Wann ist eine Photovoltaik-Wartung nötig und wie lang ist die Lebensdauer der Anlage?

+1 Punkt
Gefragt 7, Jul 2017 in Photovoltaik von Hector (400 Punkte)
Tach,

ich spiele mit dem Gedanken mir eine PV-Anlage anzuschaffen.

In welchen Abständen ist denn eine Wartung nötig?

Und gibt es generell Angaben zur allgemeinen Lebensdauer?

Danke euch.

Grüße

Hector

1 Antwort

0 Punkte
Beantwortet 5, Apr 2018 von Andi80 (190 Punkte)
Hi, schon etwas her, aber vielleicht ist die Frage noch offen.

Anbei teile ich meine direkten Erfahrungen mit den drei Anlagen innerhalb der direkten Familie. Im weiteren Bekannten/Verwandtenkreis gibt es noch einige mehr, die im folgenden genannten Anlagen bilden aber einen recht guten Schnitt:

1. Anlage BJ 2001, Module von BP-Solar , SMA Sunnyboy Wechselrichter (DE), Volleinspeisung, Nahezu ideale Ausrichtung (Süden bei 35° Dachschräge) für Volleinspeisung

Man merkt dem System deutlich an, dass es nahe den Anfängen der Photovoltaik installiert wurde. Sie verfügt noch über folgende Unzulänglichkeiten: Die Haltbarkeit der Module war noch nicht sonderlich gut. Nach etwa acht Jahren wurden einige Module getauscht. Dank der damals noch üblichen 20 Jahre Leistungsgarantie aber kein Problem. Bei den Wechselrichtern hatten wir 2-3 Mal das Problem, dass im Gehäuse eine kleine Schmelzsicherung geflogen ist. Tausch der Sicherung war 3 Minuten Gehäusedeckel entfernen und eine neue Sicherung einsetzen (<1€). Dank des Vorfalls haben wir damals erfahren, dass falls bei SMA ein Wechelrichtertausch außerhalb der Garantie erforderlich gewesen wäre, würde man gegen eine Service-Gebühr von 300€ den Wechselrichter gegen ein repariertes Gerät tauschen. Falls die Reparatur des Alt-Geräts <300€ läge würde das erstattet, mehr kostet es aber nicht. Weiterhin reagiert die Anlage nicht besonders auf Teilbeschattung (noch keine Bypass-Dioden)

Für Ertragsausfälle bis zum Entdecken und beheben des Fehlers kam weitgehend eine abgeschlossene Versicherung auf. Die Anlage befindet sich aufgrund der damals noch relativ hohen Vergütung sehr satt im Plus

 2. Anlage BJ 2009, Module von Suntech (China), Wechselrichter SMA Sunnyboy (Trafolos), ca. 20% Eigenverbrauch des erzeugten Stroms (30% des im Haus verbrauchten)

Module mit Leistungsgarantie 80% auf 20 Jahre

Entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen erweist sich eine 35° Süd-Ost-Ausrichtung bei 45° Dachneigung keineswegs als Nachteil. Der spezifische Ertrag liegt über 10% Höher als die 2001er Anlage in ihren besten Jahren. Vorteil der 45° Dachneigung ist ein relativ schnelles, automatisches Abräumen, falls Schnee auf der Anlage liegt.

Die Anlage läuft wie eine eins. Wartung: Bisher keine, keine Probleme, Nahezu keine alterungsbedingte Leistungseinbußen spürbar.

3. Anlage BJ 2016, Module von Aleo (DE) , Wechselrichter mit Batteriespeicher von E3DC (DE), ca. 50% Eigenverbrauch (80% des im Haus verbrauchten, die 2009er Anlage speist seit dem fast nur noch ein)

Module mit Leistungsgarantie 80% auf 25 Jahre, 10 Jahre Systemgarantie auf Wechselrichter und Batterie (egal was das Problem ist)

Bisher keine Wartung erforderlich. Der Wechselrichter/Speicher bekommt gefühlt ca. einmal im Jahr ein Softwareupdate, was völlig automatisch über's Internet erfolgt. Der Hersteller kann sich bei Problemen auf die Anlage aufschalten und erkennt dort i.d.R. den Fehler.

Beispiel für einen Fehler, den ich bei den alten Anlagen gar nicht bemerkt hätte: Die App zeigt Netzbezug an, obwohl die Sonne scheint und Strom in der Batterie ist. Bei der Hotline angerufen. Problem war, dass der Netzversorger ohne die sonst übliche Ankündigung das Netz auf eine erhöhte Netzfrequenz umgestellt hatte, um alle Fremderzeuger definiert abzuwerfen (Vermutlich Wartungsarbeiten am Netz). Somit habe ich mein Haus für den Rest des Tages auf Inselbetrieb gestellt, sodass sowohl Photovoltaikstrom im Haus genutzt werden als auch die Batterie geladen werden konnte und irgendwann in der Nacht wieder das Netz zugeschalten.

Fazit: Wenn man nicht grad die billigste Technik wählt (Es gibt durchaus auch gute Chinesische Module) bekommt man i.d.R. zuverlässige und ausgereifte Technik. Die mehrfach genannte Leistungsgarantie ist aber heute nicht mehr selbstverständlich. Module mit 20-25 Jahren Leistungsgarantie sind aber durchaus noch zu bekommen.  Das Finanzamt setzt die Lebensdauer einer Anlage grundsätzlich auf 20 Jahre an. Danach sind die Module aber ja nicht kaputt. 30 Jahre und mehr sind aber mittlerweile im Rahmen des möglichen, aber im Endeffekt wird es die Zeit zeigen.

Generell tun sich die Hersteller einen Gefallen damit, ihre Geräte/Anlagen für den Hausgebrauch Wartungsfrei zu gestalten. Das ist z.B. auch der Grund, warum sich bei den Heimspeicher die Lithium Batterien gegenüber den Bleibatterien klar durchgesetzt haben.

Im Idealfall stellt man das Zeug aufs Dach bzw. den Speicher in den Keller und schaut ihn nie wieder (unfreiwillig) an.

Gruß

Andi

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