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Inhaltsverzeichnis

Was ist Fernwärme

Bild: Gestapelte Fernwärmeleitungen / Baustelle
Fernwärmeleitungen vor der Verlegung | © Cvoelker / wikimedia.org CC-BY 4.0

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass es sich bei Fernwärme um zentral erzeugte Wärme handelt, die in Form von Heizwasser über ein gut isoliertes Leitungsnetz und Wäremeüberträger an Haushalte und sonstige Abnehmer in der Nähe geliefert wird. Mit dieser Wärme können die angeschlossenen Gebäude dann beheizt werden.

Gewonnen wird die Fernwärme in Kraftwerken jeglicher Art: Hauptsächlich handelt es sich dabei um Kohle- oder Gasheizkraftwerke bzw. Blockheiz-kraftwerke (BHKW). Letztere Technologie ist auch als Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bekannt. Hier fällt die Wärme quasi als „Abfallprodukt" der ohnehin stattfindenden Stromproduktion an und wird in Form von Fernwärme nutzbar gemacht.

Grundsätzlich ist die Arbeitsweise der KWK viel effizienter als eine separate Wärme- und Stromerzeugung und gilt daher als sehr umweltfreundlich. Weitere Energiequellen für Fernwärme sind die Müllverbrennung oder Abwärme aus Industrieprozessen. Aber auch erneuerbare Energiequellen wie Biomasse, Geothermie, Solarthermie oder Umgebungswärme (Großwärmepumpen) kommen immer häufiger zum Einsatz. Ihre Nutzung gilt ebenfalls als sehr nachhaltig und umweltfreundlich, da beim Produktionsprozeß kaum CO2 anfällt.

Bild: Energieheld Tipp

Fernwärme wird z. B. mit Kraft-Wärme-Kopplung zentral erzeugt und über ein Leitungsnetz an Verbraucher im Umkreis geliefert. Sie gilt als umweltfreundlich, braucht im Haus keinen Platz und ist einfach zu bedienen. Allerdings sind die Lieferverträge langfristig und andere Heizungen sind im Betrieb günstiger.

Wo gibt es überhaupt Fernwärme?

Fernwärme gibt es immer in der Nähe von Kraftwerken, die sie produzieren. Denn die Wärme muss über ein Leitungsnetz an die Empfänger geliefert werden. Bei diesem Vorgang kommt es zu Wärmeverlusten, die mit der Länge des Lieferweges zunehmen, sodass eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Arbeitsweise nur möglich ist, wenn sich genug Abnehmer im Umkreis befinden. Daher ist Fernwärme eigentlich nur in dicht besiedelten Ballungsräumen wie Städten oder Industriegebieten erhältlich.

Damit Fernwärmeerzeuger möglichst effizient und damit umweltfreundlich arbeiten können, kommt es sogar vor, dass anliegende Gemeinden einen Anschlusszwang verhängen, dem sämtliche Anwohner unterliegen. Dass heißt, dass sie keine Wahl haben, ob sie an das Fernwärmenetz angeschlossen werden wollen oder nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fernwärme klimafreundlich produziert wird. In Deutschland gibt es ca. 1.400 Fernwärmenetze an die ca. 14 Prozent der Haushalte angeschlossen sind.

Funktionsweise der Fernwärmeversorgung

Bild: Unterirdisch verlegte Fernwärmerohre in Wartungstunnel
Fernwärmeleitung mit Wartungstunnel | © 1971markus / wikimedia.org CC-BY-SA 3.0

Für den Verbraucher hat der Anschluss an das Fernwärmenetz sowohl Vorteile als auch Nachteile. Diese gilt es gegeneinander abzuwägen. Zu den größten Vorteilen gehört, dass man vor Ort nur einen Wärmeüberträger benötigt und dieser kaum Platz braucht.

Man muss auch keinen Brennstoff vorrätig halten (Pellets, Öl) und für dessen Erwerb nicht finanziell in Vorlage gehen. Außerdem ist die Bedienung sehr komfortabel. Zudem gilt Fernwärme als umwelt-freundliche Technologie und wird deshalb von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

Nachteilig ist, dass Fernwärme im Betrieb teurer ist, als andere Heizungen (Ausnahme: Elektroheizung!). Zwar spart man eventuell bei der Anschaffung Geld und man braucht auch keine Wartung oder Reparaturen einplanen. Aber da die Erzeuger meist Monopolisten sind und ihre Preise relativ frei gestalten können, zahlt man auf ein Jahr betrachtet mehr für den Betrieb und die Netzbereitstellung, als für alle anderen Heizungen mit Ausnahme der Elektroheizung.

Dazu kommen lange Vertragslaufzeiten, die einen kurzfristigen Wechsel auf ein anderes Heizungssystem verhindern. Außerdem hat man keinen Anspruch auf eine Anpassung der vertraglich festgelegten Anschlussleistung, falls der Wärmebedarf sinkt. Ein weiteres Problem sind die hohen Wärmeverluste beim Transport, die die Effizienz der Technologie negativ beeinflussen. In der Tabelle unten können Sie eine Übersicht über sämtliche Vorteile und Nachteile finden.

Vorteile der Fernwärmeversorgung Nachteile der Fernwärmeversorgung
Platzersparnis Lange Vertragslaufzeiten, vorzeitiger Ausstieg schwierig bis unmöglich
Keine Anschaffungskosten für Heizkessel Hohe Wärmeverluste beim Transport / schlechte Effizienz beim Transport
Komfortable Bedienung Anbieter meist Monopolisten, fehlender Konkurrenzkampf begünstigt Preisdiktat des Anbieters
Vollautomatischer Betrieb Betriebskosten höher als bei normalen Heizungen
Keine Wartungskosten Keine Anpassung der Anschlussleistung / des Grundpreises z. B. bei sinkendem Wärmebedarf
Kein Schornsteinfeger  
Umweltfreundliche Wärmeerzeugung (Nur KWK / erneuerbare Energiequellen / Nutzung von Abwärme), gute CO2 - Bilanz  
Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)  

Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Bild: Rechnung, Euroscheine
Fernwärme hat hohe laufende Kosten | © stux / pixabay.com CC0

Der Preis für Fernwärme setzt sich aus mehreren Posten zusammen: Den Anschlussgebühren und den laufenden Kosten. Dabei können die Kosten sowohl für den Anschluss als auch für den laufenden Betrieb regional stark schwanken.

Das liegt daran, dass die Erzeuger meist eine Monopolstellung haben und berechtigt sind, ihre Preise frei zu gestalten. Wie hoch die Kosten für Sie sind, können Sie letztlich nur über den örtlichen Anbieter herausfinden.

Anschlussgebühren

Die Anschlussgebühren werden fällig, wenn das Gebäude bis dato noch nicht an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Beim Anschluss an das Netz wird ein Wärmeüberträger mit Zubehör installiert. Dieser kostet durchschnittlich ca. 6.000 Euro, was billiger ist als die Anschaffung der meisten Heizungen. Dazu kommt, dass Sie für den Fernwärmeanschluss eine Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bekommen können. Dieser Zuschuss (KfW 430) beträgt {{kfw_430_heizung_prozent}} Prozent der Kosten, höchstens aber 7.500 Euro.

Bauteil Kosten in €
Fernwärme-Anschluss inkl. Wärmeüberträger + Zubehör ca. 6.000 €
Abzügl. Förderung KfW (15 %) ca. 900 €
   
Gesamtkosten ca. 5.100 €

Laufende Kosten mit Fernwärme

Die laufenden Kosten teilen sich in Grundpreis und Arbeitspreis auf. Der Grundpreis beinhaltet die Bereitstellung von Kraftwerk und Netz inklusive Personalkosten und Wartung. Seine Höhe ist aber auch abhängig von der Anschlussleistung (20 bis 30 Euro pro Kilowatt angeschlossener Leistung bei ca. 15 Kilowatt Anschlussleistung). Er macht in der Regel ca. 20 bis 25 Prozent der laufenden Kosten, also ca. 300 bis 450 Euro pro Jahr aus.

Der Arbeitspreis enthält die Kosten für den tatsächlichen Verbrauch. Er liegt gewöhnlich bei 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde, kann aber auch deutlich nach oben und unten abweichen. Der Durchschnitt liegt bundesweit bei ca. 8 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bei angenommenen 28.000 Kilowattstunden Jahreswärmebedarf kommen so ca. 2.500 Euro zusammen. In Summe mit dem Grundpreis müsste man also jährlich mit laufenden Kosten von mit 2.550 bis 2.700 Euro rechnen. Die Kosten für Wartung und Schornsteinfeger. entfallen, da es vor Ort keinen Heizkessel und somit auch keinen Schornstein gibt.

Jährl. Kosten Grundpreis Jährl. Kosten Arbeitspreis Jährl. Betriebs-Kosten gesamt
300 - 450 € ca. 2.250 € 2.550 - 2.700 €

Wirtschaftlichkeit im Vergleich

Bild: Münzstapel, zarte Pflänzchen die gedeihen
Gut für das Klima, teuer für den Kunden - Fernwärme | © Nattanan23 / pixabay.com CC0

Bevor man sich einen Fernwärmeanschluss legen lässt, sollte man die Kosten eines Fernwärmeanschlusses mit den Kosten anderer Heizungen vergleichen. So bekommt man einen Überblick über die zu erwartende Wirtschaftlichkeit der Fernwärme.

Auf keinen Fall sollte man sich von den niedrigen Anschaffungskosten eines Fernwärmeanschlusses voreilig dazu verleiten lassen, einen solchen legen zu lassen. Letztlich sind es vor allem die laufenden Kosten die mittel- bis langfristig darüber entscheiden, ob ein Heizungssystem wirtschaftlich ist oder nicht. Einen Überblick können Sie in der untenstehenden Tabelle bekommen.

Heizung Jahr 1 Jahr 5 Jahr 10 Jahr 15 Jahr 20 Jahr 25 Jahr 30
Ölheizung Brennwert 10.900 € 25.100 € 45.400 € 68.900 € 96.100 € 127.700 € 164.300 €
Gasheizung Brennwert (mit Anschluss) 11.700 € 25.400 € 45.100 € 67.800 € 94.200 € 124.800 € 160.200 €
Pelletheizung 19.700 € 33.600 € 53.400 € 76.400 € 103.000 € 133.900 € 169.700 €
Hackschnitzelheizung 21.100 € 32.000 € 47.800 € 66.000 € 87.100 € 111.500 € 139.900 €
Holzvergaser 10.500 € 21.500 € 37.200 € 55.300 € 76.300 € 100.700 € 129.000 €
Luft-Wasser-Wärmepumpe 16.800 € 30.100 € 49.000 € 71.000 € 96.500 € 126.000 € 160.200 €
Sole-Wasser-Wärmepumpe 23.700 € 35.400 € 52.000 € 71.300 € 93.700 € 119.700 € 149.800 €
Wasser-Wasser-Wärmepumpe 28.700 € 40.400 € 57.000 € 76.300 € 98.700 € 124.700 € 154.800 €
Luft-Luft-Wärmepumpe 18.800 € 34.900 € 58.000 € 84.800 € 115.800 € 151.800 € 193.500 €
Infrarotheizung 12.900 € 42.600 € 85.000 € 134.200 € 191.200 € 257.300 € 334.000 €
Fernwärme 9.100 € 27.900 € 54.600 € 85.600 € 121.500 € 163.200 € 211.500 €

Wie man deutlich sehen kann, ist Fernwärme mittel- bis langfristig eine der teuersten Arten zu heizen. Dabei sind weitere Preiserhöhungen einiger Anbieter zumindest nicht auszuschließen, da Verträge über Fernwärme meist sehr langfristigt abgeschlossen sind (falls kein Anschlusszwang vorliegt). Dadurch haben die jeweiligen Anbieter quasi eine Monopolstellung, von der zwar nicht alle, aber dennoch viele ungeniert Gebrauch machen.

Will man solchen Geschäftspraktiken aus dem Weg gehen, sollte man sich schon im Vorfeld eines Hauskaufs bzw. eines Neubaus Informationen beschaffen, die Klarheit darüber bringen, ob z. B. ein Anschlusszwang herrscht. Grundsätzlich sollte man sehr genau hinschauen und kalkulieren, in wie weit Förderungen und Grundpreise sowie Arbeitspreise langfristig mit den üblichen Heizungen konkurrieren können oder ggf. sogar billiger sind.

Umstieg von oder zu Fernwärme

Bild: Wandhängender Heizkörper
Können weiter genutzt werden - die alten Heizkörper | © ri / 3 / pixabay.com CC0

Der Umstieg von einer Heizung auf Fernwärme funktioniert gewöhnlich relativ einfach: Anschluss beim Anbieter bestellen, alter Heizkessel raus, Fernwärme-Anschluss verlegt, Wärmeüberträger installiert - fertig.

Andersherum gestaltet sich der Wechsel sehr viel komplizierter, obwohl er technisch genauso einfach realisierbar wäre. Manchmal ist er auch gar nicht möglich. Warum das so ist, können Sie in den folgenden Kapiteln erfahren.

Heizung gegen Fernwärme tauschen

Der Umstieg von einer Heizung auf Fernwärme will gut überlegt sein, ist aber prinzipiell einfach umzusetzen. Man schließt einen Vertrag mit dem Anbieter. Danach wird der Anschluss gelegt, der Wärmeüberträger installiert und der alte Kessel demontiert und entsorgt.

Die alten Heizkörper und Leitungen können auch weiterhin genutzt werden. Danach kann mit Fernwärme geheizt werden und man kann sich überlegen, wie man den durch die Entfernung des Heizkessels frei gewordenen Platz zukünftig nutzt.

Fernwärme gegen Heizung tauschen

Der Tausch von Fernwärme zu einer eigenen Heizung ist dagegen recht kompliziert. Das liegt vor allem an den langen Vertragslaufzeiten und dem Umstand, dass man deshalb nicht kurzfristig von Fernwärme auf ein anderes Heizungssystem umsteigen kann. Man ist also langfristig der Preispolitik eines Monopolisten ausgesetzt.

Außerdem lässt sich die vertraglich festgelegte Anschlussleistung nicht nachträglich nach unten korrigieren, wenn man z. B. zwischenzeitlich sein Haus gedämmt hat. Diese Umstände sollte man also gründlich überdenken, bevor man sich für einen Fernwärmeanschluss entscheidet. Endet der Vertrag, steht dem Wechsel allerdings nichts entgegen.

Anders sieht es bei einem Anschlusszwang aus: Dieser legt fest, dass z. B. in Neubaugebieten sämtliche Haushalte an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen werden müssen. Das soll die Wirtschaftlichkeit der Produtkion garantieren. Wenn ein solcher Anschlusszwang herrscht, gibt es folglich keine Möglichkeit auf eine andere Heizung umzusteigen. Voraussetzung für die Verhängung eines Anschlusszwanges ist allerdings ein nachweisbarer Nutzen für den Umwelt- und Klimaschutz.

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