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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zum Wärmedämmverbundsystem (WDVS)

Bild: Fassadendämmung mit WDVS
Fassadendämmung rentiert sich | © marcin049 / pixabay.com CC0

Ein Wärmedämmverbundsystem (kurz: WDVS) stellt eine häufig genutzte Variante der Fassadendämmung (von außen) dar. Diese Art Dämmung kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Fassade ohnehin verputzt oder verkleidet werden soll und daher optisch kein Unterschied zu erkennen wäre.

Besonders geeignet sind WDVS für Gebäude mit einschaligen Außenwänden und Wände mit Vormauerschale. Für Denkmalgeschützte Fassaden, Fachwerkfassaden oder mit Ornamentik versehene Fassaden kommen sie dagegen nicht infrage. Hier bieten sich eher Einblasdämmung oder Innendämmung als Alternativen an.

Energieheld-Whiteboard zur Fassadendämmung

In diesem Energieheld-Whiteboard informieren wir über die 3 gängigen Arten, die Kosten und die Förderungen der Fassadendämmung. Wir beziehen uns hierbei auf durchschnittliche Werte für ein bereits bestehendes Ein- bzw. Mehrfamilienhaus. Alle Zahlen und Kosten sind als ungefähre Näherungswerte zu verstehen.

Achtung: Die Angaben zu Förderungen beziehen sich in den Energieheld-Whiteboards immer auf den aktuellen Stand bei Videoveröffentlichung und haben sich zuletzt im Januar 2021 geändert. Alle Veränderungen im Überblick finden Sie hier.

Quelle: © Energieheld / youtube.com

Aufbau und Funktionsweise von WDVS

Bild: WDVS Querschnitt
WDVS-Aufbau im Querschnitt | © diepre / fotolia.com

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) besteht aus mehreren Komponenten und kann sowohl für die energetische Sanierung von Altbauten als auch im Neubau eingesetzt werden.

Alle Bestandteile sind perfekt aufeinander abgestimmt, und trotzdem ist der Aufbau von WDVS recht simpel: Die Dämmplatten werden je nach lokalen Gegebenheiten direkt auf dem Putz angebracht, mit Dübeln oder mit Schienen befestigt.

Darauf folgt eine zwischen 1,5 mm und 5,0 mm dicke Schicht Armierungsmörtel, in den ein Glasfasergewebe eingearbeitet wird. Dieses verhindert, dass aufgrund des langsameren Abkühlens des Verputzes im Vergleich zum Untergrund Risse entstehen, indem es die Spannung flächig verteilt. Zuletzt wird Außenputz aufgetragen. Wichtig ist dabei, dass keine Wärmebrücken entstehen, da andernfalls die Gefahr von Schimmelbildung besteht. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei deshalb auf die Detailanschlüsse wie z. B. Fensterbänke oder Abwasserrinnen gelegt werden.

Die Montage durch einen Fachmann ist daher sehr zu empfehlen. In Deutschland unterliegt das Wärmedämmverbundsystem der bauaufsichtlichen Zulassungspflicht. Das heißt, es wird ein Nachweis über die Verwendbarkeit der Materialien durch die AbZ, sowie die Gewährleistung der Verbesserung der Energieeffizienz nach bauphysikalischen Anforderungen des Gebäudes (Maximaler Wärmedurchgangskoeffizient für eine Außenwand: U=0,24 W/(m²K))gefordert.

Die AbZ ist die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung und wird vom Deutschen Institut für Bautechnik vergeben. Schon deshalb sollte dieses Verfahren unbedingt ausschließlich von qualifizierten Handwerkern durchgeführt werden. Für ein WDVS eignen sich prinzipiell viele Dämmstoffe, wobei Polystyrol-Platten jedoch die gängigste Variante darstellen.

Bei diesem Bauteil kommt es vor allem auf die Wärmeleitfähigkeit an. Je geringer diese ausfällt, desto besser isoliert der Stoff. In Deutschland werden darüber hinaus nur Baustoffe mit ausreichendem Brandschutz zugelassen. Weitere Informationen zum Aufbau von Wärmedämmverbundsystemen können Sie in der nachfolgenden Tabelle finden:

Material Wärmeleitfähigkeitsstufe
in W/(m²K)
Brandschutzklasse
Polystyrol-Platten 032 - 040 B1 schwer entflammbar
Mineralfaserplatten 035 - 040 A1 nicht brennbar
Schaumglasplatten 030 - 045 A1 nicht brennbar
Phenol Hartschaumplatten 022 - 025 B1 schwer entflammbar
Polyurethanplatten 023 - 030 B1 schwer entflammbar
Holzfaserdämmplatten 045 B1 schwer entflammbar

Brandschutz bei einem Wärmedämmverbundsystem

Ein handelsübliches WDVS gilt in Deutschland als „schwer entflammbar“. Das wird sogar von unabhängigen Instituten bestätigt. Dass dies nicht die höchste aller Brandschutzklassen ist, hat im Endeffekt keinerlei Auswirkung auf Sicherheit der Hausbewohner. In Deutschland sind jährlich nur 0,1 Prozent aller Gebäudebrände auf einen Fassadenbrand zurückzuführen und dabei kann nicht einmal sicher gesagt werden, ob die Ursache auf eine Dämmung zurückzuführen ist.

In den allermeisten Fällen bricht ein Feuer im Inneren des Hauses aus und greift so weit um sich, dass es kaum von Bedeutung ist, welche Brandschutzklasse das Wärmedämmverbundsystem vorweisen kann. So ziemlich jedes Teil einer jeden Inneneinrichtung brennt erheblich schneller und besser als eine Fassadendämmung mit WDVS. Weitere Informationen zum Brandschutz bei einem Wärmedämmverbundsystem finden Sie in der folgenden Grafik.

Bild: Brandursachen in Deutschland
Die fünf häufigsten Brandursachen in Deutschland | © Energieheld

Vorteile und Nachteile bei WDVS

Auch wenn ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) nicht nur Vorteile besitzt, so überwiegen diese doch deutlich gegenüber den Nachteilen. Insbesondere die großen Ersparnisse bei den Heizkosten und die Werterhaltung bzw. -steigerung des Gebäudes sind als Vorteile zu nennen. Eine Gegenüberstellung der wichtigsten Vorteile und Nachteile von Wärmedämmverbundsystemen finden Sie in der unten stehenden Tabelle.

Vorteile von WDVS Nachteile von WDVS
Bis zu 30 % niedrigere Heizkosten Aufwändige Montage
CO2-Emissonen werden gesenkt Hohe Investitionskosten
Immobilie gewinnt an Wert Kann (und sollte) nicht an jeder Fassade angebracht werden
Schimmelbildung wird verhindert Kleine Montage-Fehler haben große Folgen

Preise für ein Wärmedämmverbundsystem

Bild: WDVS Montage
WDVS-Montage | © Hans / pixabay.com CC0

Viele Faktoren beeinflussen die Preise von WDVS, wie etwa die Wahl des Dämmstoffes und des Herstellers, der Aufwand durch Vorarbeiten und der gewählte Zeitpunkt der Montage. Im Durchschnitt kostet ein Wärmedämmsystem etwa 120 Euro pro Quadratmeter, wenn 15 cm starke Polystyrol-Platten verwendet werden.

Diesen Durchschnittswert errechnete die dena (Deutsche Energie-Agentur) in einer Studie aus dem Jahr 2010, in der sie etwa 230 Sanierungsprojekte auswertete. Enthalten sind außerdem die Kosten für das Gerüst und die Vorarbeiten. In der folgenden Tabelle finden Sie die üblichen Preise für WDVS.

Anfallende Arbeiten Kosten pro  Kosten für ein Mehrfamilienhaus
Fassadensanierung ohne Dämmung (Putz erneuern) 50 € ca. 28.000 €
Fassadensanierung mit WDVS
(Komplettpaket inklusive Installation)
90 - 150 € ca. 50.000 €

Förderung für WDVS

Für ein WDVS können Sie über die „Bundesförderung für effiziente Gebäude” (BEG EM) vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen Zuschuss von 20 Prozent bekommen. Wenn das WDVS zuvor in einem Individuellen Sanierungsfahrplan (ISFP) berücksichtigt worden ist, sind es nochmal 5 Prozent mehr.

Wahlweise stehen weitere Programme bereit, z. B. der zinsgünstige KfW-Förderkredit 152 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bei einem Tilgungszuschuss von 20 Prozent des Darlehens können Sie - gemessen an der Höchstgrenze von 50.000 Euro - bis zu 10.000 Euro Förderung für das WDVS vom Staat erhalten. Für ein WDVS im Neubau gibt es ebenfalls einen Förderkredit (KfW 153). Die Möglichkeiten in der Übersicht:

Programm Maßnahme WDVS-Förderung
BAFA BEG EM (Zuschuss) Sanierung (Einzelmaßnahme) 20 % der förderfähigen Ausgaben (zwischen min. 2.000 € und max. 60.000 € - also bis zu 12.000 €)

+ 5 % Bonus mit Individuellem Sanierungsfahrplan (bis zu 3.000 € zusätzlich)
KfW 152 (Kredit) Sanierung (Einzelmaßnahme) Tilgungszuschuss von 20 % des Kreditbetrags (max. 50.000 €), max. 10.000 € pro Wohneinheit
KfW 153 (Kredit) Neubau Tilgungszuschuss zwischen 15 und 25 % des Darlehensbetrags (max. 120.000 €), also bis zu 30.000 € pro Wohneinheit

Der offizielle KfW-Fahrplan zur energieeffizienten Immobilie

Dieser 5-Schritte-Fahrplan der KfW unterstützt Sie bei der optimalen Durchführung Ihrer Fördermittelbeantragung.

Wann lohnt sich ein Wärmedämmverbundsystem?

Bild: Fassadendämmung Spartipps
Spartipps | © Energieheld

Ein Wärmedämmverbundsystem ist nicht für jede Immobilie geeignet, und anders lautende Aussagen sollten Sie unbedingt kritisch beurteilen.

Hauptsächlich werden große Fassaden von Mehrfamilienhäusern mit WDVS versehen, da hier die oberste Schicht ohnehin aus Putz besteht und es deshalb für die Optik keinen Unterschied macht, ob sich darunter eine Dämmung befindet.

Anders sieht es bei denkmalgeschützten historischen Fassaden oder Fachwerkhäusern aus: Hier wird Ihnen kein vertrauenswürdiger Experte raten, ein Wärmedämmverbundsystem anzubringen. In solchen Fällen kann auf eine Einblasdämmung oder eine Innendämmung oder eben auch keine Dämmung zurückgegriffen werden - es gibt noch genügend andere Bereiche im Haus, bei denen Energie gespart werden kann.

Allgemein wird empfohlen, möglichst große und zusammenhängende Flächen mit WDVS zu versehen, da so die Gesamtkosten sinken. Besonders lohnt sich das Ganze, wenn die Fassade ohnehin erneuert werden soll. Laut dem Institut für Umwelt und Wohnen Darmstadt belaufen sich hierbei die Mehrkosten durch eine Fassadendämmung nur auf rund 50 bis 70 Euro pro Quadratmeter.

Amortisation der Fassadendämmung mit WDVS

Die Lebensdauer einer Außenfassade mit WDVS beträgt mindestens 40 Jahre. Zur Instandsetzung des WDVS muss einfach die Wand neu verputzt werden. Dazu kommt, dass sich die jährlichen Heizkosten mit einer solchen Dämmung um bis zu 30 Prozent senken lassen, sodass die Kosten für die WDVS-Dämmung bereits nach etwa der Hälfte der Lebenszeit eingespart werden.

Selbst wenn von einer durchschnittlichen Energieeinsparung von nur 20 Prozent ausgegangen wird - das entspricht eher der Praxis -, kann eine Investition in die Fassadendämmung wirtschaftlich sinnvoll sein. Hinzu kommt noch der Vorteil der Verringerung der CO2-Emission, also der ökologische Faktor.

Bild: Amortisation Fassadendämmung
Wann amortisiert sich eine Fassadendämmung? Wirtschaftlichkeit WDVS im Vergleich | © Energieheld

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