-Solaranlage die Einspeisung ein.

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    Erfahrungen aus dem Internet

    Praktische Erfahrungen mit Balkonkraftwerken sind noch rar gesät. In Internet-Foren wird im Großteil der Fälle nach solchen Erfahrungen gefragt. Differenzierte Erfahrungsberichte, die von Privatpersonen verfasst wurden, sind schwer zu finden.

    „In 10 Tagen 29 kWh bekommen”

    Positive Stimmen gibt es dennoch einige. Ganz allgemein: „Bei mir läuft seit 10 Tagen eine Kleinanlage mit 2 x275 WP Modulen und einem EVT560 Wechselrichter. Habe bis heute über einen 20€ Wattmeter gemessen (angeblich) 20KWh für meinen Eigenbedarf geliefert bekommen. Habe die Module noch provisorisch auf der Terrasse aufgestellt und werde sie aufs Dach setzen lassen und freue mich einfach.“

    Zur Leistung (hier einer 600-Watt-Anlage): „Wenn die Sonne drauf knallt liefern mir die 2 Module gute knapp 600W, bei relativ stark bewölkten Himmel 50-100W“.

    „Gab einen String mit defektem MC-4-Stecker”

    Negative Stimmen beziehen sich meist auf das Drumherum, nicht so sehr auf die Anlage als solches. Zum neuen Stromzähler: „Mein Versorgungsnetzbetreiber hätte für die Anmeldung eines Balkonkraftwerkes, das er "steckerfertige Erzeugungsanlage" nennt, gerne 85 €, egal welcher Zähler bereits vorhanden ist.”

    Zu einem Solarmodul mit zu wenig Leistung: „Tatsächlich gab es einen String mit einem defekten MC-4 Stecker. Da fehlten mir im letzten Jahr tatsächlich immerhin 60 Watt.“

    Im Falle eines Defekts nach mehreren Jahren Betrieb: „ich hab vor einigen Monaten mit einen Kunden gesprochen, welcher seine PV-Anlage vor ca. 7-8 Jahre aufgestellt hat. Dieser machte sehr gute Erfahrungen, bekommt jedoch keine Ersatzmodule mehr und muss sich um andere umsehen. Selbiges bei einem Wechselrichter, da gibt es dieses Modell auch nicht mehr.“

    Zur Produktherkunft im allgemeinen: „Es gibt weder deutsche Module noch deutsche Mikrowechselrichter. Maximal werden Fernost Zellen in Deutschland zu Modulen zusammengeklebt.“

    Zum Thema integrierter Wechselrichter: „Das Ding mit dem integrierten WR klingt vielversprechend. Allerdings scheint mir bei PV der WR immer das anfälligste Teil zu sein. Daher kann ein derartiges "Paket" nur empfohlen werden, wenn der WR leicht getauscht werden kann.“

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    Weitere Fragen

    Bild: Balkonkraftwerk
    Fragen und Antworten zum Balkonkraftwerk | © Peggy_Marco / pixabay.com CC0

    Insbesondere wegen der Anschluss-Thematik, der VDE-Normen, die keine Gesetze sind, und der elektrischen Sicherheit gibt es immer wieder Unsicherheiten bei Hausbesitzern. Das wirft viele Fragen auf.

    Darunter beispielsweise: Wie gefährlich ist ein Balkonkraftwerk an der normalen Steckdose? Was passiert, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht wird? Was muss bei der EEG-Einspeisevergütung beachtet werden? Antworten auf diese Fragen zum Balkonkraftwerk finden Sie hier.

    Ist das gefährlich?

    Ist ein Balkonkraftwerk gefährlich? Die Frage lässt sich prinzipiell mit Nein beantworten. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass das Modul stabil, wind- und wetterfest am Balkon angebracht wird. Auch der Betrieb an der Haushaltssteckdose ist nicht übermäßig gefährlich. Er ist jedoch vergleichsweise gefährlicher als bei einer Installation nach VDE-Richtlinien, wenn an irgendeiner Stelle im System ein Fehler auftritt.

    Was passiert mit überschüssigem Strom?

    Vom Balkonkraftwerk erzeugter Strom, der nicht direkt verbraucht wird, wird ins öffentliche Netz gespeist. Damit alte Stromzähler (Ferraris-Zähler) nicht rückwärts drehen und die Menge für die EEG-Einspeisevergütung genau abgerechnet werden kann, braucht es einen digitalen Zweirichtungszähler.

    Eine Anmeldepflicht für die EEG-Einspeisevergütung gibt es nicht direkt. Wie jede PV-Anlage muss auch das Balkonkraftwerk ohnehin beim Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Pro eingespeister Kilowattstunde Solarstrom gibt es derzeit gut 7 Cent vom Netzbetreiber vergütet.