Was zuerst: Hausdämmung oder Fensteraustausch?

+1 Punkt
Gefragt 4, Mär 2017 in Dämmung von ANR (250 Punkte)
Hallo

da bisher nur unsere Dachgeschossdecke gedämmt ist, frage ich mich was in welcher Reihenfolge gemacht werden sollte. Da eine Hausdämmung inkl. Fensteraustausch (also Scheiben und Rahmen) zu teuer ist, würde ich das aufteilen.

Wenn nun zunächst das Haus von außen gedämmt würde, dann komme ja ca 15 cm hinzu. Was ist mit Fenstern und Fensterbänken? Müssen diese auch versetzt werden oder reicht es, wenn die Fensterbänke neu gesetzt würden oder kann man die erstmal so lassen? Muss man evtl auch oben an das Dach ran, je nachdem, wieviel Überstand es bisher dort hat (denke da an die beiden Seiten rechts u links vom Haus)?

Wenn man später alle Fenster austauscht - gleich dreifach-Verglasung nehmen?

Wie ist es mit Förderungen? Welche Programme gibt es?

Vielen Dank!

1 Antwort

+2 Punkte
Beantwortet 7, Mär 2017 von Andreas Skrypietz (2,680 Punkte)
ausgewählt 10, Mär 2017 von Basti
 
Beste Antwort

Moin,

grundsätzlich spricht nichts gegen ein schrittweises Vorgehen bei der Sanierung eines Hauses. Allerdings ist eine gute Planung hierfür zwingend erforderlich.

Zunächst die Frage nach den Fördermitteln: Die KfW bietet im Programm "Energieeffizient Sanieren" unter den Programmpunkten 151, 152, 430 und 431 verschiedene Möglichkeiten der Förderung von Einzelmaßnahmen. Details dazu finden Sie hier: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/F%C3%B6rderprodukte/F%C3%B6rderprodukte-f%C3%BCr-Bestandsimmobilien.html

Um die Förderangebote der KfW in Anspruch nehmen zu können, benötigen Sie einen Energieberater. Dieser muss für die Beratung und Begleitung der KfW-Förderprogramme qualifiziert und zugelassen sein. Zugelassene Experten in Ihrer Region finden Sie hier: http://www.energie-effizienz-experten.de

Die Einbindung eines beratenden Experten ist aber auch noch aus anderen Gründen zu empfehlen. Ob man zuerst die Fenster austauscht oder zuerst die Außendämmung anbringt, hängt unter anderem auch davon ab, wie die Fenster aktuell eingebaut sind. Haben die Fenster einen gemauerten Anschlag - ein kleiner Mauerwerksvorsprung an den das Fenster von innen gegengestellt wird - und soll dieser Anschlag erhalten bleiben, hängt die Reihenfolge von Ihren aktuellen finanziellen Möglichkeiten ab. Sollen die neuen Fenster hingegen an die Schnittstelle von aktueller Außenwand und neuer Dämmung gesetzt werden, macht es aus meiner Erfahrung mehr Sinn zunächst die Außendämmung durchzuführen, Der Einbau neuer Fensterbänke kann dann schon erfolgen, man muss nur eine Übergangslösung für den Bereich zwischen der neuen Dämmung und den alten Fenstern finden, die dann beim Einsetzen der neuen Fenster entfernt wird.

Aber diese Fragen können viel besser vor Ort, wenn man die Details des Gebäudes kennt, geklärt werden. Dies gilt auch für den Dachüberstand des Hauses. Je nach Dicke der Dämmung muss dieser eventuell vergrößert werden, was wiederum das ganze Vorhaben verteuert. Aber auch hierzu gibt es eine Alternative, die die Einbeziehung eines Experten erfordert. Die Dicke der Außendämmung hängt neben der Materialauswahl auch davon ab, wie man bei der Berechnung der erforderlichen Dämmstärke mit den Wärmebrücken des Gebäudes umgeht. Wärmebrücken sind Teile der Gebäudehülle an denen die Wärme leichter von innen nach außen gelangen kann, zum Beispiel am Übergang vom Fensterrahmen zur Wand oder von der Außenwand zum Dach. Die Energieeinsparverordnung kennt zwei Varianten der rechnerischen Behandlung dieser Wärmebrücken, die für Bestandsgebäude interessant sind. Die eine Möglichkeit besteht darin, den Dämmwert der ungedämmten Wert um 10% zu verschlechtern, was in der Regel zu relativ großen Dämmstärken führt. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass ein euntsprechend qualifizierter Experte die Wärmebrücken berechnet und dieser Wert dann in die Bestimmung der Dämmfähigkeit der bestehende nicht gedämmten Wand miteingeht. Sehr oft hat dieses Vorgehen dünnere Dämmschichten zur Folgen, unter anderem mit dem Vorteil, dass der Dachüberstand des Haus nicht verändert werden muss. Nachteil: Der Experte kostet Geld! Im Programm "Energieeffizient Sanieren" könenn Sie unter Programmpunkt 431 auch einen Zuschuss für diese Art der Expertenbegleitung erhalten.

Mein Rat: Suchen Sie sich einen Experten, der Erfahrung mit dieser Sanierungen hat. Optimalerweise ist dieser Experte Energieberater/Energieberaterin und Archtekt/Architektin in einer Person. Einen Experten für die Berechnung der Wärmebrücken müssen Sie eventuell dann noch hinzuziehen. Diese anspruchsvolle Sanierung, für die Sie viel Geld in die Hand nehmen wollen, sollten Sie auf jeden Fall von qualifizierten Fachbetrieben durchführen lassen.

Gute Nerven und viel Erfolg bei der Sanierung!

Andreas Skrypietz

Kommentiert 7, Mär 2017 von Infrarotberater (140 Punkte)
Für mich ist das als Hausbesitzer gar keine Frage: Da die Fenster zum einen den schlechteren U-Wert (als die Wände) haben und zum anderen bauliche Maßnahmen beim Austausch erfordern (Rahmen erneuern, Rolladenkästen beseitigen, elektrische Außenrollos ...?) würden diese zuerst getauscht werden. Damit wäre eine der Haupt-Kältebrücken beseitigt. Dann mal abwarten, wie sich das auf die Raumtemperatur auswirkt und ob überhaupt noch eine Aussendämmung erforderlich scheint.
Kommentiert 7, Mär 2017 von ANR (250 Punkte)
Wow, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ein Energieberater wäre dann sicherlich eine Hilfe. Kann man soweit ich weiß auch über die Verbraucherzentrale bekommen, aber wahrscheinlich nicht ganz so um fangreich, wie ein "richtiger".
Kommentiert 15, Mär 2017 von GESBB (1,160 Punkte)
Fenster stellen stets eine "Sollbruchstelle" hinsichtlich Kondensation dar. Auch nach einer gesamten energetischen Sanierung der thermischen Außenhülle, andernfalls hat Jemand etwas falsch gemacht.
I.d.R. sind die Fenster mit < 30% an der Außenhülle beteilgt. Nun kann man, sofern die jeweiligen U-Werte von Fenstern und übrigen Außenbauteilen bekannt sind, einfach mal rechen.
Allerdings erst zusätzliche Dämmung der Außenwände und dann Fenstertausch macht sich im Bauablauf denkbar schlecht.
Sinnvoll sicherlich, Beides in einem Zug zu erledigen.
Man kann durchaus auch abschnittsweise arbeiten (Nord, West, Ost, Süd)

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